Schaulustige: Diese Strafen drohen

Leben oder Tod: Bei der Rettung nach einem Unfall geht es nicht selten um Sekunden. Der Griff zum Handy sollte hier Priorität haben – und zwar ausschließlich um Hilfe zu holen!

17.07.2018 Online Redaktion

Zunehmend benutzen pietätlose Gaffer aber in solchen Situationen ihr Handy nur dazu, um Fotos und Videos vom Leid anderer Menschen zu machen. Gaffen, auch ohne dabei Fotos oder Videos anzufertigen, ist nicht nur asozial sondern auch strafbar – das dürfte den wenigsten Schaulustigen bewusst sein.

Ein Überblick über mögliche Strafen für Gaffer und die momentanen Möglichkeiten der Einsatzkräfte, Schaulustige zu bremsen.

Schaulustige, die Einsatzkräfte behindern

Schaulustige, die die Arbeit der Einsatzkräfte oder die rasche Zufahrt zum Einsatzort behindern, müssen mit der unmittelbaren Durchsetzung der “Befehls- und Zwangsgewalt” der Polizei rechnen. Das bedeutet: Gaffer können vom Unfallort verwiesen werden wenn z.B. die Unfallaufnahme gestört wird oder durch Schaulustige, die ganz nahe am Geschehen sein wollen, die Privatsphäre der Unfallbeteiligten beeinträchtigt wird.

Fotos/Videos von Unfallopfern oder Einsatzkräften

Schaulustige, die mit dem Handy fotografieren bzw. filmen, während sie an der Unfallstelle vorbeifahren, können mit einem Organstrafmandat in Höhe von 50 Euro bestraft werden (bzw. bei einer Anzeige bis zu 72 Euro).

Aber damit ist es in manchen Fällen nicht abgetan: Fotos von Verletzten oder auch Einsatzkräften zu schießen, kann auch einen Eingriff in das Privatrecht bedeuten. Wer solche Fotos z.B. auf Facebook (oder anderen sozialen Medien) veröffentlicht, muss mitunter auch mit Unterlassungs- und Schadenersatzansprüchen rechnen.

© Bild: CC/City of Toronto Archives/James Salmon

Schaulustige gab es natürlich auch schon früher, hier etwa 1918 in Toronto, jedoch die massenhafte Verbreitung von Bildaufnahmen hat sich in der heutigen Zeit massiv verstärkt.

Schaulustige Autofahrer auf der Gegenfahrbahn

Auch Autofahrer, die ein Unfallgeschehen von der Gegenfahrbahn aus beobachten und deshalb ohne zwingenden Grund das Tempo drosseln, kommen laut Gesetz nicht ungeschoren davon, wenn dadurch der nachkommende Verkehr behindert wird. Geldstrafen bis zu 726 Euro sind hierfür theoretisch möglich – wenngleich in der Praxis sich die Einsatzkräfte in erster Linie um die Absicherung des Unfallortes bzw. um die Unfallopfer kümmern und naturgemäß weniger um die Autofahrer auf der Gegenfahrbahn.

Unbeteiligte Autos, die die Rettungsarbeiten behindern

Es gibt auch dreiste Schaulustige, die ihr Auto am Pannenstreifen abstellen, um den Unfallort besser beobachten zu können. Das, oder auch die Nichteinhaltung der Rettungsgasse zu diesem Zweck ist leider keine Seltenheit. Verwaltungsstrafen zwischen 72 und 2180 Euro sind für ein solch rücksichtsloses Verhalten derzeit vorgesehen.

Ein Beitrag über Gaffer in der Sendung Panorama 3 auf ARD

Angedachte Strafen und Maßnahmen für die Zukunft

Angesichts der zunehmenden Zahl von immer dreister werdenden Schaulustigen wird vonseiten des Innenministeriums bereits angedacht, die Maßnahmen und Strafen gegenüber Schaulustigen anzupassen.

In der Ö1-Reihe “Im Journal zu Gast” (10.2.2018) sprach Innenminister Herbert Kickl davon, auch Verwaltungsstrafen z.B. für all jene einzuführen, “die von der Gegenfahrbahn aus fotografieren oder filmen, eine Behinderung darstellen und sich auch selbst gefährden”. Die Dokumentation solcher Vorfälle sei laut Kickl in Zeiten von Kameras nicht schwierig. Angedacht werden vom Innenminister außerdem auch Mindeststrafen bei körperlichen Attacken auf Exekutivbeamte sowie die Erhöhung der Geldstrafen um einige hundert Euro bei aggressivem Verhalten (z.B. Anspucken/Anpöbeln von Polizisten) – was etwa dann greifen würde, wenn sich besonders uneinsichtige Schaulustige vehement Zugang bzw. “freie Sicht” auf das Unfallgeschehen verschaffen wollen.

Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes u.a. zur Strafhöhe für “Gaffer”

Mit 4.7.2018 wurde im österreichischen Nationalrat eine Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes beschlossen. Dabei wurden Strafen von bis zu 500 Euro für Schaulustige festgelegt, die Rettungseinsätze behindern oder Fotos von Unfallopfern machen. Und: Bei besonders erschwerenden Umständen droht gar eine Haft von ein bis zwei Wochen.

Vorgesehen sind diese Strafen allerdings erst dann, wenn sich Gaffer trotz Abmahnung durch die Polizeit nicht an deren Anordnungen bzw. Wegweisung halten.

Härtere Gangart gegenüber Schaulustigen in Deutschland

Deutschland hat bei der Strafverfolgung von Schaulustigen bereits eine härtere Gangart eingelegt:

  • Hier drohen schaulustigen Gaffern Geldstrafen, die bis zu 1.000 Euro reichen.
  • Wer sich auch noch anmaßt, zu Fotografieren oder zu Filmen, ist im Nachbarland sogar mit einem Freiheitsentzug von bis zu zwei Jahren bedroht, da ein solches Verhalten dort auch als Straftat geahndet werden kann.

Der Kurzfilm “Schaulustige”

Mehr Infos zum Film von Blickfänger gibt’s hier.

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