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Skoda Kodiaq: Bär vs. Tiguan

Es geht im Skoda Kodiaq zwar nicht über Stock und Stein, dafür wird aber mit dem ersten SUV der Tschechen, der viel viel Platz bietet, über Straßen geglitten.

15.11.2016 radical mag

Die Form muss der Funktion folgen. Was beim neuen Skoda Kodiaq definitiv stimmt. Zwar haben die Tschechen zur Präsentation ein großes Buch mit dem Titel «Driven by Design» produziert, doch so rein optisch ist der Kodiaq jetzt nicht der Wurf, der den Betrachter vor lauter Ehrfurcht in die Knie gehen lassen würde. Ein mächtiges Fahrzeug, 4,70 Meter lang, 1,67 Meter hoch, da sind wir dann deutlich näher an einem VW Touareg als an seinem technischen Zwilling, dem VW Tiguan; ein kompaktes SUV ist der Skoda nicht mehr. Gut, klare, saubere Linien, kein Firlefanz (außer bei der Licht-Signatur), alles ist praktisch und durchdacht, doch das zeichnet ja auch Lieferwagen aus. Und so darf man den Kodiaq durchaus sehen: der Bär ist ja auch nicht so elegant wie ein Gepard, aber trotzdem (oder gerade deshalb?) sehr sympathisch.

Die nackten Zahlen des Skoda Kodiaq sind beeindruckend

720 Liter Kofferraum-Volumen für den Fünfplätzer, großartige 2.065 Liter bei abgeklappten Rücksitzen. Da übertrifft der Kodiaq den Touareg deutlich, den Tiguan ebenfalls, auch die klassischen großen Kombis wie eine E-Klasse von Mercedes oder ein V90 von Volvo stehen da tief im Schatten. Und dann lässt sich all dieser Raum auch noch bestens nutzen, das ist nach dem Superb eine weitere Glanzleistung von Skoda. Es ist zudem auch so, dass der Skoda recht souverän Platz für sieben Passagiere bietet, in der dritten Reihe wollen nicht nur kleingewachsene Menschen Platz nehmen. Und die fünfköpfige Familie kann mit dem Kodiaq auch problemlos in die Ferien verreisen, für ein paar Wochen.

Man ist auch gern über längere Strecken im Kodiaq

Das Innenleben kommt einem bekannt vor, MQB und die üblichen VW-Konzern-Synergien machen da klare Vorgaben, auch wenn Skoda sich bemüht, da noch etwas eigenen Charakter hineinzubringen, Golf, Tiguan & Co. nicht 1:1 zu kopieren. Aber eben, Touchscreen, Schalter, Hebelchen, das ist alles gleich. Es sind dann aber vor allem liebevoll durchdachte Details, die hier den Unterschied machen, Kleinigkeiten wie eine wirklich durchdachte Box für das Handy in der Mittelkonsole, die vielen Ablagemöglichkeiten. Und was unbedingt lobend erwähnt sein soll: noch nie zuvor war die Qualitätsanmutung in einem Skoda so hoch wie in diesem SUV. Und nein, der Unterschied zu einem Audi ist eigentlich nicht mehr wahrnehmbar. Es darf aber durchaus die Frage gestellt werden, ob diese MQB-Innenraum-Gestaltung wirklich noch «state of the art» ist, da gibt es unterdessen eine ganze Reihe von Herstellern, die mit deutlich weniger Knöpfchen auskommen, ein moderneres Bediensystem bieten können. Und bis die jüngsten Neuerungen, die gerade am VW Golf 7.2. eingeführt wurden, in den Kodiaq gelangen, muss man bis zum Facelift in etwa drei Jahren warten.

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© Bild: Peter Ruch

Fahreigenschaften des Skoda Kodiaq

Was die Abstimmung des Fahrwerks betrifft, so verzichtet Skoda auf die von anderen MQB-Varianten übliche sportliche Härte. Das passt einerseits gut zum Charakter des bärigen Kodiaq, andererseits: er ist schon etwas schwammig. Der hohe Aufbau in Verbindung mit der recht großen Bodenfreiheit führt fast zwangsläufig zu hoher Seitenneigung in etwas flotter durchfahrenen Kurven. Zwar lassen sich auch beim Skoda wie in allen anderen MQB-Wagen die Fahrmodi per Schalter verändern, doch «Sport» ist im Kodiaq einigermaßen untauglich, er wirkt dann hüftsteif, unharmonisch. Aber mit einem Raumschiff muss man ja auch keine Rundenrekorde brechen, zumal der große Tscheche ja bestens gleitet, auch auf nicht sehr guten Straßen komfortabel ist. Er könnte sicher auch ganz gut Offroad, der Kodiaq, 4Motion, elektronische Differentialsperren, die schon erwähnte erhöhte Bodenfreiheit, aber solches haben wir bei diesem ersten Ausflug nicht probiert.

Rein ins Top-Modell

Unsere erste Testfahrt fand mit dem Top-Modell statt, 2-Liter-Diesel, 190 PS, 7-Gang-DSG, Allradantrieb. Eine bekanntlich feine Konfiguration, da bleiben eigentlich keine Wünsche mehr offen (außer vielleicht, dass uns Skoda auch noch das Gewicht verraten würde). Antriebseinflüsse in der Lenkung verspürten wir eigentlich keine, dafür hatten wir viel Freude an den 400 Nm maximalem Drehmoment, die schon ab 1.700/min zur Verfügung stehen; immer wieder sind wir auch erfreut über das Doppelkupplungsgetriebe, das quasi ruckfrei schaltet und eigentlich immer den passenden Gang zur Verfügung stellt, auch wenn man sich kurzfristig noch für ein Überholmanöver entscheidet. Es sei auch noch die Ruhe im Innenraum gelobt. Die ganz großen Emotionen kommen im Fahrbetrieb jetzt nicht auf, doch die schaffen ja andere SUV ebenfalls nicht.

Skoda Kodiaq vs. VW Tiguan

Erst kürzlich hatten wir ja einen VW Tiguan in der gleichen Antriebskonfiguration im Test. Und fragen uns jetzt ernsthaft: was spricht denn noch für den Volkswagen im Vergleich mit dem Skoda? Ja, es mag durchaus sein, dass man gar nicht so viel Platz braucht, wie ihn der Kodiaq zu bieten hat, doch das kann irgendwie kein Argument sein. Was aber bleibt: es gibt wahrlich keinen Grund, weshalb der Kodiaq Skoda nicht zu feinen Verkaufserfolgen verhelfen sollte. Oder anders ausgedrückt: die Tschechen machen nicht nur nichts falsch, sie machen auch ganz vieles richtig. Unter den MQB-SUV (also: Audi Q2, Seat Ateca, VW Tiguan) ist der Kodiaq sicher das beste Angebot. Das Plus an Platz ist sicher eine Unique Selling Proposition, die cleveren Skoda-Lösungen verleihen dem großen SUV auch einen gewissen Charme. Der Teddy-Bär ist auch der Kinder Liebster.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

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