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Führerschein “aus dem Internet” kaufen

Im Internet findet sich alles. So auch Seiten, die Führerscheine illegal verkaufen. Verkäufern und Käufern drohen hohe Strafen.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 25.10.2017

Erst kürzlich hat das LKA OÖ mehrere Fälscherwerkstätten in der Ukraine ausgeforscht – zusammen mit 33 Dokumenten-Abnehmern aus Österreich. Führerscheine “aus dem Internet” boomen offensichtlich, das zeigt auch die steigende Anzahl einschlägiger Webseiten, die “Originalführerscheine”, aber auch Wohnsitznachweise und andere benötigte Dokumente zum Verkauf anbieten. Alle Infos zum Thema Führerscheinkauf hier.

Verlockende Führerschein-Angebote über Facebook und einschlägige Websites

“Sie haben Ihren Führerschein durch Alkohol, Drogen oder Punkte verloren? Dann kaufen Sie doch einen.” (gesehen auf “https://fuehrerscheinkaufen.weebly.com/”) Für so manchen Autofahrer, der durch einen Führerscheinentzug ausgebremst wurde oder noch nie einen besessen hat, klingt ein solcher Slogan sicher verlockend – und tatsächlich finden sich offensichtlich genügend Interessenten und Abnehmer, um diese Geschäftspraktiken so aufblühen zu lassen.

Günstige Angebote

So findet man z.B. auf der Website “www.fuehrerschein-kaufen.info” Führerscheine aller Klassen im Angebot, den Autoführerschein (bzw. eine billig aussehende Fälschung davon) gibt´s dort für z.B. 700 Euro inklusive Versandkosten.

Aber auch über Facebook werden Führerscheine beworben. Die Abwicklung und Kontaktaufnahme ist recht einfach, im Grunde braucht es nur ein wenig Vertrauen in die Geschäftspartner (Vorkasse, anonym per Wester Union), Foto und Unterschriftenprobe werden z.B. über Whatsapp geschickt. Wer sich bis zu diesem Punkt noch nicht gefragt hat, ob an der Nummer “Führerscheinkauf im Ausland/Internet” eventuell doch etwas faul sein könnte, kommt aus psychologischer Sicht wohl ohnehin nicht für einen legal erworbenen Führerschein in Frage.

Die Argumente der Anbieter

Die Anbieter solcher Führerscheine versuchen, potentielle, aber noch zweifelnde Kunden mit der Veröffentlichung von Gerichtsurteilen zu überzeugen, aus denen das etwas verkürzte Fazit abgeleitet wird: Führerscheine aus EU-Staaten sind in der ganzen Union gültig – somit auch z.B. Führerscheine aus Ungarn.

Die Rechtslage für Führerscheine aus dem Ausland

Dass gefälschte Dokumente auch durch Gerichtsurteile, die sich auf legal erworbene Führerscheine/Dokumente beziehen, nicht gültig werden, sollte jedem Autofahrer einleuchten.

Tatsächlich gab es aber vor einigen Jahren (scheinbare) Schlupflöcher und Grauzonen, mit denen versucht wurde, einen Führerscheinentzug in Österreich zu umgehen – durch einen Führerschein, der (legal) in einem anderen EU-Land erworben wurde. Und tatsächlich:

Schlupfloch?

Führerscheine aus EU-Staaten sind in der ganzen Union gültig. Damit ist aber auch schon wieder Schluss mit “Schlupfloch”, denn: Damit ein in z.B. Ungarn erworbener Führerschein in Österreich wirklich gültig ist, muss man zumindest sechs Monate in Ungarn gelebt haben. Und:

  • Da die jeweiligen Behörden, die u.a. für die Ausstellung eines Führerscheines  zuständig sind, mittlerweile in Österreich (bzw. dem jeweiligen EU-Land) Infos einholen müssen, ob und wieso jemand (k)einen Führerschein hat, ist es auf legalen Weg absolut nicht mehr möglich, einen Führerscheinentzug in Österreich zu umgehen – alle EU-Staaten müssen sich an von anderen EU-Staaten verhängte Sperrfristen, bis eine neue Fahrerlaubnis ausgestellt werden kann, halten.
  • Ganz abgesehen davon, dass ein Führerschein selbstredend ohnehin nur dann gültig ist, wenn dieser auch legal (!) erworben wurde – und das ist bei den diversen dubiosen Anbietern im Netz wohl kaum der Fall.
  • Dazu kommt, dass man als Österreicher mit einem ungarischen Führerschein  (warum auch immer  jemand einen solchen haben möchte) ohnehin sofort auffällig wird und die Sachlage genau überprüft wird.

Diese Strafen drohen bei Herstellen und Verwenden einer gefälschten Urkunde

  • Das österreichische Strafgesetzbuch besagt schon unter § 223 sinngemäß, dass die Herstellung von gefälschten Urkunden mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe von bis zu 720 Tagessätzen bestraft wird.
  • Da es sich bei einem Führerschein aber um eine “besonders geschützte Urkunde” handelt, kommt der verschärfte § 224 zur Anwendung: “Fälschung besonders geschützter Urkunden”
  • Darin ist eine Geldstrafe nicht mehr vorgesehen, dafür aber eine Freiheitsstrafe für bis zu zwei Jahre. Wichtiger Zusatz im Gesetzestext (sinngem.): Nicht nur für die Herstellung von Fälschungen, auch der bloße Gebrauch von falschen Urkunden zieht eine Haftstrafe in selber Höhe nach sich.
  • Damit ist aber “nur” das Thema “Dokumentenfälschung” abgetan – die Strafe für das Fahren ohne gültigen Führerschein wird selbstredend extra bemessen.


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