Jürgen Skarwan
Racing Rookie 2021: Fluch und Regen

Racing Rookie 2021: Voller Punkteabzug!

Vor lauter Vergnügen am Autofahren könnte man fast vergessen, dass der Racing Rookie ein knallhartes Pflaster ist. So auch im ÖAMTC Experience Center Saalfelden: Zu schnell? Punkteabzug! Zu langsam? Punkteabzug! Andrea? Punkteabzug! …wie bitte?

Online Redaktion
Veröffentlicht am 02.08.2021

Es könnte eigentlich so schön sein. Sonnenstrahlen mit einem dramatischen Wolkerl hie und da, um das alpine Panorama in der Saalfeldner Gegend entsprechend in Szene zu setzen. Lauter junge, motivierte Leute, die sich einen Haxen ausfreuen, dass sie sich nach den eineinhalb vielleicht beschissensten Jahren ihres Lebens in Kart, Fiesta und Focus RS in unterschiedlichen Bewerben duellieren dürfen.

Aber nix da. Am Ende müssen die besten Acht über die Schleuderplatte samt Rutschbelag, die als Kombination reichlich Gelegenheit für Blamagen bieten, nach denen die sensationsgeilen Augen des Publikums nur so lächzen. Das Dilemma des Tagesfinales fasst ein Rookie treffend zusammen: „I warad gern unter die ersten Acht, aber dann muass i den Scheiß da fahren.“

Denn um sich fürs Finale im ÖAMTC Fahrtechnikzentrum Melk am Wachauring zu qualifizieren, reicht Schnelligkeit allein nicht. Die Schleuderplatte dient der Trennung von Spreu und Weizen in dem Sinne, dass nur jene sich des Rallye-Fiesta würdig erweisen, die ihn, einmal außer Kontrolle geraten, wieder unter selbige zu bringen verstehen. Die Definition der Fahrtechnik-Instruktoren von „unter Kontrolle“ fällt dabei relativ eng aus: „Die richtige Geschwindigkeit müssts ihr fühlen, weil den Tacho hamma abgepickt. Zu schnell kostet 20 Punkte, zu langsam 10 Punkte. Huterl umschmeißen? 10 Punkte Abzug. Piste verlassen? 30 Punkte Abzug. Andrea? 30 Punkte Abzug.“

Bitte was? Kurze Rücksprache mit Instruktor Patrick klärt auf: Es herrscht keine Diskriminierung aufgrund von Vornamen. Die 30 Punkte Abzug gibt es für einen Dreher, was im Dialekt zu Missverständnissen führen kann. Einen letzten Tipp gibt Patrick seinen Schützlingen noch mit auf den Weg: „100 km/h über die Schleuderplatte bringen nix. Da kriegts ihr 20 Punkte Abzug für die zu hohe Geschwindigkeit, dann noch Andrea und sechs Huterln, am Ende bleibt nix übrig. Abgesehen davon, dass wir euch dann vom Hügel kratzen müssen.“

Die Pylonen purzeln trotzdem im Dutzend billiger. Den anstrengendsten Tag hat jener Fahrtechnik-Instruktor, der die umgeworfenen Hütchen wieder aufstellen muss. Über die Dauer des Finales absolviert er einen Halbmarathon. Einer der Finalisten erntet bei seinem Aufruf hämisches Lachen: Er muss noch einmal ran, obwohl er gar nicht mehr fahren will. Seinen Frust lässt er am Rallye-Fiesta aus, den er am Rutschbelag Walzer tanzen lässt, während der arme Instruktor hektisch hinter ihm die Pylonen einklaubt. Die Verteidigungsrede des Rookies: „Man sieht nix in dem Auto, weil seitlich die Ohrwaschln vom Sitz sind.“ Tipp fürs nächste Mal: Blick geradeaus, dann klappt’s auch mit dem Lenken.

Dass aber nicht alles am Racing Rookie streng und furchtbar ist, beweist ein Pärchen, das sich eine Woche zuvor verlobt hat und beim gemeinsamen Antritt in Saalfelden quasi die ersten Flitterstunden verbringt. Gemeinsam nennen sie schon eine Wohnung, einen Hund und einen Clio Grand Tour ihr Eigen, der von ihm regelmäßig über die Bergstraßen um Saalfelden geprügelt wird. Für die beiden hat es nicht für den Finaleinzug gereicht, wir müssen uns aber nicht sorgen: Sie ziehen ohnehin weg, er für eine Lehre, sie zum studieren. Um unsere vier Finalisten müssen wir uns auch keine Sorgen machen, ihnen allen stünde der Titel Racing Rookie 2021 hervorragend.

Die letzten vier Finalisten!

Vormittag

Racing Rookie 2021: Voller Punkteabzug!
© Bild: Julian Sparrer
Samuel Schöninger (l.) und Alexander Raab (r.)

Samuel Schöninger, 19

Bei der dritten Teilnahme klappte es dank Vormittagssieg mit dem Finaleinzug. Samuel bemüht sich aber, alle Verantwortung für den Sieg von sich zu schieben: Die Konkurrenz wäre die letzten Jahre stärker gewesen, außerdem hätte er riesiges Glück gehabt. Letzte Woche hat der Mechaniker die Lehrabschlussprüfung bestanden, wahrscheinlich war es reines Glück und schwache Konkurrenz. Momentan ist er mehr am Motorrad als im Auto unterwegs, am verregneten Ring kam er neulich aber an die Haftungsgrenzen der Maschine. Da bietet sich ein zweites Paar Reifen an, wir empfehlen den eigenen Rallye-Fiesta.

Alexander Raab, 19

Ganz unverschämt schaffte er frisch gebackene HTL-Maturant im Kart und beim Zeitslalom den ersten Platz – und das bei seinem Debüt! Um nicht alle Sympathien zu verspielen, hielt er sich beim Tagesfinale zumindest ein bisschen zurück und begnügte sich mit dem zweiten Platz. Aber als Entwicklungsfahrer für ein deutsches GT4-Rennteam auf Porsche kann man nicht sagen, dass er zum Finale wie die Jungfrau zum Kind kommt. Corona hat ihm weitere Rennpläne verhagelt, also ist er interimistisch aufs Mountainbike ausgewichen. Aber die Sehnsucht nach dem Motorsport bleibt, deswegen auch die Teilnahme beim Racing Rookie. Wir sind gespannt, was die Zukunft für ihn bereit hält!

Nachmittag

Racing Rookie 2021: Voller Punkteabzug!
© Bild: Julian Sparrer
Jakob Gottein (l.) und Thomas Premm (r.)

Thomas Premm, 20

Zum dritten Mal steht er schon im Finale. Langsam wird es Zeit, den Racing Rookie zu gewinnen. Aber Thomas macht es eigentlich nur für den Spaß und den gratis Rennanzug, wer braucht schon einen Rallye-Fiesta? Mit einem Sieg verspielt man sich außerdem das Ticket auf die nächstjährige Teilnahme beim Racing Rookie. Dabei hätte ihm heuer fast ein Huterl beim Zeitslalom die Tour vermasselt: Leicht gestriffen flog der Tennisball von der Pylone, Kostenpunkt drei Sekunden. „Die Tennisbälle waren neu.“ Um sich als zukünftiger Profi auf neue Bedingungen besser einzustellen, soll ihm sein Studiengang Künstliche Intelligenz helfen. Mal schauen, ob er das Maschinenlernen bis zum Finale perfektioniert.

Jakob Gottein, 19

Sein erster Antritt gereichte ihm zum Nachmittagssieg. Auf den Racing Rookie aufmerksam geworden ist er über Instagram – take that, Boomers! Gerade hat er seinen Zivildienst im Altersheim abgeschlossen. Das war genug Einblick in die schlecht bezahlte Sozialarbeitsbranche, jetzt geht er nach Wien, studiert Jus und scheffelt dann ordentlich Kohle. Bis dahin verbringt er noch einen gemütlichen Sommer voller Motorradfahren, Sport und versumperten Abenden mit Freunden. Wir hoffen, dass ihm kein Sieg beim Racing Rookie die schönen Pläne vermasselt!

Die Ergebnisse im Detail

31. Juli 2021 – Experience Center Saalfelden/Brandlhof


Alle Termine des Racing Rookie 2021

Qualifikation

  • ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Teesdorf (NÖ) – verschoben auf 17. Juli
  • 13. Mai – ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Melk / Wachauring (NÖ)
  • 3. Juni – ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Teesdorf (NÖ)
  • 10. Juli – ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum St.Veit (K)
  • 31. Juli – Experience Center Saalfelden/Brandlhof (S)

    Sollte es aufgrund der Corona-Maßnahmen zu Terminverschiebungen kommen, werden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer rechtzeitig informiert.

Finale

  • 13. + 14. August – ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Melk / Wachauring (NÖ)

Anmeldung

  • Anmeldung für die Geburtsjahrgänge 2000-2004 unter: www.racingrookie.at
  • Anmeldegebühr 30 €
  • Die TeilnehmerInnen müssen über keinen Führerschein verfügen.