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Der Tacho eines Autos mit dem Kilometerstand.

Wie aussagekräftig ist der Kilometerstand?

Der Kilometerstand ist ein Hauptmerkmal beim Gebrauchtwagenkauf. Aber was sagt er aus, was muss beachtet werden, und was ist viel?

Online Redaktion
Veröffentlicht am 20.09.2021

Der Kilometerstand beim Auto: Was ist (zu) viel und wie viele Kilometer pro Jahr werden durchschnittlich gefahren? Klar ist: Die gefahrenen Kilometer beeinflussen natürlich den Verkaufspreis. Allerdings ist der Kilometerstand nur einer von mehreren Aspekten, die über den Wert eines Fahrzeuges entscheiden. Ebenso wichtig ist: Wie wurde mit dem Fahrzeug während dieser absolvierten Kilometer umgegangen? Und wurde es regelmäßig gewartet?

Wie viele Kilometer im Jahr sind “zu viel”?

Durchschnittlich wird jeder PKW in Österreich etwa 13.000 km pro Jahr gefahren. Kleinwägen und Stadtflitzer meist weniger weit, langstreckentaugliche Fahrzeuge (Mittelklasse und aufwärts) meist mehr. Überdurchschnittliche Kilometerleistungen pro Jahr führen grundsätzlich auch zu einem ebenso überdurchschnittlichen Wertverlust des PKW. Deshalb muss bei der Wertermittlung z.B. durch den Eurotax-Rechner (hier kostenlos für AK-Mitglieder) neben dem Automodell auch die Erstzulassung sowie der KM-Stand angegeben werden.

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  • Thier, Julian (Autor)

Kilometerstand oder Alter: Was ist wichtiger?

Der DEKRA e.V. (Deutscher Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein) kommt hier zu einem klaren Schluss: Der Verschleiß durch Gebrauch (und somit die KM-Leistung) ist wesentlich höher einzuschätzen als die Wertminderung durch das Alter. Die Begründung: Viele schwere Mängel und Abnützungserscheinung entstehen vorwiegend beim Fahren – und nicht alleine durch das Alter eines Autos.

Was ist außer dem Kilometerstand wichtig?

Der Wertverlust eines Fahrzeuges lässt sich mathematisch nie ganz exakt berechnen. Deshalb wird bei sogenannten Restwertrechnern entweder nach Alter+KM-Leistung bewertet – oder durch Schätzwerte, die aus den Daten von Gebrauchtfahrzeugbörsen gewonnen werden. Wertangaben zu rund 30.000 Fahrzeugen gibt beispielsweise das deutsche Marktforschungs­unternehmen Schwacke GmbH in Form der Schwacke-Liste heraus (vormals EurotaxSchwacke). Auch die “Deutsche Automobil Treuhand” (DAT) analysiert den Gebrauchtwagenmarkt bzw. die Verkaufspreise und gibt u.a. Restwertprognosen zu verschiedenen Automodellen ab.

Abseits des KM-Standes und der Restwertrechner zählen aber noch andere Aspekte, die den Wert eines Autos beeinflussen können.

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Wie und wo wurde mit dem Auto gefahren?

Besonders Dienstwägen kommen oft in jungen Jahren mit erschreckendem Kilometerstand auf den Gebrauchtwagenmarkt. 50.000 Kilometer und mehr pro Jahr sind dabei keine Seltenheit. Als Faustregel gilt: Wurden die Kilometer bei schonender Fahrweise auf der Autobahn abgespult, so ist der Verschleiß wesentlich geringer, als wenn die Strecke im strapaziösen Taxi-Stadtverkehr gefahren wurde. Aber auch bei Privat-PKW entscheidet der Fahrstil über den technischen Zustand: Häufiger Anhängerbetrieb strapaziert die Kupplung, schwere Beladung die Stoßdämpfer, und wer schon 200 Meter vor der Ampel auskuppelt oder wenig vorausschauend fährt, verbraucht die Bremsbeläge schneller. Faktoren, die freilich für den Käufer oft schwer nachvollziehbar sind.

Vorsicht beim Kauf eines Dienstwagens

Dienstwägen werden selten so geschont wie das eigene Auto, und auch wenn 200.000 Kilometer bei Tempo 100 auf der Autobahn gefahren wurden: Nicht nur der Verschleiß am und um den Fahrersitz ist deutlich. Nicht selten wird bei Dienstwägen deshalb der durchgesessene Fahrersitz ausgetauscht. Auf der Habenseite steht auf jeden Fall eine langstreckentaugliche Ausstattung (Tempomat, oft auch Navi) sowie genau eingehaltene Service-Intervalle. Bei Dienstwägen kann man also durchaus einen guten Deal finden.

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Kilometerstand nachweisen

In jedem Fall sollte der Kilometerstand eines Gebrauchtwagens nachweisbar sein. Backbone der Dokumentation ist ein lückenloses Serviceheft, auch Aufkleber im Auto und am Motorraum (Nächster Ölwechsel bei…, Zahnriemenwechsel bei… etc.) helfen. In Begutachtung ist eine Gesetzesnovelle, nach der der Kilometerstand eines Fahrzeugs bei der $57a-Begutachtung in eine Datenbank eingegeben werden muss – ein effektiver Schlag gegen Tacho-Betrüger.

Aufkleber zum Ölwechsel im Motorraum mit dem Kilometerstand bei der letzten Überprüfung.

Was kann noch kontrolliert werden?

Auch der optische Zustand des Fahrzeugs sollte zum Kilometerstand passen: Sind die Sitze durchgesessen? Das Lenkrad abgewetzt? Der Lack matt und zerkratzt? Besonders Softlack-Oberflächen rund um die Fensterheber sehen schnell verbraucht und alt aus.


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