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Kommentar zu Tesla Lkw und Roadster: Den Investoren davon eilen

Elon Musk hält die Geschwindigkeit hoch. Das muss er, er kann nicht anders, so ist seine Persönlichkeit. Aber es ist auch wirtschaftliche Notwendigkeit. Ein Kommentar.

21.11.2017 Online Redaktion

Elon Musk also wieder. Neben der Perma-Bühne Twitter bekam er diesmal wieder eine echte. Er präsentierte einen Sattelschlepper und einen Roadster. Das hat seine Gründe. Tesla muss wachsen, wenn die Marke überleben will. Dafür muss Musk entweder Autos bauen und verkaufen, oder immer wieder neue Projekte ankündigen, Anzahlungen und Investoren-Gelder einsammeln und zum nächsten Prestigeprojekt springen. Vielleicht gelingt ja irgendwann sogar beides parallel.

© Bild: DAVID MCNEW/AFP/Getty Images

Die Jagd nach dem Geld

Das alles lässt sich kritisieren. Tesla hinkt den eigenen Ansprüchen und Plänen weit hinterher und baut auch diesmal wieder kaum mehr als Luftschlösser. Es wird neben dieser völlig berechtigten Kritik aber schnell vergessen, was die Marke bisher geleistet hat. Sie treiben, auch und gerade wegen der Realitätsferne, die Entwicklung der alternativen Mobilität voran. Das zeigt auch die jüngste Präsentation.

Mit dem Roadster geht die Marke zurück zu ihren Wurzeln – vor einer gefühlten Ewigkeit in einer anderen Welt waren die einmal bei Lotus. Ohne Superlativ geht es nicht. Der neue Tesla Roadster wird angeblich die besten Beschleunigungswerte aller Serienautos haben. Soll heißen: 1,9 Sekunden bis Tempo 100 (Video weiter unten) und eine Höchstgeschwindigkeit von 402 Stundenkilometer.

Der eigentliche Grund für die Präsentation war aber der Sattelschlepper. Auch der soll elektrisch angetrieben werden und pro gefahrenem Kilometer rund 20 Prozent günstiger sein als ein Diesel-Lkw. Was vor allem daran liegt, dass er weitestgehend pannenfrei 1,6 Millionen Kilometer überstehen soll. Sagt Musk. Irgendwas muss er ja sagen.

Die Batterie, die keiner kennt

Denn Fakten gibt es nur wenige. Vier Motoren treiben den Lkw an, die Reichweite soll 800 Kilometer betragen, ein spezielles Ladesystem schießt innerhalb von 30 Minuten genug Strom für 640 Kilometer in die Batterie. Dieses Ladesystem soll idealerweise dort stehen, wo der Lkw be- und entladen wird.

Für den praxisorientierten Kunden hat keines dieser Fahrzeuge auch nur den geringsten Wert. Denn zu den Akkus gibt es keine Angaben. Auch für Tesla gilt, dass Sattelschlepper nur 40 Tonnen Maximalgewicht haben dürfen. Die Akkus dürften ein entsprechendes Handycap sein. Beim Wagen ist nicht mal klar, ob es klassischer Roadster oder ein Targa oder sonst was wird.

Tesla Roadster
© Bild: Tesla

Der Nutzwert für Tesla liegt darin, dass beide Produkte ab sofort bestellt werden können. Gegen eine Anzahlung. 5.000 Dollar für den Sattelschlepper, der dann 2019 kommt und 50.000 Dollar für den Roadster, der 2020 auf die Straße rollen soll. Musk muss das machen um an Geld zu kommen. Schon die Vorbestellungen für das Model 3 waren ein überraschend warmer Geldregen.

Beschleunigung des neuen Tesla Roadster

Pläne sind nichts Schlechtes

Wer auch immer genug Geld übrig hat um für ein Produkt, dessen technische Spezifikation und Endpreis nicht absehbar ist, tausende von Dollar hinzulegen, dem werden alle Bedenken egal sein. Zumal Musk liefern wird. Soweit lehnen wir uns an dieser Stelle aus dem Fenster. Vielleicht spät, vielleicht teurer, vielleicht weniger Stückzahlen… aber Musk wird liefern.

Weil er ein Träumer und Visionär ist. Und hier kommt der vielleicht größte Nutzen der Marke ins Spiel. Früher träumte man von fliegenden und atombetriebenen Autos, heute hagelt es auf Social Media schon Kritik, wenn mal die Produktion eines State-of-the-Art Elektroautos etwas hakt. Das mag kindisch klingen, aber Musk traut sich öffentlich von einer besseren Zukunft zu träumen und überhört all die moralinsauren Bedenkenträger. Das allein ist schon eine Leistung.

Musk verschwendet keine Zeit mit dem Status Quo. Er weiß wahrscheinlich nicht einmal, wie die Speditionswelt funktioniert. Er hat nur eine Idee, wie sie funktionieren sollte. Und legt vor. Schnell und ungestüm. Irgendwelche Firmen werden sich die Trucks schon kaufen. Als Prestigeprojekt vielleicht.

Wandel der Speditionen

Und die Branche muss sich – auch wegen Tesla – Gedanken machen. Die Margen im Speditionswesen sind im Keller. Lkw-Fahrer werden ausgebeutet, der technische Stand vieler Lkw ist museumsreif. Das würde der Fahrer bestätigen, wäre er nicht völlig übermüdet. Musk wird das alles freuen. Je schlimmer die Situation, desto blühender die Landschaften die er zeichnet. Und: an der IST-Situation ist Musk völlig schuldlos. Das waren die anderen. Die Diesel-Lkw.

© Bild: YouTube Screenshot

In der Branche gibt es ein Umdenken. Finanzleistungen und Flottenmanagement sind Wachstumsbranchen für die Autohersteller. Sündhaft teure Pläne für Oberleitungen existieren, damit Lkw elektrisch fahren können. Die Politik dürfte sich – kleine Prognose unsererseits – alsbald Lkw und Frachtschiffe vornehmen und den Transport massiv zu verteuern.

Musk dürfte das wissen. Es dürfte ihm aber auch egal sein. Er redet während der Präsentation von den Beschleunigungswerten seines Sattelschleppers und von der robusten Windschutzscheibe. „Sie übersteht eine Atomexplosion – oder Sie bekommen Ihr Geld zurück“. Weiß da jemand mehr? Schnell den Twitter-Account von Trump checken.

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  • georg giglinger

    Ich glaube das Bild das da in der Öffentlichkeit entsteht ist schon so verzogen, dass man es mal richtigstellen sollte. Tesla hatte einen 10-Jahresplan, der wurde im Grunde umgesetzt. Nun gibt es ja uach schon den neuen 10-Jahresplan, man kann also nachlesen was das Unternehmen so plant. Tesla ist schon lange nicht mehr nur Elon Musk, auch wenn er im Vordergrund steht. Tesla zieht scharenweise die besten Ingenieure an, und das hat natürlich Gründe. Und Tesla investiert ganz massiv in Produktionsanlagen, daher auch die Verluste, bei denen es sich um Cash Flow handelt und nicht um “echte” Verluste mit negativer Marge. Die Marge ist bei Tesla sehr gut, bezogen auf S und X. Beim 3er dürfen wir gespannt sein, das wird sich zeigen. In 6 Monaten wissen wir mehr. Es wurden auch schon erste Reservierer (Leute ohne Beziehung zu Tesla) eingeladen ihren 3er zu “konfigurieren” mit Lieferzeit 4 Wochen. Viel Wahl hat man aber noch nicht.
    Tesla ist kein Autohersteller, daher wurde auch das “Motors” aus dem Firmennamen gestrichen. Man will Strom + Gerätschaften zur Produktion + Gerätschaften zum Verbrauch verkaufen. Es werden Energiesysteme für viele Wirtschaftsbereiche folgen. Und mit Panasonic hat man einen sehr kompetenten Partner an Bord. China hat sogar Gesetze geändert, damit Tesla in China ein Werk baut. Die Geschichte beginnt gerade erst. Dass es jetzt noch keine fetten Margen liegen liegt daran, dass das Wachstum alles wegfrisst, weil alles gleich wieder investiert wird. War bei Google auch so und bei Amazon ebenso. Wie auch immer, Tesla als Marke ist schon so wertvoll, dass man eigentlich fast nicht mehr untergehen kann. Der Truck ist ernsthaft und es gibt auch schon erste Kunden die nicht nur ein Stück bestellt haben. Wal Mart hat z.B. 15 genommen. Ist nicht viel, aber ein Anfang. Man wird schnell merken wie hoch das Einsparpotential ist. Und bei der Akkutechnik ist man der Konkurrenz um ca. 3 bis 4 Jahre überlegen, das zeigen nackte Zahlen über Energiedichte und Zyklenfestigkeit. Kein Konkurrent kann nur annähernd vergleichbare Technik liefern. Und vom Superchargernetzwerk rede ich erst gar nicht, denn das ist komplett konkurrenzlos.

    • Marcus Lang

      Diese Firma versucht, alle Konkurrenten schlecht zu reden (an sich schon ein sehr schlechter Charakterzug), hat technisch tatsächlich einige respektable Dinge auf die Beine gestellt, tatsächlich aber in der Vergangenheit und auch in der mittelfristigen Zukunft ausschließlich Geld verbrannt – und beim aktuellen Strommix – noch keine einzige Tonne CO2 eingespart. Das alles kann man natürlich beurteilen, wie man will …..

  • stq66

    Was mich an der Ankündigung am meisten stört ist, dass der neue Sportwagen alles mögliche sein mag, nur in der präsentierten Version jedenfalls niemals nicht ein Roadster. Allein die vier (vmtl. eher 2+2) Sitze sprechen dagegen.
    Von der äußeren Form her sowieso. Und das Gewicht wird wohl irgendwo jenseits der 2to liegen.

    Was einen Roadster tatsächlich auszeichnet muss ja der hier anwesenden p.t. Leserschaft wohl nicht erklärt werden.

  • Dissenziente

    Interessante Kommentare nachstehend, also ich würde mich auf speziell zwei Faktoren nicht unbedingt verlassen…

    1.) bei einem Quartalsverlust von kolportierten 619 Mio USD (Quelle: Manager Magazin)
    könnt ich mir vorstellen das da einige demnächst etwas nervös werden.

    2.) es dürfte den wenigsten klar sein woher der benötigte Strom kommen soll. Atom, Braunkohle, Gas ist verpönt, und mit den Alternativen kann man zur Zeit global gesehen höchstens mal 20% abdecken, und bevor wir hier nicht 100% erreicht haben sind Batterien meiner bescheidenen Meinung nach keine gute Idee.

    Das ganze Thema ist -wie viele andere auch- eine “Glaubensfrage”.
    Zugegeben, ich komme aus der H2 Branche….:-)

  • arctic

    Um glaubwürdig zu sein sollte der Musk erst mal die Produktion des Model 3 in den Griff bekommen.

  • Paul Petrik

    Ich verstehe nicht, was dieses konstante Lamentieren über Tesla, Musk und seine Projekte soll, er hat aus dem Stand schon mehr auf die Beine gestellt, als die grössten Autokonzerne, die seit hundert Jahren relativ nichts weiterbrachten!

  • Hauerg

    Und Musk zu unterstellen, er wisse wahrscheinlich nicht, wie die Speditionswelt funktioniere, ist ein bisserl eine Frechheit.
    Megacharger hatte man auch erwähnen können, samt garantiertem Strompreis.

    Und nochwas: mit dem Geld der Anzahlungen kann er genau nix machen, das ist defacto gesperrt.
    Muss man als Motorjournalist nicht wissen, könnte man aber.

    • Guten Tag, Hr. Kommentierling,

      hier antwortet der Schreiberling. Dann möchte ich doch mal antworten, nachdem hier ob eines Kommentars die Emotionen so hochgehen.

      Zu 1) Ja, der Preis zum Model 3 hat gehalten, dass er beim Roadster hält sagen Sie. Ich bin nicht anderer Meinung, ich gebe die Schwankung lediglich zu bedenken.

      Zu 2) Das stimmt bezogen auf den Artikel natürlich. Aber ich kann nicht in jedem Kommentar jede Marke kommentieren. Das hätte Buchformat. Deswegen empfehle ich Ihnen diesen Kommentar:

      https://autorevue.at/autowelt/volkswagenchef-matthias-mueller-tesla

      Zu inoffiziell drittens) Dann lassen Sie mich meine Kritik umformulieren: Ob Musk die Bedürfnisee des Speditionsgeweberbes exakt kennt, argumentiert er mit Beschleunigungswerten, macht sich damit der viel kritisierten Konkurrenz gleich und versetzt sich in ein Argumentationsschema zurück, das er nicht nötig hat.

      Zu inoffiziell viertens) Nein, das Geld ist nicht gesperrt, es wird nur extra ausgewiesen.

  • Hauerg

    Dem Schreiberling ins Stammbuch geschrieben:
    1.
    Klar weiß man, was der Roadster kosten wird. 200000,- und 250.000,-. Der Preis wird halten, hat doch auch der Basispreis fur das Model 3 von 35.pp0,- über die Jahre gehalten.
    2.
    Lustig, dass hier vorgeworfen wird, dass hier Konzepte verkauft werden. Aber das ist alles wesentlich konkreter, als die zahlenden Werbekunden der AR so von sich geben. Da gibt es Preise, Spezifikationen. Und haufenweis Leute die die Kisten genug haben wollen, um gleich nächtens vor Ort Anzahlungen (nicht refundierbare) zu leisten.

    Und mit diesen Reichweiten sind die ICEs nittelfristig tot.

    • Miknik

      Absolut richtig; Gerade dass jede Ankündigung diverser Deutscher Grosskonzerne, in vager Zukunft einmal alltagstaugliche Elektroautos anzubieten (außer BMW ist da noch sehr wenig) wird gefeiert als ob die Welt gerettet worden wäre, während Tesla, immerhin quasi der Maßstab in der Branche, sofort angezweifelt wird; Ja, bei der Auslieferung des Model 3 gibt es Verzögerungen (aber die Produktion läuft), man könnte aber fast meinen, gut zahlende Werbekunden (deren Werbungen mittlerweile den Umschlag der Printausgabe beidseitig zieren) hätten Angst um ihre langfristigen Investitionen in den Dieselmotor…

    • Guten Tag, eine Sache nur,

      hierbei handelt es sich um einen Kommentar. Die Ankündigung zu Tesla finden Sie hier und trifft vielleicht eher ihren Geschmack:
      https://autorevue.at/autowelt/tesla-sattelschlepper-roadster

      Hier geht es zu einem Kommentar über unsere gut zahlenden Werbekunden imVergleich zu Tesla:
      https://autorevue.at/autowelt/volkswagenchef-matthias-mueller-tesla

      Dass Tesla die Branche vor sich hertreibt und einen Wandel eingeleitet hat, dass sie die State-of-art-Anbieter dieser Branche sind steht übrigens auch im Artikel. Direkt oberhalb dieser Kommentare.

      Beste Grüße

      Christian Seidel

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