Checkliste für den Gebrauchtwagenkauf: Worauf man unbedingt achten muss

Diese 11 Punkte müsst ihr bei der Probefahrt beachten: Wir haben eine Checkliste für die Begutachtung vor dem Gebrauchtwagenkauf für euch erstellt.

09.08.2015 Online Redaktion

Schon bevor ihr zur Begutachtung und Probefahrt ausrückt, solltet ihr euch über das Fahrzeugmodell informieren: Was sind die typischen Schwachstellen, welche Service-Intervalle sind zu beachten (z.B. Zahnriemen-Wechsel)? In ersterer Frage ist der deutsche Dekra-Gebrauchtwagen-Report hilfreich, letztere beantworten der Hersteller (Händler, Importeur) oder diverse Internet-Foren. Generell gilt: Wer einen Gebrauchtwagen kaufen möchte, ist vor der endgültigen Kaufentscheidung mit einem Ankaufstest bei einem Autofahrerclub wie ARBÖ oder ÖAMTC gut beraten, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

To-Do-Liste für die Probefahrt vor dem Gebrauchtwagenkauf

Schon bei der ersten Kontaktaufnahme mit dem Verkäufer kann man klären, ob das Auto servicegepflegt ist, Reparaturen anstehen oder ob es sich um ein Unfallfahrzeug handelt. Das Gesamtbild erhält man dann bei der persönlichen Begutachtung inklusive Probefahrt. Dabei gilt es, folgende Punkte zu beachten:

1 – Gründlicher Rost-Check und Begutachtung des Lacks

Checkt die Karosserie! Gibt es Roststellen oder Kratzer und Macken, die zu Roststellen werden könnten? Typische Roststellen sind an den Radläufen, Türkanten, beim Tankdeckel und bei Zierleisten oder anderen Anbauteilen. Untersucht den Lack im Tageslicht auch auf Unebenheiten oder Farbunterschiede, diese können ein Hinweis auf Schäden in der Werft auch einen Blick unter das Auto (Taschenlampe und Unterlage mitnehmen!): Ist der Unterboden sauber und ohne Durchrostungen? Gibt es Ölspuren?

© Bild: CC0/Hans

Eine gründliche Begutachtung des Lacks steht vor Beginn der Probefahrt an.

2 – Reifenprofiltiefe messen

Mit einem Profiltiefenmesser (oder diesem Trick) solltet ihr bei der Begutachtung des Gebrauchtwagens die Profiltiefe der Reifen überprüfen. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm bei Sommer- und 4 mm bei Winterreifen. Sind die Reifen bereits stark abgenutzt, steht schleunigst ein Wechsel an, was ihr in der Preiskalkulation berücksichtigen müsst. Zudem solltet ihr prüfen, ob die Reifen gleichmäßig abgefahren sind: Unregelmäßige Abnutzungen können auf Probleme wie einen falschen Reifendruck oder eine verstellte Spur hinweisen.

© Bild: CC0/manfredrichter

Beim Gebrauchtwagen-Check nicht auf die Reifen vergessen!

3 – Scheiben begutachten

Seht euch die Scheiben gut an. Auch kleine Schäden, beispielsweise von den gefürchteten Steinschlägen, können sich innerhalb kürzester Zeit zu einem großen Problem auswachsen.

© Bild: CC0/tookapic

Die Scheiben wollen auf Schäden geprüft werden.

4 – Lichter-Check

Überprüft unbedingt die Funktion aller Lichter, also: Scheinwerfer, Blinker, Bremslichter, Nebelscheinwerfer und -schlussleuchten, Rückleuchten. Untersucht auch die Abdeckungen auf Risse, Sprünge, Steinschlag etc. Achtung: Sind die Scheinwerfer-Scheiben innen beschlagen, kann das auf einen Mangel hinweisen.

© Bild: CC0/AutoPhotography

Sind alle Lichter des Gebrauchtwagens intakt?

5 – Blick in den Innenraum

Sind die Sitzbezüge und Oberflächen gut in Schuss? Weist das Armaturenbrett Schäden, Risse o.ä. auf? Lassen sich die Sitze problemlos verstellen bzw. umklappen (Rückbank)? Die Sicherheitsgurte müssen sich flüssig einrollen lassen und bei starkem Zug blockieren. Überprüft auch, ob die Fensterheber, die Scheibenwischer, die Hupe und alle Lampen rundum funktionieren und ob sich die Spiegel wie vorhergesehen einstellen lassen. Gebläse, Heizung und ggf. Klimaanlage sollten ebenfalls ausprobiert werden. Achtet auch auf eventuelle unangenehme Gerüche. Alle Gummidichtungen (Fenster, Kofferraum, Türen, evtl. Schiebedach) sollten intakt und nicht porös sein.

© Bild: CC0 / AutoPhotography

Bei der Begutachtung des Innenraums lohnt es sich, auf Details zu achten.

6 – Abgleich des Kilometerstandes

Stimmt der Kilometerstand am Tacho mit den Angaben des Verkäufers sowie in Dokumenten wie dem Serviceheft überein? Und passt dieser Kilometerstand auch zum Zustand des Autos? Ein Beispiel: Sind die Pedale und der Schaltgriff bereits deutlich abgenutzt und der Fahrersitz durchgesessen, obwohl das Auto angeblich erst 80.000 Kilometer gefahren ist, weist das auf eine versuchte Täuschung hin.

Logik-Lücken beim Abgleich des Kilometerstandes? Ein No-Go.

7 – Blick in den Motorraum

Ist Rost zu entdecken (auch auf Seitenwände achten)? Ist Öl- oder Flüssigkeitsverlust erkennbar? Sind die Gummimanschetten in Ordnung? Öl-, Bremsflüssigkeit- und Kühlwasserstand sollten überprüft werden, Abweichungen können auf Defekte hinweisen.

© Bild: CC0/emkanicepic

Schon ein Blick in den Motorraum kann Schwachstellen aufzeigen.

8 – Motor starten

Beim Starten des Motors darauf achten, ob er problemlos anspringt, flüssig läuft und ob er außergewöhnliche Geräusche von sich gibt.

© Bild: CC0/PublicdomainPictures

Der Motor muss sich nicht nur problemlos starten lassen, sondern auch ebenso laufen.

Tipp: Nehmt eine zweite Person mit zum Gebrauchtwagen-Check und lasst diese bei der Probefahrt ebenfalls hinter das Steuer! Vier Augen sehen mehr als zwei, auch etwaige Anomalien beim Fahrverhalten können gemeinsam leichter entdeckt und analysiert werden.

9 – Fahrverhalten überprüfen

Erst jetzt beginnt die eigentliche Probefahrt. Achtet darauf, ob der Motor rund läuft und Gas „annimmt“. Lässt sich das Getriebe flüssig und lautlos schalten? Wie gut reagiert die Lenkung? Fährt das Auto auf einer ebenen, geraden Fahrbahn exakt geradeaus oder sind Abweichungen in eine Richtung zu erkennen? Vibrieren Fahrzeug und/oder Lenkrad bei höheren Geschwindigkeiten? Bei langsamer Fahrt das Fenster öffnen und die Ohren spitzen: Sind ungewöhnliche Geräusche von Motor, Auspuff etc. zu hören?

© Bild: CC0/SkitterPhoto

Wenn’s an die eigentliche Probefahrt geht, sollten einige Tests durchgeführt werden.

10 – Bremstest

In einem sicheren Umfeld (z.B. auf einem Parkplatz) solltet ihr auch die Bremsen testen: Lasst während des Bremsens einmal das Lenkrad los: Biegt der Wagen in eine Richtung, müssen die Bremsen neu eingestellt werden. Zieht auch bei Schrittgeschwindigkeit (!) die Handbremse an: Zieht sie gleichmäßig und standfest?

© Bild: CC0/MikesPhotos

Nehmt euch die Zeit für ein paar Tests der Bremsen.

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11 – Persönliches Fazit

Schlussendlich ist eine Probefahrt natürlich auch das einzige Mittel, um festzustellen, ob einem ein Modell liegt oder nicht: Wie sind Sitzposition und Übersichtlichkeit? Gefällt euch die Farbe? Sind Platzangebot und Leistung angemessen und ausreichend? Entspricht das Fahrverhalten euren Vorstellungen? Auch, wenn rein objektiv keine Mängel ersichtlich sind: Wenn euch während der Probefahrt Zweifel kommen, ob das Auto wirklich das richtige für euch ist, solltet ihr vor dem Kauf noch weitere Modelle testen.

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