Praktische Fahrprüfung (Klasse B) Teil A: Überprüfungen am Fahrzeug

Was Führerscheinanwärter beim ersten Teil der praktischen Prüfung (“Teil A”) erwartet, erfahrt ihr hier im Detail.Nach der theoretischen Führerscheinprüfung kommt der spannendste Teil der Fahrprüfung: Die praktische Fahrprüfung entscheidet, wer den „rosa Schein“ ausgestellt bekommt.

01.04.2019 Online Redaktion

Nach der theoretischen Führerscheinprüfung kommt der spannendste Teil der Fahrprüfung: Die praktische Fahrprüfung entscheidet, wer den „rosa Schein“ ausgestellt bekommt.

Die vier Prüfungsteile der praktischen Fahrprüfung

Kennt man die Vorschriften im Straßenverkehr? Kann man ein Auto so beherrschen, dass andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden? Und ist man in der Lage, umweltbewusst und ökonomisch zu fahren? Bevor diese (und einige weitere) Punkte bei der praktischen Fahrprüfung durch den Prüfer festgestellt und im Prüfungsprotokoll eingetragen werden, muss der erste Teil der Prüfung gemeistert werden: Die Überprüfungen am Fahrzeug.

Teil A: Überprüfungen am Fahrzeug

Beim ersten Teil der praktischen Fahrprüfung wählt der Prüfer mindestens drei Fragen aus diesem Themenpool aus:

  • Fragen zur Handhabung der Bedienungseinrichtungen
  • Kontrollen der Vorschriftsmäßigkeit und
  • Verkehrs- und Betriebssicherheit des Fahrzeuges

Dafür ist zwar kein „Expertenwissen“ nötig – ein gewisses Grundverständnis davon, was und wie ein Fahrzeug vor dem Fahrtantritt überprüft werden muss, sollte aber vorhanden sein.

Hier ein Auszug über mögliche Themen und Fragen zur Überprüfung am Fahrzeug:

Überprüfung der Räder

  • Ist die Profiltiefe der Reifen in Ordnung?
  • Sommerreifen: mind. 1,6 mm, Winterreifen: mind. 4 mm
  • Sind Beschädigungen an den Reifen bzw. an den Felgen feststellbar? Sind die Laufflächen ungleichmäßig abgenutzt?
  • Ist der Reifendruck zu niedrig oder zu hoch?
  • Wichtig: Der Reifendruck muss auch der Ladung bzw. dem Gewicht der Insassen angepasst werden.
  • Sind ordnungsgemäß Sommer- bzw. Winterreifen montiert?
  • Winterausrüstungspflicht besteht vom 1. November bis zum 15. April des derauffolgendes Jahres)

Überprüfung der Bremsanlage

  • Ist die Bremsflüssigkeit zwischen den Markierungslinien?
  • Wie führt man eine Dichtheitsprobe des Bremssystems durch? 30 Sekunden fest auf das Bremspedal steigen, dieses darf nicht nachgeben. Kann das Bremspedal durchgetreten werden, sind die Bremskreise undicht).
  • Wie oft muss die Bremsflüssigkeit getauscht werden? (alle ein- bis zwei Jahre)
  • Wie prüft man den Bremskraftverstärker? Mehrmals kräftig auf das Bremspedal steigen (pumpen), danach das Bremspedal fest mit dem Fuß gedrückt halten. Beim Starten des Motors muss das Pedal ca. 2 cm, also spürbar „angesaugt“ werden, wenn der Bremskraftverstärker funktioniert.
  • Wie überprüft man die Feststellbremse? Die Feststellbremse anziehen, dann im 1. Gang anfahren ohne Gas. Der Motor muss absterben, wenn die Bremse ordnungsgemäß funktioniert.
  • Wie führt man eine Rollbremsprobe bzw. Fahrbremsprobe durch? Rollbremsprobe wird bei ca. 10-20 km/h durchgeführt. Beim starken Bremsen muss das Fahrzeug ruckartig und ohne Verdrehen des Lenkrades zum Stillstand kommen. Eine Fahrbremsprobe wird bei 50 km/ auf einem Parkplatz durchgeführt. Der Bremsweg darf dabei (ca.) 15 Meter nicht übersteigen.

Überprüfung der Beleuchtung

  • Überprüfung des Zustandes der Leuchten. Sind die Gläser oder Reflektoren beschädigt oder verschmutzt?
  • Wie wird das Abblendlicht richtig eingestellt? Der Gegenverkehr darf nicht geblendet werden, dazu muss der Einstellregler justiert werden. Wichtig besonders bei schwerer Beladung.
  • Wie hoch soll/darf die Leuchtweite des Fernlichtes sein? Das Fernlicht soll ca. 300 Meter weit leuchten.
  • Funktionieren die verschiedenen Beleuchtungen des Fahrzeuges? Neben Brems- und Blinkerleuchten auch die Kennzeichenbeleuchtung sowie die Nebelschlussleuchte und die weißen Rückfahrscheinwerfer nicht vergessen.

Signal- und Warneinrichtungen überprüfen

  • Wie betätigt man die Lichthupe? Den Blinkerhebel Richtung Lenkrad ziehen und wieder loslassen (bzw. je nach Fahrzeugmodell)
  • Wie und in welchen Situationen betätigt man die Alarmblinkanlage? Bei Stillstand des Autos bzw. bei einer Panne oder auch bei ein- und aussteigenden Kindern) bzw. während der Fahrt, um vor einem nahenden Stau bzw. Unfall zu warnen.

Überprüfung am Lenkrad

  • Wie überprüft man den Totgang der Lenkung? Das Lenkrad bei heruntergelassenem Fenster nach links und rechts bewegen und überprüfen, ob die Reifen dem Lenkeinschlag folgen. Der „Lenkungstotgang“ darf maximal ca. 2 cm betragen, bedeutet: wird das Lenkrad mehr als 2 cm in eine Richtung bewegt, muss auch ein Lenkeinschlag an den Reifen erkennbar sein.

Kontrolle im Motorraum

  • Welche Komponenten und Flüssigkeiten können und müssen im Motorraum regelmäßig überprüft werden? z.B.: Scheibenwaschflüssigkeit, Kühlflüssigkeit, Bremsflüssigkeit, Öl, Batterie usw.

Überprüfungen für eine ausreichende Sicht

  • Überprüfen der Scheibenwischer bzw. Heckscheibenwischer, Bedienung der Heckscheibenheizung, des Umluftschalters und des Gebläses gegen beschlagene Scheiben.

Überprüfung der Plakette (Pickerl) §57

  • Die Begutachtungsplakette zeigt an, dass die Verkehrs- und Betriebssicherheit des Fahrzeuges überprüft wurde und auch, wann der nächste Begutachtungstermin fällig ist. Die gelochten Felder zeigen dabei den Zeitpunkt der nächsten fälligen Begutachung an. Äußerer Ring: Monat der nächsten Überprüfung, innerer Ring: Das Jahr, wann die nächste Überprüfung stattfindet Die Begutachtung darf bis zu ein Monat vorher und bis zu vier Monate nach der gelochten Markierung durchgeführt werden. Dieser Toleranzzeitraum gilt nur in Österreich.

Überprüfung von Sicherungen

  • Die Sicherungen sollen einen Kabelbrand verhindern, der durch Kurzschlüsse entstehen kann. Ersatzsicherungen sind mitzuführen.

Überprüfung des Keilriemens

  • Was ist die Aufgabe des Keilriemens und wie überprüft man diesen? Der Keilriemen treibt die Lichtmaschine, die Wasser- und Servopumpe sowie die Klimaanlage an. Er ist somit für die Stromversorgung aber auch für die Motorkühlung und die Lenkung wichtig. Der Keilriemen darf auf Druck nur maximal 1 bis 1,5 cm nachgeben – nur bei kaltem Motor überprüfen (Verbrennungsgefahr!). Auch auf sichtbare Risse und Beschädigungen überprüfen.

Innenkontrollen

  • Wie müssen der Autositz und die Kopfstütze eingestellt werden? Bei durchgetretenem Kupplungspedal muss der linke Fuß noch leicht angewinkelt sein. Berührt man das Lenkrad oben mittig, dürfen die Hände nicht ganz durchgestreckt sein. Die Lehne muss leicht nach hinten geneigt sein (ca. 110 Grad). Die Oberkante der Kopfstütze muss mit dem Scheitel des Kopfes eine Linie bilden. Zwischen Kopfstütze und Kopf muss ein Abstand von ungefähr 3 Handbreiten bestehen.
  • Wie wird der Sicherheitsgurt richtig verwendet und eingestellt? Dicke und aufbauschende Kleidung muss vor dem angurten ausgezogen werden, da ansonsten zuviel Bewegungsfreiheit besteht (Verletzungsgefahr bei Unfällen). Der Gurt darf außerdem an keiner Stelle verdreht oder einklemmt sein. Nach dem Angurten muss der Beckengurt händisch nachgespannt werden. An der B-Säule kann und muss der Gurt höhenverstellt werden und so an die Körpergröße angepasst werden.
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