Jürgen Skarwan
Racing Rookie 2021 in Melk: Fluch und Regen

Racing Rookie 2021 in Melk: Fluch und Regen

Je widriger die Bedingungen, desto wichtiger sind die mentalen Fähigkeiten. Insofern war der Auftakt des Racing Rookie in Melk Mentaltraining par excellence.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 17.05.2021

Nach Monaten der sozialen Selbstkasteiung in den eigenen vier Wänden sehnen sich die Rookies nach Sonne und Gemütlichkeit, doch stattdessen gibt es Regen, Wind und Kälte von früh bis spät. Der Raining Rookie in Melk ist eröffnet und zeigt: Die eigenen vier Wände werden oftmals unterschätzt.

Racing Rookie 2021 in Melk: Fluch und Regen
© Bild: Jürgen Skarwan

Scheppernde Jugendliche wischen mit gelben Fingern die beschlagenen Scheiben der Fahrtechnik-Hütterln blank, um einen guten Ausblick auf die Konkurrenz am Volant zu haben. Das anhaltend grindige Wetter ist eine Herausforderung für die Nerven und offenbart, wer wirklich das Zeug zum Racing Rookie hat. Denn während die einen naheliegenderweise aussehen wie sieben Tage Regenwetter, sind die anderen kurz davor, Regentänze aufzuführen.

Racing Rookie 2021 in Melk: Fluch und Regen
© Bild: Jürgen Skarwan

Besonders fein ist die Grenze zwischen Spaß und Nass beim Kartfahren. Zuerst wird man von der tiefen Lacke im Sitz begrüßt, für manche Grund genug zum Zuschauen: „Das ist die Blasenentzündung nicht wert.“ Die zu 70 Prozent dichten Regenanzüge tun ihr Übriges, damit kein Auge und auch sonst nichts trocken bleibt.

Racing Rookie 2021 in Melk: Fluch und Regen
© Bild: Jürgen Skarwan

Doch schon das Zuschauen ist aufregend: Die nasse Fahrbahn produziert jede Runde zwei bis drei Dreher – aber wohl kalkuliert, verrät ein Rookie: „Mit den Slicks hast du null Grip auf der Vorderachse, ohne Driften kommst du nicht um die Kurve.“

Auch im Focus RS wird der Rutschbelag unterschätzt, einer nach dem anderen kommt untersteuernd von der Spur ab und erntet Strafsekunden. Untersteuern im Focus RS, das ist die Höchststrafe! Grinsen tun aber die wenigsten, zu groß ist der Respekt der meisten vor dem Erstkontakt mit 350 PS. Der Ärger ist nach einem verpatzten Lauf groß. „Scho wieder genau das Huterl umgeschmissen. Warum kann man kein zweites Mal?“ Aber so ist das Leben, einmalig.

Beim Tagesfinale machen sich die Auswirkungen des stundenlangen Regens auf die Psyche sogar beim Fotografen bemerkbar. Er glaubt, ein Muster erkannt zu haben, nach welchem die Schleuderplatte nach links oder rechts ausschlägt und bietet seine hellseherischen Fähigkeiten den umstehenden Rookies an.

Die beobachten aber lieber die Konkurrenz. Vor dem Lauf wünschen sie einander viel Glück, um im nächsten Moment vor Freude zu johlen, wenn es einen Gegner zaubert. Racing Rookie ist eben, wenn man trotzdem Spaß hat.

Racing Rookie 2021 in Melk: Fluch und Regen
© Bild: Jürgen Skarwan

Racing Rookie 2021: Die ersten sechs Finalisten

Vormittag

Racing Rookie 2021 in Melk: Fluch und Regen
© Bild: Jürgen Skarwan

1. Lukas Dirnberger, 18 (r.):

Als jüngerer Bruder des amtierenden Racing Rookie Raphael Dirnberger will er natürlich in dessen Fußstapfen treten. Allein schon wegen der bohrenden Fragen aus der Nachbarschaft: „Wann ist es denn bei dir soweit?“ Die Rallycross-Erfahrung aus der Zentraleuropa-Meisterschaft sollte ihm aber Routine genug geben, um mit dem sanftem Druck aus dem Umfeld wie auch mit dem festem Druck auf Gas- und Bremspedal umgehen zu können. Ganz nebenbei absolviert er eine Lehre als Maschinenbautechniker und möchte später in den Automotive-Bereich, eh klar, aber jetzt gilt einmal alle Hingabe dem Aufbau der Racing-Rookie-Dynastie Dirnberger.

2. Simon Seiberl, OÖ, 18 (l.):

In knapp drei Wochen hätte er seine Karriere bei der Murauer Rallye starten wollen. Aber dann kam Corona, besser gesagt dann blieb Corona, und der Rallye-Traum war dahin – bis zum Racing Rookie: Durch eine überzeugende Leistung auf der Schleuderplatte sichert er sich einen Finalplatz. Laut eigener Aussage ist Simon „leider voll vorbelastet“, heißt, er verbringt viel Zeit am Simulator und hat bei der Motorline-Challenge schon zwei Bewerbe in Dirt Rally gewonnen. Jetzt gilt es für den gelernten Mechaniker nur noch, sein Können im Finale im real life umzusetzen.

Nachmittag

Racing Rookie 2021 in Melk: Fluch und Regen
© Bild: Jürgen Skarwan

1. Niki Klopf, 19 (l.):

Mit 19 Lenzen steht er bereits zum dritten Mal im Finale – ein klarer Fall von wiederholtem irrsinnigen Glück. Na gut, auf der Schleuderplatte war er schnell und zweimal fehlerfrei, vielleicht nur moderates Glück? Geholfen hat ihm jedenfalls der Zivildienst, den er gerade im Kindergarten absolviert. Denn dort geht es fernab von Leistungsdruck nur um den Spaß. Dieses Mindset hat er sich zum Racing Rookie erfolgreich mitgenommen. Vielleicht sollten wir das ganze Konzept der Leistungsgesellschaft überdenken, dann hätten wir nur noch am Asphalt Burnouts.

2. Florian Titzer, 20 (r.):

Der Grundwehrdiener ließ auch beim Racing Rookie eiserne Disziplin walten, also: Zamreißen im Focus RS! Offenbar erfolgreich, denn mit einer guten Zeit im RS und im Kart durfte er sich anschließend auf der Schleuderplatte gegen die Konkurrenz beweisen. Weil er letztes Jahr schon im Finale war, ist er jetzt ein alter Hase und weiß obendrein, wie selbiger läuft. Also nimmt er den Rallye-Fiesta im August dann einfach mit nach Hause. Zwar hätte er nächstes Jahr noch einen Antritt frei, aber vielleicht holt er sich dann noch einmal den Sieg und einen zweiten Rallye-Fiesta. Auf Rallyes kann man Ersatzteile schließlich immer brauchen.