Andreas Riedmann
Offroad fahren: 9 Tipps für den Geländetrip

Offroad fahren: 9 Tipps für den Geländetrip

Offroad fahren für Anfänger: Bevor man sich mit dem Auto ins Gelände wagt, sollte man (mindestens) diese 9 Grundregeln verinnerlichen.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 11.09.2020

Basiswissen für Geländefahrer: Diese 10 Grundregeln sollte man kennen, wenn man offroad unterwegs ist.

1) Das Fahrzeug kennenlernen

Wer im Gelände unterwegs ist, sollte sein Fahrzeug sehr gut kennen. Ist der Wagen nicht der eigene, ist eine Einschulung oder ein ausgiebiger Blick ins Handbuch unerlässlich. Folgende Punkte sollten bekannt sein, bevor man sich ins Gelände wagt:

  • Böschungswinkel: Damit ist der maximale Winkel gemeint, der bei einem Hang oder einer Steigung bauartbedingt angefahren werden kann. Gemessen wird der Winkel zwischen der Auflagefläche des Vorderreifens und dem tiefsten Punkt des Überhanges der Karosserie.
  • Rampenwinkel: Dieser Wert ist beim Überfahren von Kuppen und Rampen wichtig. Es ist der Winkel einer Kuppe, den ein Auto überfahren kann, ohne aufzusetzen. Er wird deswegen auch Überfahrwinkel genannt. Logischerweise: je länger der Radstand und je tiefer die Karosserie, desto spitzer ist der Winkel.
  • Wattiefe: Dieser Wert gibt an, Gewässern welcher Tiefe der Wagen “gewachsen” ist. Wer durch Wasser fahren möchte, sollte diesen Wert kennen, auch wenn er in der Praxis nicht unbedingt mit der maximal schadfrei überwindbaren Wassertiefe gleichzusetzen ist.
  • Bereifung: Die richtigen Reifen können die Geländegängigkeit eines Wagens immens steigern. Doch der Käufer sollte sich überlegen, welche Pneus er in der Praxis tatsächlich braucht. M/T-Reifen (also Mud-Terrain-Reifen) sind zwar eine grobstollige Geheimwaffe, mit der ein Berg, der nicht überwunden, auch mal abgetragen werden kann, sie sind auf Beton aber nahezu unbrauchbar. Der Bremsweg verlängert sich, die Abrollgeräusche werden unerträglich. Wer wirklich viel ins Gelände fährt, sollte sich einmal über A/T-Reifen (All-Terrain) informieren. Auf schwierigem Untergrund sollte der Reifendruck reduziert werden.
  • Allradantrieb: Verfügt das Fahrzeug über Allradantrieb, wenn ja, permanent oder zuschaltbar? Wird der Allradantrieb manuell zugeschalten sollte man daran denken, diesen auch wieder auszuschalten, wenn man sich wieder am Asphalt bewegt
  • Geländereduktion: Unter der Reduktion versteht man ein zweistufiges Verteilergetriebe, bei dem die Gänge, zusätzlich zur normalen Straßenübersetzung, noch einmal deutlich kürzer übersetzt sind. So kann das Fahrzeug schon bei niedrigen Geschwindigkeiten viel Drehmoment an die Räder schicken. Im Volksmund wird die Reduktion auch „Untersetzung“ genannt, was sprachlich aber falsch ist. Die Gänge sind nicht klein und dick, also untersetzt, sondern immer noch übersetzt. Nur eben kürzer.
  • Differentialsperren: Über welche Sperren verfügt das Fahrzeug, und wie werden sie aktiviert? Für Fahrten im anspruchsvollen Gelände ist das Sperrdifferenzial der richtige Begleiter. Auch hier gilt aber, dass die Sperren deaktiviert sein müssen, wenn man wieder am Asphalt unterwegs ist.
  • Elektronische Helfer: Über welche elektronische Helfer zum Geländefahren verfügt das Fahrzeug? ESP und Traktionskontrolle, oder auch moderne Assistenzsysteme bzw. Einstellungsmöglichkeiten zum Offroad-Fahren? Was können diese genau, für welche Situationen wurden sie entwickelt und wie werden sie aktiviert?
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© Bild: Andreas Riedmann
In modernen Geländewagen gibt’s schon jede Menge elektronischer Unterstützung, die auch gleich visualisiert wird. Die Assistenzsysteme denken mit.

2) Eine Frage der Einstellung

Für Fahrten im Gelände sind die richtige Sitzposition und die Sicherung im Sitz besonders wichtig. Für die Einstellung vor dem Fahrtantritt sollte man sich also besonders viel Zeit nehmen, insbesondere, wenn man ein fremdes Fahrzeug übernimmt.

Echte Geländewagen zeichnen sich durch ein kantiges, geradliniges Design aus. Dabei handelt es sich nicht um eine Geschmacksfrage, sondern um eine Notwendigkeit. Der Fahrer weiß so, wo das Auto anfängt und aufhört und kann besser abschätzen, wie viel Platz er hat. Durch die steilen Scheiben ist außerdem die Rundumsicht vorbildlich.

3) Eine Geländebegehung ist nötig

Gebetsmühlenartig wird jeder Experte wiederholen, wie wichtig eine Geländebegehung ist. Flussdurchfahrten müssen durchschritten, brackige Pfützen mit einem Stock kontrolliert werden. Und überhaupt: passt mein Auto durch diese beiden Felsen wirklich durch oder nicht? Dazu ist es dringend notwendig sein Auto gut abschätzen zu können.

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© Bild: Andreas Riedmann

4) Langsam offroad fahren

Offroad fahren bedeutet langsam fahren. Wer zu schnell unterwegs ist, kann sich schon mit kleineren Steinen Löcher in die Ölwanne schlagen oder mit wenig tiefen Löchern die Achsen brechen. Und das in Situationen, in denen vielleicht keine Ortschaft oder gar eine Werkstätte erreichbar ist.

Geschwindigkeit ist im Gelände ein Feind. Bei extremen Ausflügen – beispielsweise im Australischen Outback – werden an manchen Tagen kaum zwanzig Kilometer zurückgelegt. Auf echten Trail-Touren sind es gerade einmal drei Kilometer.

5) Gleichmäßig offroad fahren

Wer bergauf oder durch ein Schlammloch will sollte vor allem eines beachten: gleichmäßig Gas geben. Der Fahrer des Mitsubishi Pajero Edition 35 darf sich nicht irritieren lassen. Natürlich drehen hier und da Räder durch. Aber eben nur auf der Suche nach Halt, der bei zwei gesperrten Differentialen schnell gefunden ist. Wer vom Gas geht, riskiert hoffnungslos im Schlammloch zu versinken. Wer hektisch am Gaspedal herumtritt, riskiert einen Schaden am Wagen.

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© Bild: Andreas Riedmann

6) Bergauf, bergab

Wer einen steilen Hang hinauf fahren möchte, braucht dafür Schwung und Traktion. Es muss genügend Drehmoment aufgebaut werden, ohne dass durch den zu beherzten Tritt aufs Gaspedal die Räder durchdrehen. Der Fahrer muss die richtige Gangwahl treffen und sollte den Hang möglichst gerade ansteuern. Ist man erst einmal am Weg nach oben, sollte man nicht schalten oder gar auskuppeln, sonst läuft man Gefahr am Hang stehen zu bleiben. Wenn das passiert sollte man im Rückwärtsgang wieder hinunter fahren und einen neuen Anlauf wagen. Gut ist es, das Bergauffahren auf kürzeren Steigungen zu üben, bevor man sich auf die großen Hügel (oder Berge?) wagt.

Wer einen steilen Hang hinunter will, muss erst einmal die Geländereduktion aktivieren und einen niedrigen Gang einlegen. Dann den Hang wiederum möglichst gerade anfahren und den Wagen einfach rollen lassen. Dank der kurzen Übersetzung reicht die Motorbremskraft aus, um das Auto nicht zu schnell werden zu lassen.

7) Keine Panik bei Schräglage

Wer offroad fährt, gerät früher oder später in Schräglage. Das kann sich für Offroad-Neulinge zwar sehr befremdlich anfühlen, ist oft aber weniger extrem, als es vom Fahrzeuginneren aus den Anschein macht. Der Kippwinkel gibt an, wie schräg es werden darf, bevor das Fahrzeug umkippt. Niedrigere und breitere Fahrzeuge sind hier im Vorteil. Nicht außer acht gelassen darf eine etwaige Schwerpunktverlagerung durch die Beladung, beispielsweise ein Dachzelt. Auch die Bewegung hat einen Einfluss auf den Kippwinkel.

8) Wasserfahrt

Ein Gewässer liegt vor dem Fahrzeug, die Wattiefe (siehe oben) stimmt, also fährt man einfach hinein? Lieber nicht – denn das Fahren durch Wasser birgt viele Risiken. Beispielsweise kann die Wassertiefe innerhalb des selben Gewässers stark variieren, auch der Untergrund ist ein Risikofaktor. Hindernisse wie Felsbrocken können komplett unter der Wasseroberfläche verborgen liegen und sich erst bemerkbar machen, wenn man sie touchiert. Es empfiehlt sich also jedenfalls, vor der Wasserfahrt genau den Weg zu Fuß abzugehen, den man mit dem Geländewagen nehmen möchte. Geprüft werden sollte der Weg über die gesamte Fahrzeugbreite.

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© Bild: Werk
Mercedes G in Aktion

9) Festgefahren – was tun?

Auch mit dem besten Offroader geht es manchmal einfach nicht weiter. Man kann versuchen, sich durch Rückwärtsfahren auf dem selben Weg zu befreien, auf dem man sich in die missliche Lage begeben hat. Auch ein Aufschaukeln kann in manchen Fälle helfen. Man sollte aber genau im Auge behalten, ob man sich durch die verzweifelten Befreiungsversuche nicht noch weiter festfährt. Oft hilft es nur mehr, Hilfe zu rufen.