Jürgen Skarwan
Racing Rookie 2021: Driftige Beweggründe

Racing Rookie 2021: Driftige Beweggründe

Kann man in einem Tag querfahren lernen? Der Racing Rookie von 2018 Luca Pröglhöf knöpft sich für das Experiment einen unbefleckten Redakteur vor und erklärt ihm das Einmaleins von Blicktechnik, Lenkspiel und beherztem Gasfuß.

Autorevue Magazin
Veröffentlicht am 23.04.2021

Weil die StVO und ihre peinlich genauen Vollstrecker wenig Spielraum für Driften im Straßenverkehr gestatten, können es aus Mangel an Übungsmöglichkeiten nur die wenigsten. So existiert für jeden perfekt durchchoreografierten Gymkhana-Driftexzess von Ken Block auf YouTube eine Hundertschaft an Drift Fails, die die gefährliche Kombination aus Selbstüberschätzung und ungeeignetem Übungsgelände illustrieren – Prädikat unterhaltsam!

Leider eignen sich Motorjournalisten entgegen der landläufigen Meinung in der Regel so gut als Rennfahrer wie Sommeliers als Weinbauern. Es galt also um jeden Preis zu vermeiden, als weiterer Drift Fail in der Galerie verewigt zu werden – allein um keiner Presseabteilung erklären zu müssen, wie selbst vorausschauendes Fahren nicht verhindern konnte, dass ein aufgeschreckter Laternenpfahl unvermittelt aus dem Gebüsch seitlich in den Testwagen sprang. Zum Glück nahm sich Luca Pröglhöf unser an. Der Racing Rookie von 2018 und geprüfte Fahrlehrer mit nunmehr drei Jahren Rallye-Erfahrung sah es als seinen Dienst gegenüber der Menschheit an, einem unbefleckten Redakteur und seiner Leserschaft das Winkelspiel näherzubringen. Das beginnt schon mit der

… #1 Geländewahl.

Die MJP Racing Arena in Fuglau eignet sich hervorragend fürs Herantasten, vor allem wegen ihrer zwei Schotterabschnitte. Denn für ein ausbrechendes Heck braucht man Schlupf an den Hinterrädern. Auf Asphalt bekommt man den schwer und verliert ihn leicht. Recht plötzlich beginnen die Räder zu greifen und befördern einen bei zu spätem Gegenlenken in den Reifenstapel der Innenkurve. Auf lockerem Untergrund kommt man leichter in den Schlupfbereich und verharrt dort müheloser, die Haftung kommt stückchenweise zurück. Am Schotter in der Innenkurve zu landen ist so schwierig wie mit Holzski zu verkanten.

Racing Rookie 2021: Driftige Beweggründe
© Bild: Beigestellt

MJP RACING ARENA FUGLAU: Die MJP Racing Arena in Fuglau ist die modernste Rallycross-Strecke Österreichs mit zwei Sprüngen. Die Strecke eignet sich damit auch für Rallye-Trainings sowie auf dem Asphalt für Drift-Events. Zudem werden freies Fahren, Fahrertrainings und Firmenevents angeboten. Die Rennstrecke ist sowohl für Tests als auch für Gruppen tageweise mietbar.

Kontakt: arena@mjp-racing.at
www.mjp-racing.at

#2 Sitzposition.

Luca wirft einen prüfenden Blick in den Focus RS. Nahezu senkrechte Lehne für einen zum Lenkrad möglichst parallelen Oberkörper? Check! Bein bei durchgedrücktem Kupplungspedal mit leichtem Kniewinkel? Check!

Um in Kurven nicht wie eine lose Mandarine durch die Kabine zu purzeln, sollen die Handgelenke bei ausgestreckten Armen zudem auf dem Lenkrad aufliegen. So kann man sich beim Lenken in den Sitz drücken und der Zentrifugalkraft Paroli bieten. Tipp von Luca: Auch im Alltag profitiert die Fahrweise, wenn man nicht wie auf der Couch im Auto lungert.

#3 Blick- und Kurventechnik.

Ob das Auto quer oder gewöhnlich die Kurve durchfährt, macht für die Linienführung keinen Unterschied. Lucas Anweisung also: am Kurveneingang außen, am Scheitelpunkt innen und beim Kurvenausgang wieder außen landen. So kann man Lenkeinschlag und Drift konstant halten und schön aus der Kurve herausbeschleunigen. Der Blick ist naturgemäß immer einen Schritt voraus: Am Kurveneingang wandern die Augen Richtung Scheitelpunkt, am Scheitelpunkt kleben sie schon am Kurvenausgang. Dann lenkt man in der Theorie auch dorthin, wo man hinlenken soll.

Racing Rookie 2021: Driftige Beweggründe
© Bild: Jürgen Skarwan
Floh im Ohr. Als Racing Rookie 2018, Rallye-Teilnehmer und geprüfter Fahrschullehrer ist Luca Pröglhöf der dreifaltige Driftlehrer. „Fuß am Gas, Blicktechnik und Lenkeinschlag nur leicht korrigieren.“ Wenn er das so sagt, klingt es eigentlich ganz einfach.

#4 Fahrphysik.

Für einen anständigen Drift sollte man erst einmal wissen, was da überhaupt passiert: „Wer mit Frontantrieb in der Kurve aufs Gas steigt, wird außer Untersteuern nicht viel erreichen.“ Auch Luca braucht mit seinem frontgetriebenen Fiesta ST auf Rallyes sanfte Gewalt, um einen Drift einzuleiten: Leichtes Anbremsen macht das Heck leicht, das es anschließend in die Kurve zu werfen gilt, ehe die Vorderräder das Heck wieder auf Spur ziehen.

Mit Heckantrieb reicht dagegen ein Gasstoß bei leichtem Lenkimpuls fürs Übersteuern. Mit rechtzeitigem Gegenlenken hält man den Drift kontrolliert, anstatt sich einzudrehen. Beim Allradantrieb entlastet man wie beim Fronantrieb das Heck und hält den Drift mit Gas konstant. Aber Achtung: Die angetriebenen Vorderräder lassen beim Gegenlenken im Gegensatz zum Heckantrieb den Drift abreißen.

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© Bild: Jürgen Skarwan

#5 üben, üben, üben.

Der Focus RS hat Allrad, also: weg vom Gas, einlenken, Gas geben, und schon bin ich quer. Der Reifenstapel in der Innenkurve nähert sich, ich lenke instinktiv gegen und bin nach zwei Sekunden aus dem Drift draußen. Das Funkgerät sagt: „Gib Gas, wir fahren nicht zum Semmelnholen!“ Also noch einmal. Am Gas bleiben, Innenkurve naht, gegenlenken, Drift vorbei. Luca erklärt geduldig: „Bleib am Gas und korrigier nur leicht die Lenkung. Wenn du beim Allrad gegenlenkst, ist der Drift vorbei.“

Langsam überwinde ich den Gegenlenk-Instinkt – und siehe da: fünf statt zwei Sekunden quer! Aber der Scheitelpunkt passt noch nicht, entweder ich klebe zu früh innen oder mich trägt es zu weit raus. Die Folge: ruppiges Korrigieren, Drift vorbei. „Schau zum Scheitelpunkt und rechtzeitig zum Kurvenausgang!“ Von Runde zu Runde lässt die Routine mehr Ressourcen für die Blicktechnik.

Also noch einmal: weg vom Gas, einlenken, Gas geben und Blick in die Kurve. Scheitelpunkt ansteuern, minimale Lenkbewegungen, raus zum Kurvenausgang schauen, weiter aufs Gas und – quer durch die gesamte Kurve! Das Funkgerät ist begeistert, ich auch. Bis der Meister sich selbst hinters Steuer setzt und den Focus ein Mal nach dem anderen so konstant durch den Schotter zieht, als würde er von unsichtbarer Riesenhand geführt. Da muss man neidlos sagen: Glückssache!

Ein Beitrag aus der autorevue Mai 2021

Selber machen

Beim Racing Rookie können Jugendliche in sicherer Umgebung erfahren, wie es sich anfühlt, wenn man ins Schleudern kommt oder das Heck wegrutscht. Die Plätze sind schnell ausgebucht, denn die Profis der ÖAMTC-Fahrtechnik vermitteln Theorie und Praxis des Rennfahrens in Gefährten wie Ford Fiesta ST und Ford Focus RS. Unter Beachtung der jeweils gültigen Corona-Schutzmaßnahmen startet der Racing Rookie ab 13. Mai. Für die Anmeldegebühr von 30 Euro sichert man sich nicht nur einen Platz bei der Vorausscheidung, sondern auch die Chance aufs große Finale und damit auf den Gewinn eines rennfertig umgebauten Ford Fiesta ST samt individuellem Startpaket inklusive professioneller OSK-Fahrerlizenz der AMF, eines exklusiven Coachings von den Profis der ÖAMTC-Fahrtechnik sowie Ausrüstung im Gesamtwert von rund 40.000 Euro.

Alle Termine des Racing Rookie 2021

Qualifikation

  • Teesdorf (NÖ) – verschoben auf 17. Juli
  • 13. Mai – Melk (NÖ)
  • 3. Juni – Teesdorf (NÖ)
  • 10. Juli – St. Veit an der Glan (K)
  • 17. Juli – Teesdorf (NÖ)
  • 31. Juli – Saalfelden (S)

    Sollte es aufgrund der Corona-Maßnahmen zu Terminverschiebungen kommen, werden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer rechtzeitig informiert.

Finale

  • 13. + 14. August – Melk (NÖ)

Anmeldung

  • Anmeldung für die Geburtsjahrgänge 2000-2004 unter: www.racingrookie.at
  • Anmeldegebühr 30 €
  • Die TeilnehmerInnen müssen über keinen Führerschein verfügen.