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L17: Alle Infos zum vorgezogenen B-Führerschein

L17: Alle Infos zum vorgezogenen B-Führerschein

Was ist die L17-Ausbildung, welche Voraussetzungen gibt es und welche Schritte umfasst der Weg zur vorgezogenen Lenkberechtigung der Klasse B?

Online Redaktion
Veröffentlicht am 19.08.2020

Wer nicht bis zum 18. Geburtstag auf den B-Führerschein warten möchte, kann sich für die L17-Ausbildung entscheiden: Mit ihr kann bereits im Alter von 15,5 Jahren begonnen werden, der Führerschein selbst wird dann frühestens ab dem 17. Geburtstag ausgestellt. Diese vorgezogene Lenkberechtigung gibt es nur für die Klasse B.

Im Jahr 2019 haben sich laut Statistik Austria 32 Prozent der insgesamt 82.943 Führerschein-Neulinge für die L17-Ausbildung entschieden. Besonders beliebt ist der vorgezogene B-Schein im Burgenland und in Niederösterreich, wo sogar jede/r Zweite mit L17-Taferl fährt. In Wien hingegen machen nur 10 Prozent der Führerschein-Anwärter die L17-Ausbildung.

Voraussetzungen für die L17-Ausbildung

  • Um die Ausbildung in der Fahrschule beginnen zu können, muss man mindestens 15,5 Jahre alt sein.
  • Bei der Antragstellung für die Ausbildungsfahrten müssen eine oder zwei Begleitpersonen angegeben werden, mit denen die L17-Ausbildungsfahrten durchgeführt werden.
  • Die schriftliche Zustimmung eines Erziehungsberechtigten wird ebenfalls benötigt.
  • Ein ärztliches Gutachten muss vorgelegt werden.

Ablauf der L17-Ausbildung

Für die vorgezogene Lenkberechtigung der Klasse B sind mehrere Schritte notwendig. Der Weg zum B-Schein mit L17 umfasst folgende Etappen:

Antragstellung und Grundausbildung in der Fahrschule

Um mit der L17-Ausbildung beginnen zu können, muss in einer Fahrschule ein Antrag auf die “vorgezogene Lenkberechtigung für die Klasse B” gestellt werden. Danach kann mit der Grundausbildung begonnen werden.

Die Grundausbildung in der Fahrschule besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil und umfasst im Detail folgende Punkte:

  • Theoretische Schulung mit 32 Unterrichtseinheiten
  • Praktische Schulung mit zwölf Unterrichtseinheiten

Ausbildungsfahrten mit L17-Schild

Antragstellung

Erst nach der absolvierten Grundausbildung kann ein Antrag auf die Durchführung von Ausbildungsfahrten gestellt werden. Dafür werden folgende Unterlagen benötigt:

  • Ärztliches Gutachten
  • Nachweis über die Durchführung der theoretischen und praktischen Grundschulung sowie der theoretischen Einweisung in einer Fahrschule
  • Angabe von einer oder zwei geeigneten Begleitpersonen
  • Schriftliche Zustimmung eines Erziehungsberechtigten, sofern kein Erziehungsberechtigter als Begleitperson angegeben wird
  • Zulassungsschein des Ausbildungsfahrzeugs sowie ggf. Bestätigung des Zulassungsbesitzers

Die Begleitpersonen müssen folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Besitz des B-Führerscheins seit mindestens 7 Jahren
  • Fahrpraxis in den drei Jahren vor Antragstellung
  • Keine Bestrafung wegen eines Entzugsdelikts und keine zwei zu berücksichtigenden Vormerkungen in den drei Jahren vor Anstragstellung
  • Die Begleitperson muss in einem Naheverhältnis zum Bewerber stehen und die Ausbildungsfahrten unentgeltlich durchführen.

Der Antrag kostet 35,10 Euro.

Nach der Antragstellung in der Fahrschule entscheidet die Standortbehörde darüber, ob die Genehmigung zur Durchführung von L17-Ausbildungsfahrten erteilt wird. Nach positiver Erledigung wird dem Bewerber der Bewilligungsbescheid zugestellt.

Fahrzeug für die Ausbildungsfahrten

Nach dem Erhalt des Bewilligungsbescheides kann mit den Ausbildungsfahren begonnen werden. Das dafür genutzte Fahrzeug (Pkw bzw. Kombi) muss entsprechend gekennzeichnet werden, wofür die Begleitperson Sorge zu tragen hat. Erforderlich sind:

  • Hellblaue Schilder mit weißer “L17”-Aufschrift (160 mm x 160 mm) sowie weiße Tafeln mit schwarzer Aufschrift “Ausbildungsfahrt”, die vorne und hinten am Fahrzeug gut sichtbar angebracht werden müssen.
  • Auch kombinierte Schilder sind zulässig.
  • Es können auch mehrere Fahrzeuge als Ausbildungsfahrzeuge verwendet werden. Diese müssen aber alle entsprechend gekennzeichnet werden.
  • Es wird empfohlen, die Fahrer im Bereich der L17-Fahrten noch vor Ausbildungsbeginn bei der Versicherung zu melden.

Ausbildungsfahrten

Die Ausbildungsfahrten mit Begleitperson im Privat-Pkw im Rahmen der L17-Ausbildung umfassen insgesamt mindestens 3.000 Kilometer, verteilt über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen. Über alle Fahrten muss ein Protokoll geführt werden, das sowohl von dem Bewerber als auch von der Begleitperson unterzeichnet werden muss.

Die Ausbildungsfahrten werden durch begleitende Schulungen in der Fahrschule ergänzt. Nach 1.000 bzw. 2.000 absolvierten Kilometern findet je eine Schulung statt, an der sowohl der Bewerber als auch die Begleitperson teilnehmen müssen. Die begleitenden Schulungen umfassen einen praktischen Teil (Ausbildungsfahrt) sowie ein individuelles Gespräch mit einem Fahrlehrer.

Nach 3.000 absolvierten Kilometern wird die Perfektionsschulung in der Fahrschule abgehalten, diese umfasst einen theoretischen Teil mit 6 Unterrichtseinheiten sowie einen praktischen Teil mit 3 Unterrichtseinheiten.

Während den L17-Ausbildungsfahren müssen zudem folgende Punkte beachtet werden:

  • Bei den Ausbildungsfahrten muss der Führerschein der Begleitperson sowie der Bewilligungsbescheid und ein amtlicher Lichtbildausweis des Bewerbers mitgeführt werden.
  • Sowohl für den Bewerber als auch für die Begleitperson gilt eine Promillegrenze von 0,1.
  • L17-Ausbildungsfahrten dürfen nur in Österreich stattfinden.

Prüfung

  • Die theoretische Prüfung kann bereits nach dem Abschluss der theoretischen Schulung abgelegt werden. Die Kosten für die theoretische Prüfung betragen 11 Euro.
  • Der Antritt zur praktischen Prüfung ist frühestens am 17. Geburtstag möglich. Die Kosten für die praktische Prüfung betragen 60 Euro.
  • Der Zeitraum zwischen der theoretischen und der praktischen Prüfung darf nicht länger als 18 Monate betragen, ansonsten verfällt die Theorieprüfung.
  • Die praktische Prüfung kann entweder mit einem Fahrschul-Auto oder mit dem privaten L17-Ausbildungsfahrzeug abgelegt werden, sofern dieses viertürig ist und eine Bauartgeschwindigkeit von mindestens 100 km/h aufweist.
  • Ebenso wie die L17-Ausbildungsfahrten kann auch die praktische Prüfung mit einem Fahrzeug mit Automatikgetriebe absolviert werden. In diesem Fall ist die Lenkberechtigung aber auf Fahrzeuge mit dieser Getriebeart beschränkt.

Ausstellung und Gültigkeit des B-Führerscheins mit L17

Nach der erfolgreich absolvierten praktischen Fahrprüfung erhält der Kandidat den vorläufigen Führerschein, der von beiden Seiten unterschrieben werden muss, ein Kostenblatt mit Zahlschein für die Verfahrenskosten und eventuell ein Merkblatt über die eingetragenen Codes.

Der vorläufige Führerschein ist vier Wochen lang in Verbindung mit einem Lichtbildausweis gültig. Wenn die auf dem Kostenblatt angegebenen Gebühren bezahlt wurden, wird der Scheckkartenführerschein erstellt. Die Kosten dafür betragen 60,50 Euro.

Nachdem der Führerschein ausgestellt wurde, darf der Inhaber auch ohne Begleitperson fahren und das Auto muss nicht mehr gekennzeichnet sein.

Der L17-Führerschein ist drei Jahre lang, aber jedenfalls bis zum 21. Geburtstag ein Probeführerschein.

Die Mehrphasenausbildung muss innerhalb des ersten Jahres nach Erteilung der Lenkberechtigung absolviert werden.

Achtung: Die L17-Lenkberechtigung wird außerhalb Österreichs nur in Deutschland, England, Nordirland und Dänemark anerkannt. Ab dem 18. Geburtstag gilt der Führerschein dann überall, wo der “normale” B-Schein auch gilt.