Tamara Schögl
Nenndauerleistung vs. Spitzenleistung bei E-Scootern

Nenndauerleistung vs. Spitzenleistung bei E-Scootern

Welche maximale Nennleistung und Spitzenleistung für E-Scooter in Österreich gilt und wie die Nennleistung ermittelt wird: Hier der Überblick.

Christian Gaisböck
Online Redaktion
Veröffentlicht am 30.11.2023

Spätestens seit der Novelle des KFG 1967 vom 21. April 2023 ist es ein beherrschendes Thema, besonders bei E-Scooter-Fahrern aber auch Händlern: Die Nenndauerleistung, auch als Nennleistung bezeichnet, wurde auf maximal 250 Watt festgelegt. Fahrzeuge mit höherer Nennleistung werden vom Gesetzgeber nicht mehr als Fahrräder bzw. E-Bikes eingestuft und müssten demnach angemeldet und versichert werden. Die Maximalleistung, auch bekannt als Peak-Leistung, wurde allerdings nicht begrenzt.

Technische vs. rechtliche Einschätzungen

Diese Gesetzesänderung hat auch unter Juristen zu unterschiedlichen Einschätzungen geführt; aus technischer Sicht werden diese aber missverständlich interpretiert. Die Einschätzung dazu von Ing. Martin Laukhardt, der Mopeds und Roller aus den 50ern und 60ern mit E-Antrieb ausstattet und aus den Gefährten (juristisch betrachtet) E-Fahrräder macht: „Ich denke, dass sich besonders Juristen bei der Auslegung der Regeln durchaus schwertun, da sie den Unterschied zwischen den technischen Begriffen Nenndauerleistung und Spitzenleistung oft nicht kennen. Dabei ist dieser Unterschied aus technischer Sicht eindeutig definiert.“

Die Spitzenleistung wurde wie erwähnt vom Gesetzgeber nicht begrenzt. Das bietet Motor-Herstellern für E-Scooter oder E-Bikes durchaus Raum, um mit Optimierungen Motoren zu konstruieren, die einerseits diese 250 Watt Nennleistung nicht überschreiten, andererseits eine Peakleistung erzielen, die deutlich höher liegt. Beispiel: Der E-Bike-Motor Performance CX von Bosch mit 250 Watt maximaler Nenndauerleistung erreicht eine Maximalleistung von 600 Watt.

Ermittlung der Nenndauerleistung

Die Bestimmungen zur Festlegung der Nenndauerleistung von Motoren werden in der UN-ECE Regelung Nr. 85 erläutert. Der Kern dieser Regelung bzw. des Prüfverfahrens: Ein Motor, der eine Leistung von 250 Watt bei einer vom Hersteller vorgegebenen Drehzahl leistet, darf im Laufe eines 30-minütigen Tests nur so viel Wärme entwickeln, dass seine Temperatur um nicht mehr als 20°C steigt, ausgehend von einer vierstündigen Vorwärmphase auf 25°C.

Die Einschränkung liegt somit in der Wärmeentwicklung während dieses Tests. Das bietet Spielraum für Hersteller durch thermische Optimierungen des Motorgehäuses, z.B. durch Kühlrippen. Damit kann ein Motor mit 250 Watt Nennleistung tatsächlich Spitzenleistungen erreichen, die deutlich über dem Doppelten der Nenndauerleistung liegt – wie auch am obigen Beispiel des Bosch Performance CX-Motors ersichtlich ist (250 Watt / 600 Watt)

Problem E-Scooter

Trotz der technischen Möglichkeiten, leistungsfähige Motoren herzustellen, die dennoch auf 250 Watt Nenndauerleistung beschränkt sind, ist die Auswahl an E-Scootern, die der Gesetzeslage in Österreich entsprechen, eingeschränkt – im Gegensatz zu E-Bikes, bei denen die Optimierung der Motoren offenbar bereits weiter vorangeschritten ist. Beliebte Top-Modelle wie z.B. der neue Segway-Ninebot MAX G2 liegen mit 450 Watt Nennleistung immer noch deutlich über dem erlaubten Grenzwert, ebenso das Vorgängermodell MAX G30D II mit 350 Watt Nennleistung. Es bleibt somit abzuwarten, ob und wann die Hersteller von E-Scooter reagieren, um leistungsfähige Gefährte mit entsprechender Peakleistung für den österreichischen Markt bereitstellen, welche die 250 Watt Nennleistung nicht überschreiten.

Themen