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Mit 18 Jahren Bauzeit ist der R 107 das am längsten gebaute Mercedes Sportcabrio, das Coupé SLC wurde schon 1981 eingestellt.
 

Kaufberatung Mercedes-Benz SL/SLC R/C 107: Wertvolle Werte

Ein Auto für Sparefrohs waren Cabrio und Coupé der Baureihe 107 nie, daran hat sich trotz guter Qualität bis heute wenig geändert.

03.12.2013 Autorevue Magazin

Das Kürzel SL steht bei Mercedes eigentlich für SuperLeicht, allerdings hat die Zeit die Bedeutung ein wenig gebogen: Beim ab 1971 gefertigten SL (und dem darauf basierenden Coupé SLC, einmalig in der späteren SL-Geschichte) darf es auch als Kurzform für schwer und luxuriös gedeutet werden. Und genauso fahren sich die ­Autos auch: nicht quirlig, sondern solide, komfortabel und natürlich auch schnell.

Mercedes r107 blau kaufberatung innenraum Cockpit

ARMATUREN
Die Innenausstattung ist in gewohnter Mercedes-Qualität ausgeführt und daher ohne grobe Schwach­stellen. Nicht Originales (wie hier das Lorinser-Lenkrad, einst beim Tuner zu haben) führt zu Punkte­abzug.

Mit 18 Jahren Bauzeit ist der R 107 das am längsten gebaute Mercedes Sportcabrio, das Coupé SLC wurde schon 1981 eingestellt. Der weniger begehrte SLC ist heute auch deutlich seltener zu finden, das SL-Angebot allerdings ist groß, daher darf vor dem Kauf gründlich sondiert werden. Und trotz der grundsätzlichen Solidität und der guten Pflege, die einem Mercedes beim Erstbesitzer meistens zuteil wurde, will genau geprüft werden.

Immerhin sind Teile und Reparaturen tendenziell teuer, günstig waren die Autos zeit ihres Lebens nie.

Ein Beispiel: Schon die Notsitzbank des SL kostete einst rund 35.000 Schilling, so man sie statt eines Ablagefachs orderte. Heute ist sie daher sehr selten und sehr teuer. Wer bei Treffen salopp eine Suchmeldung deponiert, erntet mildes Lächeln.

Im Herbst 1985 wurde das Fahrwerk überarbeitet, die neueren Modelle sind im Brems- und Fahrverhalten einen Tick moderner als ihre Vorgänger und im Zweifelsfall die bessere Wahl.

Mercedes r107 blau kaufberatung schwellet

SCHWELLER
Die Schweller rosten an den Über­gängen zu den vorderen Kotflügeln, auch die Wagenheberaufnahmen ­(vorne wie hinten) sind rostgefährdet – knirscht’s beim Anheben des Autos, dann wird’s teuer. Der ovale Wasserablauf daneben darf nicht verstopft sein.

Wichtigstes Kriterium beim SL-Kauf ist aber die Karosserie.

Ab Werk ist sie glattflächig, Wellen und ungleichmäßige Spaltmaße deuten also auf schlecht reparierte Rost- oder Unfallschäden. Rost ist der Karosserie keineswegs fremd, immerhin fiel die Stahlkrise auch in die Bauzeit des R/C 107. Die prominentesten Schwachstellen sind oben in Wort und Bild vorgestellt, auch darüber hinaus gibt’s kritische Bereiche: An den Radläufen kann auch ein SL/SLC rosten, besonders gefährlich sind Chromblenden an dieser Stelle. Der Rost bildet sich (anfangs) im Verborgenen, wenn man ihn sieht, hat er schon ziemlich heftig genagt.

Wo die vorderen Kotflügel mit A-Säule und Spritzwand zusammentreffen, will ebenso sorgsam geprüft werden wie theoretisch in der Mitte der Spritzwand, dort, wo der Lüfter sitzt und eine Verkleidung den Blick bremst. Sie zu entfernen wird ein Verkäufer aber eher nicht gestatten.

Von unten ist die vordere Quertraverse, die die Stoßstange trägt, zu überprüfen.

Mercedes r107 blau kaufberatung kotflügel Scheinwerfer

KOTFLÜGEL VORNE
Mit den ab Herbst 1985 installierten Innenkotflügeln waren die Vorderkotflügel deutlich rostresistenter, bei davor erzeugten Exemplaren ist besonders der Bereich über den Scheinwerfern gefährdet, dort, wo die Aluleisten montiert sind.

Ist beim SL ein Hardtop dabei, dann sucht man an der hinteren Unterkante nach Rost.

Das Stoffverdeck sollte über intakte Scheiben verfügen, sie sind nur per Nähmaschine oder mit dem gesamten Dach zu tauschen. Bleibt zwischen Karosserie und den hinteren Seitenteilen des Daches ein Spalt, dann ist das Dach bereits geschrumpft. Im Verdeckkasten selbst sollten die Entwässerungsbohrungen an den vorderen Enden frei sein.

Die Motoren gelten als sehr robust, die Achtzylinder (also vom 350 aufwärts) als noch robuster.

Der 300 ist deutlich seidiger, agiler und sparsamer als der 280, den er abgelöst hat. Aus der Palette der V8-Motoren sticht der 380 durch feinen Durchzug und (besonders ab Herbst 1981) moderaten Verbrauch heraus. Sein Vorgänger, der 350, fährt und klingt gut, ist beim Verbrauch aber hemmungsloser. Der 420 (weniger drehfreudig, aber etwas durstiger als der 380) ist selten. Mit seinen Fahrleistungen überzeugt der 450 vollinhaltlich, die Freude will beim Tanken ordentlich honoriert werden. Für Sparsamkeit ist auch der 500 nicht bekannt (besonders nicht vor Herbst 1981 gefertigte Exemplare), allerdings kommt er einem Sportwagenmotor am nächsten.

Auch Schaltgetriebe und Automatik sind robust. Ist am Ölmessstab der Automatik Brandgeruch bemerkbar, dann drohen teure Reparaturen.

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MOTORRAUM
Die Motorhaube ist gegen die Kot­flügel nicht abgedichtet, eindringendes Wasser läuft durch Bohrungen in den Längsträgern ab. Sind sie verstopft, bleibt feucht, was nicht feucht bleiben sollte: Rostgefahr!

Ein entscheidendes Kriterium bei SL und SLC ist natürlich die Originalität.

Verbreiterungen und Spoiler wirken wertmindernd, verbastelte Interieurs ebenso. So waren Lautsprecher alleine ins Armaturenbrett integriert, zerschnipselte Türverkleidungen mindern den Kaufpreis. Und die Radios selbst kamen von Becker.

Etwas weniger robust als das Auto drumherum ist die Lenkung, ein Spiel in der Breite von zwei Fingern aber darf als normal abgenickt werden.

Hier finden Sie die Modellgeschichte der Baureihe 107.

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