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US-Rückruf beim BMW i3: Wer sich nicht anschnallt, könnte sich bei einem Unfall verletzen

In New Hampshire gibt es keine Gurtpflicht. Deswegen muss BMW seine i3 zurückrufen. Denn wer sich in diesem Fahrzeug nicht anschnallt, könnte sich bei einem Unfall verletzen.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 23.11.2017

In den USA hat BMW mit einem kuriosen Rückruf zu kämpfen. Die US-Zulassungsbehörde führte beim BMW i3 einen Crashtest durch und stellte fest, dass für kleine Menschen, die sich nicht anschnallen, eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht. Oder anders: ohne Gurt Auto fahren kann gefährlich sein. Ein amerikanischer Heureka-Moment, der BMW jetzt Geld kostet.

Der Kalenderspruch

Hintergrund des Rückrufes ist der Bundesstatt New Hampshire – ein Kleinstaat mit gerade einmal 1,4 Millionen Einwohnern im Norden der Ostküsten. Vielen vielleicht aus den Romanen von John Irving bekannt, die zu großen Teilen in Neuengland spielen. In Hampshire gibt es – getreu dem Staatenmotto „Live free or die“ (kein Scherz) – keine Gurtpflicht.

© Bild: HANS KLAUS TECHT / APA / picturedesk.com

Deswegen dürfen Fahrzeuge, die in den USA verkauft werden, auch für Personen die sich nicht anschnallen, im Falle eines Unfalls kein erhöhtes Verletzungsrisiko aufweisen. Also keines, das außerhalb eines bestimmten Toleranzwertes liegt. Soll heißen: in New Hampshire nehmen sie lediglich die erste Hälfte ihres Kalenderspruchs ernst.

Die kleine Dame Hill

Bei Crashtests ist es so, dass Unfälle mit verschiedenen Dummys gemacht werden. So gibt es Puppen, die dem durchschnittlichen Autofahrer entsprechen. Soll heißen: 175 Zentimeter groß und 78 Kilogramm schwer. Diese Puppe heißt „Hill 50%“. Dann gibt es noch „Hill 95%“. Eine Puppe von 188 Zentimeter Körpergröße und einem Gewicht von 101 Kilogramm. Damit ist dieser theoretische Fahrer größer als 95 Prozent aller vom Hersteller angenommenen Fahrer.

Und dann gibt es noch „Hill 5%“. Eine Dame mit lediglich 152 Zentimetern Körpergröße und einem Gewicht von 54 Kilogramm. Sie ist der Maßstab für die unteren fünf Prozent der angenommenen Fahrer. Zur Klarstellung: ja, das trifft auch auf kleine Männer zu. Personen, die in diese Größen- und Gewichtsklasse fallen, haben in einem BMW i3, so sie sich nicht anschnallen, ein erhöhtes Risiko für Nackenverletzungen.

© Bild: BMW

Sonderregelung  für die USA

Natürlich müssen alle Menschen in allen Autos auf der ganzen Welt mit einem erhöhten Verletzungsrisiko in beinahe allen Körperbereichen klar kommen, wenn sie sich nicht anschnallen, doch beim Nacken kleiner Personen im BMW i3 lag dieses Risiko außerhalb der Toleranzwerte, die von der US-Zulassungsbehörde einmal ausgewürfelt wurden.

Und deswegen muss die Marke ihr Elektroauto in den USA zurück rufen. Die Lösung könnte ein Softwareupdate sein, das den Auslösezeitpunkt des Airbags minimal ändert. Betroffen sind davon alle 30.000 jemals in den USA verkauften BMW i3. Dieser Rückruf gilt übrigens nur für die USA.

BMW i3 2016 94Ah
© Bild: Andreas Riedmann


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