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Citroën C3 Aircross: Gugelhupf mit Schlag

Der Citroën C3 Aircross ist ein Auto wie ein Dessert: über den Nutzwert nicht vollständig erfassbar, aber cremig süß und gut fürs Gemüt.

22.05.2018 Online Redaktion

Ein Artikel aus der Autorevue Extra 2018Aktuelle Abo-Angeboten findet ihr hier

Über die Jahre schulte der Mini Countryman unsere Augen für ein streng wissenschaftlich nonexistentes Automobilsegment: Krapfen-SUVs. Das sind schwer zuzuordnende Lifestyle-Crossovers, die wirken, als hätten possierliche Kleinwagen sich so lange von Buttercreme-Krapfen ernährt, bis sie ihrer Nahrungsquelle ähneln. Schnell fügten sich Fiat 500X und L bei, nun darf in seiner zweiten Generation auch der Citroën C3 Aircross erstmals Träger herzig angedickter Wesenszüge sein.

Kindchenschema: Pausbäckig und glubschäugig stimmt uns der C3 Aircross milde und macht freundliche Menschen aus uns.

Die mit der Aufplusterung einhergehende Lifestylisierung des eh schon hippen C3 ist geglückt. Das beginnt bei den halbrunden Glubsch-Scheinwerfern im Stoßfänger, der die ganze Front dominiert und sogar den Kühlergrill beinhaltet. Darauf sitzt das Motorhäubchen wie ein Gupferl am Cappuccino. Die beiden Schaumhauberln teilt eine Spange, die aus dem Citroën-Logo um die schmalen LED-Scheinwerfer verläuft. Flashige Akzente dürfen auf keinen Fall fehlen, hier in Knallorange: um die Scheinwerfer, an den Außenspiegeln, der Dachreling, als Streifen in den hinteren Seitenscheiben, sogar in den aufpreispflichtigen 17-Zoll-Felgen, die ihren eigenen Design-Award verdienen.

Citroen C3 Aircross Test
© Bild: Andreas Riedmann

Citroën C3 Aircross im Test

Innen gibt es Lo-Fi aus Stoff und Kunststoff. Das klingt dröge, ist dank urpfiffiger Inszenierung aber genau das Gegenteil davon. Bei den hellgrauen Stoffsitzen denken wir an Sofas aus jenen Mittelstandswohnzimmern, die auf Leder aus Gemütlichkeitsgründen verzichten. Das mit der Gemütlichkeit können wir so unterschreiben, es fläzt sich herrlich im Aircross. Die Sitze ziert ein knall-oranger Streifen, und auch die Lüftungsdüsen werden jeweils von einem Doppelkringel in – erraten! – Knallorange eingefasst. Und das Lenkrad macht da keine Ausnahme.

Auch die Türverkleidungen greifen die runde Formensprache mit ihrer den Stoßfängern ähnlichen Riffelung auf. Noch bevor wir einen Meter fahren, groovt der liebevolle 3D-Designkatalog unser Gemüt ein; alles, was wir fortan erleben, erleben wir durch die beige-orange Brille. Das Fahrwerk ist passenderweise schaumiger als beim Opel Crossland X, den mit dem Aircross ein technisches Verwandtschaftsverhältnis verbindet. Die gemütliche Wandlerautomatik wird leider durch den etwas rauen Dreizylinder konterkariert. Der bedingt wohl auch die hohe Drehzahl von 2000 Touren bei geringer Last. Entsprechend überrascht uns der Testverbrauch von 7,2 Litern, den wir auf unsere folglich fahrzeuginduziert milde Fahrweise zurückführen.

Citroen C3 Aircross Test
© Bild: Andreas Riedmann

Lächeln im Aircross

Denn der Citroën ist betont unkompetitiv, Drängeln ziehen wir gar nicht in Erwägung: Nein, bitte, fahren Sie ruhig vor, Sie haben es sicher eilig! Wir lächeln mit dem Aircross mit. Gerne würden wir etwas über die schon bei mittlerer Radiolautstärke vibrierenden Türverkleidungen und das Ruckeln beim Anfahren sagen, den kleinen und von Fingerzeigen weitgehend unbeeindruckten Touchscreen monieren oder die optionale Hi-Fi-Anlage als bestenfalls mittelmäßig abkanzeln. Dazu ist der Kofferraumboden seltsam hoch angesetzt, und überhaupt ist der C3 Aircross innen nicht so groß, wie er außen vorgibt, trotz variabler Rückbank.

Citroen C3 Aircross Test
© Bild: Andreas Riedmann

Aber wenn wir so dahincruisen, Arm auf der Lehne, Schiebedach geöffnet, und uns schon auf den Sommerurlaub mit den Kindern freuen, obwohl weder Kinder noch Sommer in Reichweite sind, dann bleiben wir entspannt. Das ist auch so eine Air- cross-Tugend.

Shortcut

Was wir mögen
Sommerurlaub mit Familie, ganz alleine im kalten März.
Was uns fehlt
Hier und da etwas Verarbeitungsqualität.
Was uns überrascht
Wie sehr die Freundlichkeit auf uns abfärbt.
Perfekt, wenn …
… man die Welt gern hat.
Die Konkurrenz
Nach Größe: Ford EcoSport, Hyundai Kona, Opel Crossland X, Kia Stonic, Seat Arona etc.
Vom Gefühl: Citroën C4 Cactus, Fiat 500X und L, Mini Countryman, Renault Captur.

Daten Citroën C3 Aircross PureTech 110

Preis  € 22.690,– (NoVA 7 %)
Basispreis € 15.490,–  (PureTech 82 Live)
Steuer jährlich € 423,20
Motor, Antrieb Dreizylinder-DI-Turbobenziner (1199 ccm), 6-Gang- Wandlerautomatik, Frontantrieb.
Leistung/Drehmoment 81 kW (110 PS)/5500/min, 205 Nm/1500/min.
Fahrleistungen 0–100 km/h 10,6 sec, Spitze 183 km/h, Normverbrauch/CO2 6,9/4,8/5,6 l/100 km/126 g/km. Testverbrauch 7,2 l/100 km.
Dimensionen 5 Sitze, L/B/H 4154/1824/1597 mm, Tank 45 l, Kofferraum 410-1289 l. Räder 205/60 R 16.
Gewichte Leergewicht 1145 kg,  Zuladung 670 kg, Anhängelast 840 kg.
Sicherheit Euro NCAP *****/85/82/64/60 % (2017)
Ausstattung Klimaautomatik, 7-Zoll-Navigation, getönte Heck- und Seitenscheiben, Einparkhilfe hinten, 16-Zoll-Alufelgen, etc.
Extras Metallic-Lack Sand-Beige € 533,–, Panoramaschiebedach € 889,–, Polsterung Metropolitan Grey, Mittelarmlehne, Lederlenkrad € 368,–, Techno-Paket Hi-Fi (MirrorScreen, kabelloses Smartphone-Laden, Head-up-Display, Hi-Fi-Sound) € 787,–, Grip Control, 17-Zoll-Alufelgen, Ganzjahresreifen M&S € 425,–, Park-Assist-Paket (Rückfahrkamera, Einparkhilfe, Toter-Winkel-Warner, schlüsselloser Zugang) € 1.257,–.

Citroen C3 Aircross Test
© Bild: Andreas Riedmann

Vergleichbar

Kia Stonic
Preise ab € 15.590,–
Motoren (Turbo-)Benziner von 84 bis 120 PS, Diesel mit 110 PS.
Der Stonic ist durchaus fesch und mit Topmotor und Vollausstattung um 23.090 Euro deutlich günstiger als unser Testwagen mit Extras. Auf cremigen Flair und Automatik muss man aber verzichten.

Fiat 500X
Preise ab € 18.990,–
Motoren (Turbo-)Benziner von 110 bis 170 PS, Diesel von 95 bis 140 PS.
Die italienische Dessert-Entsprechung. Optional mit Allrad und ordentlich Leistung, dafür wiegt der 500X deutlich mehr und bringt weniger im Kofferraum unter.

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