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Lauda im Jahr 1975
 

Niki Lauda: Formel 1-Legende aus Österreich

Am 22. Februar wird Niki Lauda 70 Jahre alt. Ein guter Anlass, die Karriere der österreichischen Formel 1-Legende Revue passieren zu lassen.

15.02.2019 APA

Am 22. Februar 2019 wird Niki Lauda 70 Jahre alt. Geboren wurde der dreifache Formel 1-Weltmeister und Flug-Unternehmer, dessen voller Name übrigens Andreas Nikolaus Lauda lautet, 1949 in Wien als Sohn einer Industriellenfamilie. Sieben Jahrzehnte später zählt “Niki”, dessen rotes Kapperl zu seinem Markenzeichen wurde, zu den bekanntesten lebenden Österreichern und kann auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken, die auch der dramatische Unfall im Jahr 1976 auf dem Nürburgring nicht beenden konnte. Insgesamt drei Weltmeistertitel sollte Lauda in der Königsklasse des Motorsports einfahren.

Leidenschaft für Motorsport

Seine Rennfahrer-Karriere, die ihn von Rundstreckenrennen über die Formel 3 und die Formel 2 bis in die Formel 1 führte, finanzierte Lauda selbst. Dass er sich deshalb mit einem Teil der wohlhabenden Familie überwarf, tat seiner Motorsport-Leidenschaft keinen Abbruch. Sein Debüt in der Königsklasse des Motorsports beging Lauda im August 1971 auf dem Österreichring. Bei dem Rennen kam er nicht ins Ziel – dennoch setzten die Österreicher große Hoffnungen in den damals 21-jährigen, insbesondere, nachdem Jochen Rindt 1970 tödlich verunglückt war und Helmut Markos aktive Rennfahrerkarriere nur zwei Jahre später durch eine schwere Augenverletzung beendet wurde.

© Bild: Allsport UK /Allsport

Niki Lauda im Marlboro-BRM beim England-Grand Prix in Silverstone 1973.

Von March über BRM bis zu Ferrari

Laudas Formel 1-Karriere begann 1971 mit einem Kredit über zweieinhalb Millionen Schilling, mit dem er sich beim britischen Rennstall March einkaufte. Die drauffolgende Saison verbrachte der Wiener ebenfalls bei March, bevor er 1973 zu BRM wechselte. In diesem Jahr bekam Lauda nach einer beeindruckenden Leistung beim Grand Prix von Monaco schließlich ein Cockpit bei Ferrari angeboten. In seiner ersten Saison für die Scuderia 1974 fuhr Lauda fünf Siege ein, ein Jahr später folgte bereits der erste Weltmeistertitel.

Niki Laudas schicksalhafter Feuer-Unfall am Nürburgring

1976 kam es schließlich zu jenem schicksalhaften Unfall, der Lauda beinahe das Leben gekostet hätte. Am 1. August, dem Tag, an dem auch die Wiener Reichsbrücke einstürzte, war Lauda nach einem Defekt an seinem Boliden in die Streckenbegrenzung am Nürburgring gerast. Über eine halbe Minute lang saß er im brennenden Ferrari, bevor er aus dem Wrack gezogen werden konnte und mit lebensgefährlichen Verbrennungen und Lungenverätzungen sowie Kiefer- und Rippenbrüchen ins Krankenhaus gebracht wurde. Es folgten der Überlebenskampf in einer Mannheimer Klinik sowie mehrere Hauttransplantationen. Von einem Priester wurde ihm sogar die letzte Ölung verabreicht – zu vorschnell, wie sich bald herausstellen sollte.

© Bild: APA/DPA

Niki Lauda am 01. August 1976 bei seiner Einlieferung in eine Ludwigshafener (D) Spezialklinik für Verbrennungen. Wegen seiner schweren inneren Verletzungen wurde Lauda noch am Abend des Unfalltages auf die Intensivstation der Universitätsklink Mannheim verlegt.

Comeback nach nur sechs Wochen

Denn nur sechs Wochen nach dem Unfall kehrte Lauda in Monza auf die Rennstrecke zurück und kam als Vierter ins Ziel. Den möglichen WM-Titel im selben Jahr gab er allerdings auf, weil es ihm im abschließenden Regenrennen von Fuji zu gefährlich war – James Hunt wurde mit einem Punkt Vorsprung Weltmeister. Der damaligen Rivalität zwischen Lauda und dem Briten wurde mit dem 2013 uraufgeführten Spielfilm “Rush” (gibt’s z.B. hier zu kaufen) ein filmisches Denkmal gesetzt.

Niki Lauda: zweiter Weltmeister-Titel 1976

Bereits ein Jahr später fuhr der Wiener, der seine Narben seit dem Unfall meist mit einer roten Kappe verdeckte, aber schon seinen nächsten Weltmeistertitel für Ferrari ein.  In diesem Jahr startete er auch seinen ersten Versuch als Airliner. Erst mit zwei Chartermaschinen, dann ab 1979 mit der Lauda Air, mit der er dem damaligen staatlichen Monopolisten AUA Konkurrenz machen wollte. 1979 trat Lauda mit den berühmen Worten “ich will nicht mehr blöd im Kreis herumfahren” zurück, um drei Jahre später wieder ein Comeback zu geben – dieses Mal bei McLaren – und 1984 seinen dritten Titel zu feiern. Mit Ende der Saison 1985 beendete Lauda seine Fahrerkarriere schließlich endgültig. Der Formel 1 bliebt er aber als Berater – für Ferrari fädelte er etwa das Engagement von Michael Schumacher ein – erhalten.

© Bild: APA/AFP/GABRIEL DUVAL

Niki Lauda und sein damaliger McLaren-Teamkollege Alain Prost am 21. Oktober 1984 anl. des GP von Portugal in Estoril.

Von der Formel 1 zur Luftfahrt

Die Lauda Air ging 1990 an die Börse. Der dunkelste Moment von Laudas Luftfahrtkarriere ereignete sich am 26. Mai 1991, als eine Boeing 767 seiner Luftlinie nach dem Start in Bangkok abstürzte und 223 Menschen tödlich verunglückten. Ende 2000 zog sich Lauda aus der Geschäftsleitung der Lauda-Air zurück. Die Airline wurde 2001 von der AUA zur Gänze geschluckt. Da war Lauda schon Rennleiter und später ein etwas glückloser Teamchef bei Jaguar in der F1. Deshalb pendelte der rastlose Unternehmer bald auch wieder zur Fliegerei. 2003 übernahm Lauda die Mehrheit an der Aero Lloyd Austria und gründete eine neue Luftlinie, die 2004 Niki bzw. flyniki genannt wurde. In diesem Jahr war der umtriebige Lauda kurz auch ÖBB-Aufsichtsrat. 2011 verkaufte er seine Airline zur Gänze Air Berlin. 2012 wurde Lauda 10-prozentiger Anteilhaber und Aufsichtsratsvorsitzender beim Mercedes-Formel-1-Team. Weil 2017 die Air Berlin selbst in die Insolvenz gerutscht war, eröffneten sich Lauda geschäftlich neue Chance: Obwohl Niki schon fix der Lufthansa versprochen schien, entschied sich der österreichische Gläubigerausschuss im Jänner 2018 überraschend, Laudas Firma Laudamotion den Zuschlag für Niki zu erteilen. Zwei Monate später stieg Ryanair bei Laudamotion ein. Ende 2018 übernahmen die Iren Laudamotion zur Gänze, der Österreicher blieb aber Chairman.

© Bild: Clive Mason/Getty Images

Niki Lauda und der amtierende Formel 1-Weltmeister Lewis Hamilton 2017.

Niki Laudas Lungentransplantation macht 2018 weltweit Schlagzeilen

Offenbar wusste Lauda über die Schwere seiner aktuellen gesundheitlichen Probleme, als er im Juli 2018 wegen eines Virus bzw. einer vermeintlichen Sommergrippe seinen Ibiza-Urlaub abbrach und sich in ärztliche Behandlung begab. Deshalb musste er auch die Grand-Prix-Rennen in Deutschland und Ungarn auslassen. Als der prominente Patient schon auf dem Weg der Besserung schien, kamen lebensgefährliche Komplikationen mit der 42 Jahre davor verätzten Lunge hinzu, was letztlich eine Organ-Transplantation im Wiener AKH nötig machte. Nach einer intensiven Reha wurde er im Herbst entlassen, musste im Jänner 2019 wegen einer Influenza aber wieder ins Krankenhaus.

Steckbrief Niki Lauda:

Voller Name: Andreas Nikolaus Lauda
Geboren: 22. Februar 1949 in Wien
Familienstand: verheiratet in zweiter Ehe mit Birgit, gemeinsame Zwillinge Max und Mia; aus erster Ehe mit Marlene entstammen die Söhne Lukas und Mathias; Bruder Florian

Erster Grand Prix-Start: 15. August 1971 in Österreich
Letzter Grand Prix-Start: 3. November 1985 in Australien
Grand Prix-Starts: 171
Grand Prix-Siege: 25
Podestplätze: 54
Pole Positions: 24
Schnellste Runden: 24
Teams: March (1971-1972), BRM (1973), Ferrari (1974-1977), Brabham (1978-1979), McLaren (1982-1985)
Weltmeister-Titel: 1975, 1977 und 1984

Weitere Funktionen in der und um die Formel 1:

  • Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Teams (seit September 2012)
  •  Zehn-Prozent-Anteilhaber am Mercedes-Team (seit September 2012)
  • 22 Jahre lang und bis 2017 Experte beim Kölner TV-Sender RTL

Wichtigste Stationen als Luftfahrtunternehmer:

  • 1979 gründet Lauda die Lauda Air, die er 2001 an den Konkurrenten
    AUA verkauft
  • 1991 Absturz der Boeing 767 “Mozart” der Lauda Air in Thailand mit
    223 Toten
  • 2003 gründet Lauda die Fluglinie Niki (flyniki), die er 2011 zur
    Gänze an Air Berlin verkauft
  • Im Jänner 2018 übernimmt Lauda aus der Insolvenzmasse der Air
    Berlin die Niki, führt sie als Laudamotion – und verkauft sie im Juli
    zu 75 Prozent und Ende 2018 komplett an Ryanair, bleibt aber Chairman

Auszeichnungen: Österreichs Sportler des Jahres (1977), Verleihung Laureus (“Sport-Oscar”) für Lebenswerk (2016)

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