Continental vernetzt Autos

McKinsey: Die Autoindustrie im Jahr 2030

Der Umsatz wird sich verdoppeln, die Revolution aber andernorts stattfinden. McKinsey hat untersucht, wie sich die Autoindustrie bis zum Jahr 2030 verändern wird.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 02.11.2017

Der Umsatz in der Autoindustrie könnte sich bis zum Jahr 2030 beinahe verdoppeln – auf 6,6 Billionen Dollar. Dahinter stecken vier treibende Kräfte: Shared Mobility, Elektrifizierung, Konnektivität und autonomes Fahren. Wie bereits berichtet ist schon die Batterieproduktion allein ein enormer Wirtschaftsmotor.

China ist die Zukunft

Um die Zahlen, Analysen und Hochrechnungen von McKinsey zum Wandel der Mobilität einordnen zu können sind zwei Erkenntnisse vorab wichtig. Erstens: Der Absatz der Autofirmen in China wird bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent wachsen, womit das Land für ein Fünftel der Branchenumsätze verantwortlich sein wird. Zweitens: 90 Prozent aller Chinesen wären sofort bereits die Automarke zu wechseln, wenn das neue Auto über signifikant bessere Funktionen im Bereich des autonomen Fahrens verfügen würde (in Deutschland sind es nur 49 Prozent).

Das bedeutet, dass Europa und auch die USA für diesen Wandel eine immer geringere Rolle spielen werden. McKinsey verfolgt in der Studie einen globalen Ansatz. Viele Einwände, die hierzulande gegen viele dieser Techniken vorgebracht werden, sind in China entweder ungültig oder den Entscheidern zumindest kurz- bis mittelfristig egal, da sie langfristig gelöst werden sollen.

Der Wandel der individuellen Mobilität steht, wie bereits erwähnt, auf den vier Säulen autonomes Fahren, Elektrifizierung, Konnektivität und Shared Economy. Dass diese Geschäftsfelder als Zukunftsthemen gelten bedeutet allerdings auch, dass sie derzeit noch in den Kinderschuhen stecken:

Autonomes Fahren

2016 fuhren waren nur ein Prozent der Fahrzeuge mit wenigstens grundlegenden Techniken für das Autonome fahren ausgestattet. Mittlerweile haben 80 Prozent der Anbieter weitreichende Pläne bis 2025 und bieten erste Technologien an.

Grafik von Volvo zu selbstfahrenden Autos
© Bild: Volvo

Shared Mobility

Allein im Jahr 2017 wurden rund 32 Milliarden Dollar in die Shared Mobility investiert. Derzeit sind die Dienste allerdings nur für ein Prozent der täglich zurückgelegten Kilometer verantwortlich.

Connectivity

Zwar rüsten alle Anbieter ihre Fahrzeuge mit Konnektivitätsangeboten aus, Umsatz können sie damit allerdings noch kaum generieren. 2017 werden es gerade einmal 1,5 Milliarden Dollar sein.

© Bild: Mercedes

Elektrifizierung

Zwischen 100.000 und 600.000 Elektroautos sollen in den kommenden fünf Jahren verkauft werden. 2021 allerdings – also am Ende dieser Periode – wird die Hälfte der neu im Markt eingeführten Wagen elektrisch sein.

© Bild: Andreas Riedmann

Diese vier Geschäftsfelder werden nach Meinung McKinsey im Jahr 2030 einen Anteil am Umsatz der Autofirmen von etwa 25 Prozent haben. Die restlichen Umsätze würden weiterhin mit den klassischen Geschäftsfeldern (Autoverkauf, Aftermarket und Serviceangebote) erwirtschaftet werden. Das zeigt unter anderem, dass alle Geschäftsfelder stark verknüpft sind. So wird es weder Carsharing noch Konnektivität geben, wenn keine Autos verkauft werden.

Neue Geschäftsfelder

Wichtig wird allerdings der Anteil der erwähnten vier Geschäftsfelder in den klassischen Bereichen. So wird er Umsatzanteil, den Hersteller mit dem Absatz klassischer Autos mit Verbrennungsmotor machen werden, von derzeit 73 Prozent auf 40 Prozent zurückgehen. Entsprechend wird auch der Anteil am Aftermarkt zurückgehen. Von derzeit 25 Prozent auf 19 Prozent. Dazugewinnen werden vor allem das Shared-Mobility-Segment. So geht McKinsey davon aus, dass der Geschäftsbereich des Flottenmanagements, der derzeit weniger als ein Prozent des Umsatzes ausmacht, in Zukunft 13 Prozent ausmachen wird. Dazu kommen Einnahmen aus stark individualisierten Serviceleistungen (sieben Prozent) und datenbasierte Einnahmen (drei Prozent).

Diese letzten beiden Punkte sind erstaunlich. Schließlich bedeuten sie, dass innerhalb von zwölf Jahren zwei Einnahmequellen, die es derzeit kaum im messbaren Bereich gibt, auf zehn Prozent anwachsen sollen.

Mehr Rendite

Was sich ändern soll ist, dass Hersteller in Zukunft sowohl ihre klassischen Geschäftsfelder als auch die neuen bedienen müssen. Diese Änderungen aus eigener Kraft zu finanzieren und  dabei das nötige Knowhow aufzubauen dürfte schwer werden. Die Autohersteller dürften also gezwungen sein Partnerschaften einzugehen oder Übernahmen zu tätigen. So oder so: Die Aktionäre freuen sich. Denn trotz der Forschungs- und Entwicklungsgelder sind die neuen Bereiche weniger kapitalintensiv und versprechen höhere Renditen.


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