Vom Vormerksystem zum Punkteführerschein?

Sollte er eingeführt werden: Wie funktioniert der Punkteführerschein in Österreich? Wie lange bleiben Delikte eingetragen und ab wann wird der Führerschein entzogen?

16.09.2016 Online Redaktion

Das von Verkehrsminister Jörg Leichtfried präsentierte „100-Punkte-Programm“ löste große Aufregung bei Autofahrern und Autofahrerclubs aus. Neben vielen, eher weniger aufregenden, angedachten Änderungen, stach vor allem Punkt 3.3.2 heraus: Das aktuelle Führerschein-Vormerksystem soll ab ca. 2018 von einem Punkteführerschein abgelöst werden, das ähnlich wie jenes z.B. in Deutschland aufgebaut werden soll.

So funktioniert das aktuelle Vormerksystem

Im momentan gültigen Vormerksystem sind 13 Vormerkdelikte benannt, einige davon aber eher Nebendelikte. Darunter etwa das falsche Beladen von Fahrzeugen, die Nichtbeachtung der Vorschriften bezüglich Kindersicherung oder des Sicherheitsabstandes.

Wie lange bleibt eine „Vormerkung“ im Führerscheinregister?

Bei Begehung eines Vormerkdeliktes erfolgt beim ersten Mal eine „Vormerkung“, bedeutet: Ein Eintrag in das Führerscheinregister für zwei Jahre. Lässt man sich innerhalb dieses Beobachtungszeitraumes kein weiteres Delikt zuschulden kommen, wird die Vormerkung wieder gelöscht.

Was passiert, wenn man ein Delikt begeht und vorgemerkt ist?

Begeht man allerdings innerhalb dieser zwei Jahre ein weiteres Mal ein Vormerkdelikt, wird von der Behörde eine „Maßnahme“ angeordnet, die unterschiedlich ausfallen kann und von Kindersicherungskursen, Teilnahme an Vorträgen über Ladungssicherheit bis hin zu Fahrsicherheitstrainings reichen kann.

Ab wann wird der Führerschein entzogen?

Wer sich innerhalb des gesetzten Beobachtungszeitraumes ein drittes Mal eines Vormerkdeliktes schuldig macht, muss mit einem Führerscheinentzug von mindestens 3 Monaten rechnen. Bei ausländischen Autofahrern wird ein Fahrverbot in Österreich verhängt.

So soll der angedachte Punkteführerschein funktionieren

Während das aktuelle Vormerksystem viele Delikte, wie auch Geschwindigkeitsübertretungen, ausklammert, wird beim neuen Punkteführerschein (ähnlich zum Vorbild Deutschland) zusätzlich zu den üblichen Strafen, den Autofahrern Punkte für jedes begangene Delikt eingetragen. Ab einer gewissen Punktzahl müsste dann der Führerschein abgegeben werden.

Wie können Punkte abgebaut werden?

Mit diversen vordefinierten Kursen kann der „Punktepolster“ aber auch wieder abgebaut werden. Eine Berücksichtigung von mehr bzw. allen Delikten, mehr Übersichtlichkeit und vor allem eine Steigerung der Verkehrssicherheit sollen die geplanten Änderungen bringen.

Bringt der Punkteführerschein mehr Sicherheit?

Ob die Einführung eines Punkteführerscheins tatsächlich zu mehr Verkehrssicherheit beitragen wird, ist umstritten. Laut ÖAMTC ist in anderen Ländern, wo der Punkteführerschein bereits Alltag ist, „kein direkter Zusammenhang zwischen Unfallzahlen und Punkteführerschein“ feststellbar.

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