Jürgen Skarwan

Racing Rookie 2020: Ausfahrt mit Patrick Winter und einem Ford Ranger Raptor

Wandertag mit einem Ford Ranger Raptor: Patrick Winter, Ex-Rennfahrer und Racing-Rookie-Gewinner der ersten Stunde, zeigt uns seine Bergwelt und die Argheit eines etwas anderen Extremautos.

Autorevue Magazin
Veröffentlicht am 29.07.2020

Racing Rookie 2020: Letzter Startplatz zu vergeben!

© Bild: Jürgen Skarwan

Die Qualifikationstermine der Racing-Rookie-Saison 2020 sind bereits ausgebucht, ein Nachwuchstalent bekommt aber noch die Gelegenheit, um den Einzug ins Finale mitzufahren: Wir vergeben den allerletzten Startplatz für den Qualifikationstermin am 15. August im ÖAMTC-Fahrtechnikzentrum Wachauring Melk. Rookie-Anwärter zwischen 16 und 21 Jahren schreiben bis zum 29.7. 2020 eine Mail an online@autorevue.at, der Schnellste wird dabei sein!

Alle Informationen rund um den Racing Rookie sowie die detaillierten Teilnahmebedingungen gibt’s online unter www.racingrookie.at

Ein Beitrag aus der autorevue Juli + August 2020

Knappe 800 Höhenmeter trennen Hinterstoder von den Hutterer Böden, dem ersten von insgesamt drei Etappenzielen, die wir an diesem Tag erreichen wollen. Es soll eine motorisierte Weitwanderung unter der Führung von Patrick Winter werden, Aufstiegshilfe ist der Ranger Raptor, und unser Ziel ist es, das Potenzial des Performance-Pick-ups abseits befestigter Straßen wenigstens zu erahnen.

Einfach wird das nicht. Raptor ist der Beiname, den sich Ford für seine besonders argen Pick-up-Varianten einfallen hat lassen. Während der mächtige F-150 Raptor dem nordamerikanischen Markt vorbehalten ist, wird den europäischen Kunden mit dem Ranger Raptor ein etwas behutsamer dosiertes Extrem zugestanden. Für hiesige Verhältnisse reicht das allemal: Mit 5,36 Metern Länge und über zwei Metern Breite wirkt auch der kleinere der beiden Raptor im durchschnittlichen österreichischen Straßenbild ein wenig aus der Dimension gefallen. Statt des bescheidenen blauen Ovals prangt der Ford-Schriftzug in riesigen, mattschwarzen Lettern am Grill, die Spur wurde gegenüber dem Standard-Ranger um 150 mm verbreitert, die Bodenfreiheit um 56 mm erhöht. Hat man den Fahrersitz erklommen, bietet sich beim Durchschwimmen des Verkehrs die seltene Möglichkeit, SUV-Insassen von oben zu betrachten. Zurückhaltung signalisiert höchstens der Motor: Der Ranger Raptor kommt mit einem 213 PS starken Vierzylinder-Biturbodiesel aus, ist mit 500 Nm maximalem Drehmoment und zuschaltbarem 4×4-Antrieb aber gut für den Geländegang gerüstet. Das verstärkte Chassis, der Aluminium-Unterfahrschutz, Hochleistungs-Stoßdämpfer rundum und speziell entwickelte All-Terrain-Breitreifen sorgen dafür, dass dieser auch mit höherer Geschwindigkeit absolviert werden kann.

© Bild: Jürgen Skarwan
Patrick Winter, Gewinner des ersten Racing-Rookie- Bewerbs 2004, übernimmt für uns das Steuer eines Pick-ups, der sich selbst auf die Spitze treibt – eine gesamtgültige Haltung eigentlich.

Wir haben Patrick zur Raptor-Ausfahrt gebeten. Wir wissen: Er kann etwas, ist quasi mit Ford groß geworden. 2004 gewann der Oberösterreicher die erste Auflage der Motorsport-Talentsuche Racing Rookie und war nach dieser Starthilfe bis 2012 im Renn- und Rallyesport aktiv, bevor seine Leidenschaft von finanziellen Hürden ausgebremst wurde. Bei der ÖAAMTC Fahrtechnik machte Patrick seine Berufung 2011 zum Hauptberuf. Berge sind neben dem Rallyefahren seine zweite große Passion. Die zugrundeliegende Gemeinsamkeit ist schnell erklärt: „Wenn du an der Startlinie stehst und den Helm aufhast, vergisst du einfach alles rundherum. Das Gefühl kann man nicht beschreiben, aber wenn ich auf den Berg geh, kann ich es mir zumindest ein Stück weit zurückholen – und es ist nicht ganz so teuer, wie mit dem Rallye-Auto an der Startlinie zu stehen.“

© Bild: Jürgen Skarwan

Die Startlinie wird in diesem Fall in Patricks Heimatort Schlierbach gezogen. Zum Aufwärmen geht’s über die A9 nach Hinterstoder, von wo sich eine Mautstraße mit Blick aufs Tote Gebirge direkt ins sommerliche Skigebiet schlängelt. Jede Haarnadelkurve offenbart ein weiteres Stück der imposanten Bergkulisse, auf 1.420 Metern Seehöhe nimmt Patrick einen geschätzten Liter seines Hauptnahrungsmittels (Nudelsuppe) ein, bevor er den Raptor endlich ins Geländeführt. Dabei kristallisiert sich die Suche nach einem adäquaten Einsatzgebiet als größte Herausforderung für den hobbymäßigen Raptor-Fahrer heraus – oder, wie Patrick es formuliert: „Die Frage ist, ob sich der Fahrer zutraut, dort hinzufahren, wo das Auto hinfahren kann.“

Dass Wanderungen nicht immer derart unproblematisch verlaufen, hat Patrick bereits am eigenen Leib erfahren. Vor zehn Jahren stürzte er im toten Gebirge in eine Schlucht und musste bis zur Rettung eine Nacht lang verletzt auf einem Felsvorsprung ausharren. Seine Liebe zu den Bergen konnte dieses Erlebnis nicht trüben, und in diesem Sinne wird der Raptor sogleich auf die nächste Alm gescheucht, wo er zeigen kann, dass es sich auch mit zweieinhalb Tonnen Leergewicht vorzüglich fliegen lässt. Die schotterunterfütterten Driftversuche für die Kamera pariert die Elektronik allerdings schon im Ansatz. Nach einem letzten komplikationslosen Aufstieg auf den Wurbauerkogel in Windischgarsten sagt Patrick zum Abschied, dass er künftig lieber wieder zu Fuß wandern will. Auto am Berg? Kann, muss aber nicht sein.