Der Tod, das muss ein Wiener sein.
 

Der Tod, das muss ein Wiener sein

Der Wiener und der Tod…. ein lebendes und sterbendes Klischee gleichermaßen. Doch Pragmatismus ist der neue morbide Charme und ein Müllwagen macht die letzte Fahrt.

28.02.2018 Online Redaktion

Der Wiener und der Tod. Fünf Worte, die einem so viel Klischee um die Uhren hauen, dass die Schmerzen körperlich spürbar werden. Jaja, alles schon gehört. Alles schon besungen. Sentimental und ironisch.

Klischeealarm: Der Wiener und der Tod

Sigmund Freud spekulierte einst über die Existenz eines Todestriebes. Dabei handele es sich um das Gegenstück zu Lebenstrieb und Libido, glaubte er. Der Todestrieb sei es, der die Menschen zu Stillstand und ritualisiertem Verhalte treibe. Wer weiß, vielleicht fühlte sich der Wiener ertappt, jedenfalls ließ man sich mit der Würdigung Freuds Zeit, bis dieser selbst nicht mehr lebte. Wäre ja noch schöner.

Vielleicht lässt sich das ganze Klischee mit dem Wiener und dem Tod, oszillierend zwischen Freud, morbiden Charme, ironischen Liedern und der scheenen Leich, darauf reduzieren, dass der Wiener an sich die Fähigkeit besitzt schlimme, abstrakte und abgründige Dinge leicht erscheinen zu lassen.

Da ist die Wahl des letzten Transportmittels natürlich eminent wichtig. Das mit der Kutsche und der scheenen Leich hat sich ja irgendwie überlebt. Nein, das hält den Verkehr auf, einen Parkplatz kriegt man auch nicht und überhaupt will nicht jeder Mercedes fahren. Ein Puch, das wäre doch was.

© Bild: Christian Seidel

Der Tod, das muss ein Wiener sein.

Pragmatismus ist der neue morbide Charme

Nein, für Kutsche und Prahlstahl ist der Wiener vielleicht mittlerweile zu pragmatisch. Weil Sterben ist halt auch ein gewisser Aufwand. Da braucht man Zeit für. Nicht weniger als acht Dokumente müssen vorgezeigt werden, bevor bürokratisch korrekt die letzte Fahrt angetreten werden darf. Da sind Testamentsvollstreckung, Arztkorrespondenz und die Papier des Bestattungsinstituts aber noch gar nicht mit eingerechnet.

Und da ist es doch gut, dass die Stadt Wien weiß, wie bürgernaher Sterbeservice geht. Nämlich 24 Stunden am Tag und sieben Tag in der Woche. Und das nicht per Kutsche oder Kombi, sondern per Fahrzeug, das aussieht, als wäre es bei der MA48 übrig geblieben und dann einfach schwarz lackiert worden. Auf der Homepage wird dann noch die Leistung mitgerechnet (475.000 Kilometer pro Jahr, 55 Beerdigungen pro Tag).

Bei so viel Fahrerei ist es kein Wunder, dass das Fahrzeug nicht gewaschen werden kann und auch mal genutzt werden muss, um beim Billa die Frühstücksjause zu holen. Da mögen die Kleingeister jetzt scherzen, dass der Wagen in der Ladezone steht und folglich auch etwas anliefern könnte, aber das hieße doch unser neues Verhältnis zum Tod nicht ernst zu nehmen. Das ist es aber. Georg Kreisler wusste schon: Der Tod muss ein Wiener sein, nur er trifft den richtigen Ton.

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