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Die 10 kultigsten Autos der 1950er Jahre

Das Wirtschaftswunder nahm Fahrt auf. Für die Mobilität sorgten echte Kultautos Wir haben hier die 10 kultigsten zusammengetragen.

30.07.2018 Online Redaktion

Das Wirtschaftswunder nahm in den 1950er Jahren Fahrt auf. Und die Autohersteller hatten die lukrative Aufgabe die Menschen zu mobilisieren. Autos wurden zur treibenden Kraft des Aufstiegs. Volkswirtschaftlich, aber auch privat. Distanzen zu überbrücken und damit eine neue Freiheit zu genießen war kein Luxus mehr. Und das war den Herstellern zu verdanken, die es schafften, diese Wünsche millionenfach zu befriedigen. Dabei entstanden echte Kultautos.

Kultautos der 1950er Jahre

Denn einerseits galt es, die Menschen überhaupt erst einmal massenweise ins Auto zu bekommen. Viele Fahrzeuge waren daher einfach nur robust und zuverlässig. Mehr nicht. Doch im Lauf der Jahre ließen sich die Hersteller immer mehr einfallen, um Kunden zu gewinnen. Die Mittel- und Oberklasse als Massenmarkt wurden erfunden und bedient und plötzlich tummelten sich gleich mehrere Hersteller in diesen Nischen.

Ein ungeheures Wachstum, Fortschritt als Marathon im Sprinttempo. Die 10 kultigsten Autos dieser Epoche haben wir zusammengefasst. Aber es finden auch 9 Autos Erwähnung, die mehr oder weniger knapp nicht die Qualifikation für die Top-Ten geschafft haben. Das heißt nicht, dass es keine Kultautos sind, nur eben, dass es noch 10 kultigere gibt. Die Liste ist alphabetisch sortiert, eine Wertung haben wir nicht vorgenommen.

Weitere Kultautos:

Die 10 kultigsten Autos der 1950er Jahre

1) BMW Isetta

BMW Isetta
© Bild: Andreas Riedmann

Bauzeit: 1955 bis 1962
Motoren: 0,25 Liter bis 0,3 Liter
Leistung: 12 PS bis 13 PS

Beim Drinsitzen in der BMW Isetta konnte man eigentlich nicht zu groß sein, bestenfalls zu breit, aber für ein bisserl körpereigenes Wirtschaftswunder war die Isetta ausgelegt: Es gab Werbeaufnahmen mit zwei Erwachsenen und einem Kind auf der Sitzbank, der Fahrer sollte dann halt eher nicht Heinz ­Erhardts Statur haben. Kofferraum und Hutablage waren ebenso ident wie groß, sofern man die Grundfläche alleine vermaß – und was nicht draufpasste, montierte man eben auf den Gepäck­träger am Heck. In den 50ern zählten Zelt und Picknickkorb, die Golfausrüstung war ein Ding aus einer fernen Welt, und der Reisekoffer war klein wie der Motor. Die Isetta bewegte sich an der Basis des Motorenbaus, weniger als ein Zylinder ging nicht, weniger Hubraum als die 250 ccm der ersten Versionen quasi auch nicht, wenn man nicht nur losfahren, sondern auch ankommen wollte.

2) Citroën DS

Citroën DS Kaufberatung. Quelle: Andreas Riedmann

Bauzeit: 1955 bis 1967
Motoren: 1,9 Liter bis 2,3 Liter
Leistung: 58 PS bis 126 PS

Man muss sich die Entwicklung der Citroën DS, 17 Jahre lang und von einem Weltkrieg sabotiert, als Zusammenprallen von Genies vorstellen, und am Ende passten alle Ideen sogar in ein Auto. Die Revolutionen aber wären in der Masse verpufft, hätte Bildhauer und Citroën Designer Flaminio Bertoni nicht diese Karosserie drübergespannt, zusammengehalten durch fugenlose ­Ästhetik, feingliedrig und fließend wie nie bei einem Serienauto davor. So passten das Einspeichenlenkrad, die unendlich komfortable hydropneumatische Federung, die halbautomatische Schaltung (die Gänge wurden an einem kleinen Hebel hinter dem Lenkrad vorgewählt, Einlegen und Kuppeln besorgte die Hydraulik), Hochdruck-Bremse (die Zehenspitzen berührten einen Gummipilz am Bodenblech, der eigentliche Druck kam ebenso aus der Hydraulik), rahmenlose Seitenscheiben und die Servolenkung nahtlos ins Gesamtbild, und Motorjournalist Alexander Spoerl schrieb: „Dieses Auto ist nicht von morgen. Es ist von heute. Die anderen sind von gestern.“

3) Ferrari 250 Testa Rossa

Ferrari 250 Testa Rossa Peter Collins Phil Hill

Peter Collins und Phil Hill im Ferrari 250 Testa Rossa.

Klar, der Ferrari 250 Testa Rossa war ein Rennwagen und es wurden nur 19 Stück gefertigt, aber es war ein Rennwagen der legendären Sorte, der später eben auch dem Testarossa als Namensgeber dienen sollte. Beim 250 war der Begriff noch ein Namenszusatz, der sich auf die roten Ventildeckel bezog. Hintergrund war, dass Ferrari für die Sportwagenweltmeisterschaft ein neues Aggregat brauchte, da eine Hubraumgrenze von drei Litern eingeführt wurde. Ergebnis war der Dreiliter-V12 mit 300 PS.

4) Fiat Nuova 500

© Bild: Fiat

Bauzeit: 1957 bis 1977
Motoren: 0,5 Liter bis 0,6 Liter
Leistung: 13,5 PS bis 22 PS

Der Start des Fiat Nuova 500 dieses Autos missglückte. Dante Giacosa, Fiats Hitschreiber, glaubte, ein Auto unterhalb des ohnehin nicht gerade üppig dimensionierten 600 positionieren zu müssen. Bereits drei Monate nach Markteinführung musste das Fahrzeug nachgebessert werden. Es gab unter anderem vier Sitzplätze, Kurbelfenster und Lenkstockschaltung. Wer bei den ersten Modellen zugegriffen hatte, der bekam sein Geld zurück. Doch dann setzte der Boom ein. Zwischen 1957 und 1977 wurden 3,702 Millionen Stück verkauft. Der 600er verkaufte sich zwar besser (4,92 Millionen Stück), doch irgendwie gewann der 500er die Kultwertung.

5) Mercedes 300SL

Bauzeit: 1954 bis 1963
Motoren: 3,0 Liter
Leistung: 215 PS

Allein die schwebeleichte Türfunktion des Mercedes 300SL ist faszinierend genug, und man ist überrascht, wie praktikabel, sacht und satt die Möwenschwinge (Gullwing) schließt und sich wieder öffnen lässt. Man reicht sitzend zum Zuziehgriff, es ist einer dieser in Klarsicht innegehaltenen Momente, wo man erkennt, dass man ES GESCHAFFT HAT. Möge er ewig bleiben. Kameras klicken. Oder waren es die Hosenträgerknöpfe? Das Drehen des Startschlüssels, als würde man eine wertvolle Standuhr aufziehen, setzt sich mechanisch fort durch tickende Relais in das ausrückende Starterritzel, das klackend in die Schwungradverzahnung eingreift, zwei, drei Umdrehungen werden zählbar, und mit einem beiläufigen ­Räuspern setzt sich der Motor in Gang. Gas­stöße. Mann, das macht was her. Sound of Wirtschaftswunder.

6) Opel Kapitän `51

Opel Kapitän 51
© Bild: WikiCommons-Lothar Spurzem

Bauzeit: 1951 bis 1953
Motoren: 2,5 Liter
Leistung: 58 PS

Den Opel Kapitän gab es bereits ab 1938. Doch der Opel Kapitän `51 war es, der für Opel in diesem Jahrzehnt die Oberklasse erschloss. Eine stark modernisierte Karosserie, etwas mehr Protz in der Optik und natürlich ein stärkerer Motor besorgten das. Erfolgreich. Zwischendrin war der Kapitän das drittmeistverkaufte Fahrzeug in Deutschland – hinter dem VW Käfer und dem Opel Olympia Rekord.

7) Peugeot 403

© Bild: Peugeot

Bauzeit: 1955 bis 1967
Motoren: 1,3 bis 1,5 Liter (Benziner), 1,5 Liter (Diesel)
Leistung: 54 PS bis 58 PS (Benziner), 47 PS (Diesel)

Der Peugeot 403 war der erste globale Megastar der Löwenmarke, ein weltweit verkauftes Mittelklassemodell, mit dem Peugeot der Schritt zum ganz großen Volumenhersteller gelang: Mit über 1,2 Millionen verkauften Einheiten wurde der vor 60 Jahren vorgestellte Peugeot 403 als erste Baureihe aus Sochaux Mitglied im damals noch elitären Club der Produktionsmillionäre. Erheblich zu diesem Erfolg beitragen konnte ein ab 1959 angebotener, 48 PS starker 1,8-Liter-Dieselmotor, der nicht nur Taxifahrer und berufliche Vielfahrer begeisterte. Pionierarbeit leistete dieser erste französische Großserien-Selbstzünder auch in den besonders familienfreundlichen Kombiversionen des Peugeot 403.

8) Porsche 356 A

© Bild: Andreas Riedmann

Bauzeit: 1955 bis 1959
Motoren: 1,5 Liter bis 1,6 Liter
Leistung: 60 PS bis 110 PS

Die Geschichte des deutschen Sportwagens setzt mit dem Porsche Typ 356 ein, der aus seiner Grundnähe zum patenten Volkswagen Vorzüge destillierte. Technik wie aus dem Metallbaukasten. Der Kastenrahmen aus Stahlblech mit fest verschraubter Karosserie. Der luftgekühlte, flach bauende Boxermotor im Heck. Kurbellenkerachse vorn, Pendelachse hinten. Federung durch platzsparende Drehstäbe. Viergang-Knüppelschaltung. Das große dreispeichige Bakelit-Lenkrad. Die Prominenz des Drehzahlmessers in Armaturenmitte. Nicht zu vergessen: „Red tipper“, der rote Spitz an der Radioantenne. Die hochgradige Verwandtschaft mit Volkswagen-Technik schuf den Vorteil, ein exotisches Auto bei der ganz gewöhnlichen Werkstätte überholen lassen zu können.

9) Renault Dauphine

Bauzeit: 1956 bis 1968
Motoren: 0,85 Literr
Leistung: 26,5 PS bis 49 PS

„Dauphine“ bedeutet „Thronfolgerin“. Das Fahrzeug sollte das Erbe das 4CV übernehmen. Die Renault Dauphine, obwohl spürbar größer, übernahm viele Teile des 4CV. Ziel war es, eine vollwertige viertürige Limousine auf dem Markt zu haben. Auch, wenn damals eher weniger darauf geachtet wurde: Mit wassergekühltem Vierzylinder-Motor und Heckantrieb verbrauchte die Dauphine in der Praxis rund 7,5 Liter Benzin auf 100 Kilometer, was den Wagen zu einem der sparsamsten seiner Klasse machte.

10) VW T1 Bulli

Zeitmaschinen 1951 VW Sambabus Seite Exterieur dynamisch

Bauzeit: 1950 bis 1967
Motoren: 1,1 Liter bis 1,5 Liter
Leistung: 24,5 PS bis 43,5 PS

Der VW T1 Bulli wurde zur Urform des Kastenwagens, der anderen Herstellern kaum Chancen ließ, und die Luxusausführung wies den Weg Richtung Wirtschaftswunder. Als Oldtimer durchbrach er alle Wertsteigerungsrekorde. Kein Transporter der Wirtschaftswunderzeit verkaufte sich besser – der Ford FK litt an ­seinem Fahrwerk, das ungefähr genauso elaboriert war wie ein Leiterwagen, Tempo Wiking und Matador rangen lange nach der endgültigen Reife, der Lloyd LT war deutlich kleiner, der Alfa Romeo Autotutto blieb selbst in Italien ein rares Gewächs, ­Citroën HY und Peugeot D3/D4 waren eine Nummer größer. Der VW Bulli aber versprach als robuster Handschlag mit ­solider Technik jedes Problem zu transportieren: Es gab ihn als Kastenwagen, Pritsche, Doppelkabine, als Kombi mit herausnehmbaren Sitzreihen und als Bus mit dezent plüschigerer Ausstattung für den Personentransport.

9 Autos die knapp scheiterten

An der Wahl zu den 10 kultigsten Autos der 1950er sind 9 Fahrzeuge knapp gescheitert. Jedes davon hätten wir gerne in der Garage, aber in einer Top-Ten-Liste ist nunmal nur Plätz für 10 Autos. Nicht für 19.

Weitere Kultautos:

BMW 501 & BMW 507

© Bild: BMW

Diese Legenden repräsentieren zwar heute eher das BMW-Programm, verkauften sich damals aber nur mäßig. Die Isetta kennt und erkennt aber beinahe jeder.

Citroen 2 CV (Weil 1949)

Citroën 2CV Oldtimer Kaufberatung. Quelle. Andreas Riedmann

Wurde bereits ab 1949 gebaut, weswegen die DS das Rennen machte.

 

Ford Taunus 12M

Ford Taunus 12M
© Bild: WikiCommons/Anghy

Wirklich kein schlechtes Auto. Im Gegenteil. Aber: Zwischen den Welten gefangen. Als Vorlage sollte der Studebaker Champion dienen. Hierzulande musste er gegen den VW Käfer (weiter unten) und gegen Opel Olympia Rekord und Peugeot 403 (beide weiter oben) konkurrieren. Für beides war er zu teuer.

Mercedes 190SL & Mercedes W186

Der 190 SL kann gegen den 300SL nicht gewinnen. Klar, der 190SL ist Kult, aber der 300 SL eben eine Legende. Gleiches gilt für den W186, auch Adenauer-Benz genannt.

Opel Olympia Rekord

1955 Zeitgenossen Goggomobil Opel Olympia Rekord

Schafft es aus Kultgründen nicht in den Top-Ten, weil es schwer ist gegen den Kapitän zu gewinnen.

VW Karmann Ghia Typ 14

© Bild: Aleksandra Pawloff

Noch ein sportlicher VW Käfer. Fällt gegen die Konkurrenz von Porsche allerdings durch. Nicht persönlich gemeint.

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