Andreas Riedmann
Das Abblendlicht eines Audi S4.

Abblendlicht richtig einstellen, Vorschriften und Strafen

Das Abblendlicht ist der am häufigsten genutzte Teil von Fahrzeugscheinwerfern. Es dient der besseren Sicht des Fahrers und der eigenen Sichtbarkeit.

Zuletzt aktualisiert am 24.02.2023

Das Abblendlicht ist der Bestandteil eines Scheinwerfers, der bei fast allen Autofahrern am häufigsten zum Einsatz kommt. Im Unterschied zum Tagfahrlicht dient das Abblendlicht nicht nur der eigenen Sichtbarkeit des Fahrzeugs, sondern in erster Linie der Verbesserung der Sicht des Fahrers bei Dunkelheit und bei schlechten Sichtverhältnissen. Mangelhafte Scheinwerfer stellen ein großes Verkehrsrisiko dar, denn ein defektes oder schlecht eingestelltes Abblendlicht kann dazu führen, dass der Fahrer nicht ausreichend sieht, das Fahrzeug selbst schlecht sichtbar ist oder der entgegenkommende Verkehr geblendet wird.

Aufbau und Funktionsweise

Das Abblendlicht eines Autos dient zwei Zwecken: Zum einen leuchtet es die Fahrbahn vor dem Fahrzeug aus und zum anderen sorgt es dafür, dass das Fahrzeug besser von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen wird. Damit bei einem Ausfall des Abblendlichts das Fahrzeug weiterhin von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen wird, enthalten die Scheinwerfer von Kraftfahrzeugen ein zusätzliches Standlicht, das ständig mitleuchtet.

Optimale Einstellungen

Was bei der optimalen Ausleuchtung der Fahrbahn und des Fahrbahnrandes nicht passieren darf, ist, dass es zu einer Blendung des Gegenverkehrs kommt. Deshalb geht die Leuchtweite des Abblendlichts nicht so weit wie beim Fernlicht. Um dies zu gewährleisten, gibt es konkrete Vorschriften für Fahrzeughersteller, in welcher Höhe das Abblendlicht eingebaut werden muss und welchen Neigungsgrad der Lichtkegel aufweisen darf.

Asymmetrische Ausleuchtung

Bei modernen Kraftfahrzeugen leuchtet das Abblendlicht die Fahrbahn asymmetrisch aus. Das bedeutet, dass in Ländern mit Rechtsverkehr wie Österreich die rechte Fahrbahnseite stärker ausgeleuchtet wird als die linke. Diese asymmetrische Ausleuchtung bringt zwei Vorteile mit sich: Erstens werden entgegenkommende Fahrzeuge dadurch weniger geblendet und zweitens ist der rechte Straßenrand für den Fahrer klarer erkennbar, wodurch er Fußgänger, Radfahrer und Wildtiere, aber auch Verkehrsschilder früher wahrnehmen kann.

Arten von Abblendlicht

Das Abblendlicht von Kraftfahrzeugen hat in den letzten Jahrzehnten einen starken technologischen Wandel durchlaufen. Bei älteren Fahrzeugen wird das Abblendlicht noch durch Halogenbirnen erzeugt. Dabei handelt es sich vereinfacht gesagt um eine Weiterentwicklung der herkömmlichen Glühbirne.

Halogenleuchten

Im Unterschied zu einer Standard-Glühbirne ist eine Halogenbirne mit einem Halogengas gefüllt. Durch die Erhitzung eines aus Wolfram bestehenden Glühdrahts wird Licht abgestrahlt. Der Vorteil von Halogenleuchten gegenüber den heute meist verbauten Xenon- und LED-Scheinwerfern ist, dass sie weniger komplex und damit kostengünstiger sind. Der Nachteil von Halogenscheinwerfern ist jedoch, dass sie eine wesentlich geringere Lichtausbeute und eine relativ kurze Lebensdauer haben, weshalb sie bereits seit Jahren nicht mehr in neueren Fahrzeugen zum Einsatz kommen.

Xenon-Scheinwerfer

Bei Xenon-Scheinwerfern handelt es sich um spezielle Xenon-Gasentladungslampen, die unter Hochspannung gezündet werden, wodurch ein Lichtbogen entsteht. Im Vergleich zu Halogenlampen sind Xenon-Leuchten um ein Vielfaches lichtintensiver. Zudem benötigen sie eine geringere elektrische Leistung als eine Halogenlampe und haben eine höhere Lebensdauer. Nicht zuletzt haben Xenon-Scheinwerfer den Vorteil, dass ihre Lichtfarbe dem Tageslicht entspricht, was den Fahrer in der Nacht und bei schlechten Sichtverhältnissen weniger schnell ermüdet.

LED-Scheinwerfer

In den letzten Jahren hat sich auch beim Abblendlicht von Kraftfahrzeugen die LED-Lichttechnik durchgesetzt. Voraussichtlich wird in den kommenden Jahren die LED-Technik Xenon- und Halogenleuchten vollständig in Fahrzeugen ablösen. LED-Scheinwerfer zeichnen sich durch drei große Pluspunkte aus: Sie erzeugen ein sehr helles Licht, sind energiesparend und langlebig. In der Regel haben LED-Leuchten eine Betriebsdauer von 15 Jahren. Ein weiterer großer Vorteil der LED-Lichttechnik ist, dass bei einem Scheinwerfer mit einer LED-Leuchtmatrix, der aus mehreren LED-Leuchten besteht, die verschiedenen Leuchten einzeln angesteuert werden können. Das bedeutet, dass LED-Scheinwerfer sehr fein reguliert und optimal auf die jeweiligen Verkehrs-, Wetter- und Sichtverhältnisse abgestimmt werden können. Der Nachteil von LED-Scheinwerfern ist, dass einzelne defekte Leuchten nicht individuell ausgewechselt werden können. Werden in einem Scheinwerfer zu viele Leuchten defekt, muss dieser komplett ausgetauscht werden.

Leuchtweitenregulierung

Ein wichtiger Faktor beim Abblendlicht eines Fahrzeugs ist die sogenannte Leuchtweitenregulierung. Damit ist die Höheneinstellung des Lichtkegels gemeint. In einem leichteren Fahrzeug kann sich bereits bei einer geringen Zuladung, vor allem im Kofferraum, die Leuchtweite des Abblendlichts signifikant verändern. Sind die Scheinwerfer falsch eingestellt, kann es durch das Abblendlicht zu einer Blendung des Gegenverkehrs kommen. Daher ist es von großer Bedeutung für die Verkehrssicherheit, die Leuchtweite des Abblendlichts an den Beladungszustand des Fahrzeugs anzupassen. Beim Ausladen des Fahrzeugs sollte die Leuchtweite wieder auf den Ursprungswert eingestellt werden.

Seit vielen Jahren werden in Autos Scheinwerfer mit einer automatischen Leuchtweitenregulierung eingebaut. Bei derartigen Systemen messen Sensoren an der Vorder- und Hinterachse des Fahrzeugs die Relativbewegungen zwischen dem Fahrwerk und der Karosserie. Die gemessenen Daten werden in einem Steuergerät gemeinsam mit der Geschwindigkeit des Fahrzeugs verarbeitet und daraus Steuersignale für die Stellmotoren in den Scheinwerfern generiert. Eine automatische Leuchtweitenregulierung sorgt somit dafür, dass die Scheinwerfer in jeder Fahrzeuglage und bei jeder Geschwindigkeit optimal eingestellt sind und den Gegenverkehr nicht blenden.

Automatisches Abblendlicht

In Fahrzeugen neuerer Bauart ist neben der automatischen Leuchtweitenregulierung in der Regel auch ein automatisches Abblendlicht verbaut. Bei dieser Lichtautomatik werten Fotodioden die Stärke des Umgebungslichts aus und bestimmen darüber unzureichende Lichtverhältnisse. So schaltet sich das automatische Abblendlicht in der Dämmerung und bei der Einfahrt in Tunnel automatisch an.

Probleme ergeben sich mit der Lichtautomatik jedoch häufig bei bestimmten Licht- und Wetterverhältnissen. So kann es vorkommen, dass das automatische Abblendlicht bei Regen und Nebel nicht auslöst, wenn das Umgebungslicht noch zu hell ist. In solchen Situationen muss der Fahrer selbst das Abblendlicht einschalten und dafür sorgen, dass sein Fahrzeug von anderen Verkehrsteilnehmern gut wahrgenommen wird.

Bei moderneren Lichtautomatiksystemen werden deshalb die Daten der Fotodioden mit weiteren Informationen, wie zum Beispiel des Regensensors, kombiniert. So wird das Abblendlicht automatisch bei stärkerem Regen aktiviert, auch wenn die Umgebungshelligkeit noch ausreichend ist.

Richtiges Einstellen

Die Leuchtweite beim Abblendlicht sollte in etwa 50 bis 75 Meter betragen. Auf der rechten Seite ist der Lichtkegel weiter, um den Fahrbahnrad, Fußgänger, Radfahrer, Wildtiere und Verkehrsschilder besser erkennen zu können.

Die einfachste Möglichkeit, das Abblendlicht richtig einzustellen, ist ein Besuch in einer Fachwerkstatt. Im Rahmen des Winter- oder Frühjahrschecks von Fahrzeugen bieten viele Werkstätten eine kostengünstige Prüfung und Justierung der Scheinwerfer an.

Besitzt ein Fahrzeug eine automatische Leuchtweitenregulierung, muss sich der Fahrer nicht mehr um die richtige Einstellung des Abblendlichts kümmern.

Abblendlicht manuell einstellen

Bei älteren Fahrzeugmodellen muss die korrekte Einstellung der Leuchtweite der Scheinwerfer jedoch manuell vorgenommen werden. Dafür werden lediglich drei Hilfsmittel benötigt: Eine helle Wand, ein Zollstock und ein Klebestreifen.

  1. Vorbereitung

    Zur Vorbereitung der Lichteinstellung sollte der Tank mindestens zur Hälfte gefüllt sein, die Reifen auf den korrekten Druck aufgepumpt und der Fahrersitz mit mindestens 75 Kilogramm belastet werden.

  2. Auto richtig positionieren

    Zur Durchführung der Lichteinstellung muss das Fahrzeug gerade vor einer weißen oder hellen Wand geparkt werden, idealerweise in einem Abstand von zehn Metern.

  3. Den ersten Klebestreifen richtig anbringen

    Zuerst wird mit einem Klebestreifen eine horizontale Linie auf Höhe der Scheinwerfermitte markiert. Im Anschluss wird der Abstand zwischen der Mitte der beiden Scheinwerfer durch eine vertikale Linie mit Klebestreifen markiert.

  4. Der zweiten Klebestreifen

    Danach wird eine zweite horizontale Linie, die sogenannte Korrekturlinie, mit Klebeband markiert. Bei einem Neigungswinkel der Scheinwerfer von 1,2 Grad und einem Abstand zwischen Auto und Wand von zehn Metern liegt die Korrekturlinie zwölf Zentimeter unter der ersten horizontalen Linie.

  5. Einstellung des Abblendlichts testen

    Nun kann die Einstellung des Abblendlichts getestet werden. Trifft der Mittelpunkt des Lichtkegels auf die Korrekturlinie, ist der Neigungswinkel korrekt. Liegt er hingegen zu hoch oder zu tief, muss über das Stellrad, das sich meist links vom Lenkrad befindet, die Höhe der Leuchtweite justiert werden.

Besonders beim Fahren im beladenen Zustand und mit Anhängern ist die korrekte Einstellung des Abblendlichts von besonderer Bedeutung. Autofahrer sollten nach dem Ausladen bzw. dem Abkoppeln eines Anhängers darauf achten, die Einstellung des Abblendlichts wieder in den Ursprungszustand zurückzuversetzen.

Gesetzliche Vorschriften

In Österreich ist das Einschalten des Abblendlichts in den folgenden drei Situationen gesetzlich vorgeschrieben:

  1. Bei Dämmerung und Dunkelheit, auch wenn es eine Straßenbeleuchtung gibt.
  2. Bei schlechter Sicht durch Nebel, Regen, Schneefall oder sonstigen Sichtbehinderungen.
  3. In Tunneln, auch bei heller Beleuchtung.

Außerdem ist es in Österreich zu jeder Tageszeit und bei jedweden Sichtverhältnissen erlaubt, das Abblendlicht einzuschalten. Im Zweifelsfall sind Autofahrer deshalb gut beraten, das Abblendlicht lieber zu früh als zu spät zu aktivieren.

In einigen Ländern Europas ist es hingegen ganzjährig Pflicht, auch tagsüber mit eingeschaltetem Abblendlicht zu fahren. Vor einem Grenzübertritt sollten sich Autofahrer deshalb über die im jeweiligen Land geltenden Lichtvorschriften informieren. Zudem zeigen Straßenschilder an der Grenze an, ob es eine Pflicht zur permanenten Aktivierung des Abblendlichts gibt.

Strafen bei falscher Verwendung

Die Verbesserung der Sicht bei Dunkelheit und bei widrigen Wetterbedingungen ist nicht nur eine Frage des Fahrkomforts, sondern in erster Linie eine Frage der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Das Abblendlicht nicht einzuschalten oder falsch zu verwenden, zum Beispiel durch eine zu hohe Leuchtweite, führt zwangsläufig zu einem erhöhten Unfallrisiko. Nicht nur der Fahrer selbst kann bei schlechten Wetterverhältnissen eine zu geringe Sichtweite haben, auch der Gegenverkehr kann durch ein falsch eingestelltes Abblendlicht unnötig geblendet werden.

Tipp: Einen Überblick über alle Verkehrsstrafen in Österreich gibt unser Bußgeldrechner.

Deshalb steht die Nicht- bzw. Falschverwendung des Abblendlichts unter Strafe. Laut österreichischem Verkehrsrecht können die Strafen dafür bis zu 5.000 Euro betragen. Werden andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet, wird ein nicht eingeschaltetes oder falsch eingestelltes Abblendlicht meist mit einem Organmandat in Höhe von 36 Euro oder einer Anonymverfügung von bis zu 72 Euro geahndet. Kommt es hingegen zu einer Anzeige, kann die Strafe einen höheren dreistelligen Euro-Betrag ausmachen.