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Als BMW der Hafer stach: Wir sagen drei Mal DANKE!

BMW hat drei Mal bewiesen, dass sie den Mut haben zu scheitern. Der BMW M1, Z1 und C1 waren Flops mit ansagen, für die wir uns bedanken wollen.

21.03.2018 Online Redaktion

Baukästen und knallharte Segmentierung, Buchhalter statt Visionäre, Gleichteilestrategie und Badge-Engineering. Nur noch selten wird heutzutage im Automobilbau außerhalb von Konzepten und Studien noch etwas riskiert. Das gilt für die gesamte Branche und beinahe alle Marken. Doch das war einmal anders und BMW bewies ganz besonderen Mut. Die Marke versuchte sich gleich drei Mal an Konzepten, die genau genommen von Anfang zum Scheitern verurteilt waren. Doch BMW zog es durch und schuf zweieinhalb Legenden (der C1 wird seine Renaissance noch bekommen).

BMW M1

BMW M1
© Bild: Riedmann

Produktionszeitraum: 1978 bis 1981
Verkaufte Stückzahl: 460 Stück

Eigentlich wollte BMW mit dem M1 gleich direkt in den Motorsport einsteigen. Doch für eine Gruppe-4-Homologation war das Unternehmen nach Produktionsproblemen zu spät dran. Die notwendigen 400 Stück waren unmöglich zu erreichen. Also erfand Jochen Neerpasch, Rennsport-Haudegen, Leiter der noch jungen M GmbH und vormals Rennleiter bei Ford und BMW, 1979 die Procar-Serie. Ein Wettbewerb, der ausschließlich in BMW M1 ausgetragen werden sollte und der vor jedem Formel-eins-Rennen stattfand. Ecclestone und Mosley waren begeistert, weil BMW jede Menge Geld investierte. Die Fans waren entzückt, weil Sponsoren die Formel-1-Stars ins Cockpit kauften und die Fahrer auf der Rennstrecke der Ehrgeiz packte.

Alle anderen Motorsportambitionen jedoch wurden zum Desaster. In der Gruppe 4 fuhr der M1 mit 470 PS hinterher, in der Gruppe 5 trat er mit seinen 815 PS gar nicht erst an.

Auch auf der Straße griffen die Bemühungen von BMW zu kurz. Das Interieur war pragmatisch gestaltet. Das ist für den Motorsport gut, doch für den normalen Kunden war das Auto damit zu teuer. Ums gleiche Geld hatte man im Ferrari-Showroom freie Auswahl, wo es mitunter doppelt so viele Zylinder gab. Auch wenn die Fahr­leistungen konkurrenzfähig sind, un­ter­fliegt ein Auto mit nur sechs Zylindern die Wahrnehmung derer, die sich einen Supersportler kaufen können.

Ironie der Geschichte. Erst wollte den BMW M1 niemand, jetzt ist er kaum noch zu bekommen.

BMW Z1

BMW Z1
© Bild: BMW

Produktionszeitraum: 1989 bis 1991
Verkaufte Stückzahl: 8.000 Stück

Der Z1 sollte zu einer Zeit in Serie gehen, als die Roadster als ausgestorben galten. In den späten 80ern sind lediglich der Alfa Spider und der Mazda MX-5 offen und flach. Wobei letzterer eher als Überraschung aus Fernost kam und zumindest hierzulande nicht von langer Hand geplant war.

Aber von vorne. Denn den BMW Z1 hätte es auf der Straße nie geben dürfen. Er war gedacht als leichte Fingerübung einer BMW-Außenstelle, die für leichte Fingerübungen zuständig ist: Die BMW Technik GmbH. 1985 von BMW als schlagkräftige, autarke Einheit gegründet, die abseits bodenständiger Versuchsabteilungen fürs Aufwurln der schrägen Gedanken zuständig sein sollte.

Zum Vorstand wurde Dr. Ulrich Bez ernannt, vor- und nachher Technik-Chef von Porsche, später Aston-Martin-Boss. Damit der Z1 nicht ausuferte, gab es eine grundlegende Vorschrift: Kompakt sollte er sein. Die klassischen britischen Roadster-Tugenden sollte er wiederbeleben.

Designer Harm Lagaay, später Designchef bei Porsche, hatte völlig freie Hand, zu berücksichtigen war lediglich die Höhe des 2,5-l-Reihensechszylinders. Zum Problem wurde dann eher die Höhe der Seitenflanken, immerhin sollten die Türen komplett im Schweller abtauchen.

Pünktlich zum vereinbarten Termin (22. Juli 1986) ist der erste Prototyp fertig und die Gedanken an eine Serienfertigung verdichten sich, weil Eberhard von Kuenheim, BMW-Vorstandschef, anmerkt, dass der Z1 ein Auto für seinen Sohn wäre. Ulrich Bez ordert gleich das erste Exemplar.

Der BMW Z1 kostete so viel wie ein Siebener. Das dämpfte die Nachfrage. Und damit auch den Wunsch einer Serienproduktion. Denn angeblich hätte BMW 30.000 Stück pro Jahr fertigen müssen, um rentabel arbeiten zu können.

BMW C1

BMW C1
© Bild: BMW

Produktionszeitraum: 2000 bis 2003
Verkaufte Stückzahl: 33.714 Stück

Dass es einen Citroën C1 gibt haben die Franzosen der Marke BMW zu verdanken. Die verkauften nämlich nach Produktionsende ihres überdachten Rollers die Namensrechte an die Franzosen. Nachdem das Zweirad-Konzept gefloppt war, hatten die Bayern keine Verwendung mehr für das Kürzel.

Dabei war der C1 so gut gemeint. Die Idee dahinter war, den Verkehr in der Stadt durch einen Roller-Hype zu entlasten. Ausgelöst werden sollte der, in dem die größten Schwachstellen des Zweirads – nämlich die fehlende Sicherheit und die Abhängigkeit vom Wetter – per Dach gelöst behoben werden sollten. Ganz grundsätzlich gelang das dem BMW C1. Das Fahrzeug wurde mit Gurten versehen, wer sie trug war von der Helmpflicht befreit.

Die Liste der Nachteile aber war lang. So saß der Sozius außerhalb des Dachs, der Neupreis lag über gängigen Kleinwagen der damaligen Jahre, hohe Windbelastung durch ungünstige Strömung, Regen kommt seitlich eben doch rein, rückwärts rangieren war eine Katastrophe.

Und so war es am Ende eben doch profitabler, die Namensrechte zu verkaufen, statt das Fahrzeug weiter zu bauen.

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