Audi 100 Coupe S
 

10 Kultautos der 1970er Jahre: Kultige Karren der 70er

In den 1970ern Jahren wurde die Autoindustrie pragmatischer. Deswegen gab es aber nicht weniger Kultautos. Wir stellen vor: die 10 kultigsten Autos der 1970.

23.07.2018 Online Redaktion

Der Nachkriegsboom ließ langsam nach, die Stagflation machte den Leuten zu schaffen, es gab Ölkrisen und politische Skandale. Trotzdem brachte das Jahrzehnt wirklich kultige Autos hervor. Manche floppten (BMW M1), andere reüssierten, aber keiner bekam es mit (Citroën GS). Wir haben das Autojahrzehnt mal nach seinen Kultautos abgeklopft.

Die Kultautos der 1970er Jahre

Die Autoindustrie musste reagieren. Synergieeffekte mussten her und Sprit musste gespart werden. Einerseits. Andererseits musste das Auto an sich bequemer und komfortabler werden. Schließlich ging es allen besser und das wollten auch alle herzeigen. Und wenn es allen besser geht, wächst natürlich auch die automobile Spitze über sich hinaus. Oder anders: die Basis wird breiter, die Spitze spitzer.

Wir haben uns das Autojahrzehnt angeschaut und die Autos herausgefiltert, die das Jahrzehnt am besten repräsentieren und deswegen bis heute einen Kultstatus genießen. Zusätzlich zu den 10 kultigsten Autos der 1970er Jahre haben wir noch eine Reihe Fahrzeuge gefunden, die leider an der Qualifikation zu den Top-Ten scheitern, an dieser Stelle aber trotzdem nicht unerwähnt bleiben sollen. Die Autos sind alphabetisch geordnet, es gibt also keine Wertung. Die Bauzeit bezieht sich nur auf die erste Generation, schließlich geht es um das Geburtsjahr.

Die kultigsten Autos der 1970er Jahre

1) Audi 80

Bauzeit: 1972 bis 1978 (nur erste Generation)
Motoren: 1,3 Liter bis 1,6 Liter
Leistung: 54 PS bis 110 PS

Vielleicht ist es dieses Modell, das die jetzige Stellung des VW Konzerns im deutschsprachigen Raum überhaupt erst möglich machte. Die Heckmotorfahrzeuge des Konzerns waren veraltet. Dann kam der Audi 80 mit einem komplett neu entwickelten Motorenprogramm. Das Timing war grandios. 1973 kam die erste Ölkrise und plötzlich waren die Fahrzeuge des Konzerns (auch der erste VW Passat basierte auf dem Audi 80) echte Kassenschlager.

2) BMW 3er

Bauzeit: 1975 bis 1983 (nur erste Generation)
Motoren: 1,6 Liter bis 2,3 Liter
Leistung: 75 PS bis 149 PS

BMW weiß, wie Nachfolger kreiert werden. Die Marke entwickelte den Ur-3er, also den E21, während sich dessen Vorgänger, der 02er, noch blendend verkaufte. Entsprechend kritisch wurde der erste 3er also von den Fans beäugt. Doch der Wagen konnte tatsächlich alles besser. Er war sportlicher, sicherer, komfortabler. Allein die Heckoptik gefiel der Kundschaft nicht, weswegen die nach nur vier Monate auf dem Markt sanft geändert wurde (geriffelte Heckblende). 1.364.039 Stück wurden verkauft, was eine deutliche Sprache ist.

3) Citroën GS

1970 Zeitgenossen Citroen GS

Bauzeit: 1970 bis 1986
Motoren: 1,0 Liter bis 1,3 Liter
Leistung: 54 PS bis 65 PS

Als die Kunden in den 1970ern frech wurden und alles wollten (große Karosserie, neue Technik, Komfort… und das zu einem erschwinglichen Preis), lancierte Citroën den GS. Das Fahrwerk stammte aus der DS und war auch eine klasse Tiefer eine Sensation, der Motor hingegen zog keine Wurst vom Teller, wurde aber schnell aufgemotzt. Die anfänglichen Verarbeitungsfehler waren der hohen Nachfrage geschuldet und wurden ebenfalls schnell ausgemerzt. 1971 wurde der Citroën GS sogar Auto des Jahres. Der Wagen war ein voller Erfolg, steht aber leider im Schatten von Käfer, DS und HY.

4) Fiat 130 Coupé

Fiat 130 Coupe Oldtimer Gebrauchtwagen Testbericht Oberklasse Sportler Klassiker

Bauzeit: 1971 bis 1977
Motoren: 3,3 Liter
Leistung: 165 PS

Der Fiat 130 setzte sich nie durch. Die Oberschicht wollte keine Autos von Fiat kaufen. Die wollte Mercedes fahren – selbst der Papst fuhr damals einen Stern. Trotzdem probierte es Fiat. Die Marke hatte praktisch keine Historie in der Oberklasse und entwickelt das Fahrzeug aus dem nichts. Also ohne technische Basis. Die Limousine floppte. Vor allem, weil sie zu schwer und damit zu langsam war. Denn alles andere stimmte. Modernste Produktionsprozesse, tolle Verarbeitung, hochwertige Materialien. Das Coupé sollte es richten. Pininfarina entwarf es, das Design gilt bis heute als ikonisch. Allein, es half nichts. Von der Limousine wurden nur 15.000 Stück gefertigt, vom Coupé nur 4.493 Stück.

5) Lamborghini Countach

Bauzeit: 1974 bis 1990
Motoren: 3,9 Liter bis 5,2 Liter
Leistung: 375 PS bis 455 PS

Der Vorgänger, der Miura, war eben erst damit fertig geworden die Marke dorthin zu heben, wo sie nach eigenem Verständnis hingehört. Eine Stufe über Ferrari nämlich. Dieses schwere Erbe musste der Countach antreten. Und das war kein Problem. Denn der Miura ist zwar bis heute eines der schönsten Autos der Geschichte, aber eben keine Wunderwaffe auf der Straße. Die Front wurde bei höheren Geschwindigkeit schnell leicht und plötzlich fuhr man nur noch auf den Hinterrädern. So man geradeaus fuhr und sich nicht drehte. Der Countach behob viele Schwächen. Das Getriebe liegt vor dem Motor, zwischen den beiden Sitzen. Der Schaltknüppel greift direkt rein, Gangwechsel gehen schnell und direkt. Das feine Gitterrohrrahmenchassis und sehr leichte Karosserieteile halten das Gewicht gering. Rein optisch brach der Countach mit allen Regeln, die bis dahin gegolten hatten. Er war etwas völlig neues. Nur so kann ein Modell das Erbe des schönsten Autos der Welt antreten.

6) Melkus RS1000

© Bild: Archiv

Bauzeit: 1969 bis 1973
Motoren: 1,0 Liter bis 1,1 Liter
Leistung: 69 PS bis 89 PS

Der Ostdeutsche Sportwagen hatte so etwas wie österreichische Wurzeln. Denn Heinz Melkus, der Erfinder des Fahrzeug, kam auf die Idee ein eigenes Auto zu bauen, während er bei einem Rennen in Wien einen Lotus Elan beobachtete. Genau genommen gehört das Auto nicht in diese Liste, doch die Exemplare die 1969 entstanden waren ausschließlich Prototypen. Im Grunde war ja so etwas Reaktionäres wie ein Sport­wagen mit dem Gedankengut des Arbeiter- und Bauernstaates nicht wirklich kompatibel, es zählte wohl zum politischen Geschick des „Nicht-Partei-Mitgliedes“ (so Enkel Sepp Melkus), dass der Konstrukteur die Kommission Automobilrennsport dazu brachte, bei der Zentralen Sportkommis­sion einen Antrag für den Bau eines leichten Sportwagens „zu Ehren des 20. Jahrestages der Gründung der DDR“ zu stellen. Dem Antrag wurde stattgegeben, und gemeinsam mit Technikern von Wartburg und der TU Dresden sowie Designern der Kunsthochschule Berlin entstand der RS 1000, der rechtzeitig zum Feiertag im Oktober 1969 fertig wurde.

7) Mercedes G-Klasse

Mercedes-Benz G-Klasse
© Bild: Mercedes-Benz

Bauzeit: seit 1979
Kaum ein anderes Fahrzeug hat einen derartigen Imagewandel samt Preisanstieg hinter sich. Sein Leben begann die G-Klasse als Förster-Auto, Arbeitstier und Militärfahrzeug. Das mag es in homöopathischen Dosen auch heute noch sein, doch bestimmt wird sein Image von reichen Amerikanern und Saudis, die sich vollgestattete Versionen für die Sammlung zulegen. Aktueller Einstiegspreis in Österreich (stand Juli 2018): 107.040,50 Euro. Und nur ein deutscher Buchhalter weiß, woher die 50 Cent kommen.

8) Opel Manta

Opel Manta Bild des Tages
© Bild: Andreas Riedmann

Bauzeit: 1970 bis 1975 (Opel Manta A)
Motoren: 1,2 Liter bis 1,9 Liter
Leistung: 59 PS bis 105 PS

Ab 1970 soll der Manta A dem Ford Capri Konkurrenz machen, der sich bereits die sportliche, jugendliche Kundschaft in Europa angelt und als Europa-Version des Mustang gilt. Als Pony Car. Der Manta fährt ihm kräftig in die Absatzzahlen. Den Namen holte er sich vom gleichnamigen Rochen, an dessen Optik man sich angeblich orientiert habe. Der Designer-Schmäh findet seinen Höhepunkt in der deutschsprachigen Presse, die sich das Wortspiel „Capri-Fischer“ nicht entgehen lässt. 1974, spät aber doch, zieht endlich ausreichend Leistung unter die Haube ein, auch wenn es bei den vier Zylindern bleibt. 1,9 Liter, elektronisch gesteuerte Benzineinspritzung, auf 9,5 gesteigerte Verdichtung, um 300 Touren angehobene Drehzahl­Obergrenze, 105 PS – der GT/E ist geboren. Da steht dann zwar schon der Modellwechsel von A nach B vor der Tür, was aber reichlich egal ist.

9) Porsche 928

Bauzeit: 1977 bis 1982 (nur 928)
Motoren: 4.474 Kubikzentimeter V8
Leistung: 240 PS

Da war der 911, der Inbegriff der Marke, gebaut im immerwährenden Layout: Boxermotor im Heck, luftgekühlt, sechs Zylinder, Karosserie in angequetschter Käferform. Neben dem zu glänzen war die Aufgabe. Der 914 und der 924 mussten sie nicht erfüllen, sie waren ein paar Klassen weiter unten verortet. Aber der 928 sah sich als Flaggenträger kalkuliert. In der Hierarchie dem 911 ebenbürtig, mindestens. Die Ölkrise nahm der Entwicklung ein wenig den Schwung. Der 928 sprach eine andere Kundschaft an als der 911, und so war es ja auch sinnvoll. Kundschaft, die von ihrem sehr sportlichen, sehr imageträchtigen Auto nichtsdestotrotz viel Platz und Fahrkomfort ­verlangte. Von beidem bot der 928 den Umständen entsprechend, und auf jeden Fall mehr als der 911.

10) VW Golf I

Bauzeit: 1974 bis 1983
Motoren: 1,1 Liter bis 1,8 Liter (Benziner), 1,5 bis 1,6 Liter (Diesel)
Leistung: 50 PS bis 111 PS (Benziner), 50 bis 96 PS (Diesel)

Volkswagen stand am Abgrund. Der Käfer? Veraltet. Mögliche Nachfolger waren nicht am Horizont. Doch seit 1970 wurde an einem komplett neuen Fahrzeug gearbeitet. Die alte Technik flog (siehe Audi 80) raus. Der Name: Golf. Ein Auto, das den Konzern retten sollte und bis heute den deutschsprachigen Raum mobilisiert wie kein anderes Fahrzeug.

Autos, die knapp scheiterten

Nicht jedes erfolgreiche Auto aus den 1970ern kann es in die Top-Ten der kultigsten Autos schaffen. Denn dieses Jahrzehnt war voller Kultautos. Diese 12 Fahrzeuge musste wir leider aussortieren, was freilich völlig subjektiv und unfair geschah:

Audi 50 & 100 Coupé

Audi 100 Coupe S

Diese zwei Autos scheiterten schlichtweg an der Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Der Audi 80 entschied quasi im Alleingang über Wohl und Wehe eines Konzerns.

BMW M1 & 5er

© Bild: Andreas Riedmann

Der M1 war ein Flop mit Ansage. Dieser Mut beeindruckt uns tief, er reicht aber nicht. Der 5er muss sich einfach der Bedeutung des 3er unterordnen.

Citroën SM

 

Wenn Franzosen unter großem Druck einen italienischen Motor verbauen, dann kann das nicht gut gehen. Ging es nicht. So kultig der SM ist, der GS hat Vorrang. Da halt nicht einmal der Citroen SM Presidentielle von 1972.

Mercedes W123 & S-Klasse

© Bild: Werk

Hier wurde am härtesten gestritten. Der W123 steht eigentlich über allem. Die S-Klasse auch. Ganz uneigentlich entschieden wir uns aber für die G-Klasse. Warum? Darum.

Porsche 914 & 924

Die hauseigene Konkurrenz verhinderte die Top-Ten-Platzierung.

 

VW Polo & Passat

Gegen den Golf machst du als Polo aus historischer und kultiger Sicht keinen Stich. Der Passat scheiterte freilich am Audi 80.

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