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BMW 4er Coupé: Nierndl mit Hirn

BMW 4er Coupé: Nierndl mit Hirn

So viel ist sicher: Mit diesem Gesicht sorgt man für Gesprächsstoff.

autorevue Magazin
Zuletzt aktualisiert am 07.12.2020

Es hat ja irgendwann kommen müssen, schließlich waren wir schon durch das 4er Concept vorgewarnt. Sieht man sich den 3er an, war auch klar, dass in der Breite kein Platz mehr zur Vergrößerung der Nieren war, also sind sie halt in die Höhe gegangen. Der Mann hinter dieser Idee heißt Seungmo Lim und begründet das Design – wenig überraschend – mit der BMW­Heritage. Alleine: Die Nieren auf dem Ur­-328er, auf dem Barockengel und einigen anderen waren halt deutlich schlanker.

Da Schönheit im Auge des Betrachters liegt, überlassen wir die Beurteilung jedem Einzelnen und widmen uns in aller Ruhe dem Auto: Der 4er ist für BMW Heartland. Hier verschmelzen ansprechende Formen und der Markenslogan Freude am Fahren. Obwohl klassische Coupés in den vergangenen Jahren immer mehr zur Randerscheinung verkommen sind, hat die letzte 4er-Generation (seit 2013) 800.000 Fans gefunden. Der Neue ist deutlich gewachsen: Ein Plus von 13 cm in der Länge ist durchaus etwas Sichtbares – da befindet man sich auf Augenhöhe mit dem auch nicht gerade zierlichen Ford Mustang.

BMW 4er Coupé: Nierndl mit Hirn
© Bild: Werk

Unter der Haube werken ausschließlich aufgeladene Vier­ und Sechszylinder. Hinter den Namen 420i und 430i versteckt sich ein aufgeladener 2-­Liter­-Vierzylinder in zwei Eskalationsstufen. Die Speerspitze bei den Benzinern bildet der M440i, dem man zur Bändigung seiner Kraft gleich serienmäßig Allradantrieb mit auf den Weg gegeben hat. Zum Überbrücken des Turbolochs hat er ein 48V­Mildhybridsystem an Bord, das dem Diesel ebenso verpflanzt wurde. Letzterer tritt als 2­Liter mit 190 PS ins Geschehen, optional auch mit Allradantrieb. Interessantes Detail am Rande: Ein Schaltgetriebe sucht man in der Preisliste vergebens.

BMW 4er Coupé: Nierndl mit Hirn
© Bild: Werk

Stärker, steifer. 

Man legt sehr viel Wert darauf, zu erwähnen, dass der 4er mehr als ein aufgemotzter 3er ist – und das ist deutlich fühlbar: Verstärkungen an Front und Heck machen das Gehäuse steifer, der Schwerpunkt ist mehr als zwei Zentimeter niedriger – und dann ist da noch die größere Spurweite.

Die bei der ersten Ausfahrt zur Verfügung stehenden 440er sprachen eine deutliche Sprache: durch und durch no-­nonsense. Kraft gibt es wirklich immer, das maximale Drehmoment von 500 Nm liegt zwischen 1900 und 5000 an, weiters sorgt die 8­-Gang­-Automatik dafür, dass man dieses Fenster beim Angasen tunlichst nie verlässt.

BMW 4er Coupé: Nierndl mit Hirn
Gediegen. Die Sportsitze mahnen indirekt, öfters die Nachspeise wegzulassen. Ansonsten wenig Überraschungen im Innenraum: Alles ist solide zusammengeschraubt, die Bedienung klappt auch ohne abgeschlossenes Informatikstudium. Außen bemerkenswert: Der Hofmeisterknick an der C­Säule ist nur noch ein Schatten seiner selbst. © Bild: Werk

Dazu kommen der heckbetonte Allradantrieb und ein schlaues Sportfahrwerk, nur über die Lenkung waren wir nicht besonders froh. Präzise und direkt ja, allerdings von der Fahrbahnrückmeldung synthetisch wie auf der Playstation.

Innen gibt’s außer den Türtafeln wenig Neues, was durchaus positiv ist: Da sind noch Tasten und der zentrale Dreh-­Drück­-Knopf. Eine andere Armaturengrafik für Drehzahlmesser und Tacho wäre für ein erfrischend analoges Auto wie dieses schön gewesen, denn die sieht man beim Fahren – im Gegensatz zur Niere – immer.

Ein Artikel aus der autorevue Dezember 2020


Shortcut

Was wir mögen

Den Anblick von schräg hinten.

Was uns fehlt

Mehr Gefühl in der Lenkung. Und ja: Verständnis für diese Niere.

Was uns überrascht

Dass er inzwischen ganz schön üppig geworden ist.

Perfekt, wenn …

… man den Autoconnaisseur mimen möchte.

Die Konkurrenz

Audi A5, Mercedes C-Coupé. Fern, aber doch nahe: Ford Mustang.

BMW 4er Coupé: Nierndl mit Hirn
© Bild: Werk

Daten BMW 4er Coupé

Antriebe und Varianten 4- und 6-Zylinder-Turbomotoren, Benziner und Diesel, Mildhybrid bei M440i und 420d, 8-Gang-Automatikgetriebe, Heck- oder Allradantrieb.

420i Coupé ab € 48.950,–, 135 kW/ 184 PS, 300 Nm, 0–100 km/h 7,5 sec, Spitze 240 km/h, EU- Verbrauch 6,3 l/100 km, 143 g CO2.

430i Coupé ab € 54.650,–, 190 kW/ 258 PS, 400 Nm, 0–100 km/h 5,8 sec, Spitze 250 km/h, EU-Verbrauch 6,6 l/100 km, 150 g CO2.

M440i xDrive Coupé ab € 73.450,–, 275 kW/375 PS, 500 Nm, 0–100 km/h 4,5 sec, Spitze 250 km/h, EU- Verbrauch 7,5 l/100 km, 170 g CO2.

420d Coupé ab € 50.050,–, 140 kW/190 PS, 400 Nm, 0–100 km/h 7,1 sec, Spitze 240 km/h, EU-Verbrauch 4,5 l/100 km, 118 g CO2.

420d xDrive Coupé ab € 53.000,–, 140 kW/190 PS, 400 Nm, 0–100 km/h 7,4 sec, Spitze 238 km/h, EU- Verbrauch 4,8 l/100 km, 126 g CO2.

Dimensionen 4 Sitze, L/B/H 4768/1852/1383 mm, Kofferraum 440 l. Reifen 225/50 R17 (M440i 225/45 R18 vorne, 255/40 R18 hinten). Gewichte Leergewicht (DIN) ab 1525 kg, Zuladung 490 kg.

Sicherheit Euro NCAP */87/84/64/60 % (2017)

Ausstattung Klimaautomatik, Entertainmentsystem mit Freisprecheinrichtung und USB-Schnittstelle, Geschwindigkeitsregelung mit Bremsfunktion, Einparkhilfe mit Rückfahrkamera etc.

Extras Österreichpaket (Komfortzugang, Lordosenstützen, Sitzheizung, Wireless Charging, WLAN-Hotspot) € 1.555,–, Metallic ab € 755,–, Leder € 1.305,–, Innovationspaket (Fernlichtassistent, Driving Assistant, Laserlicht, Head-up-Display, Alarmanlage etc.) € 4.140,– etc.