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Pendlerpauschale und Pendlereuro 2022: Alle Infos im Überblick

Pendlerpauschale und Pendlereuro 2022: Alle Infos im Überblick

Wissenswertes rund um das Pendlerpauschale in Österreich: Wer hat Anspruch, welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, was gilt es zu beachten?

Online Redaktion
Veröffentlicht am 12.01.2022

Unter gewissen Voraussetzungen haben Arbeitnehmer:innen in Österreich zusätzlich zum Verkehrsabsetzbetrag, der bei der Lohnabrechnung automatisch berücksichtigt wird, noch Anspruch auf das so genannte Pendlerpauschale.

Es handelt sich dabei um einen Steuerfreibetrag, der die Lohnsteuerbemessungsgrundlage vermindert. Das heißt, dass der jeweilige Betrag vom zu versteuernden Einkommen abgezogen und die Steuer auf Basis der um das Pendlerpauschale verminderten Lohnsteuerbemessungsgrundlage neu berechnet wird.

Arbeitnehmern mit Anspruch auf das Pendlerpauschale steht zudem der Pendlereuro zu.

Alle Informationen zu den Voraussetzungen und zur Höhe von Pendlerpauschale und Pendlereuro in Österreich haben wir im nachfolgenden Artikel für euch zusammengefasst.

Das oder die Pendlerpauschale? Da umgangssprachlich oft der weibliche Artikel genutzt wird, weist die Bundesregierung auf ihrer Website darauf hin, dass nur der sächliche Artikel gesetzlich korrekt ist. Aus diesem Grund geht es auch in diesem Artikel um das Pendlerpauschale.

Pendlerpauschale: Höhe und Voraussetzungen

Das Pendlerpauschale in Österreich ist von folgenden Faktoren abhängig:

  • Distanz zwischen Wohnsitz und Arbeitsplatz
  • Möglichkeit bzw. Zumutbarkeit der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel für den Arbeitsweg
  • Häufigkeit des Pendelns

Unterschieden wird dabei zwischen dem kleinen und dem großen Pendlerpauschale, die bei verschiedenen Voraussetzungen zum Tragen kommen.

Achtung bei Fahrten mit dem Firmenwagen: Wer ein arbeitgebereigenes Kfz auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nutzen kann, hat keinen Anspruch auf ein Pendlerpauschale.

Kleines Pendlerpauschale

Das kleine Pendlerpauschale bekommen Arbeitnehmer:innen, deren Arbeitsplatz mindestens 20 Kilometer von ihrem Wohnsitz entfernt ist, wenn die Nutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels „möglich und zumutbar“ ist.

Der konkrete Betrag ist von der Distanz zwischen Arbeitsplatz und Wohnsitz abhängig:

DistanzMonatlicher BetragJahresbetrag
20 bis 40 km€ 58€ 696
> 40 bis 60 km€ 113€ 1.356
> 60 km€ 168€ 2.016

Großes Pendlerpauschale

Das große Pendlerpauschale bekommen Arbeitnehmer:innen, deren Arbeitsplatz mindestens 2 Kilometer von ihrem Wohnsitz entfernt ist, wenn die Nutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels nicht möglich bzw. unzumutbar ist (Details zur Zumutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit der Benützung eines öffentlichen Verkehrsmittels findet ihr hier).

Der konkrete Betrag ist von der Distanz zwischen Arbeitsplatz und Wohnsitz abhängig:

DistanzMonatlicher BetragJahresbetrag
2 bis 20 km€ 31€ 372
> 20 bis 40 km€ 123€ 1.476
> 40 bis 60 km€ 214€ 2.568
> 60 km€ 306€ 3.672

Zumutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit der Benützung eines öffentlichen Verkehrsmittels

Die Benutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels für den Arbeitsweg gilt als unzumutbar, wenn

  • mindestens auf der halben Distanz kein öffentliches Verkehrsmittel zur erforderlichen Zeit verkehrt.
  • der Arbeitsweg mit dem öffentlichen Verkehrsmittel für die einfache Wegstrecke mehr als 120 Minuten in Anspruch nimmt.
  • die einfache Wegstrecke zwischen 60 und 120 Minuten in Anspruch nimmt, dabei aber die entfernungsabhängige Höchstdauer überschritten wird. Diese beträgt 60 Minuten zuzüglich einer Minute pro Kilometer der einfachen Wegstrecke.

Unzumutbarkeit wegen Behinderung

Für Menschen mit Behinderung gilt die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für den Arbeitsweg als unzumutbar wenn

  • der/die Arbeitnehmer:in einen Behindertenpass gemäß § 29b StVO besitzt oder
  • die Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel wegen dauernder Gesundheitsschädigung oder wegen Blindheit im Behindertenpass eingetragen ist.

Pendel-Häufigkeit

Damit ein voller Anspruch besteht, muss der jeweilige Arbeitsweg an mindestens elf Tagen pro Monat zurückgelegt werden. Ansonsten kann das Pendlerpauschale anteilsmäßig zustehen:

Häufigkeit des PendelnsAnteil
mindestens 11 Tage / Monatvolles Pendlerpauschale
8 bis 10 Tage / Monatzwei Drittel
4 bis 7 Tage / Monatein Drittel

Auch während Urlauben und Krankenständen, die kein ganzes Kalenderjahr dauern, steht das Pendlerpauschale zu – allerdings nicht während der Karenz.

Bei Teilzeitbeschäftigung besteht ein Anspruch auf Pendlerpauschale, sofern der Weg mindestens einmal pro Woche zurückgelegt wird. Wird der Weg einmal pro Woche zurückgelegt erhalten die Teilzeitkräfte ein Drittel des Pendlerpauschales, bei zwei Tagen pro Woche sind es zwei Drittel.

Pendlereuro

Steht das Pendlerpauschale zu, besteht zusätzlich auch der Anspruch auf den Pendlereuro. Dabei handelt es sich um einen steuerlichen Absetzbetrag, der von der errechneten Steuer direkt abgezogen wird. Der Pendlereuro wird pro Jahr gewährt und wird berechnet, indem die einfache Distanz zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mal zwei gerechnet wird.

Auch interessant: Dienstfahrten mit dem eigenen Privatfahrzeug können in Österreich mit dem amtlichen Kilometergeld abgegolten werden. Alle Informationen zum Kilometergeld in Österreich sowie einen praktischen Online-Rechner findet ihr hier.

Pendlerrechner

Ob bzw. in welcher Höhe ein Anspruch auf Pendlerpauschale besteht, kann mithilfe des Pendlerrechners des Bundesministeriums für Finanzen unter diesem Link ermittelt werden. Die Berechnung beim Arbeitgeber erfolgt auf Basis des Ergebnisses aus dem Pendlerrechner. Folgende Eingaben müssen dafür getätigt werden:

  • Adresse der Wohnung
  • Adresse des Arbeitsplatzes
  • Ein repräsentatives Datum für die Berechnung
  • Arbeitsbeginn und -Ende
  • Anzahl der Fahrten pro Monat
  • Liegt eine Unzumutbarkeit der Benützung des öffentlichen Verkehrsmittels wegen Behinderung vor?
  • Steht ein arbeitgebereigenes KFZ für den Arbeitsweg zur Verfügung?

Nach der Eingabe dieser Daten wird sofort online berechnet, ob bzw. in welcher Höhe das Pendlerpauschale bzw. der Pendlereuro geltend gemacht werden kann. Das Ergebnis gilt als rechtlich bindend.

Damit das Pendlerpauschale bzw. der Pendlereuro bei der Lohnabrechnung berücksichtigt wird, muss man dem Arbeitgeber einen unterschriebenen Ausdruck des Formulars aus dem Pendlerrechner übermitteln.

Wer das Pendlerpauschale bzw. den Pendlereuro im Zuge der Arbeitnehmerveranlagung oder der Einkommensteuerveranlagung geltend macht, muss einen Ausdruck aufbewahren und diesen dem Finanzamt auf Verlangen vorweisen.

Das Pendlerpauschale kann mit dem Pendlerrechner auf der Website des Bundesministeriums für Finanzen berechnet werden.
© Bild: Screenshot https://pendlerrechner.bmf.gv.at/pendlerrechner/
Screenshot: Der Pendlerrechner zur Berechnung des Pendlerpauschales, abgerufen am 3.9.2021

Corona-Ausnahmeregelung

Im Zuge der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie waren bzw. sind in Österreich viele Menschen im Homeoffice oder in Kurzarbeit. Die Ausnahmeregelung hinsichtlich des Pendlerpauschales, dank der auch Homeoffice-Tage berücksichtigt werden konnten, ist mit 30.6.2021 ausgelaufen.

Pendlerpauschale in Österreich: Kritik und geplante Reform

Das aktuelle Modell wird immer wieder kritisiert. Im Regierungsprogramm von Türkis-Grün wird auch die „Ökologisierung und Erhöhung der Treffsicherheit des Pendlerpauschales“ bis 2022 angeführt – allerdings sind wider Erwarten keine entsprechenden Maßnahmen in der im Oktober 2021 präsentierten ökosozialen Steuerreform enthalten. Experten kritisieren das Pendlerpauschale in seiner derzeitigen Form als wenig ökologisch, zudem profitieren Höherverdienende stärker vom aktuellen Modell als Geringverdienende.

Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar und es können daraus keine Rechtsansprüche abgeleitet werden. Im Zweifelsfall sollte dringend eine juristische Expertise herangezogen werden.

FAQ: Häufige Fragen zum Pendlerpauschale in Österreich

Wird das Pendlerpauschale direkt ausbezahlt?

Nein. Es handelt sich um einen Steuerfreibetrag, der die Lohnsteuerbemessungsgrundlage vermindert. Das heißt, dass der jeweilige Betrag vom zu versteuernden Einkommen abgezogen und die Steuer auf Basis der um das Pendlerpauschale verminderten Lohnsteuerbemessungsgrundlage neu berechnet wird. 

Unter welchen Voraussetzungen besteht Anspruch auf das Pendlerpauschale?

Unterschieden wird zwischen dem kleinen und dem großen Pendlerpauschale, die bei verschiedenen Voraussetzungen zum Tragen kommen. Das kleine Pendlerpauschale steht Arbeitnehmern zu, deren Arbeitsplatz mindestens 20 Kilometer von ihrem Wohnsitz entfernt ist, wenn die Nutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels möglich und zumutbar ist. Das große Pendlerpauschale steht Arbeitnehmern zu, deren Arbeitsplatz mindestens 2 Kilometer von ihrem Wohnsitz entfernt ist, wenn die Nutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels nicht möglich bzw. unzumutbar ist. Damit ein voller Anspruch besteht, muss der jeweilige Arbeitsweg an mindestens elf Tagen pro Monat zurückgelegt werden.

Wie hoch ist das Pendlerpauschale in Österreich?

Das kleine Pendlerpauschale beträgt 58 Euro pro Monat bei einer Distanz zwischen Arbeitsplatz und Wohnsitz von 20 bis 40 km, 113 Euro bei einer Distanz von mehr als 40 bis 60 km, und 168 Euro bei mehr als 60 km. Das große Pendlerpauschale beträgt 31 Euro pro Monat bei einer Distanz zwischen Arbeitsplatz und Wohnsitz von 2 bis 20 km, 123 Euro bei einer Distanz von mehr als 20 bis 40 km, 214 Euro pro Monate bei einer Distanz von mehr als 40 bis 60 km, und 306 Euro bei einer Distanz von über 60 km.

Wie kann das Pendlerpauschale beantragt werden?

Ob bzw. in welcher Höhe ein Anspruch besteht, kann mithilfe des Pendlerrechners des Bundesministeriums für Finanzen unter diesem Link ermittelt werden. Nach der Dateneingabe wird sofort online berechnet, ob bzw. in welcher Höhe das Pendlerpauschale bzw. der Pendlereuro geltend gemacht werden kann. Das Ergebnis gilt als rechtlich bindend. Damit das Pendlerpauschale bzw. der Pendlereuro bei der Lohnabrechnung berücksichtigt wird, muss man dem Arbeitgeber einen unterschriebenen Ausdruck des Formulars aus dem Pendlerrechner übermitteln.

Habe ich auch Anspruch auf das Pendlerpauschale, wenn ich mit einem Firmenwagen zur Arbeit fahren kann?

Wer ein arbeitgebereigenes Kfz auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nutzen kann, hat keinen Anspruch auf ein Pendlerpauschale.

Was ist der Pendlereuro und wer hat Anspruch darauf?

Steht das Pendlerpauschale zu, besteht zusätzlich auch der Anspruch auf den Pendlereuro. Dabei handelt es sich um einen steuerlichen Absetzbetrag, der von der errechneten Steuer direkt abgezogen wird. Der Pendlereuro wird pro Jahr gewährt und wird berechnet, indem die einfache Distanz zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mal zwei gerechnet wird.

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