Jürgen Skarwan
Racing Rookie 2021: Gelassen verewigt

Racing Rookie 2021: Gelassen verewigt

Herrschte in Teesdorf noch Euphorie ob des wieder stattfindenden Lebens, nimmt man im ÖAMTC Fahrtechnikzentrum St. Veit den Racing Rookie gewohnt gelassen – schließlich war das Leben in Kärnten ja nie eingeschränkt: Viel mehr als einmal im Jahr Racing Rookie passiert hier auch außerhalb von Corona nicht.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 12.07.2021

Während anderswo an den Zehntelsekunden gefeilt wird und die Konkurrenz mit Neid und Eifer beäugt wird, verbringt man beim Racing Rookie in St. Veit traditionell einen netten Nachmittag und versucht, mit effizientem Energieaufwand nicht zu negativ aufzufallen. Die Kärntner Gelassenheit geht auch auf die Instruktoren der ÖAMTC Fahrtechnik über, wenn einer beim Nasshandling nicht ganz optimal fährt: „Da müss ma früher zum links lenken anfangen. Die Rallye wäre jetzt schon vorbei, aber sonst war’s für’s erste Mal ok.“

Beim Üben der Schleuderplatte sitzt der Fahrtechnik-Instruktor per Walkie Talkie als Floh im Ohr der Rookies und kommentiert live: „Da hast jetzt zu spät gegengelenkt… da hat dich das ESP gerettet, aber im Idealfall sollte es auch ohne ESP gehen.“ Spoiler: Im Rallye-Fiesta muss es auch ohne ESP gehen. Die Lernkurve ist aber ordentlich und schon nach wenigen Anläufen fangen die Rookies das schleudernde Auto ein, was der Fach-Floh mit einem wohlwollenden „Jaaaa, genau, schnell dagegen, sehr schön!“ quittiert.

Beim Tagesfinale in besagtem Rallye-Fiesta lässt sich beobachten, dass nicht alle Rookies gute Freunde mit der Schleuderplatte geworden sind: „Mah, die Drecksau gibt da ane mit, des is a Wahnsinn!“ entfährt es einem nach einem verpatzten Finallauf. Die Zuschauer hingegen nehmen das Finale eher zur Kenntnis als mitzufiebern. Zu nah stellt man sich nicht ans Geschehen, um den Schatten der Bäume nicht verlassen zu müssen. Wird jemand fürs Finale aufgerufen, bleibt der Applaus aus – schließlich bedeutet das nur wieder Arbeit: „Ich muss a Video machen, sonst schimpft er wieder“, meint eine Freundin resigniert. Dabei wäre sie schon viel lieber beim Mittagessen.

Nicht-Aufgerufene diskutieren über Regeländerungen, mit denen die Finalteilnahme beim nächsten Mal vielleicht eher gelänge: „Am besten wär’s, wenn man zwei Runden hätt‘, und die bessere wird gewertet.“ Vielleicht ist im Racing-Rookie-Beratungsgremium für nächstes Jahr ja noch ein Platz frei. Bei anderen entlädt sich die Frustration über die verpasste Chance, Geschichte beim Racing Rookie zu schreiben, kreativ: Mit einem Burnout inklusive Gummispur verlässt einer in seinem heruntergerockten Volvo die Szene und verewigt sich doch noch, zumindest im Asphalt.

Doch der Racing Rookie wäre nicht der Racing Rookie ohne Lebenskünstler, die aus den Erfolgen der anderen ihr eigenes Glück basteln: „Ma könnt mit de Gewinna wos trinken gehen, so fufzehn Spritzer!“ Die Sieger zeichnet neben ihrer Präzision und Reaktionsschnelligkeit am Lenkrad nämlich jene Positivität aus. Ein Finalteilnehmer spricht ganz St. Veit aus dem Herzen, als ihn seine Freunde fragen, wie denn sein Lauf auf der Schleuderplatte war: „Ned optimal, oba lustig schon.“

Racing Rookie 2021: Weitere vier Finalisten

Vormittag

Racing Rookie 2021: Gelassen verewigt

Dylan Strauß, 21 (r.):

Dylan nutzte heuer mit zwei fehlerfreien Läufen die letzte Chance und steht nach vorletztem Jahr erneut im Finale. Überraschend kam aber nur der plötzlich einsetzende Hunger nach der Schleuderplatte, mit dem Finaleinzug hat er gerechnet. Obwohl er sonst nur hin und wieder zur Gaudi Kart fährt, ließ er die Konkurrenz im Zeitslalom und auf der Schleuderplatte weit zurück. Klares Fazit seitens Dylan: „Ich bin maßlos unterschätzt, leider wurde ich noch nicht entdeckt.“ Das kann ja alles noch werden, falls nicht lautet Plan B „BMW fahren mit schön Dampf auf der Hinterachse, Freundin und Familie.“ Klingt doch auch gut.

Benjamin Jande, 20 (l.):

Auch Benjamin nutzte seinen letzten Antritt fürs Finale. Bisher war er bei jedem Racing Rookie dabei, wenn es ihm irgendwie möglich war. Nachdem er Österreichische Viertakt-Kartmeisterschaft fährt, musste er sich beim Zeitslalom im Focus RS nicht stressen. Nach der HTL-Matura letztes Jahr arbeitet er nun bei einem Bauunternehmen, nur die Maturareise fiel aus viralen Gründen ins Wasser. Heuer zerteilt ihm die Teilnahme beim Racing-Rookie-Finale den Sommer – zum Glück ist das sein letzter Antritt, dann kann er vielleicht nächsten Sommer endlich das Feiern nachholen.

Nachmittag

Racing Rookie 2021: Gelassen verewigt

Mark Škul, 17 (r.):

Der Slowene aus der Nähe von Ljubljana macht zwar gerade noch den Führerschein, trotzdem kann man getrost von reichlich Erfahrung am Lenkrad sprechen: Heuer fährt er seine erste Rallye-Saison in einem Ford Fiesta, davor sammelte er seit er 14 war Rennerfahrung beim Twingo Cup. Die sieben Jahre davor tastete er sich im Kart an die großen Geräte heran, es geht also klar in eine Richtung. Auf den Racing Rookie brachte ihn ein Freund am Weißensee, mit dem der Finaleinzug noch ordentlich gefeiert wird. Was Mark besonders an seiner ersten Teilname am Racing Rookie gefiel? „Alles!“ Keine schlechten Vorzeichen fürs Finale.

Luca Steiner, 19 (l.):

War vor zwei Jahren schon einmal im Tagesfinale, ins Finale hat er es vorher aber noch nie geschafft. Sein Geheimnis diesmal war, es „mit noch weniger Erwartung“ anzugehen. Privat fährt er einen Dacia Lodgy und einen Citroen C3 – wer damit schnell ist, ist mit allem schnell. Sonst betreibt er nebenbei mit Freunden einen YouTube-Kanal, auf dem er Autos testet. Gerade hat er die HTL für Maschinenbau und Fahrzeugtechnik abgeschlossen, demnächst darf er beim Roten Kreuz als Zivildiener das Blaulicht als Freikarte fürs Schnellfahren nutzen. Sonst dreht sich sein Leben um die Musik, vom Tanzen übers Gitarre spielen bis zum Chorgesang. Gewinnt er den Rallye-Fiesta, wird die erste Modifikation wohl ein Autoradio sein.

Alle Termine des Racing Rookie 2021

Qualifikation

  • ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Teesdorf (NÖ) – verschoben auf 17. Juli
  • 13. Mai – ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Melk / Wachauring (NÖ)
  • 3. Juni – ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Teesdorf (NÖ)
  • 10. Juli – ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum St.Veit (K)
  • 31. Juli – Experience Center Saalfelden/Brandlhof (S)

    Sollte es aufgrund der Corona-Maßnahmen zu Terminverschiebungen kommen, werden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer rechtzeitig informiert.

Finale

  • 13. + 14. August – ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Melk / Wachauring (NÖ)

Anmeldung

  • Anmeldung für die Geburtsjahrgänge 2000-2004 unter: www.racingrookie.at
  • Anmeldegebühr 30 €
  • Die TeilnehmerInnen müssen über keinen Führerschein verfügen.