Gurtpflicht in Österreich: Welche Pflichten haben Fahrer und Beifahrer?

6.000: So viele Menschenleben wurden allein in Österreich durch ein Stück Nylongewebe vor dem Tod bewahrt, seit im Sommer 1976 die Gurtpflicht eingeführt wurde.

03.09.2018 Online Redaktion

Allerdings brauchte es neben dem Nylongewebe auch noch Nils Bohlin, den Erfinder des Dreipunkt-Sicherheitsgurtes. Das Grundprinzip: Das Gewebe wird von der B-Säule des Autos über das Becken des Fahrers zu einer Schnalle am Mitteltunnel des Autos geführt  und von dort über Brust und Schulter zurück zur B-Säule.

Der Erfinder des Dreipunkt-Gurtes: Nils Ivar Bohlin

Dem ehemaligen Flug-Ingenieur Nils Ivar Bohlin (17.07.1920 – 21.09.2002) dürfte zum Zeitpunkt der Erfindung des Dreipunkt-Sicherheitsgurtes nicht bewusst gewesen sein, dass er damit ein großes Stück Autogeschichte geschrieben hat. Bereits ein Jahr nachdem er von der Flugzeugabteilung von Saab zu Volvo wechselte (1958), ließen sich die Schweden seine Entwicklung in den USA patentieren – und bereits 1959 wurden im Volvo Amazon und dem Volvo PV544 der Dreipunkt-Sicherheitsgurt serienmäßig eingebaut.

Neben vielen anderen Preisen für Nils Bohlin wurde 1985 vom deutschen Patentamt seine Erfindung als eine jener acht Erfindungen ausgewählt, die der Menschheit in den letzten 100 Jahren am meisten Nutzen gebracht hat.

Die drohenden Strafen bei Verstößen hinsichtlich der Gurtpflicht, die von Geldstrafen bis hin zum Eintrag ins Führerschein-Vormerksystem reichen, haben wir hier für euch zusammengefasst.

Sicherheitsgurt: x-fach höhere Überlebenschance

Die verpflichtende Verwendung des Autogurtes wurde in Österreich im Sommer 1976 eingeführt. Dass diese Maßnahme eine sehr sinnvolle war, zeigen auch die Unfallstatistiken bzw. die statistischen Überlebenschancen nach einem Unfall mit angelegtem Sicherheitsgurt. So ist die Überlebenschance bei einem Unfall mit Sicherheitsgurt ca. 8 mal höher als ohne Gurt, die Verletzungsrate ohne Gurt gar 11 mal so hoch.

Die Gurtpflicht und die Ausnahmen davon

Grundsätzlich gilt: Ist ein Gurt vorhanden, ist die Verwendung verpflichtend – egal auf welchem Platz im Auto. Ein paar Ausnahmen davon gibt es aber:

  • Beim Einparken bzw. langsam rückwärtsfahren darf der Sicherheitsgurt abgelegt werden
  • Auch Businsassen im Linienverkehr sind von der Pflicht ausgenommen
  • Ebenso Fahrer von Einsatzfahrzeugen – sofern sie im Einsatz sind
  • Taxifahrer sind dann von der Gurtpflicht ausgenommen, wenn sie einen Fahrgast von A nach B transportieren – für Schülertransporte gilt diese Ausnahme allerdings nicht.
  • Bei der „Unmöglichkeit des bestimmungsgemäßen Gebrauches des Sicherheitsgurtes wegen der Körpergröße oder schwerster körperlicher Beeinträchtigung des Benützers.“ muss der Gurt lt. Gerichtsurteil ebenso nicht angelegt werden. Beispiel: Menschen, die schwer herzkrank sind oder eine frische Operationsnarbe im Bereich des Gurtverlaufes haben.

Eine Schwangerschaft, Sonnenbrand oder auch ein Schlüsselbeinbruch reichen beispielsweise nicht aus, um von der Gurtpflicht ausgenommen zu sein, da es sich um keine “besonders schwere körperliche Beeinträchtigung” handelt.

Verantwortung für Mitfahrer und Kinder?

Jeder Fahrzeuginsasse ist grundsätzlich selbst dafür verantwortlich, den Gurt zu verwenden. Aber auch hier gibt es gewichtige Ausnahmen – in erster Linie für Kinder.

  • Der Fahrer ist für die ordnungsgemäße Sicherung im Fahrzeug für Kinder bis 14 Jahre verantwortlich. Somit muss nicht nur dafür Sorge getragen werden, dass ein Kind angeschnallt ist sondern auch, dass die Sicherung entsprechend der Größe des Kindes erfolgt.
  • Ab 135 cm Körpergröße darf für die Sicherung der Sicherheitsgurt im Auto verwendet werden, sofern dieser sich auf die jeweilige Körpergröße einstellen lässt.
  • Unter 135 cm Körpergröße muss ein Kindersitz verwendet werden, um die fehlende Körpergröße auszugleichen.
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