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Bei KFZ-Leasing gilt: Immer die Kosten über die gesamte Laufzeit im Auge behalten!
 

Autofinanzierung: Die 3 Möglichkeiten

Ein Neuwagen kann per Kredit, Leasing oder Barkauf finanziert werden, und anschließend gilt, eine passende Versicherung zu wählen. Hier: Die Basics, die es zu beachten gilt.

06.06.2018 Online Redaktion

Ein Artikel aus der Autorevue Extra 2018.

Die Sache mit dem Restwert will beim durchschnittlichen Leasingvertrag fünf Jahre vorausgesehen werden, um eine auch in der Zukunft gültige Summe dort einzutragen. Viele Jahre lang war der Gebrauchtwagenmarkt gut abschätzbar, jetzt gibt es ein paar Unwägbarkeiten: Diesel und Elektroautos.

Vor allem beim Diesel spießt sich’s derzeit – es kommt halt alles drauf an, wohin die Umweltgesetze, die Geschmäcker und Vorstellungen künftig weisen: Wie heftig Diesel-Pkw künftig an Wert verlieren, kann heute niemand ganz genau sagen, wiewohl eine beruhigende Grundlinie („Alles halb so wild“) geahnt werden darf. Verlässlich normkonform sauber sind Autos, die ab dem heurigen Herbst typisiert werden und die Abgasnorm Euro 6d-TEMP erfüllen – manche Autos schaffen diese Norm schon jetzt, das kann beim Kauf erfragt werden.

Einige Marken bieten Versicherungsklauseln an: Werden Diesel-Fahrverbote beschlossen, die die Leasingnehmer unmittelbar und massiv betreffen, dann darf das Dieselauto kostenlos zurückgegeben werden.

Michael Osinger, Leasingexperte der Erste Bank: „Ein Vertrag mit garantiertem Restwert macht die Summe, die das Auto zum Vertragsende kostet, für die Kunden perfekt kalkulierbar. Sollten Dieselautos ihren Wert dann doch besser halten als angenommen, kann man das Auto erwerben und privat weiterverkaufen.“ Natürlich ist bei garantiertem Restwert die monatliche Rate etwas höher, aber wer sich beide Varianten ausrechnen lässt, wird erkennen, dass der Unterschied gering ist.

Gebrauchtwagenhändler

© Bild: APA / Barbara Gindl / picturedesk.com

Kredit, Leasing oder Barkauf?

Ähnlich ungewiss wie beim Diesel ist der Restwert bei Elektroautos. Revolutioniert eine neue Technologie die Batterien, dann verlieren ältere E-Autos schneller an Wert als gedacht – auch hier kann der Restwert vertraglich fixiert werden. Aus der Restwertdebatte eine generelle Empfehlung zum Leasing abzuleiten, wäre dennoch verfrüht. Also der Reihe nach. Bar, Kredit, Leasing Eine eher sorgenfreie Zukunft garantiert der Barkauf. Wer den Kaufpreis seines neuen Autos beim Händler hinblättert, muss sich künftig nicht mehr um Monatsraten oder Restwert kümmern, indes: Kaum jemand hat solch namhafte Summen einfach bereitliegen, wenn das neue Auto fällig ist.

In der Praxis werden Autos folglich mit Hilfe von Geldinstituten finanziert, also per Kredit. Oder per Leasing, das mittlerweile zur häufigsten Finanzierungsform gereift ist – knapp 40 % der Privatkäufe werden so finanziert, bei den gewerblichen hat Leasing schon die absolute Mehrheit. Wie viele Neuwagen über einen Kredit finanziert sind, ist hingegen nicht exakt zu beziffern. Wer das Geld schon zum Autohändler mitbringt, wird nicht gefragt, woher die Summe stammt.

Keine der beiden Finanzierungsformen ist per se im Vorteil, meistens ist der Unterschied zwischen den Anbietern größer als zwischen den Finanzierungsformen. Michael Osinger: „Wichtig ist, mehrere Angebote zu vergleichen. Dabei zählt der Gesamtbetrag über die Laufzeit inklusive aller Gebühren, beim Leasing sind auch Anzahlung und Restwert zu berücksichtigen. Ein reiner Vergleich der Monatsraten ist nie zielführend.“ Es zählt auch der effektive Zinssatz inklusive aller Gebühren und verpflichtender Zusatzversicherungen – und nicht der nominale, wie er in der Werbung oft genannt wird. Die Anbieter sind gesetzlich verpflichtet, (auf Verlangen) eine Auflistung aller Kosten zu erstellen.

Ganz wichtig: beim Autohändler wie ein Barzahler verhandeln und erst dann die Finanzierung ansprechen. Und sich für die Klärung der Finanzierungsfrage viel Zeit nehmen, schließlich verwendet man fürs Konfigurieren des neuen Autos meist Wochen oder Monate, und auch am Kaufpreis wird lange gefeilscht. Wer danach die Finanzierung beiläufig entscheidet, wird kaum das beste Angebot erwischen.

© Bild: Ian Langsdon / EPA / picturedesk.com

Kredit vs. Leasing

Kredit versus Leasing Geld Ausborgen gehorcht einem einfachen Muster: Man bekommt eine Summe in die Hand gedrückt und zahlt sie dann in Raten wieder zurück.

Leasing setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: Man zahlt am Anfang eine Anzahlung, die als Depotzahlung (wird über die Leasingdauer für den Kunden angelegt und steht am Ende wieder zur Verfügung) deklariert sein kann oder als Mietvorauszahlung, die sukzessive den Monatsraten zudosiert und somit über die Leasingdauer verbraucht wird. Nach Ablauf der Leasingdauer ist der Restwert des Autos fällig, siehe oben. Der wird von manchen Leasinggesellschaften meistens etwas höher angesetzt, um mit niedrigeren Raten zu werben – in diesem Fall zahlt man für das gebrauchte Auto mehr als den Zeitwert. Kein gutes Geschäft.

Gibt man den Gebrauchtwagen an die Leasinggesellschaft zurück, dann entkommt man dem Restwert trotzdem nicht: Bringt das Auto bei der Verwertung durch den Leasinggeber weniger als den vertraglichen Restwert, dann zahlt der Kunde drei Viertel der Differenz. Erzielt das Leasingunternehmen beim Verkaufen des Autos aber mehr als den vertraglich angenommenen Restwert, dann erhält aber auch der Ex-Fahrer drei Viertel des Mehrerlöses.

Bonität und Zahlungsprobleme Kredit und Leasing werden generell nur gewährt, wenn die Geldinstitute die Summe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder zurückbekommen. Um das sicherzustellen, prüfen sie vorher die Bonität der Kunden – wer nicht kreditwürdig ist, bekommt auch keinen Leasingvertrag. Außer für ein deutlich günstigeres Auto, je nach finanzieller Lage.

Fixer oder variabler Zins

Schlittert man während der Leasing- oder Kreditdauer in eine finanzielle Notlage, dann ist Untertauchen und Totstellen die schlechteste Lösung. Michael Osinger rät: „Es ist immer besser, bei Zahlungsschwierigkeiten den Dialog mit dem Kredit- oder Leasinginstitut zu suchen und eine für alle vertretbare Lösung auszuhandeln.“ Die kann beispielsweise im Aussetzen der Raten für eine gewisse Zeit oder Verlängerung der Vertragsdauer bestehen, wenn ein Ende der klammen Zeit absehbar ist.

© Bild: BARBARA GINDL / APA / picturedesk.com

Fixer oder variabler Zinssatz? Bei beiden Finanzierungsformen werden fixe oder variable Zinsen angeboten. Seit Jahren ist das Zinsniveau auf extrem niedrigem Level, das wird wohl heuer so bleiben, weitere Prognosen sind wenig seriös. Dass die Zinsen noch jahrelang auf ihrem Rekord-Tiefstand verbleiben, ist allerdings wenig wahrscheinlich. Mit einem fixen Zinssatz entgeht man dem Risiko steigender Zinsen, der Zinssatz wird aber auf einem höheren Niveau sein als der aktuelle variable – so hält die Bank ihr Risiko niedrig. Beim Autokredit der ING-DiBa zum Beispiel beträgt der Fixzinssatz derzeit 3,9 %.

Ein variabler Zinssatz liegt derzeit bei rund zwei bis drei Prozent, er wird alle drei Monate dem Euribor-Zinssatz angepasst. Theoretisch ohne Obergrenze, praktisch sind schockierende Ausreißer unwahrscheinlich.

Bei Kredit und Leasing unterschiedlich ist die Besitzstruktur: Kauft man ein Auto auf Kredit, dann wird man Eigentümer und steht als solcher in den Fahrzeugpapieren. Geleaste Autos hingegen gehören dem Leasingunternehmen, was allerdings kaum Auswirkungen hat: Man darf das Auto nutzen wie ein eigenes, lediglich bei Umbauten sollte man vorab bei der Leasinggesellschaft vorsprechen.

Kleine Geschenke

Um Kunden zu überzeugen, gibt’s beim Leasing oft kleine Draufgaben. So wird beispielsweise bei s Leasing der ursprünglich für gewerbliche Kunden vorgesehene All-inclusive-Gedanke auch auf Privatkunden ausgedehnt. Mit der Kundenkarte können dann Treibstoff, Reifen, Autozubehör verbilligt bezogen werden, man zahlt auch weniger an der Raststation oder für Mietwagen.

Um die Skepsis gegenüber Dieselmotoren auszubremsen, bieten manche Marken in Zusammenarbeit mit ihren Geldinstituten auch eine Versicherungsklausel an: Werden Diesel-Fahrverbote beschlossen, die die Leasingnehmer unmittelbar und massiv betreffen, dann darf das Dieselauto kostenlos zurückgegeben werden, sofern ein neuer Leasingvertrag für einen Benziner abgeschlossen wird. Peugeot, Nissan oder BMW beispielsweise werben mit derartigen Aktionen.

© Bild: Andreas Riedmann

Schlüsselübergabe.

Ein weiterer Leasing-Vorteil manifestiert sich erst nach Ablauf der Vertragsdauer: Ein geleastes Auto bleibt auch als Gebrauchtwagen leasingfähig. Wird das Auto allerdings verkauft, dann scheidet es aus steuerlichen Gründen aus dem Leasingmarkt aus.

Bank oder Markeninstitut?

Ob man den Kredit- oder Leasingvertrag lieber bei einer unabhängigen Gesellschaft abschließen soll oder beim Geldinstitut eines Autoimporteurs, dafür gibt es keine eindeutige Empfehlung. Manch Autoimporteur beschleunigt den Absatz einiger Modelle gerne mit besonders günstigen Finanzierungsaktionen, andererseits bekommen Verkäufer vermutlich auch für unterzeichnete Leasing- oder Kreditverträge eine Prämie. Die wird natürlich von den Kunden finanziert, auch wenn’s nirgends so deklariert wird.

Rechtliche Probleme Die Zeit der, sagen wir, rechtlichen Grauzonen, die gegen die Kunden gerichtet waren, ist mittlerweile aufgrund laufend nachjustierter Verbraucherschutzgesetze vorbei, strukturelle Probleme beim Leasing gibt’s nicht mehr. Falls dennoch rechtliche Unsicherheiten auftreten, liegt das meistens daran, dass die Verträge vor der Unterschrift nicht bis ins letzte Kleingedruckte und sinnerfassend gelesen wurden.

Wer also den Vertrag schwer durchschaut, kann ihn sich beispielsweise beim Verein für Konsumenteninformation (www.vki.at) ins Verständliche übersetzen lassen.

Die Versicherung Noch nie waren Versicherungsprämien so simpel zu vergleichen wie heute: Onlinekalkulatoren, wie sie beispielsweise bei www.durchblicker.at oder www.versichern24.at zu finden sind, erstellen einen Überblick der Angebote, wenn man sie mit den persönlichen Daten und jenen des Autos füttert. Dann erscheinen aber keine Fixpreise, sondern die Ausgangssummen fürs Preisfeilschen. Zwar sind die Jahre vorbei, in denen heute absurd anmutende Rabatte vergeben wurden, für pensionierte Priester in Gegenden mit statistisch niedriger Unfallwahrscheinlichkeit, zum Beispiel. Aber wer aufs Feilschen völlig verzichtet, zahlt ein bissel mehr als nötig, wobei die Erfolgschancen natürlich unterschiedlich sind: MalusFahrer haben eine düstere Ausgangslage, Fahrer im ewigen Bonus sind als Kunden gerne gesehen.

Versicherungswechsel

Hat man sich für einen Anbieter entschieden, dann ist man ihm auch nicht ewig verpflichtet. Senkt ein anderer Versicherer die Tarife, so darf gewechselt werden, aber nicht zu jedem Zeitpunkt.

Erlaubt sind Versicherungswechsel

  • mit jeder Neuanmeldung eines Fahrzeugs
  • bis zu zwei Monate nach der Ankündigung einer Prämienerhöhung
  • bis zu einem Monat vor dem jährlichen Stichtag, worunter man den Ersten des dem Vertragsabschluss folgenden Monats versteht
  • nach Schadensfällen bis zu einen Monat nach Eintreffen der Verständigung, ob entschädigt wird ober nicht.

Unklug ist, bei unerquicklichen Verhandlungen mit der bisherigen Versicherung diese zu kündigen, bevor die Zusage der neuen und günstigeren Versicherung schriftlich vorliegt.

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