Diesel and Dust

Immer wenn großes Unrecht über Menschen gebracht wird, fordern viele die radikale Abkehr von bisherigen Vorgangsweisen. So auch beim Dieselmotor, der in kürzester Zeit vom potenziellen Klimaretter zu einem universell einsetzbaren Feindbild in der öffentlichen Diskussion mutierte. Wir haben uns die strittigen Fragen genauer angesehen.

Autorevue Magazin
Veröffentlicht am 28.08.2017

Ein Artikel aus der Autorevue vom September 2017.

WARUM GIBT ES ÜBERHAUPT SO VIELE DIESEL-PKW?
Noch Anfang der 1980er-Jahre gab es kaum Diesel-Pkw. Der Dieselantrieb beschränkte sich weitgehend auf Mercedes-Taxis. Und die waren sehr schwerfällig zu bewegen, weil ohne Turbolader. Das Blatt wendete sich, als Dieselmotoren mit Turbolader ausgestattet wurden und fortan weit mehr Drehmoment boten als die üblichen Saugbenziner. Bei gleich viel PS fühlte man sich sogar in einem deutlich stärkeren Auto. Außerdem schlug sich der bessere Wirkungsgrad des Selbstzünders in deutlich geringerem Verbrauch nieder. So wurden Dieselautos sehr attraktiv. Den höheren Preis für die aufwendigere Technik glaubten viele, durch den geringeren Verbrauch und niedrigeren Dieselpreis schnell hereinzuspielen. Für die europäische Autoindustrie war die Konzentration auf den Dieselmotor eine gut Methode, sich die global immer erfolgreicher agierende asiatische Autoindustrie trotz fallender Zollschranken auf Distanz zu halten. Denn außerhalb Europas spielt Diesel im Pkw bis heute kaum eine Rolle. Die Politik unterstützte diese Strategie mit der Bevorzugung des Dieselantriebs gleich auf zwei Ebenen: mit besonders laschen Grenzwerten bei Stickoxiden, die der Diesel sogar ohne Katalysator schaffte, als die Benziner längst einen benötigten. Lange Zeit war auch der Rußausstoß so gut wie nicht limitiert. Der zweite Faktor, der die Beliebtheit steigerte, war die geringere Besteuerung des Dieselkraftstoffs. Der Dieselmotor unterstützte sodann den Trend zu immer stärkeren und schwereren Autos, da diese immer noch moderat im Verbrauch blieben. Französische und deutsche Autohersteller tauschten im Wechselschritt die technologische Führungsrolle. Seit Beginn der Klimadiskussion wird der Dieselmotor argumentativ als wichtiger Beitrag zur Verringerung des CO2-Ausstoßes am Pkw-Sektor genannt.

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