Das 1. Serien-Cabrio von Ferrari

Als Autohersteller muss man ein Cabrio im Programm haben. Das war schon Ende der 1950er Jahre so und auch bei Ferrari, im Konkreten Fall beim 250 GT.

radical mag
Veröffentlicht am 25.07.2015

Und der 250 GT mit dem langen Radstand und dem bekannten Colombo-Motor bot sich geradezu an, auch offen in Produktion zu gehen. Dies auch deshalb, weil Pininfarina endlich so weit war, die Fahrzeuge nicht nur zu entwerfen, sondern auch noch zu bauen. Was wichtig war, denn die Qualität machte nun einen entscheidenden Sprung nach oben.

Erstes Serien-Cabrio von Ferrari

Selbstverständlich hatte es schon vorher offene Ferrari für die Straße gegeben, ein paar Exemplare vom 212 Inter, einige sehr exklusive Stücke vom 342 America. Doch das waren halt: Einzelanfertigungen. Auf Kundenwunsch. Und deshalb: sündhaft teuer. Mit dem 250 GT eröffnete sich aber die Möglichkeit, größere Stückzahlen zu produzieren – und trotzdem noch die (teuren und folglich für den Hersteller lukrativen) Sonderwünsche der feinen Klientel zu erfüllen.

Ferrari 250 GT Cabriolet Series I (11)
© Bild: RM Auctions

40 Stück der ersten Serie

Es ist dies eine der wenigen einigermaßen übersichtlichen Geschichten in Sachen Ferrari 250 GT. Genau 40 Stück wurden von der ersten Serie des Ferrari 250 GT Pininfarina Cabriolet gebaut. Es begann mit #0655GT, die Ende 1956 von Maranello zu Pininfarina geliefert wurde, im März 1957 auf dem Genfer Salon stand, dann von Peter Collins gekauft wurde (und vor der Auslieferung noch schwarz lackiert), eine Rolle spielte in «Goodbye Charlie» (1964, Regie Vincente Minelli, mit Tony Curtis, Debbie Reynolds und Walter Mattau) – und heute noch existiert, seit 1993 im Besitz der Familie Lee. Ach ja: #0655GT war eines der ersten Fahrzeuge mit den damals ganz neu entwickelten Scheibenbremsen von Dunlop. Und sieht optisch schon etwas anders aus als die restlichen 39 Stück, amerikanischer, irgendwie.

Ferrari-250-GT-Cabriolet-Series-I
© Bild: RM Auctions

Ein schöner Wagen, fürwahr

Also sowohl #0655GT wie auch die anderen 250 GT Cabriolet der ersten Serie (bis #1475GT, gebaut im August 1960). Mit diesem typischen Hüftknick von Pininfarina, den man beim (offenen) Cabriolet besser sieht als bei den Coupés. Die Form ist wunderbar harmonisch, obwohl der Radstand doch ziemlich lang ist: LWB, also 2,6 Meter. Aber die gedeckten Lampen, die Panorama-Frontscheibe, die extrem saubere Linie machen den Zweisitzer zu einem der schönsten Ferrari überhaupt. Das Cabrio ist alles andere als aggressiv, aber vielleicht ist es das eleganteste Fahrzeug aus Maranello? Zurückhaltung ist eine Tugend, die heute leider kaum mehr gepflegt wird. Es gibt bei diesen 40 Exemplaren der Serie I bei vielen Exemplaren kleine Unterschiede, vor allem bei den Stoßstangen, den Lüftungsschlitzen und natürlich im Innenraum, der selbstverständlich auch nach Kundenwunsch verändert wurde.

Ferrari-250-GT-Cabriolet-Series-I-(0)
© Bild: RM Auctions

Exorbitante Preise

Es ist wohl müßig zu erwähnen, dass praktisch alle 250 GT Cabriolet irgendwann in den USA landeten, zumeist schon gleich mit dem Erstbesitzer. Die Preise sind exorbitant, im vergangenen Jahr wurden für #0759GT 6,82 Millionen Dollar bezahlt. Wir zeigen hier #1181GT, den RM Auctions im vergangenen Jahr für 4,704 Millionen Euro zuschlagen konnte.

Die Übersicht über unsere bisherigen 250-GT-Stories gibt es: hier.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-classic.com