Tamara Schögl
Benzinpreis in Österreich [Aktuelle Infos + Entwicklung]

Spritpreise in Österreich [Aktuelle Infos + Entwicklung]

Wie viel kosten Benzin und Diesel? Aktuelle Informationen und Wissenswertes rund ums Thema Spritpreise in Österreich.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 04.10.2022

Die Spritpreise in Österreich sind 2022 in Folge des Ukraine-Kriegs drastisch angestiegen. Die Einführung der CO2-Bepreisung in Oktober brachte eine weitere Erhöhung mit sich.

Wissenswertes zu den Spritpreisen in Österreich, deren Entwicklung sowie Hintergrundinformationen zu diesem Thema haben wir hier für euch zusammengefasst.

++ Warum sind die Spritpreise so hoch? Die Bundeswettbewerbsbehörde hat den österreichischen Treibstoffmarkt vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Spritpreise untersucht – was dabei herausgekommen ist, erfahrt ihr hier. Im September nahm auch die neue Spritpreis-Kommission ihre Arbeit auf – sie soll prüfen, ob sich die Mineralölkonzerne mit den hohen Preisen ein „Körberlgeld“ verdienen.

Aktuelle Spritpreise

Am 3. Oktober 2022 betrugen die durchschnittlichen Spritpreise an Tankstellen in Österreich: 

  • 1,724 Euro je Liter Eurosuper 95
  • 1,955 Euro je Liter Diesel

Damit ist Diesel aktuell um 23,1 Cent je Liter teurer als Benzin.

» Tagesaktuelle Spritpreise auf einen Klick: Die billigsten Tankstellen in eurer Nähe findet ihr mit unserem Spritpreisrechner.

Spritpreise im Wochen- und Jahresvergleich

Im Wochenvergleich bedeuten die aktuellen Spritpreise einen Anstieg um 2,7% (Eurosuper 95) bzw. 2% (Diesel).

Bei der vorigen Erhebung des Fachverbandes der Mineralölindustrie am 26. September hatte der Dieselpreis noch bei 1,917 Euro je Liter gelegen, der Benzinpreis bei 1,679 Euro je Liter.

Den drastischen Anstieg der Spritpreise 2022 veranschaulicht der Jahresvergleich: Vor einem Jahr – Stichtag 6. September 2021 – hatte Diesel 1,25 Euro je Liter und Eurosuper 1,323 Euro je Liter gekostet (Quelle: BMK).

Zusammensetzung der Spritpreise

Die Spritpreise an den Tankstellen beinhalten neben dem Produktpreis auch einen Gewinnaufschlag und zwei Steuern: Die Mehrwertsteuer (MwSt) und die Mineralölsteuer (MöSt).

Laut ÖAMTC lag der Steueranteil im Jahresschnitt 2021 bei 54 Prozent für Benzin bzw. rund 49 Prozent für Diesel.

Die Mineralölsteuer beträgt in Österreich 39,7 Cent je Liter Diesel und 48,2 Cent je Liter Benzin. Damit ist die MöSt auf Diesel je Liter um 8,5 Cent niedriger als auf Benzin – hier spricht man vom so genannten „Dieselprivileg“.

» Weitere Informationen zur Mineralölsteuer in Österreich findet ihr hier.

Weiterer Anstieg der Spritpreise durch CO2-Steuer

Mit Oktober 2022 wurde in Österreich auch ein CO2-Preis eingeführt, der sich ebenfalls an den Zapfsäulen bemerkbar macht. Um die Mehrkosten auszugleichen, gibt es den Klimabonus.

» Die wichtigsten Informationen rund um die CO2-Bepreisung ab Oktober 2022 haben wir hier für euch zusammengefasst.

Maßnahmen zur finanziellen Entlastung

Autofahrer:innen kommen die aktuell sehr hohen Spritpreise teuer zu stehen. Einige von der Regierung gesetzte Maßnahmen sollen die finanzielle Mehrbelastung für Menschen, die auf das Auto angewiesen sind, abfedern.

Erhöhung des Pendlerpauschales

Zur Abfederung der hohen Treibstoffpreise wurden Pendlerpauschale und Pendlereuro vorübergehend erhöht. Konkret umfasst diese Entlastungsmaßnahme

  • die Erhöhung des Pendlerpauschales um 50 Prozent von Mai 2022 bis Juni 2023 und
  • die Vervierfachung des Pendlereuros von Mai 2022 bis Juni 2023.

» Alle Informationen zum Pendlerpauschale & Pendlereuro 2022 findet ihr hier im Überblick.

Klimabonus

Durch die CO2-Bepreisung ab Oktober 2022 steigen unter anderem auch die Spritpreise. Mit dem CO2-Preis wurde daher auch der Klimabonus eingeführt.

Im Rahmen eines Entlastungspakets der Regierung wird diese Zahlung für das Jahr 2022 sogar deutlich erhöht: Erwachsene erhalten unabhängig vom Wohnort einmalig 250 Euro, dazu kommen 250 Euro Inflationsausgleich. Insgesamt sind das also 500 Euro pro Person, für Kinder kommen 50% dazu.

» Weitere Informationen zum Klimabonus haben wir hier für euch zusammengefasst.

Rekord-Spritpreise in Österreich

Wie eine aktuelle ÖAMTC-Auswertung zeigt, waren die Spritpreise hierzulande im Juni 2022 so hoch wie noch nie davor. Durchschnittlich kostete Superbenzin 2,049 Euro je Liter und Diesel 2,017 je Liter.

Im Juli-Schnitt zahlte man noch 2,028 Euro je Liter Eurosuper und 2,031 Euro je Liter Diesel. Diesel war im Juni damit noch teurer als im bisherigen Rekordmonat Juni.

Im August lagen die Spritpreise in Österreich wieder deutlich niedriger. Eurosuper 95 kostet durchschnittlich 1,771 Euro je Liter. Für Benzin wurden im Schnitt 1,832 Euro je Liter fällig.

Die Spritpreise bewegen sich um die 2-Euro-Marke.
© Bild: Tamara Schögl
Die Spritpreise bewegen sich um die 2-Euro-Marke.

Bundeswettbewerbsbehörde untersuchte Treibstoffmarkt

Ein Grund für die hohen Spritpreise sind die gestiegenen Rohölpreise vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine. Allerdings schossen die Preise an den Tankstellen stärker in die Höhe, als nur durch den Ölpreis erklärbar wäre.

Deshalb führte die Bundeswettbewerbsbehörde eine Untersuchung im österreichischen Kraftstoffmarkt durch: Geklärt werden sollte, „ob neben anderen aktuellen Entwicklungen auch fehlender oder beschränkter Wettbewerb Ursache der derzeitigen Preise sind“, hieß es bei der Bekanntgabe der Untersuchung im März in in einer Aussendung. „Wir werden uns ganz genau anschauen, ob es hier zu verbotenen Preisabsprachen oder Kartellbildungen gekommen ist“, sagte Justizministerin Alma Zadić damals. Oder, wie Vizekanzler Werner Kogler es auf Twitter formulierte: Es müsse „geklärt werden, ob sich Öl-Konzerne eine goldene Nase durch den Krieg verdienen.“

Die Ergebnisse der BWB-Untersuchung

Am 7. Juli hat die BWB schließlich die Ergebnisse ihrer Branchenuntersuchung im österreichischen Kraftstoffmarkt im Zeitraum Jänner bis Mitte Juni präsentiert, Ende August liegt nun der Abschlussbericht vor. Das Ergebnis: Die Behörde hat keine unmittelbaren Hinweise auf Kartellierung oder Marktmachtmissbrauch festgestellt. zwischen Tankstellen nicht die Ursache für die gestiegenen Preise ist. Der überwiegende Anteil der Preisanstiege an den Tankstellen sei auf gestiegene internationalen Preisnotierungen zurückzuführen. „Gleichzeitig finden sich allerdings seit Beginn des Krieges in der Ukraine auch deutlich höhere Gewinnmargen bei den Raffinerien der Mineralölkonzerne, sowie im März höhere Bruttomargen bei Tankstellen“, heißt es im Abschlussbericht. Bei der Bruttoraffinierungsmarge handelt es sich um die Grundlage der Raffineriegewinne, wobei noch andere moderat angestiegene Kosten abgezogen werden, wie die BWB erklärt.

Die BWB spricht von einer „Entkoppelung“ der Spritpreise von den Rohölpreisen – das heißt, dass der Anstieg der Spritpreise nicht nur auf den Anstieg der Rohölpreise zurückgeführt werden kann. In der ersten Junihälfte war der Dieselpreis um rund 36 Cent pro Liter, der Benzinpreis um rund 41 Cent pro Liter gegenüber der Zeit vor dem Beginn des Ukraine-Krieges gestiegen. Die Rohölpreise seien in diesem Zeitraum hingegen nur um rund 22 Cent pro Liter gestiegen.

Die BWB führte bei der Präsentation der Untersuchungsergebnisse im Juli folgendes Beispiel an, das die Auswirkungen auf die Konsument:innen veranschaulicht: Der Anstieg der Rohölpreise habe – Stand erste Junihälfte im Vergleich zur Zeit vor Kriegsbeginn – zu einem Preisanstieg von 11 Euro netto bei einer 50-Liter-Tankfüllung geführt. Dazu kämen aufgrund der Steigerung der Bruttomargen noch 9,50 Euro bei einer Tankfüllung Diesel und 10,50 Euro bei einer Tankfüllung Benzin. Auch die Mehrwertsteuer müsse noch hinzugerechnet werden.

Konkrete Konsequenzen ergaben sich nicht, da keine „gerichtsfesten Hinweise auf Kartellierung oder Marktmachtmissbrauch“ festgestellt wurden.

Spritpreis-Kommission einberufen

Auf Antrag der Arbeiterkammer nahm Ende September aber auch eine neue Preiskommission die Arbeit auf: Sie soll untersuchen, ob die hohen Spritpreise gerechtfertigt sind. Sollte das nicht der Fall sein, könnten Höchstpreise festgesetzt werden.

Weitere Informationen zur Spritpreis-Kommission gibt’s hier.

Spritpreise im Ländervergleich

Österreichs Nachbarländer

In Österreichs Nachbarländern variieren die Spritpreise stark. Einige Beispiele:

  • In Deutschland wurde von 1. Juni bis 31. August die Energiesteuer auf Kraftstoffe gesenkt. Nach dem Ende des Tankrabatts liegen die Spritpreise bei unseren Nachbarn aktuell (Stand: 14. September) bei 1,945 Euro je Liter Super E10 sowie 2,117 Euro je Liter Diesel.
  • In Kroatien sind die Spritpreise an Tankstellen abseits der Autobahnen aktuell gedeckelt. Ein Liter Diesel kostet hier Mitte September höchstens 12,88 Kuna (1,71 Euro) und ein Liter Normalbenzin höchstens 10,57 Kuna (1,41 Euro). Die Deckelung wird alle zwei Wochen neu bestimmt.
  • In Slowenien sind die Spritpreise ebenfalls gedeckelt. An den Tankstellen abseits der Autobahnen, wo die Preise reguliert werden, liegt der Preis für einen Liter Normalbenzin Mitte September bei 1,354 Euro, ein Liter Diesel kostet 1,683 Euro. 
  • In Ungarn wurde bereits im November 2021 ein Spritpreisdeckel eingeführt, hier kostet der Liter Treibstoff maximal 480 Forint. Das sind umgerechnet rund 1,30 Euro. Seit 27. Mai gilt der günstige Preis aber nur mehr für Einheimische – Ausländer:innen sollen den höheren Marktpreis zahlen, der etwa 40 Prozent darüber liegt. Die Regelung sorgt für heftige Kritik und sei laut Autofahrerklubs EU-rechtlich nicht haltbar. 

EU-Vergleich

Der Dieselpreis liegt aktuell über dem EU-Durchschnitt, der Benzinpreis darunter. Die österreichischen Spritpreise im EU-Vergleich:

  • Mit einem Benzinpreis (Eurosuper 95) von 1,679 Euro je Liter am 26. September lag Österreich an 13. Stelle – das heißt, dass an diesem Stichtag in 12 EU-Ländern mehr für Benzin bezahlt werden musste.
  • Der EU-Durchschnittspreis für Benzin lag bei 1,737 Euro je Liter, also lag Österreich 5,8 Cent darunter.
  • Mit einem Dieselpreis von 1,917 Euro je Liter am 26. September lag Österreich an 6. Stelle – das heißt, dass an diesem Stichtag in 5 EU-Ländern mehr für Diesel bezahlt werden musste.
  • Der EU-Durchschnittspreis für Diesel lag bei 1,836 Euro je Liter, in Österreich kostete der Liter 11,1 Cent mehr.

Quelle: FVMI – Fachverband der Mineralölindustrie