Andreas Riedmann
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Elektroauto: Was man wissen muss [Ratgeber]

Förderungen, Lademöglichkeiten, Marktübersicht: Wissenswertes rund ums Thema Elektroauto haben wir hier für euch zusammengefasst.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 02.06.2022

Elektroautos nehmen auch in Österreich immer mehr an Fahrt auf. Was man über die Stromer wissen sollte, erfahrt ihr hier.

Was ist ein Elektroauto?

Kurz zusammengefasst: Ein Elektroauto ist ein Auto, das von (mindestens) einem Elektromotor angetrieben wird.

Welche Arten von Elektroautos gibt es?

Häufig sind mit dem Begriff „Elektroautos“ primär batterieelektrische Autos gemeint, bei denen der vom E-Motor benötigte Strom von wiederaufladbaren, ins Fahrzeug integrierten Batterien gespeichert wird.

Es gibt aber noch weitere Arten von Elektroautos:

  • Bei Brennstoffzellenautos („Wasserstoffautos“) erzeugt eine Brennstoffzelle aus Wasserstoff Strom, der zum Antrieb des Elektromotors genutzt wird, der die Räder antreibt.
  • (Plug-in-)Hybride haben zusätzlich zum Elektro- auch einen Verbrennungsmotor. Je nach Variante wird dabei entweder nur der Verbrennungsmotor oder auch der E-Motor für den Antrieb der Räder genutzt.
Elektroauto: Was man wissen muss [Ratgeber]
© Bild: Andreas Riedmann
Wasserstoff, voll, bitte! Geht genauso einfach wie Erdgas-Tanken, nur viel seltener. Stinkt auch überhaupt nicht und macht keine schmutzigen Finger.

Wie fährt sich ein Elektroauto?

Das Fahrgefühl ist deutlich anders als in einem Verbrenner. Zum Beispiel ist der Elektromotor leise, weshalb E-Autos bei einer Geschwindigkeit bis zu 20 km/h auch verpflichtend zusätzliche Geräusche erzeugen müssen, um Passanten auf sich aufmerksam zu machen (Acoustic Vehicle Alerting System). Außerdem steht in einem Elektroauto sofort das volle Drehmoment zur Verfügung, weshalb auch kleine Stromer großen Fahrspaß durch die rasante Beschleunigung bieten können.

Aber auch Bedenken bezüglich der Reichweite gehören zu den häufigen Beifahrern in einem Elektroauto – denn während Benzin oder Diesel (fast) überall verfügbar und schnell nachgetankt sind, muss man mit einem Stromer erst einmal eine Ladestation finden und braucht dann auch noch Zeit, bis der Akku nachgeladen ist.

Elektroautos in Österreich

In Österreich sind aktuell (Stand: 30. April 2022) 85.847 rein elektrisch betriebene Pkw zugelassen, das entspricht 1,7 Prozent des Gesamtbestandes. Zum Vergleich: Am 31.12.2020 waren es gerade einmal 44.507 Elektroautos, das entsprach damals einem Anteil von 0,9 Prozent.

9.015 Elektro-Pkw wurden von Jänner bis April 2022 neu zugelassen. Die Top 5 bei den vollelektischen Neuzulassungen waren dabei das Tesla Model Y, der Cupra Born, der Skoda Enyaq, der Audi Q4 und der BMW i3 (Quelle: Statistik Austria).

Eine Übersicht aller aktuell in Österreich erhältlichen Elektroautos – inklusive Preisen, technischen Daten und Testberichten – findet ihr hier.

Teslas Model Y führte die Elektroauto-Neuzulassungen in Österreich von Jänner bis April 2022 an.
© Bild: Vesa Eskola
Teslas Model Y führte die Elektroauto-Neuzulassungen in Österreich von Jänner bis April 2022 an.

Was sollte man beim Kauf eines Elektroautos beachten?

Neben den Kriterien, die beim Autokauf immer eine Rolle spielen – von der Leistung über die Ausstattung und Größe bis hin zur Optik -, gilt es bei der Auswahl eines Elektroautos einige spezielle Punkte zu beachten.

Reichweite

Die Reichweite spielt für die Alltagstauglichkeit eines Elektroautos eine entscheidende Rolle – sie besagt, wie weit man mit Akkuladung ohne Zwischenstopp an einer Ladestation kommen kann. In vielen Fällen ist die Reichweite sogar das ausschlaggebende Kriterium, ob man sich für ein Elektroauto entscheidet oder doch einen Hybriden oder Verbrenner wählt, denn immerhin möchte man seine täglichen Wege ohne ängstliche Blicke auf die Reichweitenanzeige zurücklegen können.

Die Reichweite wird von vielen Faktoren wie der Batteriegröße und dem Fahrstil, aber auch der Temperatur, den Fahrbahnbedingungen etc. beeinflusst. Einen Richtwert geben die Hersteller selbst an, für tatsächliche Werte unter alltäglichen Bedingungen sind die Tests von Autofahrerklubs wie ÖAMTC und ADAC oder auch Fachmagazinen aussagekräftiger.

WLTP vs. NEFZ

Die Emissionen und der Verbrauch (und damit auch die Reichweite) eines neuen Fahrzeugs werden seit 2017/2018 nur mehr nach dem Prüfverfahren WLTP ermittelt. WLTP steht für Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure und bezeichnet ein weltweit einheitliches Testverfahren, das den Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) abgelöst hat.

Mit dem Prüfverfahren WLTP wurden unter anderem neue Richtlinien für Beschleunigung und Geschwindigkeit im Rahmen der Messungen eingeführt, die Testbedingungen sind praxisnäher gestaltet. Auch optionale Sonderausstattungen, die einen Einfluss auf Gewicht und Aerodynamik des Fahrzeugs haben, werden dabei berücksichtigt. So sollen deutlich realistischere Ergebnisse zustande kommen als mit dem NEFZ – das heißt, der Verbrauch und die Emissionen fallen bei WLTP höher aus als mit dem alten Testverfahren.

Verbrauch

Der Verbrauch ist bei jedem Auto ein wichtiges Kaufkriterium. Bei Verbrennern wird dieser bekanntermaßen in Litern (Benzin oder Diesel) angegeben, bei Elektroautos in kWh. Der vom Hersteller angegebene Verbrauch ist dabei als Richtwert zu verstehen, der auf Basis des oben beschriebenen Prüfverfahrens WLTP ermittelt wurde. In der Praxis wird der Verbrauch aber – wie bei Verbrennern auch – stark von vielen Faktoren wie der Geschwindigkeit und der Fahrweise beeinflusst.

Rekuperation

Elektroautos verfügen über eine ganz besondere Fähigkeit: Beim Abbremsen des Fahrzeugs wird Energie zurückgewonnen. Dieser Vorgang wird als Rekuperation bezeichnet. Nicht nur E-Fahrzeuge, sondern auch Hybride können rekuperieren – auf den Elektromotor kommt es dabei an.

Elektroauto: Was man wissen muss [Ratgeber]
© Bild: Andreas Riedmann
Schalthebel ohne Gänge im Mitsubishi Outlander PHEV, dafür kann man zwischen sechs Rekuperationsstufen wählen. 

Die Rekuperation ermöglicht das „One-Pedal-Driving“ bei Fahrzeugen wie dem aktuellen Nissan Leaf. Dabei entsteht schon eine gewisse Bremsleistung, wenn man bloß vom Gaspedal geht (und nicht erst, wenn man das Bremspedal betätigt). So ist es die meiste Zeit möglich, nur mit einem Pedal zu fahren – die Bremse braucht man nur mehr selten.

Elektroauto gebraucht kaufen

Mit der Zahl der neu zugelassenen Elektroautos steigt auch die Zahl der Stromer am Gebrauchtwagenmarkt. Wer sich für ein E-Auto mit Vorbesitzer:innen interessiert, sollte bei der Auswahl einige Punkte besonders beachten.

Welche Kriterien beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos besonders wichtig sind, erfahrt ihr hier.

Welche Förderungen gibt es in Österreich?

Auch 2022 gibt es in Österreich Förderungen für den Kauf von Fahrzeugen mit Elektro-, Brennstoffzellen- sowie Plug-In-Hybrid-Antrieben. Die Anschaffung einer Ladestation wird ebenfalls weiterhin finanziell unterstützt.

Unter anderem wird der Kauf eines E-Autos von Privatpersonen wie gehabt mit 5.000 Euro gefördert, davon kommen 2.000 Euro von den Automobilimporteuren und 3.000 Euro vom Bund. Wallboxen werden mit 600 Euro gefördert.

Detailinformationen zur Förderung von Elektroautos, Ladeinfrastruktur & Co in Österreich findet ihr hier.

Wie kann man ein Elektroauto aufladen?

Klar ist: Irgendwann muss auch das E-Auto mit der höchsten Reichweite wieder aufgeladen werden. Das können die Besitzer:innen entweder unterwegs oder zuhause erledigen.

Wallbox für zuhause

Wer ein Elektroauto zuhause rasch und sicher laden möchte, benötigt eine Wallbox – normale Steckdosen sind dafür auf Dauer nicht geeignet. Am gängigsten für den Einsatz in der eigenen Garage sind Wallboxen mit einer Ladeleistung von 11 kW. Es gibt auch Wallboxen mit 22 kW, die mit einer kürzeren Ladedauer punkten.

Wer zuhause eine Wallbox installieren möchte, muss mehrere Dinge beachten – von der Auswahl des konkreten Produkts bis zur tatsächlichen Installation und Inbetriebnahme.

Was man unbedingt wissen sollte, wenn man sich eine Wallbox zulegen möchte, haben wir in diesem Artikel für euch zusammengefasst – hier findet ihr auch die Ergebnisse aktueller Wallbox-Tests.

Laden unterwegs

Auch, wenn man primär zuhause lädt: Manchmal ist es unvermeidbar, das Elektroauto auch unterwegs zu „füttern“. Das öffentliche Ladenetz ist – im Vergleich zu vor ein paar Jahren – schon deutlich besser ausgebaut, so finden sich aktuell (Stand: Mai 2022) beispielsweise an 31 Raststationen der ASFINAG E-Ladestationen, insgesamt gibt es in Österreich rund 12.300 öffentliche Ladepunkte (Quelle: BEÖ). Trotzdem sollte man sich bei der Planung einer längeren Fahrt im Vorfeld überlegen, welche Ladestopps man wo einlegen könnte, um die Verzögerungen möglichst kurz und die Kosten möglichst gering zu halten.

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© Bild: Andreas Riedmann

Die Ladestationen haben verschiedene Betreiber, zudem gibt es diverse Serviceanbieter. Diese arbeiten europaweit in unterschiedlichsten Konstellationen zusammen. Um eine Ladestation nutzen zu können braucht man eine entsprechende Ladekarte oder App, alternativ ist meist auch die Registrierung per Smartphone direkt an der Ladesäule und die Bezahlung per Kreditkarte möglich.

Die Preise und Abrechnungsmodalitäten können sich bei verschiedenen Anbietern gravierend unterscheiden, weshalb man sich auch hier Zeit für den Vergleich nehmen sollte. Die Wahl des optimalen Anbieters hängt in erster Linie vom eigenen Wohnort und dem Nutzungsprofil ab. 

Wie umweltfreundlich sind Elektroautos?

Die Umweltfreundlichkeit von Elektroautos wird viel – und mitunter auch sehr hitzig – diskutiert. Fest steht, dass ein reines E-Auto zwar lokal emissionsfrei fährt – bis es überhaupt auf die Straße kommt, hat es aber schon einen „Rucksack“ an CO2-Emissionen angesammelt, die etwa bei der Produktion entstehen.

Insbesondere für die Herstellung der Batterien wird sehr viel Energie benötigt. Wertvolle Rohstoffe wie Lithium und Kobalt sind dafür ebenfalls notwendig. Recycling ist ein großes Thema, und natürlich auch die Frage, woher der Strom zum „Betanken“ des E-Autos kommt, spielt bei der Frage nach der Umweltfreundlichkeit eine wichtige Rolle. Aufgrund der vielen Parameter, die hier zusammenspielen, kann diese also nicht endgültig beantwortet werden.

Um zu untersuchen, wie umweltfreundlich Elektroautos wirklich sind, werden immer wieder neue Studien durchgeführt. Im Jahr 2021 hat sich etwa das Umweltbundesamt mit der Ökobilanz von Personenkraftwagen auseinandergesetzt und ist zu dem Schluss gekommen, dass E-Autos bis zu 79 % weniger CO2 als konventionelle Pkw verursachen (die komplette Studie ist hier abrufbar).

Der ÖAMTC wies darauf hin, dass die von einem Fahrzeug insgesamt verursachten Emissionen auch stark von dessen Masse abhängen: So verursache ein Schwergewicht wie der elektrische Ford Mustang Mach-E im Laufe eines Autolebens mehr CO2-Äquivalent als mancher Diesel der Kompaktklasse. Weitere Informationen dazu gibt’s direkt beim ÖAMTC unter diesem Link.

Aufschluss über die Umweltfreundlichkeit neuer Fahrzeuge kann der Green-NCAP-Test geben: Alle seit 2019 untersuchten Autos wurden rückwirkend auch einer Lebenszyklusanalyse unterzogen, bei der auch die im Rahmen der Produktion anfallenden Emissionen und der Strommix berücksichtigt werden. Weitere Details und alle Ergebnisse findet ihr auf der Website von Green NCAP unter diesem Link.

Wertverlust, Akku-Lebensdauer und mehr – die Antworten auf häufige Fragen zum Thema Elektroautos findet ihr hier auf einen Blick.