alter-autofahrer-geisterfahrer
 

Ab wann ist man zu alt zum Autofahren?

Wir alle wünschen uns, im hohen Alter Mobil zu sein. Aber sollte es dennoch eine Altersgrenze beim Autofahren geben? Was spricht dafür? Was dagegen?

12.01.2016 Online Redaktion

Während Fahranfänger in punkto Verkehrssicherheit medial immer wieder im Fokus stehen und auch von Maßnahmen auf politischer Ebene betroffen sind, gibt es am anderen Ende der Alters-Skala, bis auf einige wenige (eher theoretische) gesetzliche Einschränkungen, praktisch kein Limit und nur wenig öffentliche Diskussionen.

Wäre eine Altersgrenze sinnvoll?

Aber gleicht die Erfahrung altersbedingte Schwächen im Straßenverkehr wirklich aus, oder gibt es eine Altersgrenze, ab der auf das Autofahren verzichten oder es verboten werden sollte? Wir haben die Argumente beider Seiten für euch zusammengefasst:

Gründe, gegen eine Altersgrenze

  • Das Alter sagt nur bedingt etwas über die Zurechnungsfähigkeit oder die körperliche Fitness aus, die notwendig ist, um ein Fahrzeug sicher lenken zu können. So ist es nicht mehr ungewöhnlich, dass auch ein/e beispielsweise 80-jährige/r Autofahrer/in sowohl geistig als auch körperlich fit und vital ist, wie es so mancher Jungspund mit 30 Jahren nicht mehr ist.
  • Auch älteren Menschen sollte das Recht auf Mobilität eingeräumt werden. Gerade im ländlichen Raum stellt das Auto oft das einzige Fortbewegungsmittel dar, um größere Strecken zu überwinden – und somit auch, um Dinge des täglichen Lebens wie z.B. Einkäufe zu erledigen, oder soziale Kontakte aufrecht zu erhalten.
  • Es gibt ohnehin bereits den gesetzlichen Grundsatz, dass man ein Fahrzeug nur dann lenken darf, wenn man (sinngemäß) Herr seiner Sinne und seines Körpers ist. Damit ist die Situation gesetzlich eindeutig geregelt und bedarf keiner weiteren Verschärfung.
  • Erfahrung spielt gerade im Straßenverkehr eine wichtige Rolle, um sicher von A nach B zu kommen. Und diese Erfahrung ist eben bei älteren Verkehrsteilnehmern im Normalfall einfach höher als bei Fahranfängern / jüngeren Fahrern.

Gründe, für eine Altersgrenze

  • Auch wenn es eine Gesetzgebung diesbezüglich gibt: Faktisch wird die Verkehrstüchtigkeit (speziell im Hinblick auf das Alter) wohl kaum kontrolliert. Ein Entzug der Fahrerlaubnis bzw. eine Kontrolle der Fahrtauglichkeit wenn es bereits zu spät und z.B. ein Unfall passiert ist, ist eben zu spät.
  • Es gibt gewisse Alterserscheinungen beim Menschen, die sich oftmals nicht beeinflussen lassen und auch nicht ignoriert werden sollten. So ist es einfach Fakt, dass die Reaktionsschnelligkeit mit dem Alter abnimmt.
  • Das „Recht auf Mobilität“ lässt sich auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln umsetzen. Gerade wenn man im höheren Alter nicht mehr berufstätig ist, kann es einem zugemutet werden, die notwendigen Erledigungen nach den öffentlichen Verkehrsplänen zu richten.

Fahranfänger oder ältere Verkehrsteilnehmer: Wer verursacht mehr Unfälle?

Daten der „Statistik Austria“ weisen für Personen über 70 Jahre bessere Ergebnisse in punkto Unfallhäufigkeit und Verkehrstote aus als z.B. für Lenker zwischen 20 – 29 Jahre.

Unfallhäufigkeit in Relation zu gefahren km

Um zu einem halbwegs objektiven Ergebnis zu kommen, sollte aber auch die Unfallhäufigkeit in Relation zu den gefahrenen Kilometern der Altersgruppen berücksichtigt werden.

Und hier zeigen diverse Studien aus den USA, dass statistisch betrachtet ein 80-Jähriger Verkehrsteilnehmer pro einer Milliarde gefahrener Kilometer 20 Todesopfer verursacht, eine Frau Mitte 30 hingegen „nur“ drei Tote.

Unfallursachen

Die Unfallursachen unterscheiden sich bei den ganz Jungen und den ganz Alten klar: Während jüngere Verkehrsteilnehmer häufiger Unfälle durch überhöhte Geschwindigkeit verursachen, sind bei den älteren Verkehrsteilnehmer andere Gründe ausschlaggebend, wie z.B. Vorfahrtsfehler.

Unser Fazit

Eine schärfere Gesetzgebung gegenüber älteren Verkehrsteilnehmern, die dann eventuell aus Ressourcenmangel ohnehin nicht oder nur wenig in der Praxis umgesetzt wird, führt auch nicht zum Ziel. Viel mehr ist auch hier der Appell an alle Autofahrer, ob jung oder alt, angebracht: Bitte sich selbst eingestehen, wenn man sich körperlich oder geistig nicht (mehr) 100% in der Lage fühlt, ein Fahrzeug sicher zu lenken. Im Zweifelsfall kann und soll dazu z.B. auch ein Arzt zu Rate gezogen werden – denn die Selbsteinschätzung ist diesbezüglich leider oftmals eine Selbstüberschätzung.

  • Helmut

    Nun, ich bin zwar auch schon 73 und falle damit für manche ( die mich nicht kennen ) unter „die Alten“, denen man den Führerschein wegnehmen sollte.
    Es besteht nur ein kleiner Unterschied; ich war bis vor 2 Jahren Privatpilot und mußte daher regelmäßg ( jedes Jahr ) zum Gesundheits-Check.
    Entsprechend mußten auch meine Reaktionen sein.
    So etwas ähnliches könnte ich mir für Autofahrer ( so ab 70-75 Jahren ) auch vorstellen, wobei natürlich nicht nur die körperliche und geistige Fitness zu beurteilen ist, sondern auch die Reaktionen in Gefahren-Situationen und auch das Fahrverhalten ( Linksfahrer, Dahinschleicher etc. )
    Ich sehe (leider) täglich, was alte Menschen am Steuer “ aufführen“, von der Reaktion bei der grünen Ampel, Rotlicht überfahren, Vorrang (was ist das ?), 30-40 km/h bei freier Straße im Stadtgebiet, 110 auf der linken oder mittleren Spur auf der Autobahn etc.
    Und wenn dann jemand hinter so einem Schleicher oder Linksfahrer die Nerven verliert und dann womöglich einen Unfall baut, ist ( natürlich ) der „Raser“ schuld.
    Das ist der auch Grund, warum ich heute nur mehr Autos mit 200 PS oder mehr fahre, damit kann ich die Überholwege stark verkürzen und sicherer gestalten.

    Ich will damit nicht ausschließen, daß es solche Typen in anderen Altersklassen auch gibt, aber wenn man dann beim Fenster hineinschaut, dann ist es in sehr vielen Fällen ein „Alter“, Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

  • Richard P

    Ein Thema, dass ausnahmslos alle Pensionistenverbände (inkl ÖAMTC) sofort abwürgen. Bedauerlicherweise, wenn man sich als Vielfahrer anschaut, was unsere grauen Panther auf den Strassen so aufführen.
    Glücklicherweise wurden die Checks bei Bussen und LKW bereits umgesetzt; die EU Richtlinien werden auch das noch regeln – auch gegen den Widerstand der ach so wichtigen Wählergruppe 60+ (Liebe Grüße Hr Kohl)

pixel