Uwe Rattay
Wissenswertes rund ums Thema Wildunfall

Wissenswertes rund ums Thema Wildunfall

Welche Folgen ein Wildunfall haben kann, wie man im Ernstfall richtig reagiert und welche Assistenzsysteme das Unfallrisiko senken können.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 23.04.2020

2018 wurden in Österreich 277 Wildunfälle mit Personenschaden registriert, vier Personen kamen dabei zu Tode. Zudem kommen hierzulande jährlich über 75.000 Wildtiere auf den Straßen ums Leben, im Schnitt sind das über 200 Tiere pro Tag. Zu den meisten Unfälle kommt es in den Morgenstunden zwischen 5 und 7 Uhr sowie am Abend zwischen 20 und 23 Uhr.

Autofahrer sollten sich bewusst sein, dass das Risiko eines Wildunfalls entgegen einer weit verbreiteten Annahme nicht nur im Herbst besteht: Bereits im Frühling kommt es alljährlich zu einem sprunghaften Anstieg derartiger Zwischenfälle. In den Sommermonaten steigt die Anzahl der Wildunfälle weiter, bevor sie im Herbst langsam wieder zurückgeht.

Wildunfälle in Österreich je Bundesland

 20142015201620172018
Burgenland1112201217
Kärnten2326353031
Niederösterreich871038397125
Oberösterreich61654553107
Salzburg1611988
Steiermark6640445468
Tirol1317192116
Vorarlberg30615
Wien01000
Österreich280275261276377

Quelle: Statistik Austria, Bearbeitung der ÖAMTC-Unfallforschung

ÖAMTC Wildunfall-Crashtest 2020

Um zu veranschaulichen, welche schwerwiegenden Folgen eine Kollision mit einem Wildtier haben kann, hat der ÖAMTC gemeinsam mit seinen Partnerclubs einen Crashtest mit einem realistisch nachgebildeten, 180 kg schweren Wildschweinkeiler durchgeführt. Das eindrucksvolle Ergebnis: Beim Zusammenprall wirkt kurzzeitig eine Kraft auf die Insassen, die dem zehnfachen Körpergewicht entspricht.

Richtige Reaktion ist entscheidend

“Am Auto entstand erheblicher Schaden, die Insassen blieben jedoch unverletzt. Dieser Umstand verdeutlicht, dass Verletzungen von Fahrzeuginsassen bei Wildunfällen meist nicht durch den direkten Aufprall des Tieres sondern durch falsche bzw. panische Reaktionen entstehen”, erklärt ÖAMTC-Verkehrstechniker Felix Etl. Misslungene Ausweichmanöver, durch die die Autos auf die Gegenfahrbahn gelangen oder gegen ein Hindernis am Straßenrand prallen, sind dabei am gefährlichsten. “Das bedeutet im Umkehrschluss, dass das Verletzungsrisiko für Pkw-Insassen bei Wildunfällen deutlich geringer ist, wenn der Fahrer richtig reagiert – das heißt bremsen, Lenkrad gut festhalten und unbedingt in der Spur bleiben. Um Auffahrunfälle zu vermeiden, sollte der Abstand zum Vorderfahrzeug vergrößert werden, wenn mit Wildwechsel zu rechnen ist”, so der Experte.

Achtung: Ob eine Vollbremsung, die für den Nachfolgeverkehr gefährlich werden könnte, gerechtfertigt ist, hängt auch von der Größe des Tieres ab. Kommt es in Folge einer Notbremsung zu einem Auffahrunfall, muss man bei kleinen Tieren unter Umständen einen Teil des Schadens selbst übernehmen – auch, wenn der nachfolgende Fahrer zu wenig Abstand gehalten hat.

Assistenzsysteme senken das Unfallrisiko

Bei der richtigen Reaktion auf plötzlich auftauchende Hindernisse wird der Fahrer in modernen Autos von diversen Assistenzsystemen unterstützt:

  • Notbremsassistenten reagierten im Test nur eingeschränkt auf den Wildschwein-Dummy. Teilweise wurde eine Warnung abgegeben, Notbremsung wurde aber keine eingeleitet. Im ÖAMTC-Test wurden die serienmäßig verbauten Notbremssysteme der Modelle Mitsubishi Eclipse Cross und VW T-Cross getestet, die bei der Vermeidung von Auffahrunfällen sowie Unfällen mit Fußgängern und Radfahrern gute Ergebnisse liefern. Der ÖAMTC plädiert daher für eine Weiterentwicklung dieser Systeme, sodass künftig auch bei auf die Fahrbahn laufenden Tieren eine Notbremsung eingeleitet werden kann.
  • Radarsensoren und Infrarotkameras waren im Test besonders genau bei der Erkennung von Tieren, ihre Reichweiten und Genauigkeit auch bei Dunkelheit oder Nebel hoch. “Durch den Einsatz von Radarsensoren könnte bei Wildwechsel nicht nur das Risiko für die Fahrzeuginsassen reduziert, sondern auch zahlreiche tote Wildtiere vermieden werden”, sagt Etl.
  • Nachtsichtassistenten schnitten im Test von ÖAMTC und Partnern gut ab: Die Systeme arbeiten mit Infrarotkamera, werden bei Dunkelheit aktiv und geben ein audiovisuelles Warnsignal ab, wenn Fußgänger oder Tiere erkannt werden. Das exemplarisch getestete Nachtsichtssystem “Night Vision” von Peugeot wurde von den Experten als hilfreich und leicht verständlich bewertet, ein Nachteil ist allerdings, das solche Assistenten nur in der Oberklasse oder gegen Aufpreis verfügbar sind.
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© Bild: Uwe Rattay

Externe Wildwarner-Systeme

Weritere wirkungsvolle Mittel gegen Wildunfälle sind etwa optische Wildwarner, die das Licht der Autoscheinwerfer in die umliegende Landschaft lenken und so die Wildtiere verschrecken bzw. davon abhalten sollen, die Fahrbahn zu kreuzen.

Aber auch akustische Wildwarner werden eingesetzt, die einen abschreckenden Warnton von sich geben, sobald sich ein Auto nähert. Der Vorteil gegenüber Wildzäunen liegt darin, dass die Tiere nicht grundsätzlich am Überqueren einer Straße gehindert werden, sondern nur dann, wenn Gefahr (für Mensch und Tier) im Verzug ist.

Anhalteweg mit dem Auto

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© Bild: ADAC

Wo werden Wild-Warnschilder aufgestellt?

Warnschilder für Streckenabschnitte mit vermehrtem Wildwechsel werden dort aufgestellt, wo statistisch betrachtet auch tatsächlich eine große Anzahl von Wildtieren die Straßen kreuzt. Das ist zum Beispiel bei Übergangsbereichen zwischen Wald und Feld der Fall. Eine Analyse des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) hat allerdings ergeben, dass Wildwechselschilder häufig nicht ernst genommen und ignoriert werden, sprich: Die Geschwindigkeit wird nicht gedrosselt.

Aufprallgewicht von Wildtieren

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© Bild: ADAC

Wie muss man reagieren, wenn es doch einmal zu einem Wildunfall kommt?

Nach einem Unfall muss, wie üblich, die Gefahrenstelle abgesichert werden. Außerdem besteht bei einem Wildschaden eine unverzügliche Verständigungspflicht (§4 Abs. 5 der Straßenverkehrsordnung) – selbst dann, wenn ein Wildtier nur angefahren/verletzt wurde und anschließend weitergelaufen ist. Ist das Tier verendet, ist es außerdem verboten, dieses mitzunehmen – auch nicht zum Tierarzt oder Jäger. Auch in diesem Fall gilt: Umgehend die Exekutive verständigen.

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