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Gurtpflicht in Österreich: Alle Infos [+Ausnahmen]

Gurtpflicht in Österreich: Alle Infos [+Ausnahmen]

Gurtpflicht in Österreich: Welche Pflichten haben Fahrer und Mitfahrer, und welche Ausnahmen gibt es?

Online Redaktion
Veröffentlicht am 25.08.2020

2019 waren 57 von 200 auf Österreichs Straßen tödlich verunglückten Pkw-Insassen nicht angeschnallt, das entspricht 28,5 Prozent. Von 2.150 schwerverletzten Pkw-Insassen waren im Vorjahr knapp zehn Prozent nicht angeschnallt, bei den Leichtverletzten waren es drei Prozent. Seit im Sommer 1976 die Gurtpflicht eingeführt wurde, konnten alleine hierzulande tausende Menschenleben durch diese Sicherheitsmaßnahme bewahrt werden

Die Geschichte des Dreipunkt-Gurtes

Maßgeblich dafür verantwortlich zeichnet Nils Bohlin, der Erfinder des Dreipunkt-Sicherheitsgurtes. Das Grundprinzip: Das Gewebe wird von der B-Säule des Autos über das Becken des Fahrers zu einer Schnalle am Mitteltunnel des Autos geführt und von dort über Brust und Schulter zurück zur B-Säule.

Dem ehemaligen Flug-Ingenieur Bohlin (17.07.1920 – 21.09.2002) dürfte zum Zeitpunkt der Erfindung des Dreipunkt-Sicherheitsgurtes nicht bewusst gewesen sein, dass er damit ein großes Stück Autogeschichte schrieb. Bereits ein Jahr nachdem er von der Flugzeugabteilung von Saab zu Volvo gewechselt war (1958), ließen sich die Schweden seine Entwicklung in den USA patentieren – und schon 1959 wurde der Dreipunkt-Sicherheitsgurt im Volvo Amazon und dem Volvo PV544 serienmäßig eingebaut.

Neben vielen anderen Preisen für Nils Bohlin wurde der Dreipunktgurt 1985 vom deutschen Patentamt als eine jener acht Erfindungen ausgewählt, die der Menschheit in den letzten 100 Jahren am meisten Nutzen gebracht hat.

Die drohenden Strafen bei Verstößen hinsichtlich der Gurtpflicht, die von Geldstrafen bis hin zum Eintrag ins Führerschein-Vormerksystem reichen, haben wir hier für euch zusammengefasst.

X-fach höhere Überlebenschance mit Sicherheitsgurt

Die verpflichtende Verwendung des Autogurtes wurde in Österreich im Sommer 1976 eingeführt. Dass diese Maßnahme eine sehr sinnvolle war, zeigen auch die Unfallstatistiken bzw. die statistischen Überlebenschancen nach einem Unfall mit angelegtem Sicherheitsgurt. So ist die Überlebenschance bei einem Unfall mit Sicherheitsgurt etwa acht mal höher als ohne Gurt, die Verletzungsrate ohne Gurt gar elf mal so hoch.

Was die Gurtpflicht vorschreibt

Grundsätzlich gilt: Ist ein Gurt vorhanden, ist die Verwendung verpflichtend – egal auf welchem Platz im Auto. Das gilt nicht nur für Fahrer und Mitfahrer, sondern selbstverständlich auch für Passagiere auf der Rückbank. Als solcher gefährdet man nicht nur sich selbst, wenn man keinen Gurt anlegt: Der ÖAMTC rechnet vor, dass eine nicht angeschnallte, 55 Kilogramm schwere Person bei einem Crash mit 50 km/h bereits mit einem Gewicht von 2,75 Tonnen gegen den Vordersitz prallt und den vorne sitzenden Passagieren massive Verletzungen zufügen kann.

Gurtpflicht in Österreich: Alle Infos [+Ausnahmen]
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Für die Einhaltung der Gurtpflicht ist jeder Kfz-Insasse ab 14 Jahren selbst verantwortlich. Bei Mitfahrern unter 14 Jahren muss hingegen der Fahrer dafür Sorge tragen, dass diese angeschnallt bzw. rechtmäßig gesichert sind.

Kindersicherung

Für Kinder unter 14 Jahren gelten spezielle Regelungen:

  • Der Fahrer ist für die ordnungsgemäße Sicherung im Fahrzeug für Kinder bis 14 Jahre verantwortlich. Somit muss nicht nur dafür Sorge getragen werden, dass ein Kind angeschnallt ist sondern auch, dass die Sicherung entsprechend der Größe des Kindes erfolgt.
  • Ab 135 cm Körpergröße darf für die Sicherung der Sicherheitsgurt im Auto verwendet werden, sofern dieser sich auf die jeweilige Körpergröße einstellen lässt.
  • Unter 135 cm Körpergröße muss ein Kindersitz verwendet werden, um die fehlende Körpergröße auszugleichen.

Tipp: Ausführliche Informationen rund ums Thema Kindersicherung im Auto findet ihr hier.

Ausnahmen

Ein paar Ausnahmen von der generellen Gurtpflicht gibt es trotzdem. Sie kommen in folgenden Fällen zum Tragen:

  • Beim Einparken bzw. langsamen Rückwärtsfahren darf der Sicherheitsgurt abgelegt werden.
  • Auch Businsassen im Linienverkehr sind von der Pflicht ausgenommen.
  • Für Fahrgäste von Omnibussen wird die Gurtpflicht beim kurzzeitigen Verlasen des Sitzplatzes “ausgesetzt”.
  • Ebenso sind Fahrer von Einsatzfahrzeugen im Einsatz von der Gurtpflicht ausgenommen.
  • Taxifahrer sind dann von der Gurtpflicht ausgenommen, wenn sie einen Fahrgast von A nach B transportieren – für Schülertransporte gilt diese Ausnahme allerdings nicht.
  • Bei der „Unmöglichkeit des bestimmungsgemäßen Gebrauches des Sicherheitsgurtes wegen der Körpergröße oder schwerster körperlicher Beeinträchtigung des Benützers“ besteht ebenfalls keine Gurtpflicht, so die entsprechende Passage „Personenbeförderung“ im KFG, § 106.  Das gilt beispielsweise für Menschen, die schwer herzkrank sind oder eine frische Operationsnarbe im Bereich des Gurtverlaufes haben.
    Aber Achtung: Die Polizei Wien weist darauf hin, dass für eine Befreiung von der Gurtpflicht eine amtsärztliche Untersuchung erforderlich ist, bei der im übrigen auch die generelle gesundheitliche Eignung zum Lenken eines KFZ untersucht wird.

Achtung: Eine Schwangerschaft, Sonnenbrand oder auch ein Schlüsselbeinbruch reichen beispielsweise nicht aus, um von der Gurtpflicht ausgenommen zu sein, da es sich um keine “besonders schwere körperliche Beeinträchtigung” handelt.

Diese Strafen drohen bei Missachtung der Gurtpflicht

  • Die verpflichtende Verwendung des Sicherheitsgurtes wurde bereits 1976 eingeführt, erst seit 1. Juli 1984 ist für die Missachtung dieser Vorschrift auch eine Strafe vorgesehen. 35 Euro werden fällig, wenn man bei der Fahrt ohne angelegten Gurt erwischt wird. Übrigens: Die Strafe im Jahr 1984 für eine Fahrt ohne Gurt betrug 100 Schilling, also umgerechnet ca. 7 Euro.
  • Wer die entsprechende Sicherung eines mitfahrenden Kindes unterlässt (mit Gurt und passendem Kindersitz), riskiert neben der Sicherheit ein Bußgeld ab 70 Euro sowie einen Eintrag ins Führerschein-Vormerksystem. Der theoretische Strafrahmen reicht bis 5.000 Euro.

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