Sind die sichersten Plätze im Auto wirklich hinten?

Eine alte Autofahrerweisheit besagt: Die sichersten Plätze im Auto sind hinten, da die häufigsten Unfälle frontal passieren. Aber stimmt diese „Weisheit“ auch?

26.06.2018 Online Redaktion

Eine alte Autofahrerweisheit besagt: Die sichersten Plätze im Auto sind hinten, da die häufigsten Unfälle frontal passieren. Und: Der rechte hintere Platz ist am weitesten vom Gegenverkehr entfernt, und gilt demnach als der sicherste. Aber: Statistiken zeigen, dass diese Annahmen nicht (mehr) stimmen.

Statistiken zur Sicherheit auf Rücksitzen

Verletzungen auf den Rücksitzen fallen laut einer Studie der deutschen UDV (Unfallforschung der Versicherer) bei vergleichbaren Konstellationen zu knapp 70 % genauso schwer aus, wie auf den Vordersitzen – und bei 20 % sogar schwerer.

Und: Der Anteil von 10 % an verletzten Passagieren auf Rücksitzen mag auf den ersten Blick gering wirken – allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass bei einem großen Teil der Autofahrten gar keine Mitfahrer auf den Rücksitzen Platz nehmen.

Rücksitze als Risikoplätze? Das sind die Gründe

Sitzposition und mangelhaftes Angurten

Um das herauszufinden, führte die UDV Befragungen durch und wertete Statistiken aus. Diese ergaben, dass Mitfahrer auf den hinteren Plätzen oftmals Sitzpositionen einnehmen, die im Falle eines Unfalls zu einem höheren Verletzungsrisiko führen. Beispiele: Mitfahrende beugen sich bei einer Unterhaltung nach vorne und nehmen dabei etwa auch den Gurt unter den Arm. Generell nutzen Mitfahrer auf den hinteren Plätzen den Gurt nicht so häufig, wie Fahrer oder Beifahrer auf den vorderen Plätzen, was das Verletzungsrisiko, im doppelten Sinne, drastisch nach oben katapultiert.

Sicherheitstechnik

Als einer der Hauptgründe für das besondere Risiko auf den Rücksitzen wurde von der UDV aber auch die teils mangelhafte Sicherheitsausstattung auf den Rücksitzen ausgemacht. Denn die Sicherheitsausstattung zielt in erster Linie immer noch auf die vorderen Plätze ab, die hinteren Plätze wurden/werden dabei teils noch sehr stiefmütterlich behandelt.

Beispiel: Während Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer oder auch Airbags beim Fahrer- oder Beifahrersitz Standard sind, gibt es diese Sicherheits-Kombination in niedrigeren Preisklassen (je nach Fahrzeugmodell) entweder nicht oder nur gegen Aufpreis.

Hintere Gurtairbags oder auch Curtain-Airbags, die sich über die gesamte Fahrzeuglänge entfalten und auch “Hinterbänkler” schützen, sind zwar auf dem Vormarsch, gehören aber immer noch zu den “Extras” und noch nicht zur Standardausstattung.

Ist die Fahrer- oder Beifahrerseite sicherer?

Im Übrigen sind in vielen Fahrzeugmodellen die Sicherungssysteme immer noch hauptsächlich auf den optimalen Schutz der Fahrerseite ausgerichtet – obwohl (laut ADAC-Unfallforschung) bei etwa jedem dritten schweren seitlichen Unfall die Kollision auf der Beifahrerseite erfolgt. Somit kann der Fahrersitz bei vielen Fahrzeugmodellen der sicherste Platz hinsichtlich Sicherheitstechnik bewertet werden.

Ausnahme: Kinder

Als Ausnahme zu diesen Erkenntnissen gelten aber Kinder: Sie sind laut Empfehlungen vieler Experten immer noch auf der Rückbank am besten aufgehoben. Der Grund: Sie müssen verpflichtend im Kindersitz transportiert werden – Airbags sind hierbei kontraproduktiv bzw. gefährlich. Genau dieser Umstand macht die Plätze im Fond eines Fahrzeuges für Kinder am sichersten, viele Studien geben an, dass der (unbeliebte) Platz hinten in der Mitte der sicherste sei, da dieser nach allen Seiten hin die größte Knautschzone bietet.

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