
Wer kennt sie nicht aus dem Urlaub im Süden – die kleinen, wendigen Geländewagen von Suzuki, mit denen man mühelos auch den entlegensten Strand in Griechenland erreichen konnte. Der Klassiker SJ „Samurai“ wurde seit 1981 gebaut. Seit 1998 firmiert die dritte Generation des SJ als „Suzuki Jimny“ und erfreut sich weiterhin größter Beliebtheit als Arbeitstier für den heimischen Forst oder Funcar für südliche, schlaglochgepflasterte Landstraßen.
Zwei Jahrzehnte lang wurde der Nachfolger des SJ Samurai gebaut, als geschlossene Variante und als beliebtes Cabrio. Gegenüber dem spartanischen Samurai hat der Jimny deutlich an Komfort zugelegt, jedoch nichts an Geländegängigkeit eingebüßt. Die kurzen Überhänge vorne und hinten ermöglichten Böschungswinkel bis zu 42°. Angetrieben wurde der erste Jimny von einem 1,3 Liter-Benzinmotor mit 59 kW (80 PS) und einem serienmäßigen Hinterradantrieb mit Option auf Allradantrieb.


2005 erfolgte eine Modellpflege, der Jimny erhielt eine neue Frontpartie und einen neuen 1,5 Liter Common-Rail-Dieselmotor mit 63 kW (86 PS). Der Benzinmotor wurde ebenfalls auf die gleiche Leistung angepasst, allerdings verfügte der Dieselmotor mit 200 Nm über deutlich mehr Drehmoment als die Benzin-Variante (110 Nm). Allradantrieb war bereits bei den Modellen ab 2011 serienmäßig. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h wollte man ohnehin nicht zu oft erreichen.
Die geschlossene Version wurde seit jeher in Japan produziert, die Cabrio-Variante und die Dieselmodelle für den europäischen Markt vom spanischen Geländewagenhersteller Santana Motors. Mit der Schließung des Santana-Werks 2011 wurde auch die Produktion des Cabrios für Europa eingestellt. Das führte dazu, dass für bei Santana gebaute Modelle mit der Fahrgestellnummer VSEx – insbesondere das Cabrio – die Ersatzteilversorgung nicht mehr sichergestellt war. Gerade weil das Cabrio nicht mehr hergestellt wird, erzielen gut erhaltene und gepflegte Modelle mittlerweile Höchstpreise – mit bis zu 15.000 Euro muss man rechnen. Allerdings berichten Besitzer von schwankender Verarbeitungsqualität und starken Korrosionstendenzen der bei Santana gebauten Fahrzeuge. Die in Japan gebauten geschlossenen Gebrauchtmodelle erzielen ebenfalls noch Preise bis zu 10.000 Euro.


Im Jahr 2012 erfolgte eine erneute Modellpflege mit modifizierter Front, neuem Kühlergrill und geänderten Stoßfängern. Die Ausstattung wurde ebenso aufgewertet.
Suzuki Jimny GJ (ab 2018)
2018 wurde die zweite Generation des Suzuki Jimny präsentiert, zuerst in Japan, dann in Europa. In Europa wird das Modell nur als Nutzfahrzeug der Klasse N1 angeboten, also mit nur zwei Sitzen und Trenngitter zum Laderaum. Hintergrund ist der zu hohe Verbrauch für die PKW-Flottenemissionsziele. Dementsprechend wird auch in Europa keine Cabrio-Version mehr angeboten, ebenso wenig der Dieselmotor. Angetrieben wird die zweite Generation nur mehr durch einen 1,5 Liter-Benzinmotor mit 75 kW (102 PS) sowie Allradantrieb. Der Verbrauch liegt laut Herstellerangaben bei etwa 7,7 Liter Superbenzin und der CO2-Emissionswert nach WLTP befindet sich mit 173 g/km im Spitzenfeld – trotz geringem Eigengewicht von maximal 1.113 kg.
Ausstattung und Fahrwerk
Außerhalb Europas ist die zweite Generation des Suzuki Jimny noch mit vier Sitzen erhältlich und vor allem in Urlaubsregionen als Leihauto und für Arbeiten im Gelände beliebt. Gerade die Geländegängigkeit ist sein Trumpf: der Fahrer kann manuell zwischen Zweiradantrieb, Allradantrieb oder Untersetzung wechseln. Durch den Einsatz eines Differentialgetriebes mit Sperrwirkung und einem maximalen Drehmoment von 130 Nm meistert der Suzuki Jimny auch unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten und steile Böschungen. Der Böschungswinkel beträgt vorne 37°, hinten sogar 49°. Die Bodenfreiheit wird mit 210 mm angegeben. Bergab- und Berganfahrhilfe unterstützen zusätzlich im unwegsamen Gelände oder bei Schneefahrbahn.
Anhängerlast
Der Offroader kann außerdem Anhängelasten bis 1.300 kg (gebremst) ziehen, ungebremst allerdings nur bis 350 kg. Das Kofferraumvolumen beträgt 863 Liter, da es keine hintere Sitzreihe gibt.
Sicherheit
Die zweite Generation verfügt bereits über einen automatischen Notbremsassistenten, Spurhalteassistenten, Müdigkeits- und Verkehrszeichenerkennung. Im NCAP-Crashtest hat der Suzuki Jimny 2018 allerdings nicht so gut abgeschnitten. Während Insassen- und Kindersicherheit noch passabel waren, wurde vor allem fehlende Sicherheitssysteme und die Fußgängersicherheit bemängelt – kein Wunder bei der kantigen Außenform. Daher gab es insgesamt nur drei von fünf Sternen.
Preis
Privatkunden können den Suzuki Jimny in Österreich als nicht vorsteuerabzugsfähigen Klein-LKW erwerben. Für Gewerbetreibenden steht das vorsteuerabzugsfähige Modell mit verblechten Fenstern und ebenem metallischen Ladeboden zur Verfügung. Die Preise starten bei 23.990 Euro (inkl. MWSt und 3 % NoVA). Der Fiskal-LKW-Umbau kostet 390 Euro extra.
Fazit
Der Suzuki Jimny ist ein Arbeitstier, komfortables Fahren mit vielen Assistenzsystemen darf man sich nicht erwarten. Trotzdem hat er großes Kultpotential und gebrauchte Modelle der ersten Generation erzielen Höchstpreise, vor allem die seit 2011 nicht mehr gebauten Cabrios. Wer also geländegängiges Cabrio-Feeling – vielleicht auch noch zu viert – genießen will, wird sich auch in Zukunft auf dem Gebrauchtwagenmarkt umsehen müssen. In Europa wird seit 2018 nur mehr eine zweisitzige Klein-LKW-Variante angeboten.