istock.com / ZU_09
Fahrerflucht: Welche Strafen drohen und wie man sich als Unfallbeteiligter richtig verhält

Fahrerflucht: Welche Strafen drohen und wie man sich als Unfallbeteiligter richtig verhält

Dass Fahrerflucht kein Bagatelldelikt ist, ist wohl jedem klar. Aber ab wann macht man sich schuldig, welche Unterscheidungen gibt es und welche Strafen drohen?

Online Redaktion
Veröffentlicht am 09.01.2021

In Österreich werden jährlich etwa 2.000 Unfälle mit anschließender Fahrerflucht registriert, im Jahr 2019 waren es konkret 2.251 – mit 2.568 Verletzten und zehn Todesopfern. Reine Sachschäden fließen in die Statistik gar nicht mit ein, die Dunkelziffer ist also noch weit höher. Die Gründe, warum Unfallbeteiligte die Flucht ergreifen, reichen von mangelnder Verantwortungsbereitschaft bis zur Furcht vor den Folgen. Den Unfallort zu verlassen und dabei im schlimmsten Fall sogar Verletzte zurückzulassen, ist aber keinesfalls entschuldbar und zieht mitunter schwere Konsequenzen nach sich.

Was genau ist Fahrerflucht und ab wann macht man sich schuldig?

Als fahrerflüchtig gilt man unter anderem dann, wenn man an einem Verkehrsunfall beteiligt ist und den Unfallort verlässt, ohne Erste Hilfe zu leisten und nicht an der „Feststellung des Sachverhaltes“ mitwirkt – also nicht auf die Befragung bzw. Beweisaufnahme durch die Polizei wartet.

Tipp: Einen Überblick über alle Verkehrsstrafen in Österreich gibt unser Bußgeldrechner.

Pflicht zur Mitwirkung an der Feststellung des Sachverhaltes

Die Pflicht zur Mitwirkung an der Feststellung des Sachverhaltes besteht nicht nur für den Unfallverursacher, sondern für alle Beteiligten und Zeugen eines Unfalls. Sie besteht auch für Unfallopfer, die den Unfall zwar nicht verursacht haben, aber darin verwickelt sind, sobald dies aufgrund des Gesundheitszustandes möglich ist. Bei einem Unfall mit Verletzten (“Personenschaden”) ist es außerdem verpflichtend, die Polizei zu verständigen.

Was vielen nicht bewusst ist

Auch bei Unfällen ohne Personenschaden kann man sich der Fahrerflucht schuldig machen. Zwar ist bei einem reinen „Blechschaden“ nicht zwingend erforderlich, die Polizei zu rufen – ein Entfernen vom Unfallort, ohne die vorgesehenen Daten auszutauschen, kann aber ebenso als Fahrerflucht gewertet werden. Das gilt z.B. auch bei scheinbaren Bagatellschäden wie einem Parkschaden, den man verursacht hat.

Achtung: Es genügt auch nicht, einen Zettel mit den Kontaktdaten am beschädigten Auto zu hinterlassen – um sicherzustellen, dass der Datenaustausch erfolgt, muss de Unfall unverzüglich der Polizei gemeldet werden.

Diese Strafen drohen bei Fahrerflucht

Je nach Schwere des Vergehens bzw. der Unfallfolgen müssen Lenker, die Fahrerflucht begangen haben, mit bis zu 2.180 Euro Verwaltungsstrafe rechnen.

Lässt man gar Unfallopfer zurück und erfüllt damit den Straftatbestand des Imstichlassen eines Verletzten laut § 94 StGB, ist eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bei Tod des Verletzten, ansonsten bis zu zwei Jahren möglich.

Auch ein Aussetzen der Versicherungsleistung kann Fahrerflucht zur Folge haben: Sowohl die eigene Kaskoversicherung als auch Regressforderungen der Haftpflichtversicherung sind in solchen Fällen zu erwarten, was große finanzielle Auswirkungen bis zum Lebensende haben kann. Neben dem materiellen/finanziellen Risiko, die eine Fahrerflucht birgt, sollte man sich aber vor allem vor Augen führen, dass man beispielsweise durch unterlassene Hilfeleistung schwere Verletzungen, Folgeschäden oder gar den Tod von Menschen riskiert.

Besonderheiten zu Versicherungsleistungen nach Fahrerflucht

  • Wird ein fahrerflüchtiger Autofahrer ausgeforscht, verliert dieser in der Regel alle Ansprüche aus einer Vollkaskoversicherung, und wie erwähnt ist auch eine Regressforderung der Haftpflichtversicherung zu erwarten. Wird die Fahrerflucht mit einem fremden Fahrzeug (z.B. Mietwagen) begangen, kann der Fahrzeughalter ebenso Regressforderungen stellen, genauso dessen Versicherung.
  • Wird der Unfallflüchtige nicht ausgeforscht, bleibt nur der Sachschaden-Ersatz, allerdings nur dann, wenn eine Person schwer verletzt oder getötet wurde. Ein Selbstbehalt von 220 Euro muss in diesem Fall gar vom Unfallopfer getragen werden.
  • Weiters gibt es noch die Möglichkeit für Geschädigte, Ansprüche beim Verkehrsopferfonds (über den österreichischen Versicherungsverband) geltend zu machen.
Fahrerflucht: Welche Strafen drohen und wie man sich als Unfallbeteiligter richtig verhält
© Bild: istock.com / Smederevac

Richtiges Verhalten nach einem Unfall

Unfall mit Personenschaden

Diese Punkte sollten nach einem Unfall mit Verletzten von allen Personen, die ursächlich mit dem Unfallgeschehen in Zusammenhang stehen, eingehalten werden:

  1. Das Fahrzeug sofort anhalten (und das Fahrzeug und sich selbst entsprechend absichern)
  2. Wenn nötig, Erste Hilfe leisten bzw. die Rettung bzw. Polizei rufen
  3. An der “Feststellung des Sachverhaltes mitwirken”, also an der Befragung durch die Polizei teilnehmen

Außerdem wichtig

Auch kleinere Verletzungen – bzw. im Zweifelsfall alle Verletzungen – sollten von einem Arzt dokumentiert werden. Nur so kann man als Unfallopfer später auch die Verletzung betreffende Versicherungs- bzw. Schadensersatzansprüche geltend machen.

Unfall ohne Personenschaden

Bei einem Unfall ohne Verletzte muss das Fahrzeug ebenso angehalten und entsprechend gesichert werden, allerdings muss nicht zwingend die Polizei gerufen werden.

Allerdings sollten unbedingt diese Daten ausgetauscht werden, bevor man weiterfährt und den Unfallort verlässt:

  • Haftpflichtversicherung mit Polizzennummer
  • Das Kfz-Kennzeichen
  • Name, Anschrift und Telefonnummer
  • Ein ausführlicher, lückenloser Unfallbericht als Dokumentation für die Versicherung bzw. für mögliche Schadenersatzansprüche; am Besten einen Vordruck des Europäischen Unfallberichtes verwenden – notfalls kann ein Unfallbericht aber auch formlos auf einem Blatt Papier verfasst werden
  • Name, Anschrift und Telefonnummer von eventuellen Unfallzeugen, um im Bedarfsfall auf eine Aussage eines Außenstehenden zurückgreifen zu können
  • Vorteilhaft ist es zudem, einige Fotos von der Unfallstelle zu machen, die sich dabei im Idealfall noch möglichst unverändert/unverfälscht darstellt.