Andreas Riedmann
10 wirklich brauchbare Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

10 wirklich brauchbare Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

Gebrauchtwagenkauf ist nicht nur Vertrauenssache – man hat es selbst in der Hand, genau jenes Auto zu finden, mit dem man glücklich wird: 10 Tipps zum gelungenen Gebrauchtwagenkauf.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 18.07.2020

1. Abstecken des Budgets

Wenn ihr zu den Glücklichen gehört, die auch größere Summen sorgenfrei ausgeben können, dann werdet ihr vermutlich ohnedies zu einem Neuwagen greifen. Beziehungsweise etwaige übersehene Schäden recht locker reparieren lassen können. Falls ihr euer Geld allerdings etwas vorsichtig ausgeben müsst, dann will eine kleine Reserve für mögliche Reparaturen eingeplant sein – auch beim sorgfältigsten Autokauf passiert es, dass der Aufmerksamkeit eine kleine Unpässlichkeit des Wagens entwischt.

Über den Daumen gepeilt: Maximal zwei Drittel des geplanten Budgets für den Kauf selbst aufwenden. Das restliche Drittel hilft dann, ungeplante Zickigkeiten des Autos schmerzfrei zu kurieren.

Natürlich kennt dieser Tipp Schwankungsbreiten: Bei etwas älteren Kleinwagen gibt’s aufgrund der überschaubaren Technik weniger Potenzial für Unwägbares, während besonders bei eher modernen Oberklassewagen mit hoher Kilometerleistung allerlei möglich ist: Man darf nicht vergessen, dass die Anzahl der Steuergeräte mittlerweile tief zweistellig oder noch höher ist, dagegen kann man nur mehr als kundiger Elektroniker mit entsprechenden Diagnosegeräten antreten. Ein paar Jahrzehnte davor war Elektronik nur in der Einspritzung zu finden, Jahre davor überhaupt nirgends.

Und wenn an einem Auto mehr dran ist, kann mehr kaputtgehen – klingt völlig banal und ist es auch, wird aber im Saft der Emotionen gerne vergessen, wenn man einem Auto mit allen Extras gegenübersteht, das einst ein Vermögen kostete, jetzt für wenige tausend Euro zu haben ist und schon ein paarhundert tausend Kilometer drauf hat. Man kann durchaus einen Jaguar XJ und einen Skoda Fabia uns gleiche Geld kriegen. Bei den Folgekosten werden sich die beiden aber deutlich unterscheiden.

2. Wahl des Autos

Da sind wir schon mittendrin in der Autowahl. Grundsätzlich gilt: Wer über ein halbwegs intaktes Ego verfügt, wird das Auto eher nach den eigenen Vorlieben wählen – und weniger dazu, Nachbarn und Bekannte neidisch zu machen oder die Hegemonie im Straßenverkehr auszuleben.

Das Auto muss also zu den eigenen Transportbedürfnissen passen, und die Frage, ob man wegen einer einzigen Urlaubsfahrt im Jahr das größere Auto braucht, ist eine lange diskutierte. Nein, wenn man sich für zwei Wochen im Jahr etwas Größeres ausleihen kann. Ja, wenn man nichts ausborgen kann und beim Urlaubsfahren zu viele Abstriche beim Gepäck machen müsste. (Das mögliche Daheimlassen von Familienmitgliedern ist eine eher soziologische Problemstellung, wir lassen sie hier also einfach weg und raten, in diesen Fällen Mediatoren zu Rate zu ziehen.)

Auch Marke und Type müssen zur eigenen Persönlichkeit passen, da pflegen wir alle unsere eigenen Vorlieben. Ob man sich in einem Auto wirklich so wohl fühlt, wie man von außen vermutet, kann nur die Probefahrt klären – da will dann das Bauchgefühl gleichberechtigt mit dem Sachverstand entscheiden, zwei miteinander unschlagbare Ratgeber.

Unbedingt zu berücksichtigen ist die Nähe der Werkstatt, bei der man sich wohlfühlt. Schließlich muss ein Auto regelmäßig zum Service, und hie und da wird wohl auch bei sorgfältiger Auswahl eine Reparatur anstehen. Wer dann nicht weit fahren muss und sich dort menschlich wie fachlich willkommen fühlt, hat ein weiteres Argument für eine bestimmte Marke gefunden.

3. Informationen über die Type einholen

Im Idealfall ist man selbst Expertin oder Experte für das angepeilte Modell. Diese beneidenswerten Menschen, die genau wissen, worauf sie achten müssen, wo genau die Schwachstellen eines Autotyps liegen und was die Teile und die Reparatur kosten, findet man am ehesten bei Old- und Youngtimerschraubern.

Das aber sind die Wenigsten von uns.

Zweitbester Fall: Man hat willige Experten um sich, die so gerne Auto kaufen gehen, dass sie es auch für Freunde tun. Oder zumindest solche, die für faires Geld mitkommen und eine echte Expertise abgeben.

Findet man die nicht, dann begibt man sich selbst auf die Suche nach potenziellen Schwachstellen eines Autos – und zwar ausreichend lange vor der Besichtigung. Man landet dann unweigerlich in allerlei Internet-Foren, darf aber nicht vergessen: Es handelt sich mehr oder minder um Stammtische, bei denen halt jeder (selten: jede) daheim sitzt und gescheit redet. Gescheit kann wirklich klug sein – oder eben nur g’scheit.

Es gibt Foren mit wirklich hilfreichen und sachkundigen Antworten, es gibt aber auch solche, wo verlässlich nach dem vierten Posting gestritten und einander mangelnde geistige Zurechnungsfähigkeit vorgeworfen wird. Mit etwas Fingerspitzengefühl kann man die Qualität der Postings aber ganz gut herauslesen. Wo unaufgeregt und ausführlich geantwortet wird, wo auf die Fragenden eingegangen wird statt missionarisch die eigenen Meinung rauszutrompeten, dort ist man tendenziell gut beraten.

10 wirklich brauchbare Tipps für den Gebrauchtwagenkauf
© Bild: Andreas Riedmann

4. Problemzonen und so

Neben den Schwachstellen geben auch die Ersatzteilpreise (und nicht zu vergessen: die Ersatzteilpolitik!), die Reparaturfreundlichkeit und die eigenen Fähigkeiten beim Schrauben Anhaltspunkte für künftige Kosten. Ersatzteilpolitik heißt: Erlaubt ein Hersteller die Fabrikation von Nachbauteilen nicht, dann ist man seinen Ersatzteilpreisen ausgeliefert. Allerdings sind Originalteile ohnedies meist höherwertig.

Die Mischung dieser Faktoren steckt die künftigen Erhaltungskosten ab: Es gibt Autos, da kosten neue Traggelenke und Fahrwerksgummis zusammen kaum mehr als einen Hunderter, und jeder mittelmäßige Bastler kann sie tauschen. Da denken wir etwa an den Volvo 740/940. Bei anderen Autos sind die Gummis nicht einzeln zu haben, sondern nur in Verbindung mit den Querlenkern, und nach dem Tausch muss die Fahrwerksgeometrie neu justiert werden. Dann sind ein bis zwei Tausender fällig.

Anderes Beispiel: Bei manch Auto kann der Zahnriemen am Straßenrand mit einem Werkzeugset getauscht werden, wie man es am Weltspartag geschenkt bekommt. Bei anderen muss die Werkstatt mit Spezialwerkzeug und dünnen Plättchen zum Justieren der Riemenspannung ran.

5. Lesen des Inserates

Beim Durchstöbern von Inseraten bemerkt man alle Nuancen der Formulierungskunst, wobei Kunst eher weniger anzutreffen ist. Da möge man als Interessentin und Interessent durchaus etwas Nachsicht walten lassen, selten nämlich werden Inserate von Menschen verfasst, die im Alltag viel schreiben, und Ehrlichkeit und Seriosität zählen deutlich mehr als der Bildungsgrad. „Schweren Herzens abzugeben“ ist eine Standardfloskel, Rechtschreibfehler oder mit dem Holzhammer geklopfte Formulierungen machen ein Auto nicht schlechter. „1A-Zustand“ ist ein Blödsinn, weil den haben Neuwagen schon nicht mehr, sobald man sie in Betrieb nimmt, und er ist auch nirgendwo verbindlich definiert.

Unfreundliche Formulierungen („Zeitdiebe verpisst euch!“) hingegen lassen schon einige Rückschlüsse auf den Charakter des Verkäufers zu, man muss dann selbst entscheiden, ob man ein Auto von jemand Unsympathischem kaufen mag. Wer beides probiert hat, weiß: kein Vergleich! Man merkt den Unterschied schon bei der Kontaktanbahnung per Mail (oder per Telefon, auch wenn das bei jungen Menschen eher undenkbar ist), erst recht bei der Besichtigung.

6. Gebrauchtwagenüberprüfung – selbst oder beim ARBÖ oder ÖAMTC

Hier kommt einer der wichtigsten Sätze einer Kaufberatung, und alle kennen ihn: Niemals (NIEMALS!) ein Auto nur nach Fotos und den Worten der Vorbesitzer kaufen, ausgenommen vielleicht Ersatzteilspender um ein paar Hunderter. Autos können auf Fotos wie junge Gebrauchte aussehen, und der Bodengruppe fehlen dennoch pizzagroße Blechpartien, weil weggerostet. Kompetente Beurteilung eines Autos ist dort zu erwarten, wo auch die jährliche Pickerlüberprüfung stattfindet, also in Werkstätten und bei den Mobilitätsclubs, die früher als Autofahrerclubs bekannt waren. Also beim ARBÖ und beim ÖAMTC, die diesen Service für Mitglieder anbieten. Extra dafür beizutreten zahlt sich schon dann aus, wenn nur ein kleiner Mangel entdeckt wird, und erst recht, wenn eine große, für Laien verborgene Schwachstelle entlarvt wird.

Die kann auch durchaus den Vorbesitzern unbekannt gewesen sein. Die wenigsten Menschen haben ihr Auto jemals von unten gesehen, und viel mehr als das, was im letzten Pickerlbericht stand, wissen sie bei aller Ehrlichkeit nicht.

Natürlich braucht eine gewissenhafte Überprüfung Zeit, und die sollte man sich unbedingt nehmen. Den alten Makler-Schmäh („Ich hab noch zwölf Interessenten, da sollten Sie sich schnell entscheiden!“) trifft man auch beim Autokauf. Im Zweifelsfall hinweglächeln.

Und auf jeden Fall eine professionellen Abgastest machen, er erzählt viel über den Zustand des Motors und seiner Peripherie.

Ein kleiner Leitfaden, falls man den Zustand eines Autos selbst beurteilen mag: Immer (IMMER!) drunterlegen und nach Rost suchen, dafür das Arbeitsgewand oder einen Einweg-Arbeitsanzug aus dem Baumarkt und eine Taschenlampe mitbringen. Was in Österreich winters auf die Straßen gestreut wird, ist der Pitbull unter den Auftaumitteln, etwas ältere Autos zeigen wieder Rostschäden wie in den 70er Jahren.

Unten und an Front- und Heckblech kann auch gut nach schlecht reparierten Unfallschäden gesucht werden, man erkennt sie am unmotiviert welligen Blech. Ein Schichtdicke-Messgerät für den Lack ist ideal, es gibt auch sehr einfache und günstige Versionen auf Magnet-Basis – die natürlich bei Alu- und Kunststoffkarosserien nicht funktionieren. Jede nachlackierte Stelle hat ihren Grund.

Reifen, Bremsscheiben und viele Ausstattungsdetails (Fensterheber, Klimaanlage, …) sind einfach zu überprüfen. Wer herausfinden mag, ob der im Inserat genannte Kilometerstand der Wahrheit entspricht, findet Indizien im Abnützungsgrad vor allem der Pedalgummis, aber auch der Sitze, der Teppiche und des Lenkrads.

10 wirklich brauchbare Tipps für den Gebrauchtwagenkauf
© Bild: Andreas Riedmann

7. Probefahrt

Der Fahreindruck sollte natürlich (Vorsicht, Plattitüde!) genauso befriedigend sein wie erwartet – wie sich ein Autotyp fährt, wenn technisch alles passt, lernt man am besten im Vergleich, also nach Besichtigung einiger Angebote. Wenn der Verkäufer dabei ohne Unterlass redet oder das Radio lauter dreht, dann will er sich womöglich über ein Geräusch hinwegschummeln, das sich spätestens beim nächsten Pickerl nicht mehr übertönen lässt. Die Ohren des Prüfers sind objektiv.

Dass man als Interessent selbst fahren darf, ist übrigens nicht selbstverständlich. Verursacht man einen Unfall, dann haftet der Fahrzeugbesitzer mit seiner Versicherung. Also der Verkäufer. Es soll schon vorgekommen sein, dass unfallverursachende Interessenten einfach davonlaufen und spurlos verschwinden.

8. Händler oder privat?

Leichter ist die Sache mit der Probefahrt natürlich bei Händlern, überhaupt ist das Netzwerk an Regeln dort dichter: Händler sind zur Gewährleistung verpflichtet, Privatverkäufer nicht. Dafür sind Gebrauchtwagen bei Händlern oft etwas teurer, es ist ja noch die Mehrwertsteuer zu zahlen, und ein paar Gehälter hängen auch dran.

Bei Privatverkäufern kann man auf den Sympathiebonus hoffen: Wenn jemand sein Auto wirklich „schweren Herzens“ verkauft, dann am liebsten an jemanden, wo er es in guten Händen wähnt. Es soll schon Private gegeben haben, die sich selbst runterhandeln, um dem Wunsch-Käufer seine Chance zu geben.

Vor etwaigen Fantasiepreisen nach oben hin schützt allerdings auch die Sachkenntnis der Profihändler nicht, wie man bei der Autosuche immer wieder bemerken muss.

9. Preisverhandlungen

Wie viel ein Gebrauchtwagen wert ist, sieht man beispielsweise in der Neu- und Gebrauchtwagenpreisliste. Da bleibt natürlich Interpretationsspielraum, und das Verhandeln des Preises gehört quasi zum österreichischen Kulturgut. Es gibt sogar Menschen, die in erster Linie einen Preis kaufen und erst in zweiter Linie ein Auto. Es sind jene, die eine halbe Stunde lang über die letzten paar Euro ihres Verhandlungserfolges erzählen, bevor sie ihren Freunden ein paar Details zum Auto verraten.

Auch Verkäufer rechnen mit Preisverhandlungen, sie mögen allerdings so gestaltet sein, dass beide Seiten, salopp formuliert, ihr Gesicht wahren können. Zehn bis 20 Prozent Preisminderung sollten sich ausgehen, wann man sie höflich vorträgt. Außer, es war ausdrücklich „Fixpreis“ im Inserat vermerkt.

Die oft praktizierte Taktik, das Auto bei der Besichtigung eher unqualifiziert madig zu machen und der Verkäuferin oder dem Verkäufer zu erklären, dass sie froh sein müssten, wenn man die Kiste zum halben Preis nimmt, führt selten zum Erfolg. Zielführender ist es, die Pluspunkte des Autos zu loben, ein paar echte Mängel zu erwähnen, die man gefunden hat, und dann höflich einen seriösen Gegenvorschlag zu unterbreiten. Das alles bei der Besichtigung, keinesfalls vorher.

Ganz schlecht: Die erste Kontaktaufnahme mit der Frage nach dem letzten Preis zu beginnen.

10. Kaufvertrag

Ein Handschlag ist rechtlich zwar bindend, aber nachträglich schwierig zu beweisen – sobald Probleme auftreten, lässt das Erinnerungsvermögen mancher Geschäftspartner nach wie die Traktion eines Breitreifens auf Glatteis.

Beim Autokauf ist also ein Vertrag nötig, wie man ihn beispielsweise direkt bei uns als PDF-Datei runterladen kann. Man braucht ihn obendrein, um ein Auto anzumelden.

11. Gute Fahrt!