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Der 4CV motivierte Rédélé zu sportlichen Höchstleistungen.
 

Zeitleiste für Alpine Automobile: Kind der Berge

Woher kommt eigentlich die Marke Alpine, deren Neuauflage derzeit das Straßenbild verschönert? Eine kurze Historie der Marke per Zeitleiste.

13.03.2018 Online Redaktion

Renault beweist Mut. Die Franzosen reanimierten mit Alpine eine Marke, die so gar nicht zu aktuellen Trends oder in den Zeitgeist passen will. Alpine ist der Inbegriff für bodenständige Sportwagen. Für wendige und giftige Kurvenrichter. Die Marke hat nichts zu tun mit Elektroantrieb oder autonomen Fahren und muss auf Außenstehende so anachronistisch wirken wie auf Autogeeks ein Fixie Rad.

Historie der Marke Alpine

Doch Renault hat Recht. So einfach ist das. Der Hersteller bedient über das (bisherige) Markengeflecht mit Renault, Dacia, Nissan, Infiniti und einer Kooperation mit Mitsubishi weltweit ein sehr breites Publikum und ist bei den angesprochenen Trend-Technologien vorne mit dabei. Derzeit kämpft der Konzern sogar darum, zum weltweit größten Autohersteller aufzusteigen und die Kasse ist gut gefüllt. Da ist es nur logisch, dass mit Alpine etwas für das sportliche Image getan wird. Doch woher kommt die Marke und warum musste sie überhaupt eingestellt werden? Eine Frage, der wir uns per Zeitleiste nähern wollen, für die wir die 12 wichtigsten Daten rausgesucht haben.

1946

Beginnen wir mit einem Rekord. In diesem Jahr übernahm Jean Rédélé die Renault-Vertragswerkstatt seiner Eltern, was ihn zu Frankreichs jüngstem Renault-Händler machte. 24 Jahre war er damals alt. Vom Motorsport fasziniert schnappte er sich 1951 einen Renault 4CV, verbaut ein eigenes Fünfgang-Getriebe und entwickelt eine aerodynamischere Karosserie. Mit dem Endergebnis holte er 1952 den Klassensieg bei der Mille Miglia. Im Anschluss konstruierte Rédélé einen Rallye-Wagen, ebenfalls auf Basis des 4CV, und gewann aus dem Stand die Heimrallye in Dieppe, die Coupe des Essarts und den Cup in Lissabon.

Renault 4CV 1949
© Bild: Renault

Der 4CV motivierte Rédélé zu sportlichen Höchstleistungen.

1955

Bei Renault staunten sie in diesem Jahr nicht schlecht. Da steht ein Autohändler aus der Provinz vor dem Topmanagement und zeigt ihnen, was aus einem 4CV gemacht werden kann: der A106. Drei Stück hatte Rédélé bauen lassen. Ein rotes, ein blaues und ein weißes – natürlich in Anlehnung an die französische Nationalflagge. Zeitgleich hatte er die „Société des Automobiles Alpine“ gegründet. Es war die Geburtsstunde von Alpine.

Alpine A106
© Bild: Renault

Die große Show: das lässt sich aus einem 4CV machen. Die Alpine A106.

1959

Trotz enger Kontakte und vieler Kooperationen mit Renault, sollte sich Alpine in diesem Jahr etwas emanzipieren. Der Renault-Rahmen flog aus den Modellen raus und ein eigens entwickelter Zentralrohrrahmen hielt Einzug.

Jean Rédélé Alpine Renault
© Bild: Renault

Rédélé legt Hand an (1964).

1960

Klar, den A108 gab es schon länger und Alpine hatte den Modellfächer bereits weit aufgeschlagen:  Coupé, Cabrio, ein 2+2 „Gran Tourisme“. Doch der eigentliche Höhepunkt sollte erst 1960 folgen. Die Alpine A108 Berlinette. Phillipe Charles, seines Zeichens Haus und Hof Designer von Alpine, ließ sich für dieses Fahrzeug von Alfa Romeo inspirieren und entwickelte eine neue Dachkonstruktion. Es sollte dieses Design werden, dass die Marke bis ins Jahr 1977 – und damit in den Heydays von Alpine – prägen sollte.

Renault Alpine A108
© Bild: Renault

Die Alpine A108 war der Grundstein der bald folgenden Legendenbildung.

1961

Die Alpine A110 war so etwas wie die Menschwerdung der Marke. Gerade einmal sechs Jahre vergingen zwischen der Gründung der Marke und dem Marktstart des Fahrzeugs, das die Marke auf die Weltkarte des Automobilbaus heben sollte und im Lauf der Jahrzehnte zur Legende reifen lassen sollte. Die Alpine A110 war, rein optisch, eine sanfte Pflege des A108, die Technik war aber eine neue. Sie basierte auf dem Renault 8. Also das Auto, mit dem Renault die fünffache Kurbelwellenlagerung in den Heckmotor-Modellen einführte. Die A110 profitierte außerdem vom breiten Motorenprogramm von Renault (Stichwort: Gordini).

Alpine A110
© Bild: Renault

Kein Star, eine Supernova. Alpine A110.

1965

Die positive Entwicklung der Marke Alpine blieb Renault nicht verborgen und so wurden die Kontakte intensiviert. Ab 1965 wurden die Alpine-Modelle über das Händlernetz des Konzerns vertrieben. Außerdem wird Dieppe, also die Heimat von Alpine, die Kommandozentrale für die Motorsportaktivitäten des neu gebildeten Duos.

Alpine Werk Dieppe
© Bild: Renault

Dieppe, Heimat bist du der Berge Söhne und Töchter.

1971

Verdiente Alpine bisher sein Geld mit kompromisslosen Sportwagen, sollte sich dieser Ansatz mit der A310 ändern. Der Radstand wurde um 17 Zentimeter auf 2.270 Millimeter verlängert – auch um Platz zu haben für eine luxuriöse Innenausstattung.

Alpine A310 Sechszylinder
© Bild: Renault

Die Alpine A310 wuchs über die Markengrenzen hinaus. Hier bereits mit 6-Zylinder.

1973

Renault übernahm die Marke Alpine endgültig. Noch bis 1978 leitete Rédélé die Geschicke seiner Firma, dann zog er sich zurück.

Alpine A110 Sammlung
© Bild: Renault

Ab sofort unter einem Dach.

1977

Wer das Jahr festmachen möchte, in dem Renault/Alpine die Abzweigung in eine Sackgasse nahm, der möge sich bitte 1977 notieren. Zunächst einmal wird der A110 eingestellt. Das wäre noch nicht so schlimm gewesen, hätte Alpine einen würdigen Nachfolger gehabt. Hatten sie aber nicht. Stattdessen wurde der A310 weiter aufgeblasen. Der Reihenvierzylinder flog raus, stattdessen zog ein Sechszylinder unter die Haube, der gemeinsam von Renault, Peugeot und Volvo entwickelt worden war.

Alpine A110 Rallye Portugal
© Bild: Renault

Flog aus dem Programm: Alpine A110 (Rallye Portugal 1973).

1985

Es hätte ein Neustart werden können, wurde aber wieder nur ein Schuss in den Ofen. Der Auftrag war, die Palette der Alpine A310 zu überarbeiten. Doch die Ingenieure schafften keinen Turnaround sondern hielten an der Idee des Wachstums fest. Mittlerweile war das Fahrzeug bei 2,5 Liter Hubraum und 200 PS angelangt. Noch im selben Jahr wurde der A310, im Vergleich zum Vorjahr hatten sich die Verkaufszahlen halbiert, eingestellt.

Alpine V6 GT 1985
© Bild: Renault

Alpine V6 GT (1985).

1991

Die Alpine A610 feiert in Genf Premiere. Ein Dreiliter V6 feuert 250 PS an die Räder, die Optik passt zu den Leistungsdaten. Quasi parallel wird ein neues Modell auf Basis des Laguna entwickelt. Es war der Hoffnungsschimmer der Fans, die Marke könnte zurück zu ihren puristischen Wurzeln kommen.

Alpine A610
© Bild: Renault

Die Alpine A610 konnte das Ruder nicht mehr rumreißen.

1994

Aus. Ende. Vorbei. Die Entwicklung eines kleinen Sportlers wird aus Kostengründen eingestellt. Die Alpine A610 kann die Bilanz auch nicht retten und so wird die Marke endgültig eingestellt.

Alpine A110
© Bild: Renault

Danke Alpine, es war schön.

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