Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 06/1982

Ausgabe der Autorevue vom Juni 1982 mit Cover, Editorial & Impressum

08.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Liebe Leser,

der puristische Separationsgedanke in der Diskussion um interdisziplinäre Gesamtheitsfindung äußert sich solcherart im journalistischen Alltag: Der Schreiber soll schreiben, der Fotograf soll fotografieren. Der Knipser ist sauer, wenn der Tipper auch nur eine Polaroid-Kassette einschiebt, umgekehrt zerkugelt sich der Dichter, wenn der darstellende Künstler die Fotos mit ein paar Zeilen Bildtext bereichert. Wie wenig grenzüberschreitende Journalistik auch höherorts vorgesehen ist, geht schon aus den unterschiedlichen Mehrwertssteuersätzen für die beiden Sparten hervor.

In der Autorevue herrschte indes immer schon überdurchschnittliches Interesse an renaissancehafter Vielseitigkeit. Das begann im mittleren Rottensteiner-Paläozoikum, führte 1970 zur Hochblüte des aktionsreichen, daher nicht tödlich scharfen Völker-Bildwesens (wegweisend für die spätere blaue und halbblaue Futamura-Epoche) und mündete ins frühe Waldeck. Seit sein früherer Leibfotograf Wisenrand zu trinken begonnen hatte, war ja Waldeck vollends zum Einzelkämpfer geworden.

Beispiele aus Waldecks gemischtem Schaffen wird demnächst ein Range-Rover-Fahrbericht liefern, inzwischen hat sich aber auch David Staretz, 25, für gesamtheitliche Präsentation seines Weltbilds entschieden. Warum er plötzlich im letzten Jahr zu fotografieren begonnen habe, weiß er im Moment nicht zu sagen („später laß ich mir was einfallen für die Biographie“). Was ihm – vorerst – am Illustrieren eigener Stories gefällt: Der naive Blickpunkt des Nicht-Foto-Profis, das große staunende Auge des neu Angekommenen. Staretz’ erste Farbstory finden Sie in diesem Heft: Motorrad-Grand-Prix in Salzburg (Seite 48).

Der Rest des Hefts zeigt aber, daß wir die Sache nicht zu weit treiben wollen: Bernd Schilling, Tamotsu Futamura und Alis Rottensteiner taten ihre Jobs auf glänzende Weise.

Und schrieben kein einziges Wort.

 

Ihr

Herbert Völker

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