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Aus für neue Verbrenner in Österreich bis 2030 geplant

Aus für neue Verbrenner in Österreich bis 2030 geplant

„Mobilitätsmasterplan“: Ab 2030 sollen in Österreich nur mehr emissionsfreie Pkw neu zugelassen werden.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 19.07.2021

Am 13. Juli präsentierte die EU-Kommission einen Vorschlag, demnach ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen in der Europäischen Union zugelassen werden sollen. In Österreich ist das im Rahmen des “Mobilitätsmasterplans 2030” bereits fünf Jahre früher vorgesehen.

Aus für Verbrenner-Neuzulassungen 2030

Der Regierungsplan wurde am 16. Juli in Wien vorgestellt und umfasst verschiedene Maßnahmen, mit denen hierzulande bis zum Jahr 2040 Klimaneutralität erreicht werden soll. Dafür müssten etwa die CO2-Emissionen des Verkehrs bis 2040 auf nahezu null reduziert werden, heißt es im unter diesem Link abrufbaren Papier. Auf dem Weg dorthin ist als ein konkretes Ziel für den Personenverkehr daher vorgesehen, dass spätestens ab 2030 nur mehr emissionsfreie Pkw (Klasse M1), Motorräder (Klasse L) sowie leichte Nutzfahrzeuge (Klasse N1) neu zugelassen werden sollen. “Nur das Erreichen dieser Neuzulassungsziele gewährleistet einen weitestgehend klimaneutralen Bestand in diesen Fahrzeugklassen im Jahr 2040”, heißt es im entsprechenden Abschnitt.

Der Mobilitätsmasterplan 2030 umfasst auch weitere Ziele wie die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene (insgesamt 40 Prozent bis 2040), die Erhöhung der Mobilität aus eigener Kraft – also zu Fuß gehen und Radfahren -, oder den Einsatz grünen Treibstoffs für Flugzeuge und Schwerverkehr. 2040 sollen alle Flugzeuge in Österreich klimaneutral unterwegs sein. 2035 sollen in Österreich alle Lkws, die neu zugelassen werden, emissionsfrei fahren.

Für die Erreichung der Ziele im Verkehrssektor ist auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur erforderlich. Entlang der Autobahnen und Straßenbahnen gibt es derzeit 156 Ladepunkte für Pkw, bis Ende des Jahres sollen es 200 sein, wie die APA berichtet. Bis zum Jahr 2024 soll es außerdem Ladestationen für schwere Lkw geben. Auch für Wasserstoff-Lkw ist die Errichtung einer Infrastruktur in Planung.

“Wir wollen vorzeigen, wie wir gemeinsam das Verkehrssystem umbauen können, so dass wir unser Klima schützen und die Menschen davon profitieren”, sagte Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) im Rahmen der Pressekonferenz.

Reaktionen und Kritik

“Verunsicherung für Bürger”

Der ÖAMTC sprach in einer Aussendung in Reaktion auf die Präsentation des Mobilitätsmasterplans von einer weiteren “Verunsicherung für Bürger”. Für 2040 habe Gewessler sogar indirekt sogar ein Verbot für Bestandsfahrzeug mit Verbrennungsmotor in den Raum gestellt, indem sie ankündigte, dass die Pkw-Flotte bis 2040 praktisch nur noch aus E-Autos bestehen soll. “Abgesehen davon, dass fraglich ist, ob ein solcher nationaler Alleingang überhaupt mit EU-Recht vereinbar wäre, verunsichert dieser Plan der Ministerin Millionen österreichischer Pkw-Besitzer”, sagte ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold. Zudem kritisiert der Club, dass der Einsatz von E-Fuels in der bestehenden Pkw-Flotte in den Plänen nicht berücksichtigt wird. Ebenso fehle ein Konzept, wie der steigende Stromverbrauch nachhaltig gedeckt werden soll. Maßnahmen zur Reduktion des motorisierten Individualverkehrs sieht der ÖAMTC-Direktor ebenfalls kritisch. Positiv wird hingegen vermerkt, dass ein Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel geplant ist, der Mikro-ÖV erweitert bzw. auf neue Beine gestellt werden soll und mehr Transparenz beim Laden von E-Autos vorgesehen ist. “Ein klares Bekenntnis zur kWh- statt zeitbasierten Abrechnung fehlt aber auch hier”, so Schmerold.

VCÖ fordert rasche Umsetzung konkreter Maßnahmen

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) begrüßte den vorgestellten Mobilitätsmasterplan 2030, wie die APA berichtet. Den Zielsetzungen müsse aber rasch die Umsetzung konkreter Maßnahmen folgen, so der Verkehrsclub. Die Klimaziele im Verkehr seien erreichbar, wenn durch den Ausbau von Infrastruktur und Angeboten klimafreundliches Mobilitätsverhalten ermöglicht wird und ausreichend Anreize gesetzt werden, diese Angebote zu nutzen. Zentral sei die Zusammenarbeit auf allen Ebenen, Bund, Länder sowie Städte und Gemeinden.

Geplante Verbrenner-Neuzulassungsstopps in anderen Ländern

Österreich ist nicht das einzige EU-Land, das schon vor dem von der EU-Kommission angepeilten Zeitpunkt keine Verbrenner-Pkw mehr neu zulassen will. Diese Pläne stehen aktuell im Raum:

  • Norwegen will bereits 2025 auf 100 % emissionsfreie Neuzulassungen umsteigen.
  • Das Vereinigte Königreich, Slowenien, Schweden, die Niederlande, Island, Irland und Dänemark peilen diesen Schritt – ebenso wie Österreich – für 2030 an.