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Airbag-Westen für Motorradfahrer: Die wichtigsten Infos [+Crashtest-Ergebnisse]

Airbag-Westen für Motorradfahrer: Die wichtigsten Infos [+Crashtest-Ergebnisse]

Wie funktionieren Airbag-Westen für Motorradfahrer und was muss man bei der Auswahl beachten? Der ÖAMTC hat drei aktuelle Modelle in den Crashtest geschickt.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 29.07.2020

Im Pkw sind Airbags längst Standard, Motorradfahrer müssen auf diese sicherheitsrelevante Ausstattung ebenso wie auf die schützende Karosserie verzichten. Deshalb wurden schon vor Jahrzehnten spezielle Westen entwickelt, die sich bei einem Unfall innerhalb eines Sekundenbruchteils mit Luft füllen und den darunterliegenden Körper so vor Verletzungen schützen sollen. Der gesamte Brust- und Rückenbereich, die Schultern und die Rippen werden durch so genannte Airbag-Westen bei einem Unfall geschützt.

Das Um und Auf für die Motorradsicherheit ist ein hochwertiger Helm. Unseren ausführlichen Ratgeber zu diesem Thema findet ihr hier.

Wie funktioniert eine Airbag-Weste?

Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Arten von Airbag-Westen: Modelle, die beim Erkennen eines Unfalls elektronisch gesteuert und solche, die mittels Reißleine aktiviert werden. Diese wird am Motorrad befestigt und löst aus, wenn der Fahrer vom Bike fällt. Es gibt aber auch Airbag-Westen, die beide Optionen miteinander vereinen.

Selbstauslösende Airbag-Westen

Bei älteren elektronischen Modellen muss die Airbag-Weste eventuell mit dem Motorrad verbunden werden, was bauliche Veränderungen erforderlich machen kann. Moderne Modelle nutzen Sensoren, um das Geschehen zu erfassen und die Airbags beim Erkennen einer Gefahrensituation elektronisch auszulösen, was die Handhabung deutlich erleichtert. Elektronische Airbag-Westen punkten jedenfalls mit einer extrem schnellen Reaktion bei diversen Unfallszenarien: Bei guten Modellen entfalten sich die Airbags in weniger als einer Zehntelsekunde.

Über welche Schutzelemente eine Airbag-Weste verfügt und wie die Sensoren und Algorithmen zur elektronischen Aktivierung arbeiten, variiert von Hersteller zu Hersteller. Manche Modelle sind mit starren Rückenprotektoren ausgestattet, andere nicht. Das Gewicht von modernen Airbag-Westen beträgt um die zwei Kilogramm. Zusätzliche Features wie etwa eine eigene App, die via Bluetooth mit der verbunden wird, ermöglichen das Anzeigen diverser Informationen auf dem Smartphone.

Achtung: Elektronische Airbag-Westen müssen nach einer gewissen Laufzeit wieder aufgeladen werden.

Instandsetzung nach einem Unfall

Nach dem Auslösen kann eine Airbag-Weste nicht gleich wiederverwendet werden, sie muss erst wieder betriebsbereit gemacht werden. Die Instandsetzung kann je nach Modell entweder der Besitzer selbst übernehmen oder muss vom Hersteller durchgeführt werden.

Wie trägt man eine Airbag-Weste?

Airbag-Westen können unter oder über der Motorradjacke getragen werden, universell einsetzbare Airbag-Westen ermöglichen beide Trageweisen. Neuere Modelle sind so dünn und leicht, dass sie die Beweglichkeit beim Fahren kaum einschränken.

Achtung: Manche Airbag-Westen können nur mit kompatiblen Jacken getragen werden.

Erhöht eine Airbag-Weste wirklich die Sicherheit?

Durch den Schutz lebenswichtiger Organe und Körperteile kann eine Airbag-Weste unter den richtigen Voraussetzungen Leben retten. Klar ist aber, dass ein solches System nur als Zusatzausrüstung zu den “Basics” wie guter Motorradbekleidung sowie einem hochwertigen Helm gesehen werden kann. Der ÖAMTC hält Airbag-Westen jedenfalls für sinnvoll: “Airbag-Westen können definitiv helfen, die Verletzungsschwere bei Unfällen zu reduzieren”, sagt Techniker Steffan Kerbl. “Weil auch der Tragekomfort nach einer kurzen Eingewöhnungsphase wenig zu wünschen übrig lässt, sollte jeder Biker ernsthaft über die Anschaffung dieses speziellen Schutzes nachdenken.”

Den besten Schutz bieten Airbag-Westen bei niedrigen Geschwindigkeiten.

Was muss man bei der Auswahl einer Airbag-Weste beachten?

Airbag-Westen sind in verschiedenen Ausführungen, Materialien Größen erhältlich. Die Weste sollte gut sitzen und beim Tragen keine Falten werfen oder die Bewegungsfreiheit einschränken. Bei der Größenauswahl sollte man sich überlegen, ob man die Weste über oder unter der Motorradjacke anprobieren möchte. Bei Modellen mit Reißleine muss in Betracht gezogen werden, dass diese an einer passenden Stelle am Motorrad befestigt werden muss. Die persönliche Anprobe einer Airbag-Weste ist jedenfalls ein Muss, bei Online-Bestellungen sollte man darauf achten, dass man das gewählte Modell im Zweifelsfall auch wieder zurückschicken kann.

Wie viel kostet eine Airbag-Weste?

Moderne, elektronisch gesteuerte Airbag-Westen der aktuellen Generation starten bei etwa 600 Euro. Dazu kommen die Instandsetzungskosten, wenn tatsächlich einmal ein Unfall passiert ist und die Airbags ausgelöst wurden. Wenn die Instandsetzung beim Hersteller erfolgen muss, kann sie mit mehreren hundert Euro zu Buche schlagen.

Aktuelle Airbag-Westen im ÖAMTC-Crashtest

Da das Interesse an Airbag-Westen seitens der Motorradfahrer immer weiter steigt, hat der ÖAMTC drei aktuelle Modelle “auf Herz und Nieren” getestet. Für den Crashtest prallte ein Motorrad samt Dummy mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h gegen die Seite eines Pkw. Um seine Schutzwirkung in dieser Konstellation noch vor dem Aufprall des Bikers auf das Auto entfalten kann, muss der Airbag innerhalb von 120 Millisekunden voll aufgeblasen sein.

Die Ergebnisse

“Alle drei getesteten Modelle wurden mit ‘gut’ bewertet. Die Airbags entfalten sich in weniger als einer Zehntelsekunde und bieten damit bei einem Sturz praktisch sofort zusätzlichen Schutz im Brust- und Rückenbereich”, fasst ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl zusammen. Die Auslösung funktioniert bei allen drei Westen drahtlos, sobald das System erkennt, dass sich der Fahrer auf unnatürliche, ruckartige Weise vom Bike entfernt, wird der Airbag aktiviert.

Alpinestars Tech-Air-Street-e System

  • Gesamtwertung: gut
  • Gewicht: 2,2, kg
  • Kosten: ca. 850 Euro

Die teuerste Airbag-Weste im ÖAMTC-Test ist relativ schwer, kann aber mit einem großen Abdeckungsbereich punkten. Die Betriebsanzeige im Ärmelbereich ist gut lesbar, ein Rückenprotektor ist integriert und der Tragekomfort ist trotz hohen Gewichts gut.

Negativ ist im ÖAMTC-Test die teils fehlerhafte oder sogar irreführende Bedienungsanleitung aufgefallen, außerdem ist nach Auslösung der Airbags eine Instandsetzung für rund 300 Euro durch den Hersteller notwendig (bei der Konkurrenz ist das durch den Händler oder sogar den Besitzer selbst möglich).

Achtung: Diese Weste kann nur mit kompatiblen Motorradjacken getragen werden.

Dainese D-Air Street Smart JKT

  • Gesamtwertung: gut
  • Gewicht: 1,85 kg
  • Kosten: ca. 600 Euro

Die Technologie des italienischen Herstellers Dainese kommt beispielsweise auch in der MotoGP zum Einsatz. Die “Smart Jacket” verfügt über keine starren Rückenprotektoren und kann daher klein zusammengefaltet werden.

Die leichte Airbag-Weste kann über oder unter herkömmlicher Motorradkleidung getragen werden. Die Handhabung ist einfach, platzsparender Transport ist möglich – das wird allerdings durch relativ kleine Airbag-Flächen und den fehlenden Rückenprotektor erkauft.

Die Instandsetzung nach Auslösung erfolgt bei qualifizierten Händlern für etwa 250 Euro.

HELD/In&Motion eVest

  • Gesamtwertung: gut
  • Gewicht: 1,85 kg
  • Kosten: ca. 350 Euro exkl. Elektronik

350 Euro kostet die Weste mit den Airbags allein, für die zusätzliche Elektronik werden nochmal 400 Euro (oder eine “Miete” von 12 Euro pro Monat) fällig. Ein Vorteil ist – neben dem relativ geringen Gewicht – die gute Konnektivität mittels App und Bluetooth, die diverse Einstellungen und Informationen kabellos aufs Smartphone liefert. Die App zu nutzen empfiehlt sich auch, weil Betriebs- und Ladezustand der Weste ansonsten nur umständlich am Rücken abgelesen werden können.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Möglichkeit, den Gasgenerator für die Airbags nach einer Auslösung selbst zu wechseln.


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