Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 09/1976

Ausgabe der Autorevue vom September 1976 mit Cover, Editorial & Impressum

08.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Existenzminimum

 

Das Ergebnis ist bei Erscheinen dieses Heftes zwar knapp vier Wochen alt, scheint uns aber trotzdem noch einer extensiven – seriösen – Berichterstattung wert. Fest steht, daß das Rennen am Nürburgring der bisherige Climax an Frustrationen und Dramen (mit Negativ-Vorzeichen) in diesem Jahr war. Nicht fest steht, ob die aufgerührten Emotionen mit all ihrer Gegensätzlichkeit so etwas wie einen reinigenden Effekt gehabt haben – die Einsicht, daß Spitzen-Motorsport nur dann zu halten ist, wenn das Abschlachten der Akteur verhindert und ein gewisses Minimum an Fairness und Ehrlichkeit eingehalten wird – das Existenzminimum sozusagen.

Die AUTOREVUE gab in ihrer Berichterstattung Emotionen nur soweit nach, als sie die Freude über die Rettung unseres Weltmeisters, Freundes und Mitarbeiters betrafen. Ansonst haben wir uns um eine sachliche Dokumentation einer außergewöhnlichen Abfolge von Ereignissen bemüht – von einem unglaublich vorausblickenden Lauda-Interview vor dem Rennen über die Details der Bergung bis zu menschlichen Portraits der Lebensretter und zu Enzo Ferraris einsamer Entscheidung. Als Notwendigkeit nach teilweise blutgieriger, teilweise sachlich falscher Berichterstattung in (deutschen) Massenmedien oder Illustrierten, haben wir der Interpretation der Rettungsfotos besonderes Augenmerk geschenkt. Die wichtigsten Aussagen lassen sich aus den Schwarzweiß-Bildern der Wochenschau machen, besonders dann, wenn man (aus einem allerdings anderen) Film weiß, daß nach der Lösung des Gurts durch Merzario das Herausziehen Laudas selbst ruck-zuck ging; der Italiener war also eindeutig die Schlüsselfigur der ganzen Aktion – und das „weltexklusive Foto“ des „noch immer eingeschlossenen“ Niki Lauda – nach Ankunft des ONS-Porsche – ein ebenso exklusives Illustrierten-Drama.

 

Hin und wieder versuchen Psychologen den Nachweis zu bringen, daß Motorsport bei den Zuschauern hauptsächlich wegen der Chance, Blut und Tod zu sehen, so attraktiv sei. Deutsche Massenblätter, die Grand-Prix-Rennen sonst mit Punkmeldungen abtun, zogen eine Lauda-Blutoper zwei volle Wochen in Riesenaufmachung durch. Es sind nicht die Zuschauer, die auf Tote warten. Es sind die Blut-Journalisten.

 

Ihr

Herbert Völker

 

 

 

INHALTSVERZEICHNIS

 

Test

Herbert Völker, Bernd Schilling: Ford Fiesta S (Seite 16)

Herbert Völker, Bernd Schilling: Mazda RX-5 (Seite 22)

Herbert Völker, Bernd Schilling: AUTOREVUE-Vergleichstest Die heißen Fünf (Seite 28)

Neue Modelle

Axel Höfer, Heinz Dieter Finck: Audi 100 (Seite 12)

Motorrad

Zweirad-News (Seite 63)

Fritz Ehn, Bernd Schilling: Fahrbericht: Puch 250 Replica (Seite 64)

AUTOREVUE-Cartoon

Zeichnung: Bugatti (Seite 2)

Information

Produkte, Neue Modelle, Technik, Wirtschaft (Seite 6)

Claus C. Prett: Neue Situation für Autokredite (Seite 11)

Sport

Josef Mayerhofer: AUTOREVUE-Mittelbild Dieter Quester mit dem Gruppe-5-BMW-Schnitzer-Coupé (Seite 40/41)

Bernd Schilling: Hey Niki! Dem Champ geht es besser (Seite 42)

Tod und Risiko Aus einem Lauda-Interview mit Pete Lyons aus „AUTOSPORT“ (Seite 43)

Austria Wochenschau: Die Rettung (Seite 44, 45)

AUTO ZEITUNG, Köster: Die Rettung (Seite 46, 47)

Dieter Stappert, A. H. Rottensteiner: Die Helden (Seite 48, 49)

Heinz Prüller, Herbert Völker: Ferraris Rückzug (Seite 50)

Helmut Zwickl, Rottensteiner, DPPI: GP Deutschland (Seite 52)

Heinz Prüller, Rottensteiner, Streimelweger: GP Deutschland (Seite 56)

Internationaler Motorsport (Seite 66)

Nationaler Motorsport (Seite 68)

AUTOREVUE-Kalender (Seite 68)

Leserdienst

Gebrauchtwagenbörse (Seite 78)

Motorradpreise (Seite 79)

Neuwagenpreise (Seite 80)

Mehr zum Thema
  • Gert

    Das Ereignis selbst ist zwar schon 37 Jahre her,hat aber bis heute nichts an seiner Aktualität für die Formel 1 oder andere Sportarten verloren!Es bedurfte damals und bedarf auch heute couragierter Menschen,damit im Fall des Falles die Sache am Ende doch noch einigermaßen gut ausgeht.Nur eine Anregung:Vielleicht sollte die Redaktion der Autorevue darüber nachdenken,die Ausgabe 9/1976 entweder als Sonderedition in Print, – oder als Online Version neu aufzulegen,als historisches Zeitdokument und als Beispiel dafür,wie Journalismus zu sein hat,nämlich subjektiv objektiv,und nicht reisserisch oder gar bl…….

pixel