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Da geht's lang. Der sortierte Wahnsinn wartet auf seine Abfahrt.
 

Kaufberatung: welcher AMG darf’s sein?

Ihr seid auf der Suche nach einem neuen Auto? Vielleicht einem AMG-Mercedes? Dann haben wir die richtige Kaufberatung für euch.

22.10.2015 asphaltfrage

Angenommen ihr seid auf der Suche nach einem neuen Auto. Ihr wollt ein bisschen mehr ausgeben und es sollte vielleicht ein Mercedes-Benz sein. Vielleicht ein AMG. Aber ihr seid keine Freunde vom offenen Fahren. Und, wenn Geländewagen, dann muss der halt wirklich ins Gelände können, nicht bloß in den Sandkasten. Ja? Dann haben wir hier die ultimative Kaufberatung für euch.

Mercedes-Benz A 45 AMG

Bröööööööp PLONK! Instinktiv siehst du im Rückspiegel nach ob der kleine Benz sich gerade die Heckstoßstange abgesprengt hat. Aber nein, das scheint gewollt beim Schaltvorgang . Jung, dynamisch und so. Überhaupt ist der A mehr Krawallbruder als eleganter Sprinter. Sein aufgepumpter Zweiliter-Turbo schiebt schon an, klar 360 PS sind kein Lecherl. Irgendwie wirkt es aber ein bisserl angestrengt, es fehlt die Cremigkeit, das Leichte im Sein. Auch das Fahrwerk – hart, kompromisslos und doch musst du den kleinsten AMG wirklich hart rannehmen, dass das richtig funktioniert. Die Vorderachse hat ordentlich Traktion was der Hinterachse zum Verhängnis wird, kann sie so doch nur eher selten ins Geschehen eingreifen und die Fuhre behänder eindrehen. So ertappst du Dich ständig dabei der 45er zu überfahren, damit da ein bisserl was rutscht und auszuckt. Dennoch verlangt er eine gewisse Sauberkeit in Sachen Linienwahl von dir, denn wenn du ihn schlampert in die Kurve setzt, dann zeigt er dir die gelbe Karte, ruft das ESP zur Hilfe und knipst dir das Drehmoment-Licht aus. Richtige AMG-Souveränität ist das noch nicht.

Mercedes-Benz CLA 45 AMG

Siehe Mercedes-Benz A 45 AMG. Bloß: mehr stilbewusster Krawallbruder. Ansonsten dasselbe in grün. Oder silber. Besser aber schwarz.

Mercedes-Benz GLA 45 AMG

Siehe nicht Mercedes-Benz A 45 AMG, denn ein bisschen mehr Federweg, eine Hand breit höhere Sitzposition – schon klappt das mit dem Fahren. Weit besser, weniger  hölzern, mehr im Fluss. Bleibt die Sache mit der Optik. Vielleicht aber passt das Fahrwerk des GLA in den CLA – wäre sicher nicht viel höher als die Serienversion des kleinen Coupés und die ideale Kombination aus Form und Funktion – hätte damit auch AMG-würdiges Potenzial.

Mercedes-Benz CLS 63 AMG

Der Verwegene. Gerade als Shooting Brake in tiefstem schwarz. Dazu noch dunkle Felgen und dunkle Scheiben im Fond. Alle werden Leichen im Kofferraum vermuten und doch entkommst Du jeder Kontrolle, weil unter der Haube dieser famose V8 sitzt. Zwar mag das Etikett schwindeln, doch auch wenn es keine echten 6.3 Liter (dabei waren es eigentlich nie 6.3l, sondern bloß 6.2l) mehr sind, so ist der aktuelle Biturbo-Motor einfach ein Urviech. Laut, stark und von beidem mehr als reichlich. 800Nm ab Standgas, volles Feuer knapp über 5000 Umdrehungen mit 585PS. Fragen? 3.6 Sekunden von null auf Hundert* in einem Zweitonner ist eh Antwort auf alles. Ansonsten gibt es gewohnten Benz-Standard, schwere Ledersessel und Fahrassistenzen in allen Himmelsrichtungen. Ein guter AMG.

*gilt für das CLS 63 AMG S-Modell 4Matic

Mercedes-Benz S63 AMG 4Matic langer Radstand

Es ist schon ein bisschen eine schwere Entscheidung, ob man nun vorne oder hinten sitzt. Von heißen Steinen massiert, dazu das volle Infotainment und sämtliche Fahrzeugeinstellungen per Fernbedienung aus dem Fond dirigieren und dazu den feinen Klängen aus dem Burmester-Lautsprechersystem lauschen. Liegend, versteht sich. Denn man hat natürlich das Kreuzerl beim First-Class-Fond gesetzt und kann so bequem lümmelnd vor sich hin dämmern, während die Landschaft am doppelt isolierverglasten Fenster vorbeizieht. Und sie zieht zügig vorbei. Extra für den S gab es noch einmal einen besonders potenten Aufguss des 5.5 Liter Biturbos: 900Nm stehen in der Datenkarte. Ein Wahnsinn und doch fährt es nicht so. Dichtet man dem dicken S-AMG im Stand vor Ehrfurcht noch die Fähigkeit Bäume ausreißen zu können an, so ist man hinter dem Lenkrad plötzlich sogar ein bisserl enttäuscht. Natürlich geht das mächtig voran, aber irgendwie ist es zu sehr gedimmt, das Kissen eine Nummer zu groß. Auch das aufwändige Luftfahrwerk mit vollvariabler Dämpfung wirkt immer eine Spur zu spät, wenn es um die erste Startreihe geht. In einem AMG, selbst wenn eine S-Klasse die Basis bildet, darf es schon ein wenig gröber zugehen.

Mercedes-Benz G63 AMG

Seltenst nur mehr verirrt sich ein 300er-Diesel unter die kantige Haube. Gut, die Gründe sind offentsichtlich: gewaltige Optik, gewaltiges Geräusch und gewaltiger Preis – Die drei wichtigsten Argumente wenn man Scheich, Oligarch oder Kommunist ist. Andere Themen stehen eher weniger im Fokus. Verbrauch etwa. Oder Fahrverhalten. Letzteres ist nämlich wirklich speziell. Die Servolenkung tut sich schwer damit die mächtigen Yokohamas im Stand zu drehen, hat – einmal in Fahrt – dann aber soviel Dampf, dass sich die Fuhre mit einem Finger lenken lässt. Das Problem an der Sache ist, dass man die Fahrtrichtung so nicht wirklich vorgeben, sondern nur grob abschätzen kann. Im Stau und anderswo im Stand ist das aber kein Problem und dort spielt der G63 seine Trümpfe wieder aus. Er ist ein Koloss, ein wahnsinniger dazu. Deshalb ein würdiger AMG.

Mercedes-Benz SLS AMG Black Series

Die schwarzen Serien sind immer die ganz gemeinen AMGs. Die, die keinen Spaß verstehen und wirklich brutal sind. Vom schon in Serie nicht gerade zimperlichen Flügeltier erwartet man in der dunklen Variante deshalb besser gleich das Ärgste. Und man wird nicht enttäuscht: nasskalt ist es in Stuttgart, etwa 10 Grad und der Schwarze steht auf Sportreifen, deren Profilrillen nur aufgemalt erscheinen. Schon beim Anfahren gerät es außer Kontrolle. Entweder bockt und hupft der Flügel unwirsch, weil sein Doppelkupplungsgetriebe mit wenig Gas nicht viel anfangen kann, oder es reißt dich derquer, weil 635Nm einfach zuviel für diese Bedingungen sind. Überhaupt fragt man sich: muss es der Schwarze sein? Braucht es einen Karbonbreitbau, Titanauspuff, Rennschalen und ein kompromissloses Fahrwerk? Reicht nicht vielleicht doch der normale SLS. 571PS sind auch kein Lecherl und eine wirklich kompetente Zeitenfeile wird aus dem Flügeltürer auch als Black Series nicht. Klar, wenn das Getriebe bei 8000 Touren im RS-Modus den nächsten Gang reinzimmert, dann ist das ein gewaltiges Spektakel für alle Sinne – aber der Standard-SLS beherrscht dieses Kunststück fast genauso gut. Bloß nimmt er sich selbst nicht so ernst wie sein schwarzer Bruder. Er ist mehr muscle-car als Rennwagen. Und das ist gut so, denn ein AMG darf nie zu ernst sein. Der SLS Black Series wirkt ein bisschen zu bemüht.

Mercedes-Benz E 63 AMG S-Modell T-Modell 4Matic

Der Hammer. Länger als die Typbezeichnung ist nur das Auto selbst. Und das ist gut so. Unverfänglicher kannst 585PS nicht verpacken. Unbedarfte verwechseln dich gern mit dem Handwerker von nebenan und seinem 200er CDI. Mattlack, verchromte Endrohre und goldene Bremszangen erkennen nur wenige als klare Machtinsignien. Und das ist gut so. Du kannst den Überraschungseffekt nutzen. Aus dem Hinterhalt angreifen und dank 800Nm alles niederringen, was sich in den Weg stellt. Wenn du den Sport+ Modus eingeklinkt hast, die ESP-Leine im Handling-Modus gelockert hast und dem Kombi die Sporen gibst, dann macht das schon ein bisschen sprachlos. Denn: der AMG ist eine Sau. Ein Auto, dass die Niederlage nicht eher eingesteht, bis der letzte Millimeter Bremsbelag verdampft, der letzte Schluck Öl getrunken und der Fahrer ohnmächtig aus dem schweren Sessel kippt. Je härter du mit ihm umgehst, desto besser funktioniert er. Er macht alles mit, er ist das totale Viech. Natürlich gibt es schnellere und agilere Autos, aber sicher ist keines davon zu einem solchen Spagat fähig wie der E AMG. Denn während Motor, Getriebe, Fahrwerk und Bremse im knocking-on-heavens-door Modus eine dreiviertel Stunde absolute Höchstleistung bringen bis der Tank leer ist, sitzt du aufrecht im bequemsten Sessel und dirigierst den Wahnsinn fröhlich locker und denkst: so muss ein AMG sein. Ein krankes Viech bei Bedarf und doch ein Benz. Ein Gerät allen die rote Laterne umzuhängen und doch kommod, wenn es mal nicht sein muss.

Für uns der klare Sieger!

Der Sieger der Herzen! Ein AMG wie er im Buche steht. Der E 63 S AMG als T-Modell:

Der Sieger der Herzen! Ein AMG wie er im Buche steht. Der E 63 S AMG als T-Modell.
© Bild: Fabian Mechtel

Und für euch, welcher AMG darf’s denn sein?

  • Zauberstab

    Schade das der Mercedes C63 AMG 507 nnicht vorgestellt wird. Es gibt kein Auto, dass sich besser anhört als der 507. Aussehen ist auch schön.

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