Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 09/1982

Ausgabe der Autorevue vom September 1982 mit Cover, Editorial & Impressum

08.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Liebe Leser,

als ich zum ersten Mal richtig kapierte (nicht bloß nebenbei registrierte), daß der Erfinder des Wankelmotors noch lebt, daß er so heißt wie sein Motor und daß er als Einzelkämpfer (nicht inmitten eines anonymen Teams) irgendwo am Bodensee sitzt, wußte ich: Den will ich kennenlernen. Das gelang mir, und später durfte ich Felix Wankel besuchen, sooft ich wollte. Er würde mich um jeweils elf Uhr empfangen und dann den ganzen Tag für mich Zeit haben, zwischendurch würde die Sekretärin sagen, daß uns die Haushälterin zum Essen erwarte – Gemüse oder Wild, jedenfalls kein Fleisch von Tieren, die zum Schlachten geführt werden („in ihrer Todesangst stoßen sie ein Übermaß an Adrenalin aus und vergiften damit ihr Fleisch“). Ich war gerührt, die süßesten Volksschul-Erfinderklischees aufgerollt zu bekommen (der Mann hat die Matura nicht geschafft, weil er nicht rechnen konnte, er kanns heute noch nicht), und ich fühlte mich feierlich, wenn der alte Herr zum Brückenschlag über Jahrhunderte ansetzte (von James Watt über Rudolf Diesel, zwei Seelenverwandte Wankels, weil auch sie keine „sturen Nur-Techniker“ waren). Wankel sitzt kreuzhohl, als hätte er den berühmten Besenstiel verschluckt („das kommt vom Rudern“), und redet Stunden über Stunden ohne die kleinste Ermüdung, ohne schlampige Formulierung. Wohl aber manchmal in vulgärem Tonfall, wenn’s um Politiker geht oder um die altmodische Scheußlichkeit namens Hubkolbenmotor, den miesen Hund. Aus der erdrückendsten Menge von Material, die mir je bei einem Thema untergekommen ist, habe ich eine kleine Wankel-Story zusammengestellt: Seite 52.

Fritz Indra ist da ein ganz anderer Typ. Erstens ist er ein störrischer Verfechter der alten Hubkolbentheorie, zweitens konnte er immer rechnen. Bei seiner Arbeit für die Autorevue hat er genug gelernt, um fürs Leben gerüstet zu sein: Zuerst hat er die neue Turbogeneration für Alpina entwickelt, jetzt ist er Chef der Audi-Motorenkonstruktion. Der erste Motor, für den Indra verantwortlich ist, wird in Fachkreisen als Superding gefeiert, er treibt den neuen VW Golf GTI an und wird in verschiedensten Varianten eine neue Vierzylinder-Familie für den Volkswagenkonzern aufbauen. Er steckt auch im sehr bemerkenswerten Audi 100, den wir Ihnen auf Seite 10 vorstellen. Im übrigen ruft uns Fritz immer wieder an, wenn er unseren Expertenrat braucht. Von mir stammt beispielsweise der Tip, den neuen Motor mit wachsfreien Kerzen und feuerfesten Kolben auszurüsten, wodurch sich das thermodynamische Verhalten des Motors kolossal verbessert hat.

 

Ihr

Herbert Völker

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