Fahrerflucht: Welche Strafen drohen und wie man sich als Unfallbeteiligter richtig verhält

Das Fahrerflucht keine Bagatelldelikt ist, ist wohl jedem klar. Aber ab wann macht man sich schuldig und welche Unterscheidungen gibt es?

15.09.2016 Online Redaktion

In Österreich werden knapp 2.000 Unfälle mit anschließender Fahrerflucht jedes Jahr registriert. Dabei werden 60 Prozent der Unfallflüchtigen ausgeforscht, die restlichen 40 Prozent werden “nur” mit schlechtem Gewissen bestraft. Dreiviertel der ertappten Unfallflüchtigen sind männlich – was aber neben einer vermutlich höheren Risikobereitschaft auch daran liegt, dass Männer eine wesentlich höhere Anzahl an Kilometern auf Österreichs Straßen zurücklegen als Frauen.

Was genau ist Fahrerflucht und ab wann macht man sich schuldig?

Als fahrerflüchtig gilt man u.a. dann, wenn man an einem Verkehrsunfall beteiligt ist, und den Unfallort verlässt, ohne Erste Hilfe zu leisten und nicht an der „Feststellung des Sachverhaltes“ mitwirkt – also nicht auf die Befragung bzw. Beweisaufnahme durch die Polizei wartet.

Pflicht zur Mitwirkung an der Feststellung des Sachverhaltes

Übrigens besteht diese Pflicht zur Mitwirkung an der Feststellung des Sachverhaltes nicht nur für den Unfallverursacher, sondern für alle Beteiligten und Zeugen eines Unfalles. So auch beispielweise für Unfallopfer, die den Unfall zwar nicht verursacht haben, aber eben darin verwickelt sind. (Sobald dies aufgrund des Gesundheitszustandes möglich ist). Bei einem Unfall mit Verletzten (“Personenschaden”) ist es außerdem verpflichtend, die Polizei zu verständigen.

Was vielen nicht bewusst ist

Auch bei Unfällen ohne Personenschaden kann man sich der Fahrerflucht schuldig machen. Zwar ist bei einem reinen „Blechschaden“ nicht zwingend die Polizei zu rufen – ein Entfernen vom Unfallort, ohne die vorgesehenen Daten auszutauschen, kann aber ebenso als Fahrerflucht gewertet werden. Das gilt z.B. auch bei scheinbaren Bagatellschäden wie einem Parkschaden, den man verursacht hat.

So verhält man sich nach einem Unfall, ohne der Fahrerflucht beschuldigt zu werden

Unfall mit Verletzten

Diese Punkte sollten nach einem Unfall mit Verletzten von allen Personen, die ursächlich mit dem Unfallgeschehen in Zusammenhang stehen, einhalten:

  1. Das Fahrzeug sofort anhalten (und das Fahrzeug und sich selbst entsprechend absichern)
  2. Wenn nötig, Erste Hilfe leisten bzw. die Rettung bzw. Polizei rufen
  3. An der “Feststellung des Sachverhaltes mitwirken”, also an der Befragung durch die Polizei mitwirken

Außerdem wichtig

Auch bei kleineren Verletzungen bzw. im Zweifelsfall Verletzungen immer von einem Arzt dokumentieren lassen – nur so kann man als Unfallopfer später auch Versicherungs- bzw. Schadensersatzansprüche, die Verletzung betreffend, geltend machen.

Unfall ohne Verletzte

Bei einem Unfall ohne Verletzte muss das Fahrzeug ebenso angehalten und entsprechend gesichert werden, allerdings muss nicht zwingend die Polizei gerufen werden.

Allerdings sollten unbedingt diese Daten ausgetauscht werden, bevor man weiterfährt und den Unfallort verlässt:

  • Haftpflichtversicherung mit Polizzennummer
  • Das KFZ-Kennzeichen
  • Name, Anschrift und Telefonnummer
  • Ein ausführlicher, lückenloser Unfallbericht als Dokumentation für die Versicherung bzw. für mögliche Schadenersatzansprüche; am Besten einen Vordruck des Europäischen Unfallberichtes verwenden – notfalls kann ein Unfallbericht aber auch formlos auf einem Blatt Papier verfasst werden
  • Name, Anschrift und Telefonnummer von eventuellen Unfallzeugen, um im Bedarfsfall auf eine Aussage eines Außenstehenden zurückgreifen zu können.
  • Vorteilhaft ist es zudem, einige Fotos von der Unfallstelle zu machen, die sich dabei im Idealfall noch möglichst unverändert/unverfälscht darstellt.

Diese Strafen drohen bei Fahrerflucht

Während bei Fahrerflucht ohne Personenschaden die Strafen noch glimpflich ausfallen können (je nach Situation), wird es für Fahrer, die sich nach einem Unfall mit Verletzten oder gar Toten aus dem Staub machen, wesentlich folgenschwerer und teurer: Möglich sind Haftstrafen bis zu 3 Jahre, Geldstrafen im 4-stelligen Bereich und ein Aussetzen der Versicherungsleistung. Sowohl die eigene Kaskoversicherung als auch Regressforderungen der Haftpflichtversicherung sind in solchen Fällen zu erwarten, was große finanzielle Auswirkungen bis zum Lebensende haben kann. Neben dem materiellen/finanziellen Risiko, die eine Fahrerflucht birgt, sollte man sich aber vor allem vor Augen führen, dass man z.B. durch unterlassene Hilfeleistung schwere Verletzungen, Folgeschäden oder gar den Tod von Menschen riskiert.

Besonderheiten zu Versicherungsleistungen nach Fahrerflucht

  • Wird ein fahrerflüchtiger Autofahrer ausgeforscht, verliert dieser in der Regel alle Ansprüche aus einer Vollkaskoversicherung, und wie erwähnt, ist auch eine Regressforderung der Haftpflichtversicherung zu erwarten. Wird die Fahrerflucht mit einem fremden Fahrzeug (z.B. Mietwagen) begangen, kann der Fahrzeughalter ebenso Regressforderungen stellen, genauso dessen Versicherung.
  • Wird der Unfallflüchtige nicht ausgeforscht, bleibt nur der Sachschaden-Ersatz, allerdings nur dann, wenn eine Person schwer verletzt oder getötet wurde. Ein Selbstbehalt von 220 Euro muss in diesem Fall gar vom Unfallopfer getragen werden.
  • Weiters gibt es noch die Möglichkeit für Geschädigte, Ansprüche beim Verkehrsopferfonds (über den österreichischen Versicherungsverband) geltend zu machen.
  • Eli Kai

    “Hit-and-run laws arose from the difficulties that early traffic collision victims faced in identifying perpetrators so that they could be brought to justice. Apart from the obvious ability of an automobile to flee the scene quickly (if still driveable), drivers often wore driving goggles, vehicles at the time did not have license plates, and roads were unpaved and thus quite dusty.”
    Soweit die Erklärung der englischsprachigen Wikipedia zum Hintergrund des Tatbestandes “Hit and Run”. All dies ist aber heutzutage obsolet, und daher gehört der Tatbestand “unerlaubtes Entfernen vom Unfallort” ersatzlos gestrichen, zumal er sowieso verfassungswidrig ist: nirgendwo sonst gibt es eine verschuldensunabhängige sofortige Meldepflicht bei sonstiger Gefängnisandrohung. Im Gegenteil: bei jedem “normalen” Vergehen wirkt es sich sogar für den Täter strafmildernd aus, die Polizei selbst zu kontaktieren, selbst wenn es Stunden später erfolgt. Warum soll das anders sein, weil man fahrend unterwegs ist und nicht zu Fuß? Wozu gibt es Nummerntafeln, die die Ausforschung des Fahrers ermöglichen? Von Kameras und Smartphones und all den “Errungenschaften” des heutigen Überwachungsstaats ganz zu schweigen. Und warum es ebenfalls als Fahrerflucht gelten soll, wenn man, um den Verkehr nicht wegen eines reinen Blechschadens zu blockieren sowie um Folgeunfälle zu vermeiden, erst zwei, drei Häuser weiter zur nächsten Parklücke vorfährt und dort erst mit dem Unfallgegner den Datenaustausch vornimmt, muss man mir auch erst plausibel erklären. Cui Bono?! Dann greift nämlich nicht einmal mehr die Ausrede der erschwerten Feststellung des Alkoholspiegels, der sich während der kurzen Fahrzeit kaum ändert. Zudem kann man doch nicht ernsthaft von einem Autofahrer verlangen, bei jeder Bodenwelle sofort (!!!) stehenzubleiben und sich zu vergewissern, dass es tatsächlich nur eine Bodenwelle war.
    Ich sehe dringenden Reformbedarf – die Zeit der Pferdekutschen ist vorbei. Ich habe keine Lust, als Autofahrer ständig mit einem Fuß im Häfen zu stehen.
    (Unterlassene Hilfeleistung oder “Imstichlassen eines Verletzten” dagegen soll natürlich strafbar bleiben, zumal es das auch dann ist, wenn man nicht im Straßenverkehr unterwegs ist.)

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