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Pendlerpauschale in Österreich 2020: Alle Infos im Überblick

Pendlerpauschale in Österreich 2020: Alle Infos im Überblick

Alles Wissenswerte rund ums Thema Pendlerpauschale bzw. Pendlereuro in Österreich: Wer hat Anspruch, welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden und was gilt es zu beachten?

Online Redaktion
Veröffentlicht am 17.02.2020

Unter gewissen Voraussetzungen haben Arbeitnehmer in Österreich zusätzlich zum Verkehrsabsetzbetrag, der bei der Lohnabrechnung automatisch berücksichtigt wird, noch Anspruch auf das so genannte Pendlerpauschale. Es handelt sich um einen Steuerfreibetrag, der die Lohnsteuerbemessungsgrundlage vermindert. Das heißt, dass der jeweilige Betrag vom zu versteuernden Einkommen abgezogen und die Steuer auf Basis der um das Pendlerpauschale verminderten
Lohnsteuerbemessungsgrundlage neu berechnet wird. Arbeitnehmern mit Anspruch auf das Pendlerpauschale steht zudem der Pendlereuro zu. Alle Informationen zur Höhe und zu den Bedingungen haben wir hier für euch zusammengefasst.

Das oder die Pendlerpauschale? Da umgangssprachlich oft der weibliche Artikel für das Pendlerpauschale genutzt wird, weist die Bundesregierung auf ihrer Website darauf hin, dass nur der sächliche Artikel gesetzlich korrekt ist. Aus diesem Grund geht es auch in diesem Artikel um das Pendlerpauschale.

Pendlerpauschale: Höhe und Voraussetzungen

Das Pendlerpauschale in Österreich ist von folgenden Faktoren abhängig:

  • Distanz zwischen Wohnsitz und Arbeitsplatz
  • Möglichkeit bzw. Zumutbarkeit der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel für den Arbeitsweg
  • Häufigkeit des Pendelns

Unterschieden wird dabei zwischen dem kleinen und dem großen Pendlerpauschale, die bei verschiedenen Voraussetzungen zum Tragen kommen.

Achtung bei Fahrten mit dem Firmenwagen: Wer ein arbeitgebereigenes Kfz auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nutzen kann, hat keinen Anspruch auf ein Pendlerpauschale.

Kleines Pendlerpauschale

Das kleine Pendlerpauschale steht Arbeitnehmern zu, deren Arbeitsplatz mindestens 20 Kilometer von ihrem Wohnsitz entfernt ist, wenn die Nutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels möglich und zumutbar ist. Der konkrete Betrag ist von der Distanz zwischen Arbeitsplatz und Wohnsitz abhängig:

DistanzMonatlicher BetragJahresbetrag
20 bis 40 km€ 58€ 696
> 40 bis 60 km€ 113€ 1 356
> 60 km€ 168€ 2 016

Großes Pendlerpauschale

Das große Pendlerpauschale steht Arbeitnehmern zu, deren Arbeitsplatz mindestens 2 Kilometer von ihrem Wohnsitz entfernt ist, wenn die Nutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels nicht möglich bzw. unzumutbar ist (Details zur Zumutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit der Benützung eines öffentlichen Verkehrsmittels findet ihr hier). Der konkrete Betrag ist von der Distanz zwischen Arbeitsplatz und Wohnsitz abhängig:

DistanzMonatlicher BetragJahresbetrag
2 bis 20 km€ 31€ 372
> 20 bis 40 km€ 123€ 1 476
> 40 bis 60 km€ 214€ 2 568
> 60 km€ 306€ 3 672

Zumutbarkeit bzw. Unzumutbarkeit der Benützung eines öffentlichen Verkehrsmittels

Die Benutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels für den Arbeitsweg gilt als unzumutbar, wenn

  • mindestens auf der halben Distanz kein öffentliches Verkehrsmittel zur erforderlichen Zeit verkehrt.
  • der Arbeitnehmer dauerhaft stark gehbehindert ist und einen Ausweis gemäß § 29b StVO besitzt, bzw. wegen Behinderung von der Kraftfahrzeugsteuer befreit ist.
  • der Arbeitsweg mit dem öffentlichen Verkehrsmittel für die einfache Wegstrecke mehr als 120 Minuten in Anspruch nimmt.
  • die einfach Wegstrecke zwischen 60 und 120 Minuten in Anspruch nimmt, dabei aber die entfernungsabhängige Höchstdauer überschritten wird. Diese beträgt 60 Minuten zuzüglich einer Minute pro Kilometer der einfachen Wegstrecke.

Pendel-Häufigkeit

Damit ein Anspruch auf das volle Pendlerpauschale besteht, muss der jeweilige Arbeitsweg an mindestens elf Tagen pro Monat zurückgelegt werden. Das gilt auch bei Teilzeitbeschäftigung, sofern der Weg mindestens einmal pro Woche zurückgelegt wird. Ansonsten kann das Pendlerpauschale anteilsmäßig zustehen:

Häufigkeit des PendelnsAnteil
mindestens 11 Tage / Monatvolles Pendlerpauschale
8 bis 10 Tage / Monatzwei Drittel
4 bis 7 Tage / Monatein Drittel

Auch während Urlauben und Krankenständen, die kein ganzes Kalenderjahr dauern, steht das Pendlerpauschale zu – allerdings nicht bei Karenzurlauben.

Pendlereuro

Steht das Pendlerpauschale zu, besteht zusätzlich auch der Anspruch auf den Pendlereuro. Dabei handelt es sich um einen steuerlichen Absetzbetrag, der von der errechneten Steuer direkt abgezogen wird. Der Pendlereuro wird pro Jahr gewährt und wird berechnet, indem die einfache Distanz zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mal zwei gerechnet wird.

Pendlerrechner

Ob bzw. in welcher Höhe ein Anspruch auf Pendlerpauschale besteht, kann mithilfe des Pendlerrechners des Bundesministeriums für Finanzen unter diesem Link ermittelt werden. Die Berechnung des Pendlerpauschales und des Pendlereuros beim Arbeitgeber erfolgt auf Basis des Ergebnisses aus dem Pendlerrechner. Folgende Eingaben müssen dafür getätigt werden:

  • Adresse der Wohnung
  • Adresse des Arbeitsplatzes
  • Ein repräsentatives Datum für die Berechnung
  • Arbeitsbeginn und -Ende
  • Anzahl der Fahrten pro Monat
  • Liegt eine Unzumutbarkeit der Benützung des öffentlichen Verkehrsmittels wegen Behinderung vor?
  • Steht ein arbeitgebereigenes KFZ für den Arbeitsweg zur Verfügung?

Nach der Eingabe dieser Daten wird sofort online berechnet, ob bzw. in welcher Höhe das Pendlerpauschale bzw. der Pendlereuro geltend gemacht werden kann. Das Ergebnis gilt als rechtlich bindend.

Damit das Pendlerpauschale bzw. der Pendlereuro bei der Lohnabrechnung berücksichtigt wird, muss man dem Arbeitgeber einen unterschriebenen Ausdruck des Formulars aus dem Pendlerrechner übermitteln.

Wer das Pendlerpauschale bzw. den Pendlereuro im Zuge der Arbeitnehmerveranlagung oder der Einkommensteuerveranlagung geltend macht, muss einen Ausdruck aufbewahren und diesen dem Finanzamt auf Verlangen vorweisen.

Pendlerpauschale in Österreich: Kritik und geplante Reform

Das aktuelle Modell des Pendlerpauschales wird immer wieder kritisiert, im Regierungsprogramm von Türkis-Grün wird im Zuge der geplanten ökosozialen Steuerreform auch die “Ökologisierung und Erhöhung der Treffsicherheit des Pendlerpauschales” bis 2022 angeführt. Experten kritisieren das Pendlerpauschale in seiner derzeitigen Form als wenig ökologisch, zudem profitieren Höherverdienende stärker vom aktuellen Modell als Geringverdienende.


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