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Jan Wilsgaard, 1930–2016 – Still in Schönheit

Jan Wilsgaard war Volvos erster Designer, und er bestimmte das Aussehen der Marke 41 Jahre lang. Nachruf auf einen Vielseitigen und das Fischmaul.

17.02.2017 Autorevue Magazin

Mehr als 20 Jahre kam Volvo ohne Designer aus, das war damals so in der Autoindustrie: Die Techniker kleideten ihr Werk ein, und aus. Das Ergebnis war dann so oder so, bei Volvo aber eh meistens so: Am PV444, dem letzten vor Wilsgaard entstandenen Volvo, gibt’s nichts zu lästern, bis heute nicht.

Ende der 40er-Jahre aber sah Volvo-Chef Assar Gabrielsson, dass ein Designer fehlte, und er wählte pragmatisch: Der 20-jährige Student der Bildhauerei an der Fakultät für angewandte und bildende Künste würde sich gewiss nach Vorstellungen des Chefs formen lassen. Dabei hatte Jan Wilsgaard, in New York geborener Norweger, ein feines Gespür für Formen und perfekte Vorstellungen, wie ein Auto auszusehen hatte. Und er hatte die nötigen diplomatischen Fähigkeiten, um den konservativen Vorgesetzten seine Vorstellungen unterzujubeln: Nach den Prototypen Philip und P179, beide hinreißend, aber von den Chefs abgelehnt, zeichnete Jan Wilsgaard den Amazon. Erneut war Assar Gabrielsson dagegen, denn das Auto war ihm zu hübsch, zu unpassend für einen Volvo.

© Bild: Volvo
© Bild: Volvo
© Bild: Volvo
© Bild: Volvo
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Philip, PV179, PV644 blieben Prototypen – 164, 1800 ES und die 700er-Serie kamen auf die Straße.

Dass sich der junge Designer durchsetzen konnte, war einer der großen Glücksfälle der Automobilgeschichte, denn der Amazon verkaufte sich bis 1970 blendend. Da war auch der 140 schon zu haben, jener Entwurf Wilsgaards, der Volvos Auftritt über Jahrzehnte prägen sollte. Und der P1800 ES, umgangssprachlich als Schneewittchensarg tituliert, rückte Volvo ein Stückerl Richtung Oberklasse. Er verhalf dem P1800 zu einem schrägen, viel beachteten zweiten Leben.

Erst 1969 konnte Wilsgaard jenes Motiv verwirklichen, das ihn jahrelang begleitet hatte: Der Fischmaul-Grill war mit dem Volvo 164, der vorne verlängerten Sechszylinder-Version des 144, endlich auf der Straße, Wilsgaard sollte ihn nie wieder in einen Vorschlag einarbeiten.

© Bild: Volvo

Oft dachte Jan Wilsgaard avantgardistischer als die Konzernchefs, aber seine Autos blieben stets funktional.

Die 700er-Serie schließlich zeichnete Wilsgaard in beeindruckender, kantiger Pragmatik mitten in den US-Geschmack hinein, die Zeit sollte ihm recht geben.

1991 wurde er als Volvos Chefdesigner von Peter Horbury abgelöst, letzten Spätsommer ist Wilsgaard so still verstorben, wie er bei Volvo stets gezeichnet hat.

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