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Was hilft wirklich gegen Müdigkeit beim Autofahren?

Was hilft wirklich gegen Müdigkeit beim Autofahren?

Übermüdung ist eine häufige Unfallursache. Was also tun, wenn man während der Autofahrt müde wird?

Online Redaktion
Veröffentlicht am 08.06.2021

Übermüdet Auto zu fahren kann fatale Folgen mit sich ziehen. Jedes Jahr ereignen sich auf Österreichs Straßen etwa 500 Unfälle mit Personenschaden, die auf Übermüdung zurückzuführen sind – mit durchschnittlich 14 Todesopfern (Durchschnittswerte aus den Jahren 2012 bis 2019). Darauf macht der ÖAMTC in einer Aussendung aufmerksam. 2020 wurden Daten der Statistik Austria zufolge nur 268 Unfälle mit Personenschaden (6 davon mit Todesfolge) aufgrund von Übermüdung verzeichnet – das dürfte allerdings auch mit dem reduzierten Verkehrsaufkommen im Zuge der COVID-19-Pandemie zusammenhängen.

Wer ein Fahrzeug lenkt, muss in der körperlichen und geistigen Verfassung dazu sein – bei Müdigkeit ist das allerdings manchmal nicht mehr der Fall. Die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab, und auch die Reaktionsfähigkeit kann beeinträchtigt sein. Bei langen, monotonen Strecken ist das Übermüdungsrisiko hoch, in den typischen Reisemonaten oder an verlängerten Wochenenden kommt es tendenziell besonders häufig zu Unfällen mit dieser Ursache.

“Ein besonderes Risiko stellen bei Übermüdung ‘Abkommensunfälle’ dar, bei denen das Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit von der Straße abkommt und oft ungebremst gegen ein Hindernis prallt – die Unfallschwere ist dabei deutlich erhöht”, erklärt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Kommt es durch Übermüdung zu einem Unfall, kann den Fahrer zumindest ein Mitverschulden am Unfall und den Folgen treffen, so der ÖAMTC.

Was tun beim Übermüdung am Steuer?

Anzeichen von Müdigkeit am Steuer sollte man daher nicht ignorieren. Meist macht sich Übermüdung deutlich bemerkbar: “Der Körper sendet klare Hinweise aus, wenn er nicht mehr leistungsfähig arbeiten kann”, schildert Seidenberger. “Vorboten sind beispielsweise reduzierte Kommunikation, schlechtere Laune, Gähnen, Augenreiben, starrer Blick oder unruhiges Sitzen. Langfristiges Ignorieren der Körpersignale kann unfallbegünstigend wirken.” Die Verkehrspsychologin empfiehlt folgende Maßnahmen:

  • Ausschlafen: Der Kampf gegen die Müdigkeit hinterm Steuer beginnt bereits in der Nacht vor dem Fahrtantritt: Wenn man weiß, dass eine längere Fahrt bevorsteht, sollte man dafür sorgen, dass man davor auch wirklich ausreichend Schlaf bekommt. Das gilt insbesondere bei untypischen Abfahrzeiten, wie sie beispielsweise für Urlaubsfahrten häufig gewählt werden.
  • Pausen einplanen: Idealerweise sollte man beim Autofahren alle 200 Kilometer oder alle zwei Stunden eine kleine Pause einlegen und diese beispielsweise für etwas Bewegung an der frischen Luft (oder auch ein kleines Schläfchen im geparkten Auto) nutzen. Bei sehr langen Fahrten kann es auch sinnvoll sein, einen Zwischenstopp mit Übernachtung einzuplanen.
  • Energielevel halten: Während der Fahrt sollte man darauf achten, ausreichend Wasser zu trinken und leichte, vitaminreiche Verpflegung zu bekommen. Nach schwerem Essen erhöht sich hingegen das Müdigkeitsrisiko, weshalb man davon besser die Finger lassen sollte.
  • Den Beifahrer in die Verantwortung nehmen: Wer einen Mitfahrer hat, ist im Vorteil. Idealerweise kann man sich mit ihm abwechseln und die Fahrpausen zum Ausruhen und Erholen nutzen. Sollte der Beifahrer nicht selbst fahren können (oder wollen), sollte er den Fahrer zumindest darauf aufmerksam machen, wenn sich ein Konzentrationsmangel offensichtlich bemerkbar macht.

Koffein gegen Müdigkeit beim Autofahren?

Der Griff zu Hilfsmittelchen wie Kaffee, diverse Energydrinks oder andere koffeinhaltige Getränke scheint auf den ersten Blick eine hilfreiche Möglichkeit zu sein, die nötige Konzentration und Wachheit beim Autofahren zu behalten. Für viele Menschen sind daher derartige Getränke regelmäßige Begleiter bei langen Autofahrten – und nicht nur dann. Gegen Übermüdung und das damit einhergehende erhöhte Unfallrisiko helfen sie aber nicht wirklich.

Fakt ist: Koffein z.B. bewirkt einen erhöhten Ausstoß von Adrenalin, was durch den dadurch erhöhten Blutdruck und der Pulsfrequenz kurzfristig als aktivierend, teilweise sogar als „berauschend“ wahrgenommen werden kann. So gesehen der gewünschte Effekt, um die volle Konzentration bei der Autofahrt zu bewahren? Ihr ahnt es schon, es folgt ein „aber“.

Die Krux mit dem Koffein

Denn dieser „Kick“ hält im Körper nur kurzfristig an: Ist das im Körper produzierte Adrenalin aufgebraucht, ist der Abfall des Blutdruckes, der Pulsfrequenz und des allgemeinen „Energielevels“ umso größer. Erst wenn wieder Adrenalin nachgebildet wurde – und das kann durchaus etwas dauern – kann wieder die ursprüngliche hormonelle Balance hergestellt werden. Dieses Wechselspiel der Hormone und des gesamten Stoffwechsels erschöpft den Körper (und auch den Geist) und löst so mitunter größere Müdigkeit aus als zuvor.

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Begleiterscheinungen von Koffein

Auch „Begleiterscheinungen“ wie zittrige Hände oder allgemeine „Gereiztheit“ können bei manchen Menschen die Folge sein – nicht die idealen Voraussetzungen für eine sichere Autofahrt.

“Kaffee oder aufputschende Getränke nützen auf lange Sicht wenig, sie maskieren die tatsächlich vorhandene Müdigkeit und täuschen gute Leistungsfähigkeit vor”, sagt auch ÖAMTC-Verkehrspsychologin Seidenberger. Das selbe gilt für das Fahren bei geöffnetem Fenster oder das Hochdrehen der Musiklautstärke.

Unser tröstliches Fazit

Wie so oft gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift! Als Genussmittel eingesetzt wollen wir hier keinem von euch den Kaffee oder die Dose Energydrink während der Fahrt absprechen. Aber: Müdigkeit und Konzentrationsdefizite könnt ihr so leider nicht wegzaubern.

Die wirklich hilfreichen Maßnahmen gegen Müdigkeit am Steuer lauten daher: Ausreichend schlafen, gutes Zeitmanagement, eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitzufuhr – und die Bereitschaft, es sich einzugestehen, wenn man wirklich zu müde zum Weiterfahren ist.