Wie viel zahlt die Versicherung bei einem wirtschaftlichen Totalschaden?

Welchen Betrag zahlt die Versicherung bei einem wirtschaftlichen Totalschaden? Und wie wird dieser Betrag genau berechnet?

04.10.2018 Online Redaktion

Ein Unfall mit alleiniger Schuld des Unfallgegners – und der Sachverständige stellt fest, dass am eigenen Fahrzeug ein wirtschaftlicher Totalschaden vorliegt. Was bedeutet das und welche Faktoren spielen bei der Berechnung eine Rolle?

Wann liegt ein “wirtschaftlicher Totalschaden” vor?

Wenn rein technisch eine Reparatur möglich wäre, die Reparaturkosten aber höher als der Wiederbeschaffungswert des Autos sind, spricht man von einem “echten Totalschaden”. Ein “wirtschaftlicher  Totalschaden” liegt hingegen dann vor, wenn die Reparaturkosten über der Differenz zwischen Wiederbeschaffungswert und Restwert.

Beispielrechnung für einen wirtschaftlichen Totalschaden

  • Die Anschaffung eines gleichwertigen Fahrzeuges beträgt 8000 Euro (Wiederbeschaffungswert),
  • der Restwert liegt lt. Gutachten bei 4000 Euro und
  • die kalkulierten Reparaturkosten bei 5000 Euro.

Die Kosten der Wiederinstandsetzung würden mit 5000 Euro somit über der Differenz aus Wiederbeschaffungswert minus Restwert liegen (also in diesem Fall 4000 Euro).

Berechnungsbeispiel für einen echten Totalschaden

  • Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges: 6.000 Euro
  • Reparaturkosten (lt. Sachverständigen): 8.000 Euro
  • Restwert des Fahrzeuges nach dem Unfall: 1.500 Euro

Die Reparaturkosten liegen bei diesem Beispiel über dem Wiederbeschaffungswert – es liegt somit ein “echter Totalschaden” vor. Die Versicherung übernimmt in solchen Fällen (bis auf Ausnahmen) nicht die Reparaturkosten sondern zahlt eine Entschädigung in Höhe des Wiederbeschaffungswertes abzüglich des Restwertes des Fahrzeuges aus.

Also: € 6.000 – € 1.500 Restwert = 4.500 Euro Auszahlungssumme

Wie wird ein “wirtschaftlicher Totalschaden” bzw. der Wiederbeschaffungswert durch die Versicherung berechnet?

Der Sachverständige ermittelt anhand individueller Faktoren des Fahrzeuges (Kilometerstand, Ausstattung, Erstzulassungsdatum und Zustand des Autos) sowie mithilfe der sogenannten “Schwacke-Liste” den Wiederbeschaffungswert des Autos. In der Schwacke-Liste sind die Durchschnittswerte für Fahrzeuge gelistet – ebenso basierend auf Laufleistung, Zustand und Ausstattung. Dieser Durchschnittswert wird vom Sachverständigen als Berechnungsbasis/Anhaltspunkt zur individuellen Berechnung des Wiederbeschaffungswertes verwendet.

Im Endeffekt sollte der Wiederbeschaffungswert sehr nahe an den Betrag herankommen, der aufgewendet werden müsste, um ein Auto in gleichem Zustand wie vor dem Unfall anzuschaffen. Zugleich wird auch der Restwert des Autos (nach dem Unfall) ermittelt.

Sodann werden die Reparaturkosten für den entstandenen Schaden am Fahrzeug ermittelt – also die Kosten für eine gewerblich (in einer KFZ-Werkstätte) durchgeführte “Wiederinstandsetzung” durch Fachpersonal und unter Verwendung von Neuteilen.

Liegen die Reparaturkosten über der Differenz zwischen Wiederbeschaffungswert minus Restwert., liegt ein sogenannter “wirtschaftlicher Totalschaden” vor.

Wie viel zahlt die Versicherung bei einem wirtschaftlichen Totalschaden?

In Falle eines wirtschaftlichen Totalschadens zahlt die Versicherung nicht die Reparatur des Fahrzeuges, sondern eine Entschädigung in Höhe des Wiederbeschaffungswertes abzüglich des ermittelten Restwertes. Es gibt aber Ausnahmen, denn:

Zusätzlich muss bei der Feststellung eines wirtschaftlichen Totalschadens bzw. im Falle einer beabsichtigten Reparatur des Unfallwagens auch die 130%-Regel berücksichtigt werden.

Die 130%-Regel beim wirtschaftlichen Totalschaden

Die Gesetzgebung hat bezüglich der Feststellung eines wirtschaftlichen Totalschadens  eine Sonderregelung festgelegt (nicht gültig bei Kasko-Versicherungen): Liegen die Reparaturkosten bis zu maximal 30% über dem Wiederbeschaffungswert, muss die Versicherung dennoch die Reparaturkosten übernehmen, sofern eine solche vom Geschädigten gewünscht und auch durchgeführt wird.

Die 130-Prozent-Regel erhöht somit den Betrag, bis zu dem eine Reparatur von der Kfz-Versicherung bezahlt werden kann.

Berechnungsbeispiel bei einem wirtschaftlichen Totalschaden

  • Der Wiederbeschaffungswert (WBW) wird vom Sachverständigen auf 9000 Euro festgesetzt
  • Die Reparaturkosten (RK) schätzt der Gutachter auf 10.500 Euro
  • Das Verhältnis der beiden berechnet sich so: RK / WBW in unserem Fall also: 10.500 / 9000 = ca. 116%

In diesem Fall liegt der Prozentsatz also bei 116% – die Sonderregelung würde somit greifen.

Das bedeutet, dass die gegnerische Versicherung die Reparaturkosten übernimmt, obwohl rein rechnerisch ein wirtschaftlicher Totalschaden vorliegt.

Bedingungen für die 130%-Regel

  • Das reparierte Auto muss mindestens sechs weitere Monate genutzt und versichert werden.
  • Die Reparatur muss die Vorgaben aus dem Sachverständigengutachten erfüllen
  • Die Versicherung kann eine Werkstattrechnung verlangen, aus der hervorgeht dass die Reparaturvorgaben eingehalten wurden
  • Es aber auch eine eigenständige Reparatur zulässig – in diesem Fall muss aber nach der Reparatur ein Sachverständiger bestätigen, dass die Vorgaben aus dem Gutachten eingehalten wurden
Jetzt Autorevue JAHRESABO & VIGNETTE sichern um nur € 125,90 statt € 148!
Wählen Sie zwischen der Klebe- und Digitalen Vignette.
 
Hier bestellen